Summer Breeze 2026 – Navigation
Dienstag, 11. August 2026
Ghetto Justice | Die Habenichtse | Motorjesus | Hackneyed
Mittwoch, 12. August 2026
Blasmusik Illenschwang | Persecutor | Neckbreakker | King Nugget Gang | The Narrator | Airbourne | Green Lung | Urne | Bandankündigung 2027 | In Flames | Hatebreed | Cân Bardd | Alcest
Donnerstag, 13. August 2026
Our Promise | Fireborn | From Fall To Spring | Broken By The Scream | Grand Magus | Northlane | Deserted Fear | Kim Dracula | Imminence | Saltatio Mortis (Surprise Show) | Saxon | Mittel Alta | Fit For An Autopsy | Eisbrecher | Mushroomhead | Amorphis | Dartagnan
Freitag, 14. August 2026
Nanowar Of Steel | Brainstorm | Future Palace | Brothers Of Metal | TBS | Unprocessed | The Ghost Inside | Deicide | Lamb Of God | Perchta |
Arch Enemy | Der Weg Einer Freiheit | Ten56. | DeafheavenSamstag, 15. August 2026
Heavysaurus | Parasite Inc. | Skeleton Pit | Bloodred Hourglass | Wucan | Orbit Culture | Testament | Decapitated | Alestorm | Soulfly | Helloween |
Paleface Swiss | Thy Art Is Murder | Soen | Møl
Es gibt immer einen Grund zu feiern, sagt der Volksmund. Im Fall des SUMMER BREEZE muss man sich um den entsprechenden Anlass jedoch keinesfalls Gedanken machen. Kurioserweise bedeutet die bewegte Geschichte des süddeutschen Open Airs zugleich in fast jedem Jahr ein neues Jubiläum: Ob es nun ein runder Geburtstag ist, die 25. Auflage im Jahr 2024 oder – wie in diesem Sommer – die zwei Dekaden am derzeitigen Veranstaltungsort vollgemacht werden, aus den Feierlichkeiten kommt das zweitgrößte Metal-Festival des Landes kaum noch heraus. Zumal am Horizont bereits der nächste zu knackende Meilenstein wartet, der bereits in diesem Jahr seinen Schatten vorauswirft.
Zunächst allerdings konzentriert sich alles auf das Hier und Jetzt, genauer gesagt das mittelfränkische Dinkelsbühl, wo man zum 20-Jährigen vor allem den Wohlfühlfaktor in den Fokus gerückt hat: Dass das SUMMER BREEZE als gänzlich unabhängige Großveranstaltung auch das Befinden seiner Besucher:innen in die Planungen mit einbezieht, konnte man schon in der Vergangenheit beobachten, wo etwa im Infield Bäume gepflanzt wurden, um künftig zusätzlichen Schatten zu spenden. Als Dank halten die Fans der Open Air-Veranstaltung die Treue: So schnell wie 2026 war das Festival noch nie ausverkauft.
Und weil dieses Geben und Nehmen kein bloßes Lippenbekenntnis bleiben soll, waren im Vorfeld bereits weitere Neuerungen durchgedrungen, die den Alltag für alle Besuchenden angenehm halten und bewährte Effizienz wie das unkomplizierte Cashless-System oder die weitgehend staufreie Anreise per Slotbuchung ergänzen sollen.
Dienstag, 11. August 2026

Die abermals erhöhte Zahl an Spültoiletten ist dabei der Faktor, der sich schon am Frühanreisetag auf dem weitläufigen Camping-Areal bemerkbar macht und für Entlastung während der Stoßzeiten sorgt. Der praktische Nebeneffekt: Die weiter verbesserte sanitäre Infrastruktur ermöglicht eine schnellere Rückkehr zum eigentlichen Geschehen, sei es nun dem „Mario Kart“-Turnier des Fliesentisch Imperiums, dem neu eingeführten „Burgstall“-Biergarten oder dem knackigen Dienstagsprogramm auf der kleinen Campingplatz-Bühne.
Dort steht am heutigen Tag zwar keiner der großen Headliner IN FLAMES, ARCH ENEMY, EISBRECHER oder HELLOWEEN auf den Brettern, dafür aber vier komplett unterschiedliche Vertreter des knapp 130 Bands starken Billings. Dementsprechend gespannt sind wir, als wir nachmittags in gemütlichem Tempo über den Campsite Circus schlendern. Am allgemeinen Rahmen hat sich nichts verändert: Ein riesiger Clown streckt hinter dem FOH-Turm mit grinsender Fratze seine Finger nach der Bühne aus, vor der schon eine Gruppe ungeduldiger Fans wartet.
Die wenigen Schattenplätze vor der Bühne sind schon vor Spielbeginn begehrt

Diese begehrten Plätze sind schnell weg, finden sich doch dort einige der wenigen Flecken, welche die brütende Sonne zu dieser Tageszeit nicht mehr erreichen kann. Alternativ bietet am anderen Ende des Areals ein Zelt nicht nur Zuflucht, sondern zugleich ein Stück Metal-Kultur: Mit Thomas Ewerhard, Björn Goosses, Giannis Nakos sowie Lara Subterranean stellen gleich vier Cover-Künstler:innen Höhepunkte ihres Schaffens aus. Nebst Supermarkt, Café und Imbissmeile eine weitere schöne Gelegenheit, sich während der Spielpausen die Zeit zu vertreiben.
GHETTO JUSTICE

Da die Schlange vor dem Festivalsupermarkt schon jetzt ein paar Minuten Wartezeit verspricht, folgen wir dem Rat des Pappschilds aus der ersten Reihe: „Dann geh‘ doch zu Ghetto (Justice)“, lautet der Schriftzug im Stil eines bekannten Discounters. Dort versammelt sich zwar bereits eine ungleich größere Menge, statt der zweiten Kasse eröffnen GHETTO JUSTICE aber lieber den Pit, um alle Interessenten gleichzeitig bedienen zu können.
Im Angebot ist brachialer Hardcore, den die Berliner kaltschnäuzig und mit Nachdruck kredenzen: Binnen Minuten finden wir Shouter Nico am Wellenbrecher, um sich das Chaos im Zentrum ein wenig genauer anzusehen. Dass da trotz guter Stimmung noch mehr gehen müsste, scheint der allgemeine Konsens auf den Brettern, weshalb man für „Body Music“ eine geräumige Luftmatratze als provisorische Stagediving-Plattform hervorkramt, bevor sich die Band doch erst einen Circlepit um das gute Stück wünscht.
GHETTO JUSTICE-Frontmann Nico wagt sich in die Menge

Lange dauert es dennoch nicht, bis sich die Fans im Versuch, einen der wenigen Plätze zu ergattern, regelrecht übereinanderstapeln. Sieben Personen zählen wir in der Spitze auf dem improvisierten „Floß der Medusa“, das schließlich doch irgendwann zum Kentern verdammt ist. Immerhin ist dann Platz für Frontmann Nico, der den Ausflug in die Menge sichtlich genießt.
So viel Einsatz bleibt nicht unbelohnt: Während des 2 UNLIMITED-Covers „No Limit“ revanchieren sich GHETTO JUSTICE mit einer Handvoll kostenloser T-Shirts, die nur Sekunden später über den Köpfen der Anhänger:innen kreisen und so im Idealfall für ein kleines bisschen Abkühlung sorgen. Und für alle, die leer ausgingen und schon jetzt nassgeschwitzt an einen Kleiderwechsel denken müssen, bietet sich der im Anschluss umlagerte Merch-Bereich an, wo es das erwähnte Discounter-Logo praktischerweise auch in Textilform zu erwerben gibt.
Fotogalerie: GHETTO JUSTICE











DIE HABENICHTSE

Saubere Klamotten hätten DIE HABENICHTSE eigentlich auch nötig, doch ihre Prioritäten sind zumindest gesetzt: „Lieber dreckig als braun“, liest sich der Slogan auf so mancher Fanbrust, während Sängerin Ronja während des Soundchecks noch den bevorstehenden „Waschtag“ beklagt.
Selbiger soll uns später noch in vollem Glanz erwarten, zunächst aber geht es mit den „Spelunkenvagabunden“ auf feuchtfröhliche Kneipentour. Dass der ungezwungene Folk Rock der Hannoveraner gut ankommt, ist derweil kaum zu überhören: „Auf die Main!“, fordern die Anhänger:innen binnen Minuten – ein Gedanke, dem Frontmann Roderik keineswegs abgeneigt scheint.
Für DIE HABENICHTSE dreht sich alles um den flüssigen Genuss

Bevor es aber auf die große Bühne geht, nutzen DIE HABENICHTSE die ausgelassene Stimmung, um schon einmal vorzufühlen: Während „Urlaub im Mittelalter“ zieht plötzlich eine Polonaise an unserer Nase vorbei, die wir – das wollen wir vorwegnehmen – während dieser Dreiviertelstunde nicht zum letzten Mal gesehen haben. Kurz darauf übt die Band zur neuen Single „Schorle“ die ganz eigene Interpretation einer obligatorischen Festivalaktivität: Aufgeteilt in Wein und Mineralwasser mischen sich beide Seiten des Publikums während der „Schorl‘ of Death“ zum titelgebenden Mixgetränk. Ein Fleißsternchen für die kreative thematische Einbindung.
Denn im Bandkosmos dreht sich genretypisch natürlich fast alles um den flüssigen Genuss: Vom Circle Pit in „Flaschendrehen“ bis zum gemeinsam mit der Menge rezitierten Märchen „Humpenstielzchen“ führen uns DIE HABENICHTSE am Ende des Tages immer wieder zurück zur Flasche – oder eben in die Taverne, wie es zum Abschluss heißt, während die taumelnde Polonaise zwischen den Zuschauer:innen immer noch den Weg zum Tresen sucht.
DIE HABENICHTSE Setlist
1. Spelunkenvagabunden
2. Urlaub im Mittelalter
3. Flaschenkind
4. Ode an die Unterhose
5. Schorle
6. Waschtag
7. Räudig, laut und unbequem
8. Humpenstilzchen
9. Flaschendrehen
10. Taverne, Taverne
Fotogalerie: DIE HABENICHTSE
















MOTORJESUS

Eher traditionelles Fäuste Recken ist bei MOTORJESUS angesagt, obwohl auch die Nordrhein-Westfalen durchaus wissen, wie man ein feierwütiges Publikum bei Laune hält. Wir meinen dabei weniger den als Mechatroniker verkleideten Komparsen, der während „Hellbreaker“ über die Bühne stürmt und seine überdimensionalen Schraubenschlüssel schwingt, sondern den sogenannten (Schwimm-)„Reifen der Apokalypse“, welchen die Band vor „Motor Discipline“ in die Menge wirft. Der Auftrag ist klar: „Einer muss da rein“, weist Frontmann Chriz an, bevor sich die Crowdsurfer regelrecht um das Privileg prügeln, mit dem begehrten Objekt nach vorne zu segeln.
Ansonsten halten es MOTORJESUS etwas konservativer: Den Klassiker „Fuel The Warmachine“ begleiten dutzende Fäuste, während das treibende „Somewhere From Beyond“ für Bewegung in der Mitte sorgt, welche sich in „King Of The Dead End Road“ schließlich zum Circle Pit steigert.
MOTORJESUS verteilen sogar einen Schwung Dosenbier

Keine Frage, die Band ist nicht nur gut eingespielt, sie bringt auch jede Menge Zug mit, weshalb sie sich die allgemeine Gunst gar nicht hätte erkaufen müssen. Dass der leibhaftige Motorjesus zum Finale „Return Of The Demons“ trotzdem einen ganzen Schwung Dosenbier an die erste Reihe verteilt, sorgt natürlich dennoch für Sympathiepunkte.
MOTORJESUS Setlist
1. Trouble in Motor City
2. Dead Army
3. Somewhere From Beyond
4. Hellbreaker
5. Fuel The Warmachine
6. King Of The Dead End Road
7. Motor Discilpine
8. Return Of The Demons
Fotogalerie: MOTORJESUS












HACKNEYED

Das SUMMER BREEZE 2026 mag offiziell noch gar nicht gestartet sein, doch für viele ist der bevorstehende Auftritt schon jetzt ein kleiner Höhepunkt im viereinhalbtägigen Programm. Mit HACKNEYED verbindet das Open Air schließlich eine besonders lange Geschichte, wie Shouter Philipp nach „Bugging For Mercy“ erklärt: Vor zwei Dekaden schlug der damals 16-jährige Sänger noch selbst sein Zelt auf dem Acker auf. Nun also im Rahmen der eigenen Jubiläumsshows noch einmal auf diesen Brettern zu stehen, sei emotional besonders erfüllend.
Dabei geht die gemeinsame Geschichte noch viel tiefer: Das erste Demo habe man damals noch persönlich bei Festivalchef Achim Ostertag in den Briefkasten geworfen – der Startschuss einer Karriere, die nun eine Stunde lang zelebriert werden soll. Dass sich Ostertag selbst den Auftritt also nicht entgehen lassen würde, ist nachvollziehbar. Belohnt werden der SUMMER BREEZE-Gründer wie auch die Fans mit einem schönen Querschnitt der HACKNEYEDschen Diskografie, angefangen bei „Ravenous“ von besagtem Demo über das walzende „March Of The Worms“ bis hin zum melodisch-groovenden „The Flaw Of Flesh“, wo erste Crowdsurfer nach vorne gleiten.
Ihre Hits sparen sich HACKNEYED natürlich für das Finale auf

Dass wir das Quintett eigentlich erst vor zwei Wochen mit identischem Set auf dem WISDOM TOOTH FESTIVAL erlebt haben, gerät angesichts der lebhaften Atmosphäre schnell in Vergessenheit. Wieder in Stammbesetzung inklusive des frischgebackenen Papas Alex zeigen sich HACKNEYED ohnehin gut eingespielt, so dass es nicht lange dauert, bis im Gemenge die Haarbüschel im Dutzend rotieren. Gesteigert wird das freilich zum Finale, wo es nach „Feed The Lions“ mit den beiden Bandhits „Deatholution“ sowie „Gut Candy“ nochmals zwei Argumente gibt, mit den ursprünglich als einmalig angedachten Reunion-Konzerten vielleicht doch noch in die Verlängerung zu gehen.
Gerade jetzt braucht schließlich auch die Death-Metal-Szene mehr Bands mit Haltung, die Bassist Fabi Fink stellvertretend für seine Jungs auch heute deutlich formuliert hatte. Für rechtes Gedankengut habe man keinen Platz auf den eigenen Shows oder diesem Festival, dafür aber mit „Finger On The Trigger“ symbolisch einen Song, der für sich sprechen sollte.
Fotogalerie: HACKNEYED





















Mittwoch, 12. August 2026

Die gute Nachricht: Wir haben eine ausgesprochen erholsame Nacht hinter uns. Die Schlechte: Wir wollen heute bis mindestens 2:00 Uhr nachts durchhalten. Glücklicherweise beginnt der erste Festivaltag des SUMMER BREEZE für gewöhnlich etwas ruhiger. Um eine entspannte Anreise zu ermöglichen, startet das Konzertprogramm erst nachmittags, sodass mehr als genug Zeit bleibt, sich mit den warmen Temperaturen zu arrangieren. Immerhin dürfen wir uns diese Woche ein wenig an die Hitzewelle herantasten, soll es doch bei wolkenlosem Himmel mit jedem Tag ein paar Grad heißer werden. Wer weiß, vielleicht sind wir ja bis Samstag entsprechend abgehärtet?
Für den Mittwoch jedenfalls ist der Angriffsplan größtenteils gemacht: Auch wenn die Überschneidung mit PARADISE LOST schmerzt, wollen wir den Headliner IN FLAMES keinesfalls verpassen. Auch ALCEST sind als Tagesabschluss auf der Main Stage für uns bereits gesetzt, wohingegen das restliche Tagesprogramm nach dem traditionellen Auftakt durch die BLASMUSIK ILLENSCHWANG Raum für spontane Entscheidungen lässt. Die partielle Sonnenfinsternis jedenfalls dürfen wir wahlweise mit AIRBOURNE oder GREEN LUNG erleben – die nötigen Brillen dafür haben wir selbstverständlich bereits gepackt.
Schattige Plätze und Lounge-Area: Das SUMMER BREEZE erhöht den Komfort auf dem Infield

Allzu lang wollen wir vor Spielbeginn ob der Hitze eigentlich nicht über das Infield schlendern, die vorab kommunizierten Neuerungen machen uns jedoch neugierig. Dezent überarbeitet hat das SUMMER BREEZE etwa den Zugang zur Hauptbühne, wo der Infoturm an den Rand wanderte und die Toiletten nun in einer neuen Nische untergebracht wurden. Chemiegeruch als Duftnote zum Headliner gehört auf dem linken Flügel nun der Vergangenheit an.
Interessanter wird es jedoch am oberen Ende des Geländes, wo sich zwischen Shoppinggassen, Haupteingang und der überdachten Rebel Stage ein völlig neues Bild offenbart. Angrenzend an den Biergarten spendet hier nun mit dem „Magic Sky“ ein weiteres gigantisches Runddach kostbaren Schatten: dank der zahlreichen Sitzgelegenheiten im Palletten-Look eine Wohlfühloase zum Ausspannen und Energie tanken. Im Kleinformat finden wir eine solche Zeltlounge ein paar Meter weiter Richtung T-Stage – heimelig eingerichtet mit zusätzlichen Deko-Pflanzen.
Bewegen wir uns noch etwas weiter, haben wir nun die Wahl: Angrenzend an die Trinkstation offeriert eine Laufdusche erfrischende Abkühlung, während auf der gegenüberliegenden Seite die vier im Vorjahr gepflanzten Bäume Zuflucht vor der Sonne bieten. Mit Einschränkung jedenfalls, denn aufgrund der anhaltenden Dürre präsentieren sich deren Baumkronen bereits Mitte August traurig karg.
BLASMUSIK ILLENSCHWANG

Wir richten somit den Blick lieber direkt in Richtung T-Stage, wo die Fans bereits die wichtigen Fragen stellen: „Wann Main?“, lesen wir auf dem empor gerichteten Pappschild. Denken wir an die vergangenen Jahre zurück, scheint die Forderung berechtigt, schließlich ist die BLASMUSIK ILLENSCHWANG als traditionelle Eröffnungskapelle seit jeher ein Stimmungsgarant.
Die Besucher:innen versammeln sich infolgedessen auch heute wieder zahlreich vor der Bühne, werfen sich wie selbstverständlich in den Moshpit oder üben das kollektive Rudern auf dem Hosenboden. Zwischen Schunklern und Prosit zeigt die Menge darüber hinaus bei „Fliege mit mir in die Heimat“ oder dem „Böhmischen Traum“ beachtliche Textsicherheit.
Mit „Bohemian Rhapsody“ covert die BLASMUSIK ILLENSCHWANG dieses Jahr einen Welthit

Dass sich zwischendurch sogar Festivalmaskottchen Mikey blicken lässt, gehört natürlich ebenfalls zum guten Ton. Die größte Überraschung aber serviert die BLASMUSIK ILLENSCHWANG schon zu Beginn der Show: Man habe sich was Neues einfallen lassen, kommentiert Dirigent Martin Krauß, bevor seine Kapelle mit QUEENs „Bohemian Rhapsody“ einen absoluten Welthit neu intoniert. Klar, die schiere Stimmgewalt Freddy Mercurys bleibt heute unerreicht, über eine originelle Interpretation mit fränkischem Akzent dürfen wir uns dennoch freuen.
Fotogalerie: BLASMUSIK ILLENSCHWANG





PERSECUTOR

Da wir bereits vor zwei Wochen ein Wiedersehen mit den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS feiern durften, zieht es uns heute zur überdachten Rebel Stage, wo zeitgleich PERSECUTOR ihren rohen Thrash Metal kredenzen. Mit klarem politischem Statement auf der Brust und einer Menge Wut im Bauch lassen die Dänen nichts anbrennen, als sie mit „Born In Blood“ das Gaspedal umgehend bis zum Bodenblech durchdrücken.
Dass Bassist und Sänger Christian Andrés Almanzas harsche Vocals eher im extremen Spektrum verortet sind, kommt uns derweil entgegen, insbesondere weil die allgemeinen Energiereserven zu diesem Zeitpunkt des Festivals noch gut gefüllt sind und wir ein bisschen zusätzliche Intensität gut vertragen können. Entsprechend funktioniert die Wall of Death in „Cannibal Island“ auf Anhieb, während es für den bald folgenden Circle Pit nur einen kleinen Anschubser seitens PERSECUTOR bedarf: „Did you fall asleep?“, so die Frage Almanzas, bedarf keiner ausführlichen Antwort, wenn doch auch ein anschließender Blick auf die rotierende Masse im Zentrum ausreicht.
Fotogalerie: PERSECUTOR
















NECKBREAKKER

„We’re here to kill every-fucking-body on this festival.” Frontmann Christoffer Kofoed hat augenscheinlich viel vor an diesem Nachmittag. Woher er die Energie nimmt, ist schnell erklärt: Die fünf Dänen sind gerade erst Anfang 20 und dürften sich wohl derzeit noch mitten in ihrer „Sturm und Drang“-Phase befinden.
Ungewöhnlich für ihr Alter ist hingegen die musikalische Ausrichtung: Klassischen Death Metal der alten Schule setzt es ab Sekunde eins, als „Face-Splitting Madness“ mit morbiden Riffs über Dinkelsbühl hereinbricht. Hier und da schießen die Fäuste nach oben, zumeist aber sind es die langen Mähnen der Besucher wie Musiker, die im Takt und häufig sogar synchron rotieren.
NECKBREAKKER-Shouter Christoffer zeigt Präsenz, enttäuscht aber stimmlich

Aus dem Rahmen fällt eigentlich nur Shouter Christoffer selbst, den wir mit Kurzhaarschnitt und Windjacke eher in der Core-Richtung verorten würden. Dass die teils gepressten Vocals noch dazu der Schwachpunkt der Performance sind, ist dementsprechend schade. Im Gegenzug stellt der Shouter einen regelrechten Aktivposten auf der Bühne dar, der die Fans zu seinen Füßen fest im Griff hat.
Keine Frage also, dass es nach der Wall of Death in „Unholy Absorption“ im Pit weiterhin drunter und drüber geht. Die Zukunft von NECKBREAKKER sieht also insgesamt dennoch rosig aus, was die Skandinavier mit zwei brandneuen Songs im Set zudem mit Nachdruck bestätigen.
NECKBREAKKER Setlist – ca. 45 Min.
1. Face-Splitting Madness
2. Putrefied Body Fluid
3. Between The Sun And The Gallows
4. Shackled To A Corpse
5. New Song
6. Unholy Inquisition
7. Horizon Of Spikes
8. SILO
Fotogalerie: NECKBREAKKER















KING NUGGET GANG

Was macht denn Hip-Hop auf einem Metal-Festival? Ok, ganz so einfach ist es nicht, darf man die KING NUGGET GANG doch durchaus im Crossover verorten. Denn ihren Sprechgesang unterlegt das Quartett nicht selten mit Nu-Metal-Riffs und -Grooves, die durch das live gespielte Schlagzeug eine ganze Menge Drive entwickeln können. Entsprechend groß ist das Interesse am heutigen Wildcard-Act auf der Rebel Stage, wo schon lange nicht mehr alle neugierigen Metalheads unter das großzügige Dach passen.
Was den Genre-Mix im Live-Format so attraktiv macht, lässt sich im Grunde auf drei Faktoren reduzieren: humorvolle Texte über allerlei kulinarische Schandtaten, sympathisches Auftreten und ein aufrüttelndes Songrepertoire, das zum Mitmachen animiert. Dabei agiert das SUMMER BREEZE im Opener „Dino Nuggets“ überraschend textsicher, bevor es in „Anti-Avocado“ per erhobenem Mittelfinger seine Aversion gegen das Superfood ausspricht. Federführend ist hier Rapper Gregor Cheesy, der sich direkt am Wellenbrecher davon ein Bild macht, ob sich nicht doch ein heimlicher Liebhaber der grünen Beere in den Pit geschmuggelt hat.
Ein Circle Pit als Ventilator? In der Hitzewelle setzt die KING NUGGET GANG auf kreative Lösungen

Weil die steigenden Temperaturen an diesem Nachmittag auch vor der Bühne keinen Halt machen, geht es anschließend mit Mikro direkt in die Menge, wo ein Circle Pit um den Frontmann als Ventilator fungieren soll. Der passende Soundtrack dazu: „Eis geht immer“. Die gute Laune nimmt die KING NUGGET GANG für „Bier & Bratwurst“ gleich mit, dessen Melodie in der Hook wohl jeder Millennial bestens kennen dürfte: Ein launigeres Cover von Mr. President’s „Coco Jambo“ haben wir wohl vor 30 Jahren nur auf „Alles Banane! Vol. 3“ der Schlümpfe-Hits gehört.
Dort mag der Coco Bananen gern, bei KNG hingegen steht eher Comfort-Food im Vordergrund: „4 Cheesies“ sind dabei nur das Vorgeplänkel, bevor mit dem „Nudelsong“ die TBS-Kollaboration einen völlig durchgedrehten Abschluss markiert: Während die Fans aus der Hocke springen, gleiten dazwischen die Crowdsurfer im Slalom durch ein Dickicht aus Poolnudeln. Hip-Hop und Crossover funktioniert also auch hervorragend auf einem Metal-Festival – beim nächsten Mal hoffentlich sogar mit echter Gitarre statt Riffs aus der Konserve.

KING NUGGET GANG Setlist
1. Dino Nuggets
2. All You Can Eat
3. Anti-Avocado
4. Eis geht immer
5. Bier & Bratwurst
6. Smash
7. Mit alles & scharf
8. 4 Cheesies
9. Nudelsong
Fotogalerie: KING NUGGET GANG
















THE NARRATOR

Letztes Jahr noch am Dienstag auf dem Campsite Circus dürfen THE NARRATOR heuer Königsklasse schnuppern: Die Main soll’s zwar noch nicht sein, mit Plattenvertrag und neuem Album im Gepäck geht’s für die sympathische Band jedoch direkt aus dem Ruhrgebiet auf die T-Stage. Dass die Modern Metalcore-Band dabei gar so zahlreich empfangen wird, mag überraschen, könnte jedoch auch mit dem starken Auftritt 2025 in Verbindung liegen.
Abstriche müssen wir heute trotz der gestiegenen Erwartungshaltung glücklicherweise nicht machen: Zwar ist Bassist Robs Klargesang anfangs noch etwas schwammig abgemischt, dafür ist Shouter Jochi präsent genug, um selbst die stattlichen Maße der großen Bühne mit Leben zu füllen.
Kurzweilig und abwechslungsreich: THE NARRATOR wissen, wie man ein Festival bei Laune hält

Zwischen Groove und Singalong wärmt „Stained Glass Reality“ die Meute auf, so dass THE NARRATOR im drangehängten „Die Down“ direkt den ersten Circle Pit bestaunen dürfen. Wie gut die Resonanz auf die Show ausfällt, scheint gar dem Frontmann selbst unheimlich zu sein: „Geisteskrank“, lautet das knappe Fazit zwischendurch, während Jochi das Grinsen im Gesicht kaum unterdrücken kann.
Obschon wir aus der Show keine neuen Erkenntnisse für das Genre ziehen können, bleibt das Set kurzweilig und abwechslungsreich. Vom abgebrühten „Iron Grip“ mit seinem humorlosen Chugging bis zur Wall of Death in „Stasis“ passiert auf dem Areal eigentlich immer irgendetwas – und wenn die Jungs dann doch mal ihre Instrumente stimmen müssen, erklärt man die kleine Pause eben verschmitzt zur „Hydration Break“. Schließlich mache man das ja heutzutage so, wie Jochi uns mit dem kühlen Hellen in der Hand wissen lässt. Die herzhaften Breakdowns allerdings hat man der FIFA-Weltmeisterschaft heute in Dinkelsbühl voraus.
Fotogalerie: THE NARRATOR












AIRBOURNE

Je nach Perspektive haben AIRBOURNE den besten oder den schlechtesten Slot des Festivals, findet doch parallel zum Auftritt der Hard Rock-Band hinter ihrem Rücken die partielle Sonnenfinsternis statt. Vom Naturphänomen selbst bekommen die Australier somit nichts mit, während sich die zahlreich auf dem Battlefield versammelten Fans entscheiden müssen, ob sie ihre Aufmerksamkeit nun dem wilden Treiben auf der Main Stage schenken oder einen Blick durch die Sonnensichtbrille erhaschen.
Der Anblick ist natürlich kurios: Hunderte, ja tausende Metalheads mit modischem Accessoire, die per Multitasking irgendwie beides bewerkstelligen. Das ist auch gut so, denn der Auftritt AIRBOURNEs ist ein Spektakel für sich, das sich weniger auf das eher schlichte Setdesign aus Marshall-Amps und Flutlicht konzentriert, sondern den völlig losgelösten Frontmann Joel O’Keeffe. Ein Wort wie Rampensau wurde sicherlich auch wegen Typen wie ihm geprägt, wirbelt er doch in „Hungry“ von einem Ende der Bühne zum nächsten, setzt zwischendurch zum Sprungkick an oder lässt sich mit seiner Gitarre in „Raise The Flag“ vor der riesigen Videotafel auf die Knie fallen.
Laute Gitarren und kühles Bier: Auf der Bühne sind AIRBOURNE Rockstars wie aus dem Bilderbuch

Wobei das ja nur das Vorgeplänkel ist: Im gleichen Song verlässt der geborene Rockstar die sicheren Bretter und lässt sich mit seinem Instrument auf den Schultern eines Sicherheitsmannes einmal quer durch die Meute tragen. Dass ihm dabei auch eine Dose Bier gereicht wird, versteht sich von selbst, immerhin war O‘Keeffe davor clever genug, den hiesigen Gerstensaft über den Klee zu loben.
Ob er ihn deshalb so gern mit dem SUMMER BREEZE teilt? Hier und da lässt es sich der Gitarrist und Sänger nämlich während der Show nicht nehmen, einen halb gefüllten Becher des begehrten Gebräus in hohem Bogen in den Pulk vor sich segeln zu lassen. Auf Gimmicks verzichten AIRBOURNE ansonsten weitgehend, mit der live angetriebenen Luftschutzsirene vor „Live It Up“ als einzige weitere Ausnahme. Allein das Rockstar-Gen nimmt hier und da Überhand, wenn das Quartett einzelne Stücke bis zum Ermüden in die Länge zieht. Zum Punkt kommen gehört nicht zur Stärke der Band, öffnet im Gegenzug aber das eine oder andere Zeitfenster, um sich ohne schlechtes Gewissen dem Naturschauspiel im Hintergrund zu widmen.

AIRBOURNE Setlist
1. GUTSY
2. Too Much, Too Young, Too Fast
3. Hungry
4. Back In The Game
5. Raise The Flag
6. Bottom Of The Well
7. Breakin’ Outta Hell
8. Live It Up
9. Ready To Rock
10. Alive After Death (Last Plane Out)
11. Runnin’ Wild
Fotogalerie: AIRBOURNE


















GREEN LUNG

Als wir 2024 zufällig an der Rebel Stage vorbeiliefen, mussten wir direkt aufhorchen: Die letzten Töne der Briten GREEN LUNG waren genug, um unsere Neugier zu wecken. Dass es zwei Jahre dauern würde, bis sich unsere Pfade erneut kreuzen würden, war uns damals natürlich nicht bewusst. Nun an Ort und Stelle soll es jedoch so weit sein – wobei, ein paar Meter weiter laufen müssen wir heute schon, darf die Formation doch diesmal auf der größeren T-Stage ran.
Während die Sonne nicht nur hinter dem Mond, sondern auch den Bäumen jenseits der Bühne verschwindet, nutzen GREEN LUNG die goldene Stunde, um eine okkulte Atmosphäre zu füttern: „Evil In This House“ beginnt mit doomigen Riffs und Hammond-Sounds und trägt damit eine gesunde Portion 70er-Spirit in sich. Dass die Synthesizer im Mix etwas untergehen, ist derweil bedauerlich, da gerade die flotteren Rock-Songs à la „Maxine (Witch Queen)“ dadurch fast schon konventionell wirken. Gut arrangiert ist der Track dennoch: Insbesondere die Gitarren setzen ein paar schöne Akzente.
Am stärksten sind GREEN LUNG live, wenn sie ihre doomige Seite ausleben

Die neue Single „Black Magick Radio“, deren Live-Premiere wir gerade beiwohnen, kommt ähnlich geradlinig daher, lässt jedoch im kurzen Solo durch Hammond-Orgel und Gitarre ein paar verspult-psychedelische Vibes einfließen. Am besten gefällt uns der Sound GREEN LUNGs allerdings immer dann, wenn die schweren Doom-Riffs das Ruder an sich reißen und der Band – wie im Fall des abschließenden „Let The Devil In“ – zu einem nachdrücklichen Finale vor einem hingebungsvollen Publikum verhelfen.
Fotogalerie: GREEN LUNG














URNE

Leider reicht es zeitlich nur für einen kleinen „Drive by“-Stopp: Auf dem Weg zur Hauptbühne, wo in wenigen Minuten die ersten Bands für das SUMMER BREEZE 2027 angekündigt werden, halten wir zumindest für ein paar Augenblicke an der Rebel Stage. Das Fazit jedoch ist schon nach den ersten Takten klar: Gerne hätten wir noch etwas länger bei den Briten URNE verweilt, deren Stilmix aus Sludge und Metalcore, wenn man es so weit fassen will, live prächtig funktioniert.
Das jedenfalls legt der Auftakt „Be Not Dismayed“ nahe, der mit einem mächtigen wie rohen Riff startet, irgendwann noch melodische Leads einstreut und doch durchweg die Zähne fletscht. Beim nächsten Mal markieren wir uns den Auftritt der Gruppe bereits vorab dick im Kalender.
Fotogalerie: URNE








Bandankündigung 2027

Die Neugier ist mindestens so groß wie die allgemeine Spannung, als NEAERA-Frontmann und Crew-Mitglied Benny Hilleke die wartenden Fans vor der Main Stage begrüßt. Ein paar dankende Worte später lässt der sympathische Moderator die Katze aus dem Sack: Ganze 63 Neuankündigungen soll es gleich geben – die größte Ankündigungswelle zum Start bislang, mit der man auf das Jubiläum im nächsten Jahr einstimmen will.
Und tatsächlich grüßen uns zahlreiche alte Bekannte wie INSOMNIUM, KATAKLYSM, LORD OF THE LOST, ELUVEITIE oder GUTALAX, die kurz darauf in Form eines Trailers über die Videotafeln flackern. Gemeinsam mit treuen Gästen das 30-jährige Bestehen zu feiern, passt natürlich zum Anlass, wenngleich sich die Überraschungen dadurch in Grenzen halten.
Die großen Paukenschläge folgen jedoch zum Ende des Jubiläumsfilmchens, in dessen Verlauf auch Prominenz wie Schmier (DESTRUCTION) oder Mikael Stanne (DARK TRANQUILLITY, THE HALO EFFECT) ihre vorgezogenen Glüchwünsche hinterlässt: So werden CHILDREN OF BODOM eine ihrer Sondershows in Dinkelsbühl bestreiten, während sich EDGUY im Headline-Slot mit einer von wenigen Farewell-Shows auch vom SUMMER BREEZE verabschieden werden. Die deutlichste Resonanz jedoch erfahren ELECTRIC CALLBOY, deren aufpoppendes Bandlogo von einigen Jubelschreien begleitet wird.
Eine Orchestershow soll das 30-jährige Jubiläum zu etwas Besonderem machen

Mit eher verdutztem Schweigen nimmt man auf dem Battlefield derweil die finale Ankündigung auf: Eine zweieinhalbstündige Jubiläumsshow unter dem Titel „Summer Breeze Legends & Orchestra“ wird Metal-Klassiker aus 40 Jahren Geschichte darbieten. Die verwirrten Blicke sind zumindest nachvollziehbar: Aus zahlreichen Gesprächen bekommen wir den Eindruck, die meisten Besucher:innen hätten einen großen Act als Jubiläumsschmankerl erwartet.
Da bis auf die Orchesterleitung um Chris Harms (LORD OF THE LOST) sowie Corvin Bahn jedoch das Geheimnis um die geladenen Gäste noch nicht gelüftet wird, hält sich die Euphorie in diesen ersten Sekunden noch in Grenzen. Die Sorge um eine bloße Cover-Show à la ROCK MEETS CLASSIC ist verständlich, wir sprechen jedoch aus Erfahrung, wenn wir dem SUMMER BREEZE vorab bereits das Vertrauen aussprechen, ein würdiges Event aufzuziehen.
IN FLAMES

Große Erwartungen haben wir an IN FLAMES, obwohl die schwedisch-amerikanische Band vor drei Jahren eine für ihre Verhältnisse etwas unterkühlte Vorstellung gab. Dafür entschädigte das Gespann auf Headline-Tour mit einer umso stimmigeren Show, welche die Balance aus alten Klassikern und neuen Hits nahezu perfekt hielt. Ein solches Gleichgewicht zeichnet sich auch heute ab, als das Intro mit den ersten Klängen von „Colony“ direkt einen halbvergessenen Evergreen ankündigt.
In tiefes Rot getaucht lassen IN FLAMES vor allem die Kulisse wirken. Die Bühnenproduktion an sich wirkt auf den ersten Blick schlicht, so dass vor allem die stattliche LED-Wand im Hintergrund den visuellen Fixpunkt bildet. Erst beim genaueren Hinsehen fallen die kabelartigen Bündel auf, die sich über den Köpfen der Musiker winden und an den seitlichen Rändern bis zum Boden herabreichen. Dahinter verbirgt sich eine originelle Lichtanlage, die im Verlauf der Show immer wieder im Puls der Musik aufleuchtet und so ein wenig SciFi-Flair à la „Matrix“ auf die Bühne zaubert.
Durch ihre Songauswahl gestalten IN FLAMES den Einstieg zäher als erwartet

Passend dazu überlagern diverse Filter die gigantischen Videotafeln links und rechts der Bühne, um den Kameraaufnahmen einen dem jeweiligen Song entsprechende Optik zu spendieren: mal monochrom, mal voller Glitches, dann plötzlich ein See aus Lava. Das visuelle Konzept rundet dieser künstlerische Ausdruck ab, vergisst dabei jedoch, dass für viele Besucher:innen jenseits des ersten Wellenbrechers gerade die LED-Wände die einzige Möglichkeit sind, das Geschehen dort vorne nachzuverfolgen. Etwas weniger wäre in dieser Hinsicht wohl mehr.
Nichtsdestotrotz zeigt sich der zunächst wortkarge Anders Fridén selbstbewusst: „This is the best Wednesday you’ll ever fucking have.“, erklärt er nach nicht einmal zehn Minuten, wohl wissend, was da noch auf Dinkelsbühl zukommen mag. Dabei gestaltet sich der Einstieg etwas zäher als erwartet: Statt eines klassischen Eisbrechers à la „Pinball Map“ mäandern IN FLAMES mit „In The Dark“, „Voices“ und „Paralyzed“ im Midtempo, setzen auf gemächliche Singalongs, anstatt den Elan treibender Evergreens zu beschwören. Tatsächlich fasst Fridén erst nach „The Quiet Place“ die aktuelle Lage treffend zusammen: „Wir haben Metal, wir haben eine Sonnenfinsternis und wir haben IN FLAMES: Was will man mehr?“
IN FLAMES-Sänger Anders Fridén spielt heute abermals den stoisch-trockenen Entertainer

Ein Meer an Crowdsurfern vielleicht? Das jedenfalls wünscht sich der Sänger für das nachfolgende „Meet Your Maker“, ohne auch nur eine Sekunde lang eine Enttäuschung befürchten zu müssen. In Dinkelsbühl segeln die Metalheads – und etwas später sogar ein ausgestopfter Greifvogel – bald scharenweise nach vorne, als wollten sie signalisieren, dass die Show nun erst richtig los gehen kann. Eine kleine Verschnaufpause gönnen sich die sechs Musiker zwar noch in Form von „The Chosen Pessimist“, wo sich Fridén kurzerhand für einen Ritt auf der fahrbaren Dolly-Kamera entscheidet, dann aber purzeln die Asse nur so aus den Ärmeln. Angefangen mit dem unkaputtbaren „Cloud Connected“ über den lange nicht gespielten Übersong „Artifacts Of The Black Rain“, das 2026 sein 30-jähriges Jubiläum feiert, bis hin zum Singalong „Trigger“ reicht der Spannungsbogen, der selbstverständlich auf den einzig logischen Höhepunkt zusteuert.
Als der Pulk bis zum ersten Wellenbrecher kollektiv im Takt springt, brauchen wir keine Audiobegleitung, um zu erkennen, dass IN FLAMES hier gerade „Only For The Weak“ zelebrieren. Den Fuß vom Gaspedal will im Anschluss niemand mehr nehmen, egal ob nun das treibende „State Of Slow Decay“ oder „The Mirror’s Truth“ den Circle Pit befeuern. Gut drauf sind heute nämlich nicht nur die Fans, sondern auch die Band selbst, obwohl Frontmann Anders Fridén abermals den stoisch-trockenen Entertainer spielt.
Am Ende finden IN FLAMES doch noch ihr Tempo

Wo man sich 2023 noch frühzeitig verabschiedete, schöpft der Hauptact des Tages seinen Slot nun voll aus, sodass wir nach etwas schleppendem Beginn und trotz dezent unterwältigender, da sich kaum weiterentwickelnder, Lightshow doch noch ein positives Fazit ziehen können. Nicht der beste Mittwoch unseres Lebens, aber ein kurzweiliger und schöner ist er allemal.
IN FLAMES Setlist
1. Colony
2. Deliver Us
3. In The Dark
4. Voices
5. Paralyzed
6. The Quiet Place
7. Meet Your Maker
8. The Chosen Pessimist
9. Cloud Connected
10. Artifacts Of The Black Rain
11. Trigger
12. Only For The Weak
13. Foregone Pt. II
14. State Of Slow Decay
15. Alias
16. The Mirror’s Truth
17. I Am Above
18. Take This Life
Fotogalerie: IN FLAMES
























HATEBREED

Damit soll es jetzt allerdings vorbei sein, zumindest für unsere Fotografin, deren entgeisterter Blick allein Bände spricht. „Ganz furchtbar“, sei das. Richtig: Furchtbar kraftvoll fegen HATEBREED im Anschluss über die Bühne und sorgen dafür, dass das Areal vor der Main Stage ab der ersten Sekunde zum Schlachtfeld wird. Wie die US-Amerikaner das anstellen?
Indem man einen Überhit wie „I Will Be Heard“ direkt an den Anfang stellt und mittels Flammenwerfern den entsprechenden Nachdruck schenkt. Wobei ja eigentlich der kraftvolle Sound allein schon gereicht hätte: Dem donnernden Groove können wir uns ohnehin nicht entziehen, zumal Shouter Jamey Jasta höchstpersönlich dafür sorgt, dass es im Pit keine Verschnaufpause gibt. Der Frontmann hat allerdings leichtes Spiel, das Publikum mitzureißen, erledigt doch das hitgespickte Set allein den größten Teil der Arbeit.
Mit „Last Breath“ gedenken HATEBREED eines verstorbenen Kollegen

Ob nun in „Everyone Bleeds Now“ die meterhohen Feuersäulen vom Bühnendach das Infield erhellen oder tausende Fans in „Destroy Everything“ mit Jasta zusammen die Titelzeilen schmettern: Den Auftritt HATEBREEDs als Machtdemonstration zu umschreiben, ist wohl keineswegs zu hoch gegriffen. Da wären die Gimmicks drumherum eigentlich gar nicht nötig: Ein aufblasbarer Dämon mit Morgensternen in den Fäusten komplettiert das Bühnenbild, während man in „To The Threshold“ mit dem sogenannten „Ball of Death“ einen riesigen Wasserball in die Menge wirft.
Nachdenklich wird es derweil, als HATEBREED „Last Breath“ vom 1997er Debüt „Satisfaction Is The Death Of Desire“ dem kürzlich verstorbenen Lou Koller (SICK OF IT ALL) widmen. Das SUMMER BREEZE ehrt den Sänger durch besonders hohen Einsatz im Pit, der sich letztlich durch das komplette Set zieht, egal ob nun ein Evergreen wie „Live For This“ oder die neue Single „Kill Count Increase“ den Anlass dazu bietet.
Fotogalerie: HATEBREED











CÂN BARDD

Das Kontrastprogramm erwartet uns an der Rebel Stage, wo die Kompositionen CÂN BARDDs in intimem Ambiente ausreichend Raum bekommen, um sich zu entfalten. Dass die Schweizer nach einer guten Viertelstunde erklären, dass sie noch zwei Songs hätten, kann man natürlich mit einem Schmunzeln aufnehmen. Was jedoch innerhalb der ausladenden Stücke passiert, reicht bei anderen Künstler:innen mitunter für ein ganzes Album und holt uns gerade zu dieser späten Stunde zielsicher ab.
Mit ihrer unaufgeregten und ruhigen Präsenz erreichen CÂN BARDD, dass sich alles auf die Arrangements selbst konzentriert, die auf dynamische Weise atmosphärischen Black Metal mit Folk-Einflüssen verschmelzen lassen. Dazu trägt in „Une Couronne De Branches“ die klagende Violine in ähnlicher Weise bei wie die Querflöte, während später in „Celestial Horizon“ vierstimmiger Gesang ein Art rituelle Trance heraufbeschwört.
Fotogalerie: CÂN BARDD





ALCEST

Das SUMMER BREEZE nutzt in den meisten Fällen eine von zwei Optionen, um das Tagesprogramm auf der Hauptbühne ausklingen zu lassen: Entweder bringt eine gut gelaunte Rock-Band kauzige Partystimmung auf das Battlefield oder aber man lässt sich durch entrückte Avantgarde-Klänge in die Nacht entführen. Wir bevorzugen die zweitgenannte Möglichkeit, weshalb das Late-Night-Special mit ALCEST für uns schon Wochen vorher als Pflichttermin im Kalender markiert war.
Der Andrang vor der großen Bühne ist gegen ein Uhr nachts traditionell nicht mehr der größte, weshalb wir uns problemlos in die vorderen Reihen wagen können, um parallel zur Musik das stimmungsvolle Bühnenbild zu genießen. Dezente Schilf-Pflanzen rahmen die Musiker ein, im Hintergrund scheinen die Skulpturen zweier Kraniche einen intimen Moment zu teilen.
Visuelle Reize wählen ALCEST mit Bedacht

Zugleich taucht die aufgehende Morgensonne die Szenerie in ein warm-oranges Licht: Die LED-Tafel im Hintergrund nutzen ALCEST mit Bedacht für die richtige Atmosphäre, indem stimmungsvolle, spärlich animierte Landschaften die Komposition vollenden. Es sind also die idealen Voraussetzungen, um sich eine Stunde lang der Musik hinzugeben, sich fallen zu lassen in den ausladenden Arrangements von „Amethyst“ oder den Harmonien von „Le miroir“ oder „Sapphire“.
Die sanfte Stimme des zurückgenommenen Masterminds Neige verleiht den Stücken eine gewisse Leichtfüßigkeit, welche sich in den tänzelnden Gitarren spiegelt, die aber beizeiten auch an Intensität hinzugewinnen. Von klirrenden Post-Rock-Anleihen bis hin zu aggressiven Black-Metal-Eruptionen in „Écailles de lune – Part 2“ reicht das Repertoire, dem immer eine gewisse Magie innewohnt.
Wir schließen also die meiste Zeit einfach die Augen und lassen uns treiben, bis uns die letzten Töne von „Kodama“ zurück in die Realität holen. Wenn doch nur jeder Tag so zauberhaft enden könnte.
Fotogalerie: ALCEST












Donnerstag, 13. August 2026

Es bleibt zwar genug Zeit zum Ausschlafen – sofern es die Temperaturen im Auto zulassen -, einfach vertrödeln können wir den Morgen jedoch nicht. Denn das Programm beginnt ab heute schon vormittags und während wir die Sonnencreme auftragen, die Trinkflaschen befüllen und den faltbaren Fächer verstauen, stehen die ersten Acts des Tages bereits in den Startlöchern.
Obschon wir die ersten Stunden des Tages relativ spontan bestreiten wollen, ist der Nachmittag bereits gut durchgeplant: In NORTHLANE wollen wir ebenso reinschnuppern wie in DESERTED FEAR. IMMINENCE haben wir schon länger nicht mehr live gesehen und am frühen Abend steht noch dazu die ominöse „Surprise Show“ auf dem Plan. Das gemeinsame Rätselraten, wer denn nun sein Stelldichein geben würde, war die letzten beiden Tage eine unsere Lieblingsbeschäftigungen, schließlich gab es ja diverse Autogrammstunden von Künstler:innen ohne eigenen Zeitslot auf den vier Festivalbühnen.
SAXON und EISBRECHER sind als Headliner-Doppel natürlich ebenfalls einen Stopp wert, wobei uns auf der Main Stage vor allem die Rückkehr AMORPHIS‘ neugierig macht. Bis dahin jedenfalls ist noch viel Zeit, die wir unter anderem für einen kulinarischen Ausflug nutzen.
Breit aufgestellt präsentiert sich das SUMMER BREEZE 2026 hinsichtlich der kulinarischen Optionen

Das ohnehin stets ordentliche Imbiss-Angebot erscheint uns dieses Jahr tatsächlich noch vielfältiger, wobei der Zuwachs an vegan-/vegetarischen Optionen besonders deutlich ins Auge springt. Grundsätzlich aber dürfte für nahezu alle Geschmäcker etwas geboten sein: Vom Barbarenspieß über Flammkuchen, Hot Dog und Burger bis hin zu Spätzle, Döner, Schawarma oder Indisch reicht die Auswahl. Die Preise: erwartungsgemäß astronomisch, wobei sich mit etwas Erfahrung durchaus jene Angebote finden lassen, die immerhin eine adäquate Portionsgröße als Gegenleistung bieten.
Den stolzen Getränkepreis hielt man immerhin stabil: Mit 5,20€ schlagen 0,4 Liter Bier zu Buche, was wir in diesem Jahr vorwiegend für die alkoholfreie Variante nutzen. Der Testversuch der „Anti-Alk-Oase“ im Vorjahr schien erfolgreich, findet sich die Anlaufstelle doch nun auch im Battlefield-Areal mit einer zweiten Niederlassung.
OUR PROMISE

Mit kühler Erfrischung in der Hand geht es mittags direkt in die pralle Sonne: Die Main Stage eröffnet mit OUR PROMISE heute eine Band, die wir schon 2022 auf dem Festival erleben konnten. Wer den direkten Sprung von der damaligen Rebel Stage auf die ganz große Kulisse als zu ambitioniert einordnet, vergisst zwar die T-Stage-Performance vor zwei Jahren, mag sich angesichts des verhältnismäßig überschaubaren Andrangs aber dennoch bestätigt fühlen. Nichtsdestotrotz sollten wir die Rahmenbedingungen nicht gänzlich außer Acht lassen: Die Hitze spielt der jungen Band heute sicherlich nicht in die Karten.
Zumal es für die Modern Metalcore-Band ohne großes Label im Rücken eine Riesensache sein dürfte, überhaupt hier zu stehen und noch dazu eine wirklich gute Figur zu machen. Denn dank ihrer beiden Frontmänner Rafa und Vik wuselt es auf den Brettern quasi unablässig. Bemerkenswert ist zudem die positive Aura der beiden Sänger, deren bodenständige Art uns sofort sympathisch erscheint.
OUR PROMISE erfinden das Rad nicht neu, unterhalten ihr Live-Publikum jedoch bestens

Da der Sound des Sextetts im Live-Format zudem ein ganzes Stück druckvoller ausfällt als auf Platte, sind wir ab dem Opener „Panic Waves“ an Bord. Zugegeben, Tracks wie „Evoke“ oder „Static“, wo sich der Circle Pit mit beachtlichem Tempo in Bewegung setzt, erfinden das Rad nicht neu. Für eine knappe halbe Stunde hören wir OUR PROMISE dennoch gerne zu, bevor wir uns von einem kurzweiligen Auftritt verabschieden, um heute zumindest für ein paar Minuten aus der Sonne zu kommen.
Fotogalerie: OUR PROMISE
















FIREBORN

Ein Glück, dass FIREBORN quasi direkt nebenan warten, wo es sich unter dem Dach der Rebel Stage ganz gut aushalten lässt. Doch nicht nur der Schatten lockt hier, sondern auch der melodische Hard Rock des Quintetts, der uns auf Anhieb positiv überrascht. Die Arrangements sind catchy, aber auf den Punkt geschrieben, so dass Gitarrist Dennis hier und da mit ein paar netten Leads und Soli die treibenden Songs abrunden darf.
Gleichzeitig sind FIREBORN absolut präsent, als würden sie schon Jahrzehnte gemeinsam auf der Bühne stehen. Gitarrist Rick lässt die blonde Mähne fliegen, während Sängerin Jenny schon allein wegen ihrer kraftvollen Reibeisenstimme die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das beginnt bei „Dancing With The Villain“, wo ein paar Sparkler-Effekte die Hook begleiten, und setzt sich in „Crisis Of Youth“ und „Set This World On Fire“ in gleicher Weise fort: Gesanglich steckt viel Power in der Performance, die sich in Verbindung mit den treibenden Kompositionen wohl problemlos auch auf einen größeren Rahmen übertragen ließe.
Fotogalerie: FIREBORN


















FROM FALL TO SPRING

FROM FALL TO SPRING – abgespeichert haben wir den Namen bislang als die Band, die aus irgendwelchen Gründen unbedingt zum ESC will. Zweimal hat es die Gruppe bereits erfolglos versucht, trotz eingängiger Songs und farblich abgestimmter Outfits. Von Corporate Identity gibt es heute immerhin nichts zu sehen, obschon der Einstieg mit „Draw The Line“ direkt die Brücke zum Vorentscheid 2023 schlägt.
Der groovende Rhythmus wiederum lässt in der Folge nur einen Schluss zu: „Könnt ihr springen?“, heißt es direkt zum Auftakt, bevor das Sänger-Duo Philip und Lukas direkt mit gutem Beispiel vorangeht. Dass der unverkrampfte Nu Metal schnell ins Ohr geht, ist derweil wenig verwunderlich, klingt die Band im Refrain doch nicht ohne Grund wie LINKIN PARK zu ihren besten Zeiten.
Zum Schluss covern FROM FALL TO SPRING die Nu-Metal-Helden PAPA ROACH

Sprechgesang inklusive beachtlicher Doubletime gibt es dann im folgenden „Blood“, wo sich FROM FALL TO SPRING sogar an einen härteren Breakdown wagen. In die Hände spielt der Gruppe der druckvolle wie transparente Soundmix, der den aufrüttelnden Charakter der Songs eigentlich nur verstärkt. Ein wenig Rückendeckung ist hitzebedingt trotzdem nötig: Ein Glück, dass STESY-Frontmann Chrissy schon im Zentrum wartet, um den gewünschten Pit zu „Come Alive“ zu öffnen.
Augenscheinlich war das der nötige Eisbrecher, auf den erst eine Welle an Crowdsurfern folgt, nur um dann in „Destiny“ die vorderen Reihen kollektiv auf und ab springen zu sehen, bevor man sich zur Wall of Death formiert. Ein wenig irritierend fällt der anschließende Werbeblock aus, wo man nicht nur die eigene Autogrammstunde, sondern auch ein bekanntes Trading Card Game bewirbt. Als Entschädigung gibt es zum Finale das PAPA ROACH-Cover „Last Resort“, das natürlich alle Anwesenden auf dem Battlefield mitsingen können und den seltsamen Einschub vergessen macht.
Fotogalerie: FROM FALL TO SPRING
















BROKEN BY THE SCREAM

Es war eigentlich abzusehen: Für den gegenwärtigen Andrang ist das Dach der Rebel Stage viel zu knapp bemessen. Dass sich die Massen um das Areal regelrecht scharen, ist wohl auch im Exotenbonus begründet. BROKEN BY THE SCREAM sind schließlich eine Formation, die wir nicht alle Tage hierzulande sehen können. Zumal auch das übergreifende Konzept eher von der kuriosen Sorte scheint: Die japanische Idol Metal-Band verbindet melodischen Metalcore mit J-Pop und einstudierten Tanzchoreografien.
Musikalisch geht der Mix grob Richtung HANABIE., während das Drumherum inklusive maskierter Begleitband an BABYMETAL erinnert. Der feine Unterschied ist jedoch, dass die vier Sängerinnen gleichberechtigt nebeneinanderstehen, wobei sich die harschen und cleanen Vocals auf jeweils zwei Schulterpaare aufteilen.
Kostüme, Tanz und Breakdowns – BROKEN BY THE SCREAM sind keine alltäglichen Gäste in Dinkelsbühl

Hier und da gibt es auch mal ein Gitarrensolo oder prägnanten Basslauf zu hören, das Hauptaugenmerk der Performance liegt derweil in den einstudierten Choreografien, die jedoch nicht immer so sklavisch perfektioniert wirken wie bei BABYMETAL, sondern Raum für individuellen Ausdruck lassen.
Das passt zur Musik, auch wenn das Set nicht gänzlich ohne Dance Breaks auskommt. Ebenfalls Pflicht ist der Publikumsdialog: Ob das SUMMER BREEZE nun klatschen, springen oder die Arme im Takt schwenken soll – die neugierige Menge im staubigen Zentrum ist für jedes Spielchen Feuer und Flamme. Ein gelungener Einstand also für eine der skurrilsten Gruppen, die bislang in Dinkelsbühl zu Gast waren; auch wenn so mancher gestandene Metalhead beim Vorbeilaufen die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.
Fotogalerie: BROKEN BY THE SCREAM




















GRAND MAGUS

Denn traditionsbewusste Naturen haben um diese Uhrzeit ein ganz anderes Ziel: Auf der T-Stage halten GRAND MAGUS die Fahne des klassischen Heavy und Doom Metals hoch. Mit „I, The Jury“ startet das Trio in eine trockene und aufgeregte Performance. Zählen können die Schweden dabei auf eine treue Gefolgschaft, die zahlenmäßig nicht die größte sein mag, doch die Show ihrer Band mit Hingabe verfolgt.
Die reihenweise nach oben schießenden Fäuste in „Skybound“ nimmt Sänger JB Christoffersson dabei wohlwollend wahr, wenngleich er nicht jede Leidenschaft mit seinen Fans zu teilen scheint: „Ich rieche hier etwas.“, lässt er in einer kurzen Spielpause wissen. „Persönlich sage ich dazu ‚Nein, danke‘. Aber wenn du es magst, ist alles okay.“ Dass GRAND MAGUS ihren Fans die freie Wahl zugestehen, ist löblich. Dabei hält man es mit der Performance der Skandinavier auch ohne Kraut ganz gut aus, solange man anstelle der nüchternen Darbietung kein Feuerwerk der Hyperaktivität erwartet.
Fotogalerie: GRAND MAGUS










NORTHLANE

Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein sind nicht das beste Wetter für den elektronischen Metalcore NORTHLANEs, da die Australier mit Stücken wie dem Opener „4D“ weniger auf Partystimmung setzen denn Atmosphäre. Ätherisch und schwerelos wirkt der Stilmix teilweise, lässt sich glücklicherweise aber auch ohne zu schwere Einbußen auf die Festivalbühnen übertragen. Dafür sorgen die teils kaleidoskopartigen Visuals im Hintergrund auf der visuellen Ebene sowie die härteren Ausbrüche fürs Gemüt, die dank tief gestimmter Gitarren und markiger Screams den Pit anheizen.
Die aktuelle Single „Evian“ spielt der Band für dieses Unterfangen ohnehin in die Hände: Etwas geradliniger und eingängiger konzipiert, dreht sich dazu schnell ein kleiner Circle Pit im Zentrum. Passend zur Musik jedoch nicht mit astronomischen Umdrehungen pro Minute, sondern gelassen und beschwingt per Hopserlauf.
Für die althergebrachten Fans halten NORTHLANE ein Oldschool-Medley bereit

Dass die Fans mit ihren Energiereserven haushalten, ist indes verständlich: Selbst Sänger Marcus legt nach dem zweiten Song das rote Jackett ab, um angesichts des unbarmherzigen Klimas bestehen zu können. Gesprungen wird auf dem Infield zeitweise aber trotzdem: Die Djent-Riffs von „Dante“ stacheln die Fans an, während der Frontmann hier stimmlich nochmals einen Gang höher schaltet. Die Intensität steigern NORTHLANE sodann mit dem aggressiven „Welcome To The Industry“, für das Gitarrist Josh Smith die Crowdsurfer mit einem unwiderstehlichen Versprechen anlockt: Im Graben sei es bereits schön schattig, weshalb man doch dort gerne bei den fleißigen Securities der Grabenschlampen vorbeischauen könnte.
Spätestens hier scheint die Band endgültig in Dinkelsbühl angekommen zu sein: Mit dem bissigen Oldie-Medley aus „Worldeater“, „Dispossession“, „Jinn“ sowie „Solar“ kracht nicht nur die erste Wall of Death ineinander, auch der nachfolgende Moshpit nimmt immer weitere Züge an – sofern wir das durch die dicke Staubwolke überhaupt beurteilen können. Das Fazit jedenfalls scheint eindeutig: Zumindest unter der Nachmittagssonne reißt uns das althergebrachte Material ungleich stärker mit, als es etwa die leicht generische neue Single „CUT_it“ zu tun vermag.

NORTHLANE Setlist – ca. 45 Min.
1. 4D
2. Evian
3. Bloodline
4. Dante
5. Welcome To The Industry
6. Worldeater / Dispossession / Jinn / Solar
7. CUT_it
8. Talking Heads
9. Clockwork
Fotogalerie: NORTHLANE












DESERTED FEAR

DESERTED FEAR haben schon gewonnen, bevor es überhaupt richtig losgeht und nicht nur, weil Gitarrist Fabian Hildebrandt sein Instrument mit der Aufschrift ‚FCKNZS‘ veredelt hat. Deutlich Stellung gegen Extremismus zu beziehen, macht das Quartett natürlich noch sympathischer; warum wir jedoch im Eilschritt zur T-Stage geeilt sind, hat einen rein musikalischen Grund.
Als persönliches Komfort-Genre ist Melodic Death Metal für uns immer eine attraktive Anlaufstelle auf Open-Air-Festivals und ganz besonders dann, wenn er so kompetent dargeboten wird. Der Sound der Thüringer ist einerseits mächtig und findet trotzdem den sogenannten ‚Sweet Spot‘ aus Härte und Melodie, wie der Opener „The Truth“ unmittelbar belegt. Ein wenig alte IN FLAMES sind herauszuhören, aber auch ARCH ENEMY haben auf dem neueren Material dezente Spuren hinterlassen.
DESERTED FEAR haben sichtlich Freude an ihrem Set

Das Resultat ist ein kraftvoller wie eingängiger Mix, der uns direkt ins Boot holt, wo wir uns in bester Gesellschaft wähnen. Denn DESERTED FEAR haben sichtlich Bock auf diese Dreiviertelstunde in Dinkelsbühl, wie das Dauergrinsen in Gitarrist und Sänger Manuel Glatters Gesicht unlängst bestätigt. Wir tun es ihm derweil gleich, sobald Hits à la „Follow The Light That Blinds“ erklingen oder die Band mit einem Midtempo-Track wie „Blind“ zum Haareschütteln animiert – einer der seltenen Momente, wo wir tatsächlich ein wenig Neid verspüren ob der schier endlos langen Strähnen, die gerade auf der Bühne im Takt rotieren.
Fotogalerie: DESERTED FEAR














KIM DRACULA

Wir sind zwiegespalten. Irgendwie ist es beruhigend zu sehen, dass sich Internetruhm nicht automatisch auf die Konzertbühne übertragen lässt: Der Andrang an der Main Stage hält sich um kurz nach vier und trotz prominenter Position auf dem Festivalplakat doch in Grenzen. Andererseits ist es auch schade, denn musikalisch bietet KIM DRACULA einen durchaus spannenden Genre-Mix.
Der Crossover der non-binären Künstler:in reicht von Metalcore-Eruptionen über Trap- und Rapeinlagen bis hin zu Jazz-Einsprengseln samt live gespieltem Saxofon. Also eigentlich die logische Schnittmenge der eigenen Einflüsse, die KIM DRACULA im Lauf des Auftritts in Form diverser Cover-Versionen anteasert: Von PARKWAY DRIVEs „Romance Is Dead“ über PEARL JAMs „Even Flow“ bis hin zu LADY GAGA und SANTANA reichen die Querverweise.
KIM DRACULA schlagen einen Haken nach dem anderen

Offensichtlich ist zugleich, dass die Formation auf der Bühne Musik für die Generation TikTok macht: 21 Tracks packt man in eine Stunde Musik – das geht natürlich nur, indem man das Material teils nur in Auszügen präsentiert. Geringe Aufmerksamkeitsspanne? Kein Problem, nach dem kauzigen „The Bard’s Last Note“ schiebt man schnell das „James Bond Theme“ ein.
Dabei könnte KIM DRACULA problemlos einen Gang zurückschalten. Stücke wie „Superhero“ mit seinem jazzigen Noir-Interlude oder „Land Of The Sun“ schlagen ohnehin einen Haken nach dem anderen. Letzteres etwa startet aggressiv mit Circle Pit, addiert dann nach einem Jazz-Interlude Blechbläser und Saxofon hinzu und leitet schließlich elegant in das Slap-Bass-Intro von „My Confession“ über. Zu wenig passiert auf der Bühne also sicherlich nicht, weshalb wir uns letztlich auch festlegen wollen: Schön wäre es angesichts der originellen Kompositionen, wenn es davor ebenso dicht gedrängt zugehen würde, wie sich dieses hyperaktive Festivalset präsentiert.

KIM DRACULA Setlist
1. Reunion And Reintegration
2. In Threes
3. Superhero
4. Land Of The Sun
5. My Confession
6. Romance Is Dead (PARKWAY DRIVE-Cover)
7. The Bard’s Last Note
8. James Bond Theme
9. Drown
10. Undercover
11. Even Flow (PEARL JAM-Cover)
12. Industry Secrets
13. Paparazzi (LADY GAGA-Cover)
14. Seventy Thorns
15. Luck Is A Fine Thing (Give It A Chance)
16. Careless Whisper (GEORGE MICHAEL-Cover)
17. Rosé
18. Smooth (SANTANA-Cover)
19. Make Me Famous
20. Molecular Conversion
21. Killdozer
Fotogalerie: KIM DRACULA
















IMMINENCE

Wir sind ehrlich: Die Faszination an IMMINENCE ist uns in den letzten Monaten zusehends abhandengekommen, was wohl auch an der musikalischen Entwicklung der Schweden liegt. Andererseits haben wir die Band nun knapp zwei Jahre lang nicht mehr live erlebt, weshalb wir doch neugierig sind. Insbesondere, da mit VOLA-Drummer Adam Janzi aktuell ein hochkarätiger Tourmusiker hinter dem Kit Platz nimmt.
Schwarz gekleidet und mit Kirchenfenstern nachempfundenen Aufstellern schafft die Gruppe jedenfalls schon am Nachmittag eine passende, elegante Atmosphäre. Diese nutzen IMMINENCE geschickt, um uns erstmal vor den Kopf zu stoßen: Mit „Temptation“ eröffnet einer der größten Bandhits das Set – erwartet hätten wir den Track eigentlich gegen Ende des 60-minütigen Gastspiels. Der Grund für diesen Schritt kristallisiert sich jedoch mit zunehmendem Verlauf der Show deutlich heraus.
IMMINENCE-Sänger Eddie Berg überzeugt auch heute wieder gesanglich

Mit Ausnahme des Auftakts und dem später eingestreuten „Erase“ lassen die Skandinavier ihr älteres Schaffen komplett links liegen, um sich lieber auf den aktuellen und bevorstehenden Albumzyklus zu konzentrieren. Die drei neuen Singles „Crestfallen“, „False Light“ sowie „The Sword That Never Bends” können leider den durchwachsenen Eindruck live nicht wettmachen: Ihre Trademarks tauschen IMMINENCE hier durch zunehmend generische Arrangements, der die Melodeath-Anleihen für einen zugänglicheren Sound und eine stärkere Synthesizer-Präsenz opfert.
Glücklicherweise erweisen sich die sieben Stücke von „The Black“ (2024) als ungleich packender: Dicke Staubwolken steigen während „Beyond The Pale“ aus der Mitte auf, wo sich der Circle Pit fortsetzt, der schon zu „Desolation“ aktiv war. Frontmann Eddie Berg wiederum klingt im intensiven „Heaven Shall Burn“ herrlich giftig und überzeugt andernorts mit seiner gefühlvollen Singstimme. Dass die Fans der Band aus der Hand fressen, zeigt einerseits die Wall of Death in „False Light“, andererseits der lautstarke Jubel nach „Death By A Thousand Cuts“, den Berg erwidert, indem er beide Hände zum Herz faltet.
Mehr als ein optisches Gimmick ist Gitarrist Haralds Cello-Bogen nicht

Allein das Gimmick mit dem Cello-Bogen strapaziert Gitarrist Harald mittlerweile etwas über: Was ihnen auf Social Media dank des Musikvideos zu „God Fearing Man“ Millionen Aufrufe geschenkt hat, beschränkt der Musiker nun nicht mehr auf den einen Song, sondern zückt das Gerät im Laufe der Show gleich mehrfach, um damit sein Instrument zu bedienen. Mit wechselndem Erfolg: Das langatmige Geschrammel zum Ende des Instrumentalstücks „L’appel du Vide“ ist eher Beleg dafür, dass weniger manchmal mehr ist.
Fotogalerie: IMMINENCE



















SALTATIO MORTIS (Surprise Show)

Noch am Morgen scherzten wir über die Konzert- und Festivallandschaft, dass man heutzutage nirgendwo mehr hin könne, ohne befürchten zu müssen, dass aus dem Nichts plötzlich Alea auftauche. Wie sehr wir Recht behalten sollten, zeigt sich nun am frühen Abend. Wobei sich für manche Besucher das Rätselraten tatsächlich bis zur letzten Sekunde mit dem fallenden Vorhang zog. Dabei hätte man spätestens anhand des Leinens vor der T-Stage erraten können, wer sich nun gleich die Ehre geben würde. Ein paar Hinweise gaben SALTATIO MORTIS schon im Vorfeld via Social Media, doch so oder so gibt es auf dem T-Square gerade kein Durchkommen mehr. Nennen wir es Stresstest für das Gelände, aber ähnlich wie bei HAMMERFALLs Gastspiel auf der kleinen Rebel Stage im Jahr 2024 empfinden wir die Situation als grenzwertig. Immerhin spielt hier ein potenzieller Headline-Act in einer Ecke, die nicht wirklich dafür ausgelegt ist.
Darüber freuen darf sich jedenfalls die Band selbst, die beim Anblick dieses Menschenmeers, das bis zum Horizont reicht, feuchte Augen kriegen dürfte. Gleichzeitig sind SALTATIO MORTIS jedoch absolute Profis, die wissen, wie man die Massen mobilisiert. Und wenn es der englischsprachige Rocksong „We Might Be Giants“ zum Auftakt nicht vermag, dann spätestens der Evergreen „Wo sind die Clowns?“. Vor der Bühne herrscht reichlich Bewegung, so es die Lage denn zulässt, wohingegen beim anschließenden „Loki“ so ziemlicher jeder die Arme im Takt bewegen kann, ohne anderen auf die Füße zu treten.
SALTATIO MORTIS brauchen keine überbordende Produktion, um ihre Show zum Spektakel zu machen

Es ist ein energiegeladener Auftritt, den SALTATIO MORTIS auch ohne überbordende Produktion und zusätzliches Brimborium hinlegen: Frontmann Alea wirbelt über die Bühne, setzt zu riesigen Sprüngen an und versucht in regelmäßigen Abständen, auch die Menge in die Performance einzubinden. Das macht schon Laune und trotzdem verabschieden wir uns nach der starken „Finsterwacht“ voller Crowdsurfer von diesem Spektakel, da uns die folgenden Deutschrocknummern der jüngeren Bandgeschichte tendenziell kalt lassen. Ein „Aus der Asche“-Jubiläumsset im kommenden Jahr hingegen…irgendwo in unserem Geiste wird man ja noch träumen dürfen.
Fotogalerie: SALTATIO MORTIS




















SAXON

Letztes Jahr hat es gesundheitsbedingt leider nicht geklappt, nun aber steht Frontmann Biff Byford mit seiner Truppe auf der großen Bühne: Im Rücken eine Wand aus Marshall-Amps, dahinter ein paar lieblos animierte Bildchen auf der LED-Wand. Gäbe es ein Argument für die traditionellen Werte und damit auch ein klassisches Backdrop, SAXON müssten keine weiteren Worte verlieren.
Immerhin ist die britische Heavy-Metal-Legende ansonsten eine Macht für sich, die ganz offensichtlich eine bestimmte Besucherschicht des SUMMER BREEZE bedient: Wir feiern zwar im kommenden Jahr unseren Vierzigsten und doch fühlen wir uns inmitten des Publikums plötzlich wieder so jung wie schon lange nicht mehr. Zumindest der vordere Bereich zwischen Bühne und erstem Wellenbrecher ist fest in der Hand der gestandenen Semester, die selbstverständlich jeden Song des Quintetts mit erhobenen Fäusten und Stimmgewalt begleiten.
Unaufgeregt und selbstsicher führt SAXON-Sänger Biff Byford durch das Set

Das beginnt mit dem aktuellen „Hell, Fire And Damnation“ und setzt sich im anknüpfenden „Power And The Glory“ fort, das SAXON bereits im Live-Set hatten, als wir noch nicht einmal in der Vorstellung unserer Eltern existierten. „Can you feel the power?“, fragt Byford vor dem Solo und kann sich der Reaktion gewiss sein. Das selbstsichere Auftreten des Sängers muss ja irgendwo seinen Ursprung haben.
Dass der Veteran die Show trotz seines unaufgeregten, manchmal gar behäbig wirkenden Auftretens sichtlich genießt, zeigen die kleinen Gesten: Nicht nur schüttelt Biff Byford in „Dogs Of War“ selbst für ein paar Augenblicke leidenschaftlich das Haupt, auch sein Smartphone zaubert er plötzlich aus der Seitentasche seiner Uniform hervor, um sich eine kleine Erinnerung an die begeisterte Menge mit nach Hause zu nehmen. Unser Erkenntnisgewinn hierbei: Sein Mobilgerät schützt der Sänger nicht etwa mit einer klassisch schwarzen, sondern einer rotfarbenen Hülle.
„The mighty SAXON?“ Das gilt auch in Dinkelsbühl

Ähnlich farbenfroh präsentiert sich die reich bestickte Kutte, welche ein Fan samt zugehöriger Kopfbedeckung zu Beginn des Sets auf die Bühne wirft. Ehrensache, dass sich Byford das gute Stück zu „Denim and Leather“ sowie „Wheels Of Steel“ zeitweise selbst umhängt, nachdem er den Hut einige Minuten früher schon seinem Bassisten Nibbs Carter übergezogen hatte. „The Mighty Saxon“? Ein Ehrenname, der selbst heute noch Bestand hat.
Fotogalerie: SAXON


















MITTEL ALTA

„MITTEL ALTA, das ist doch kein Metal! Sagt, was wollen die auf unserem Festival?“, fasst die Gruppe die potenzielle Kontroverse selbst zusammen. Und trotzdem platzt das Areal um die Rebel Stage aus allen Nähten. Die Forderungen der Fans, die Gruppe doch „auf die Main“ zu packen, scheint daher schon vor Showbeginn mehr als gerechtfertigt. Wie es überhaupt zu dieser skurrilen Situation kommen konnte, ist ohnehin eine Geschichte für sich: Schallte vor wenigen Jahren „Ficket euch“ noch als Meme-Song über den Campingplatz, steht jetzt ein ausgewachsenes Live-Ensemble auf der Bühne: Mit Live-Schlagzeug, Backing-Vocals und einem unermüdlichen Hofnarren, der die einzelnen Partysongs entsprechend visuell untermalt.
Musikalisch kann man über den Gehalt selbstverständlich streiten und doch erreicht das SUMMER BREEZE hier stimmungstechnisch wohl seinen bisherigen Höhepunkt. Denn was MITTEL ALTA mit ihrem Crossover aus Rap, gesampelten Folk-Instrumenten und Punk- bis Deutschrock-Riffs erreichen, ist mit Worten gar nicht so einfach zu umschreiben. Mit simplen, doch effektiven Ohrwürmern stiftet die Gruppe maximales Chaos, während man mit humorvollen Texten aus dem – nicht nur mittelalterlichen – Alltag die Leute ins Boot holt.
Dass wir vor lauter Staub nicht einmal die Musiker auf der Bühne sehen können, fasst den Auftritt MITTEL ALTAs hervorragend zusammen

Oder eben auch direkt zum eigenständigen Segeln animiert: Während der Hofnarr in „Gelber Schein“ denselbigen in Flaggengröße schwenkt, reicht das SUMMER BREEZE die Crowdsurfer scharenweise nach vorne. Ein Strom, der selbst im folgenden Mitgröhler „Der Chef ist tot“ nicht nachlässt, obwohl hier kaum noch ein Beinpaar stillsteht. Textsicher zeigen sich die Fans ohnehin von den ersten Takten an – und wer mit dem gehaltvollen Opus MITTEL ALTAs bislang nicht vertraut ist, kann binnen kürzester Zeit ebenfalls einstimmen, egal ob es nun um die Bekanntmachung eines Bürgermeisters geht („In den Bach“), man sich gemeinsam mit der KING NUGGET GANG auf „Haxenjagd“ begibt oder in „Haltet das Maul“ dem Digimon-Titelsong einen ungleich derberen Text verpasst.
Wie wild es während des Sets zugeht, erleben wir indes am eigenen Leib: Zwischen Moshpit und Ringelpiez im Zentrum wird der aufwirbelnde Staub zwischendurch so penetrant, dass wir selbst mit Tuch vor dem Mund aus der unmittelbaren Peripherie flüchten müssen und selbst nach mehrfachem Augenreiben noch verwundert aus der Distanz richtig Bühne blicken, wo aufgrund des hellbraunen Nebels zwischenzeitlich nicht einmal mehr die Musiker zu sehen sind. Ein Glück, dass wir beim abschließenden „Traubenstampfen“ schon reichlich Sicherheitsabstand zwischen uns und die tobende Meute gebracht haben.

MITTEL ALTA Setlist
1. Auf dem Dorffest
2. Gelber Schein
3. Der Chef ist tot
4. Kutsche
5. In den Bach
6. Drecksbalg
7. Gerstensaft
8. Kein Metal
9. Haxenjagd
10. Ficket Euch
11. Haltet das Maul
12. Traubenstampfen
Fotogalerie: MITTEL ALTA


















FIT FOR AN AUTOPSY

Ohne Intro, aber mit viel Biss legen FIT FOR AN AUTOPSY los und schenken Fans der härteren Gangart nach kurzer Durststrecke am frühen Abend endlich ein entsprechendes Ventil. Gut gefüllt ist der dezent abschüssige Platz vor der T-Stage in der Folge, wo „Lower Purpose“ die Marschrichtung vorgibt, welche das groovende „A Higher Level of Hate“ direkt zementiert.
Wie heavy der Sound der US-Amerikaner wirklich ist, würde man derweil beim Anblick von Josean Orta kaum erraten, so casual und entspannt wie der Drummer den Takt vorgibt, zu dem sich mehr als nur einmal der Circle Pit in Bewegung setzt: „The Wretch“, „Black Mammoth“, „Pandora“ – sobald FIT FOR AN AUTOPSY das Tempo anziehen, kennt auch der harte Kern im vorderen Drittel kein Halten mehr; Atemschutz von Halstuch bis FFP2-Maske gehören dort quasi zum Standardequipment.
FIT FOR AN AUTOPSY-Shouter Joe Bad gönnt sich im Finale ein kurzes Bad in der Menge

Trockener als der Boden ist derweil nur der Breakdown von „Heads Will Hang“, den Shouter Joe Bad mit neuem Kurzhaarschnitt und gewohnt donnernder Stimme zelebriert. Ein paar Cleans streut der Fronter zudem in „Hostage“ sowie „Savior Of None / Ashes Of All“ ein, was sich in kleineren Dosen allerdings gut in den Deathcore des Quintetts integriert. Ähnlich gut harmonieren derweil Sänger und Fangemeinde, weshalb sich Joe Bad während der letzten Takte von „Far From Heaven“ gerne ein kurzes Bad in der Menge gönnt.
FIT FOR AN AUTOPSY Setlist
1. Lower Purpose
2. A Higher Level of Hate
3. It Comes For You
4. Heads Will Hang
5. The Wretch
6. Black Mammoth
7. Hostage
8. The Sea Of Tragic Beasts
9. Absolute Hope Absolute Hell
10. The Nothing That Is
11. Pandora
12. Savior Of None / Ashes Of All
13. Far From Heaven
Fotogalerie: FIT FOR AN AUTOPSY
















EISBRECHER

“Thank you very much; merci beaucoup; ja, servus mitanand!” Dass Alexander Wesselsky gleich in mehreren Sprachen das Wort an uns richtet, hat einen guten Grund. „Es ist scheißegal, woher du kommst. Hauptsache, du bist zur rechten Zeit am rechten Ort mit guten Leuten.“, setzt der Sänger seine Begrüßung fort und stellt damit nochmals die eigene Haltung klar, die sich auch in den sozialkritischen Texten seiner aktuellen Band widerspiegelt.
Und diese Botschaften überbringt Wesselsky als absoluter Profi und mit großen Entertainer-Qualitäten: mit Hut und Sonnenbrille während „Himmel, Arsch und Zwirn“ oder vermummt mit Munitionsgürtel um die Schulter in „Waffen Waffen Waffen“ samt Mundharmonika-Intro. Kurzum, als Frontmann ist der EISBRECHER-Chef eine charismatische Erscheinung, zugleich Rockstar und sympathischer Gleichgesinnter, welcher seine Texte trotz – oder gerade wegen – der vielen einsilbigen Reime pointiert wiedergibt.
Bei EISBRECHER ist der Platz vor der Main Stage gefüllt bis in die letzte Ecke

Zusammen mit dem klaren sowie druckvollen Sound einer gut eingespielten Band ergibt das eine Headline-Performance, die dank eingängiger Rhythmik und prägnanter Hooks schnell mitreißen kann. Dabei zeigt sich der Performer Alex meinungsstark: „Kein Krieg, nicht mit uns.“, lässt er knapp wissen, nachdem er während „Waffen Waffen Waffen“ die titelgebenden Worte per Spraydose auf Leinwand mit einem knallroten Verbotsschild versehen hatte.
Auch wenn uns persönlich der geradlinige NDH-Sound EISBRECHERs musikalisch nicht erreichen kann, zollen wir dem Gesamtkonzept gerne Respekt und das nicht nur, weil es augenscheinlich aufgeht: Bis in die letzte Ecke ist das Gelände um die Main Stage gefüllt, wo die klatschenden Fans erst das stampfende Schlagzeug von „Kaltfront“ begleiten, um dann ebenso enthusiastisch Joachim Witt als Gastsänger in „Zeitgeist“ willkommen zu heißen. Im abschließenden FALCO-Cover „Out of the Dark“ soll sich der „Meister“, wie ihn Wesselsky ehrfurchtsvoll nennt, gemeinsam mit SCHATTENMANNs „Frank Herzig“ noch einmal die Ehre geben.
Während „Miststück“ verteilt EISBRECHER-Frontmann Alex Rosen an die Fans

Doch bevor jener für „Auf die Zunge“ sein eigenes Feature bekommt, intonieren EISBRECHER den MEGAHERZ-Klassiker „Miststück“ als Akustikversion. Ein Anlass, den Sänger Alex dazu nutzt, seine Aversion gegen LED-Lichter – nicht nur in Form von Smartphone-Leuchten – kundzutun. Hoffentlich erfährt er nie, welche Lichttechnik ihn und seine Band gerade mit in Szene setzt. Wie dem auch sei, Sympathiepunkte sammelt der Frontmann selbst hier, indem er Rosen an die Fans verteilt und in einer vorherigen Ansprache explizit den fleißigen Grabenschlampen als „Legenden des SUMMER BREEZE“ sowie den unermüdlichen Sanitätern für ihre Leistungen dankt.
Kurzum, ein würdiger Headline-Auftritt, der uns zwar nicht ins EISBRECHERsche Lager überlaufen lässt, doch anhand der Live-Qualitäten die Faszination an Band und Konzept immerhin verständlich macht. Und das ist doch auch etwas, oder nicht?

EISBRECHER Setlist – ca. 90 Min.
1. Everything is wunderbar
2. Himmel, Arsch und Zwirn
3. So oder so
4. Waffen Waffen Waffen
5. Leider
6. Tot oder lebenslänglich
7. Kaltfront
8. Zeitgeist
9. 1000 Narben
10. Miststück
11. Sturmfahrt
12. Auf die Zunge
13. This is Deutsch
14. FAKK
15. Zwischen uns
16. Was ist hier los?
17. Verrückt
18. Out of the Dark (FALCO-Cover)
Fotogalerie: EISBRECHER















MUSHROOMHEAD

Overalls, Masken und zwei dedizierte Trommler: Die erste Assoziation scheint offensichtlich und doch wäre es falsch, MUSHROOMHEAD als bloßen SLIPKNOT-Klon abzuschreiben. Was beide Bands vereint, ist natürlich die visuelle Komponente. Musikalisch könnte die Formation wohl auch ohne ihre Percussionisten auf der Bühne bestehen, doch dank beleuchteter Sets und Wasserspiegel auf den Trommelfellen werden die theatralisch bespielten Toms zum regelrechten Blickfang.
Die Wassertropfen glitzern mit jedem Schlag in unterschiedlichen Farben, während es andernorts auf der Bühne allein aufgrund der Zahl der Musiker:innen schon wuselt. Gleich drei Personen teilen sich die Aufgabe am Mikro, wobei Sängerin Jackie LaPonza die wenigsten Berührungsängste kennt und schon bei „Fall In Line“ plötzlich im Fotograben die Absperrung erklimmt.
Bei MUSHROOMHEAD werden besonders die Percussionisten zum Blickfang

Wie gut MUSHROOMHEAD den schmalen Grat zwischen Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern balancieren, zeigte sich hingegen schon mit dem Intro in Form der „Spongebob“-Titelmelodie, die überaus elegant in den Opener „Eye To Eye“ überzuleiten wusste. Eingeleitet von schauriger Zirkusmusik addiert „Qwerty“ noch etwas Sprechgesang hinzu, so dass der Stilmix, der im Klassiker „Sun doesn’t rise“ alle Trademarks des Nu Metals der 90er aufweist, genug eigenen Charakter entwickelt. Alles andere wäre auch irrsinnig, blickt die Band doch mittlerweile auf eine über 30-jährige Geschichte zurück.
Dass sich unsere Wege heute dennoch zum ersten Mal kreuzen, liegt möglicherweise auch an der Präsenz in diesen Landen: So regelmäßig wie manch andere Metal-Band sind MUSHROOMHEAD schließlich nicht in unserer Region unterwegs. Insofern verweilen wir gerne noch eine Weile vor der T-Stage, haben wir doch in unserer musikalischen Sozialisation gerade eine Lücke ausgemacht, die es zu schließen gilt.
Fotogalerie: MUSHROOMHEAD


























AMORPHIS

GROZA oder AMORPHIS? Keine leichte Entscheidung für uns, doch am Ende geben wir den Finnen den Vorzug in der Hoffnung, an den – für uns enttäuschenden – neuen Stücken wenigstens im Live-Format Gefallen zu finden. Bevor das Sextett jedoch loslegt, grüßt uns erstmal ein überdimensionaler knöcherner Vogelschädel von der Main Stage. Die Requisite ist nett gemeint, am Ende jedoch unwesentlich für den Auftritt der Band, zumal die zugehörigen Flügel des untoten Tieres nur über die Leinwände flattern, was aus diagonaler Perspektive nicht so richtig funktionieren will. Wenn schon Deko, warum nicht komplett plastisch?
Ins Gewicht fällt das wie gesagt ohnehin kaum, haben AMORPHIS mit Tomi Joutsen doch einen Frontmann von Weltformat in ihren Reihen. Die Präsenz des Sängers ist nach wie vor unglaublich, so dass wir zu keiner Sekunde den fransenbewehrten Fortsatz seines Mikrofons anzweifeln: Ein bisschen Exzentrik gehört eben zum Rockstardasein.
Grundsätzlich gelingt AMORPHIS die Balance aus ruhigen und schmissigen Augenblicken

Es ist auch der gewaltigen Stimme Joutsens zu verdanken, dass der Opener „Bones“ mit einer Macht über das SUMMER BREEZE fegt, als wäre die Mission, das Festival dem Erdboden gleich zu machen. Wobei das freilich nur die halbe Wahrheit ist, weben AMORPHIS in ihren Sound doch stets filigrane Melodien mit ein. Ganz so packend wie der Auftakt fallen die weiteren neuen Stücke leider nicht aus: Catchy, leichtfüßig, doch auch etwas handzahm geht es mit „Light and Shadow“ weiter.
Das Stück hat sicherlich seinen Platz im Set der Nordeuropäer, doch gerade in der ersten Hälfte des Sets wäre zwischendurch etwas mehr Zug schön gewesen. Grundsätzlich jedoch gelingt die Balance aus alt und neu, aus ruhig und schmissig: „Silver Bride“ und „Wrong Direction“ gehören ohnehin zum festen Live-Repertoire, während „The Castaway“ neben dem obligatorischen „Black Winter Day“ ein gelungener zweiter Ausflug in die Anfangsjahre der Band darstellt.
Schöne Arrangements und ein großes Finale: Live bleiben AMORPHIS eine Macht

Dass hier und da riesige Flammen vom Bühnendach emporsteigen, erhöht natürlich die Intensität gewisser Schlüsselmomente, nötig haben AMORPHIS derlei Special Effects aber nicht. Stücke wie „Sampo“ vom „Skyforger“-Album (2009) oder das progressive „The Moon“ tragen sich durch traumhaft schöne Arrangements und die unaufgeregt ehrliche Darbietung von selbst.
Allein „Dancing Shadow“ raubt dem sonst clever zusammengestellten Set kurzzeitig den Drive, wobei man das wohlwollend auch als Zäsur vor dem großen Finale sehen mag: Der mittlerweile wohl etwas überspielte Evergreen „House of Sleep“ ebnet den Weg für das große „The Bee“, mit dem wir endgültig in unserer letztendlichen Entscheidung für AMORPHIS bekräftigt werden – und das wir liebend gerne als Tagesausklang im Ohr mit auf den Campingplatz genommen hätten.

AMORPHIS Setlist – ca. 70 Min.
1. Bones
2. Light and Shadow
3. Silver Bride
4. Wrong Direction
5. Fog To Fog
6. The Castaway
7. The Moon
8. Sampo
9. Black Winter Day
10. Dancing Shadow
11. House Of Sleep
12. The Bee
Fotogalerie: AMORPHIS





















DARTAGNAN

Noch aber streichen wir nicht die Segel, schließlich sind es ja ohnehin nur ein paar Minuten Changeover, bis DARTAGNAN das Programm auf der Hauptbühne beschließen. Ganz unser Sound ist der aalglatte Folk Rock der Band um FEUERSCHWANZ-Sänger Ben Metzner nicht, live könnte die ungezwungene Gute-Laune-Musik allerdings durchaus Charme besitzen.
Dass die Gruppe derweil schon im ersten Stück „Ruf der Freiheit“ die Bude abfackeln würde, hatten wir irgendwie schon erwartet. Warum auch nicht? Im Flammenschein lässt es sich zu Geigen- und Sackpfeifenklängen schließlich ausgezeichnet tanzen, wie ein kleines Grüppchen am Rand des Areals unter Beweis stellt.
DARTAGNAN zeigen sich spritzig und voller Energie – nur anecken will die Band offenbar um keinen Preis

Neben Eigenkompositionen à la „Helden X Hymnen“, wo Metzner die Whistle zückt, intonieren DARTAGNAN in diesen ersten Minuten zudem auch einige Coverversionen, welche die Formation im Fall von AVICIIs „Wake Me Up“ kompetent in ein unbeschwertes Folk-Rock-Gewand kleidet. Bonnie Tylers „Holding Out For A Hero“ hingegen bleibt trotz herzerwärmender Ansage des Frontmanns an die kürzlich verstorbene Sängerin vergleichsweise blass – der Stimmgewalt der Originalversion kann Ben heute kaum das Wasser reichen.
Nichtsdestotrotz ist es ein spritziger Auftritt der Formation, deren Energie und Spielfreude ohne Umschweife auf die Fangemeinde überschwappt. Da uns persönlich aber die Ecken und Kanten, der rohe Charme fehlt, die in diesem Genre manchmal für das gewisse Etwas sorgen, belassen wir es bei diesen ersten Eindrücken und tauschen die fröhliche Late-Night-Party gegen Schlafanzug und Kuscheldecke – es liegen schließlich noch zwei lange Festivaltage vor uns.
Fotogalerie: DARTAGNAN
















Freitag, 14. August 2026

Bauchtasche und Sonnenbrille – für viele gehört das ohnehin zur standardmäßigen Festivalausrüstung. Angesichts des heutigen Programms sind diese Utensilien allerdings von zusätzlicher Relevanz: TBS dürfen erstmals die Main Stage unsicher machen, weshalb der geneigte Fan darüber hinaus schon zum Frühstück den weißen Monster Energy kaltstellt. Vorbereitung muss schließlich sein, um in der Hitze bestehen zu können.
Das weiß auch das SUMMER BREEZE, das für die letzten beiden Festivaltage nicht untätig bleibt und per Traktor den ausgetrockneten Boden im Infield bewässert. Angesichts der Dürre war das aus Nachhaltigkeitsgründen sicherlich keine leichtfertig getroffene Entscheidung, gegen die Unmengen an Staub, die am Vortag teils für Atembeschwerden sorgten, aber ein wichtiger Schritt. Zumal das Unterfangen sogar für Abkühlung sorgt: Während die Landmaschine ihre Kreise über den T-Square zieht, folgt ein kleines Grüppchen dem Tankanhänger, um sich dort eine spontane Erfrischung zu genehmigen.
Vor den großen Bühnen des SUMMER BREEZE sorgen Nebelkanonen für Abkühlung

Wer nicht gleich mit dem Allerwertesten über den nassen Boden rutschen möchte, bekommt wahlweise vor der Bühne oder an der nahegelegenen Cocktailbar eine kostenlose Dusche mit dem Wasserschlauch. Feiner zerstäubt wird das kühle Nass durch die Nebelkanonen links und rechts der beiden großen Bühnen: eine willkommene Anlaufstelle auch am heutigen Freitag, um es länger am Ort des Geschehens auszuhalten.
Dort geben sich nämlich mit den Headline-Acts ARCH ENEMY und LAMB OF GOD prominente Namen die Ehre, wobei gerade letztere bislang nicht allzu häufig das SUMMER BREEZE beehren durften. Ansonsten ist die Auswahl gewohnt breit gefächert: Nachts gibt es überwiegend Black Metal mit Bands wie DER WEG EINER FREIHEIT oder DEAFHEAVEN, tagsüber darf man den Veteranen von DEICIDE oder BRAINSTORM beiwohnen und auf dem Campsite Circus haben wir uns das erste Dinkelsbühler Gastspiel der Tiroler PERCHTA vorgemerkt.
NANOWAR OF STEEL

Bis wir uns zu später Stunde den düsteren Klängen hingeben, braucht unsere gute Laune indes ein Ventil. Warum also nicht zur Mittagszeit mit NANOWAR OF STEEL starten? Deren Intro, das uns per Computerstimme diverse Anweisungen gibt, ist als humorvolle Kopie der aktuellen BRING ME THE HORIZON-Show zwar überraschend unoriginell, erfüllt aber immerhin seinen Zweck.
Die bunten Perücken und skurrilen Outfits gehören bei den Italienern auch 2026 noch zum Konzept, genauso wie ihre perfekt intonierten Persiflagen. Mit dem Folk-Metal-Opener „Sober“ parodiert die Gruppe die schottischen Kollegen von ALESTORM auf verblüffend akkurate Weise, nur um mit dem Power Metal-Stampfer „Pasadena 1994“ einen augenzwinkernden Gruß in Richtung SABATON zu senden – Pyro-Overkill inklusive.
Der frühe Zeitslot lässt NANOWAR OF STEEL gar keine Zeit für Leerlauf

Passend zum dortigen Fußballthema üben NANOWAR OF STEEL mit ihrer Zuschauerschaft in der Zwischenzeit die La Ola, nur um dann richtigen Körpereinsatz zu verlangen. Die „Wall of Love“ endet zu den Klängen George Michaels nicht etwa in einem gigantischen Moshpit, sondern einer herzlichen Umarmung. Dass es anschließend mit „Disco Metal“ und einer passenden Tanzchoreografie nahtlos weitergeht, bekräftigt unseren Eindruck, dass der frühe Slot für die Band gar keine schlechte Wahl ist.
Aufgrund der beschränkten Spielzeit bleibt gar kein Raum für Leerlauf, sodass NANOWAR OF STEEL schlicht einen Party-Hit an den nächsten reihen. Zugegeben, den Industrial-Stampfer „Feet & Greet“ zählen wir nicht dazu, dafür schickte man zuvor in „Il cacciatore della notte“ per Tradition den Komparsen im Schneeeulen-Kostüum zum Crowdsurfen. „Norwegian Reggaeton“ ergänzt man aus aktuellem Anlass wiederum um gemeinsames Rudern: Wenn man dabei ganz laut seinen Vornamen schreit, könnte man ja damit unter Umständen die Aufmerksamkeit des norwegischen Fußballstars Erling Haaland erregen – und ein paar Internetpunkte haben schließlich noch keiner Band geschadet.
Auf einer Open-Air-Bühne Möbel montieren? Für NANOWAR OF STEEL das Normalste der Welt

Erfolgreich war man letztendlich leider nicht, den Versuch war es aber allemal wert. Dafür schaffte man es, für das abschließende „Valhallelujah“ zwei – so wird uns deren Identität im Nachgang erklärt – populäre Influencer:innen auf die Bühne zu holen, um während der IKEA-Hymne live mehrere LACK-Tischchen zu montieren, die sodann als Gabe dem Publikum übergeben werden.
NANOWAR OF STEEL Setlist
1. Sober
2. Pasadena 1994
3. Wall of Love
4. Disco Metal
5. Il cacciatore della notte
6. Norwegian Reggaeton
7. Feet & Greet
8. Valhallelujah
Fotogalerie: NANOWAR OF STEEL














BRAINSTORM

Bereits zum achten Mal beehren BRAINSTORM das SUMMER BREEZE. Tatsächlich war Drummer Kevin Lütlof noch nicht einmal auf der Welt, als die Power Metal-Band zum ersten Mal Gast im damaligen Spielort Abtsgmünd war. Es verbindet die Musiker somit eine langjährige Geschichte mit dem Open Air, was sich zudem auf dem Vorplatz der T-Stage widerspiegelt. Die Fans der Gruppe halten ihren Helden offensichtlich die Treue und das wohl schon eine ganze Weile, wie wir am Altersdurchschnitt der gegenwärtigen Zuschauerschaft ablesen können.
Womit wir keinesfalls ausdrücken wollen, dass BRAINSTORM aus der Zeit gefallen wären. Das Gegenteil ist der Fall, denn obwohl das Quintett auf bunte Kostüme und klimpernde Keyboards als tragendes Element verzichtet, gibt es wohl nur wenige Genre-Bands, die so zeitlos klingen wie die Baden-Württemberger. Entsprechend begleiten den Klassiker „Worlds Are Comin‘ Through“ zum Einstieg zahlreiche Fäuste, bis im anschließenden „Devil’s Eye“ erstmalig die Stimmbänder der Anhängerschaft gefordert sind.
BRAINSTORM mögen zu den Veteranen des Genres zählen, klingen aber frisch wie eh und je

Geölt werden jene bald darauf per Wasserschlauch – die Grabenschlampen machen’s möglich und verhindern dabei gleichzeitig den einen oder anderen Kreislaufzusammenbruch unter der erbarmungslosen Augustsonne. Die Singalongs sind natürlich ein wichtiger Teil des BRAINSTORMschen Festivalsets, auch weil der sonst souverän auftretende Andy B Franck beim Vorsingen in „All Those Words“ plötzlich ins Stocken kommt. Ein ernsthafter Rückschlag ist das glücklicherweise nicht, macht der Sänger doch auch als Dirigent eine gute Figur.
Wiedererstarkt findet der sympathische Frontmann, der große Teile des Sets einen guten Meter vor dem eigentlichen Bühnenrand bestreitet, derweil ins letzte Drittel der Show zurück, wo es mit „Where Ravens Fly“ und dem Überhit „Ravenous Minds“ zwei weitere Argumente gibt, weshalb BRAINSTORM in den kommenden Jahren das Dutzend SUMMER BREEZE-Besuche vollmachen mögen. Hindern sollte sie daran hoffentlich nichts, schließlich ist die Band dank Neuzugang Kevin Lütlof selbst auf dem Papier so jung wie lange nicht mehr.

BRAINSTORM Setlist
1. Worlds Are Comin‘ Through
2. Devil’s Eye
3. Shiva’s Tears
4. The Shepherd Girl (Gitagovinda)
5. All Those Words
6. Where Ravens Fly
7. Crawling
8. Ravenous Minds
Fotogalerie: BRAINSTORM


















FUTURE PALACE

Es bleibt nichts dem Zufall überlassen: Bis ins letzte Detail ist das äußere Erscheinungsbild aufeinander abgestimmt. Passend zum Kleid nimmt Sängerin Maria einen Schluck aus der ebenfalls lilafarbenen Trinkflasche; Gitarrist Manuels blaues Instrument wiederum trägt den gleichen Farbton wie die LED-bestückten Plastikblasen des verzierten Mikroständers.
Diese Sorgfalt entspricht dem Sound des Trios, das seinen Alternative Metal mit zahlreichen Synth-Spuren und Backing Tracks anreichert. Insofern ist unser größter Kritikpunkt an dieser Performance der gleiche wie in der Vergangenheit: Ein wenig Unberechenbarkeit, vielleicht ein Live-Bassist würde den allzu perfekt inszenierten Shows Leben schenken.
FUTURE PALACE zeigen Haltung und stehen für ihre Überzeugungen ein

Davon abgesehen machen FUTURE PALACE ihre Sache jedoch ausgezeichnet. Das ruppige „Nixy“ als Eisbrecher erfüllt seinen Zweck hervorragend, während Frontfrau Maria ihre Rolle mittlerweile selbstbewusst und souverän ausfüllt. Gesanglich gab es bislang ja ohnehin nie etwas auszusetzen, obwohl uns heute das Mikro in den Anfangsminuten etwas leise scheint.
Dass die Band für die drei Musiker:innen zudem Vehikel für politische Botschaften ist, stellt man in einer deutlichen Ansage klar. Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern bzw. die Abwesenheit selbiger in der gelebten Realität steht sodann im Fokus von „The Echoes Of Disparity“. Gegen Homo- und Transphobie positioniert sich das Gespann natürlich ebenso lautstark und entschlossen: mit einem Statement, für das die heutige Show Symbolcharakter hat, steht doch für FUTURE PALACE die gemeinsame Erfahrung, das Miteinander, im Vordergrund, egal ob nun im Circle Pit oder in der ersten Reihe, wo man zu Stücken wie dem groovenden „Resurge“ lockerleicht im Takt springen kann.

FUTURE PALACE Setlist
1. Deep Blue
2. Nixy
3. Supernova
4. The Echoes Of Disparity
5. Resurge
6. Cyclone
7. Paradise
8. Decarabia
9. Dead Inside
10. Heads Up
11. Malphas
Fotogalerie: FUTURE PALACE













BROTHERS OF METAL

In den Vordergrund gedrängt haben sich BROTHERS OF METAL in ihrer Geschichte eigentlich nie und doch freut man sich dieser Tage über die Früchte der eigenen, unaufgeregten Arbeit. Nicht nur füllen die Schweden als Headliner mittlerweile durchaus respektable Hallengrößen, auch die Festivalslots werden mit jedem Jahr attraktiver. So verwundert es uns keineswegs, dass sich der Andrang vor der Main Stage zum ersten Mal am heutigen Tag bis spürbar hinter den zweiten Wellenbrecher ausbreitet.
Der mit Folk-Anleihen angereicherte Power Metal der Band eignet sich glücklicherweise hervorragend, um die feierwütige Crowd zu bespaßen: Zu „Njord“ darf das SUMMER BREEZE folglich im Takt springen, nachdem man in „Hel“ bereits die Moshtauglichkeit des eigenen Songmaterials hat überprüfen lassen. Den Test besteht man allein deshalb schon mit Bravour, weil der Metality-Verein diesen Auftritt ausgewählt hat, um einen inklusiven Circle Pit zu zelebrieren: Für ein paar Minuten dürfen sich Rollstuhlfahrer:innen und Besucher:innen mit anderweitigen Einschränkungen austoben, ohne dabei Kollateralschäden befürchten zu müssen.
Die Textsicherheit der Fans rührt BROTHERS OF METAL-Sängerin Ylva zu Tränen

Dieser Spirit entspricht ohnehin dem Grundgedanken der BROTHERS OF METAL, weshalb es hier niemanden stört, dass die sympathischen Schweden bis hin zu den Bühnenoutfits eher den kitschigen Rand des Genres bedienen. Ohnehin nehmen sich die Musiker:innen selbst nicht allzu ernst, haben sichtlich Spaß auf der Bühne und im Austausch mit ihren Fans.
Das wiederum gipfelt in einem unerwartet rührenden Moment: Als tausende Fans an der Seite von Sängerin Ylva die Hymne „Yggdrasil“ rezitieren – laut Kollege Mats Nilsson neben „Ride of the Valkyries“ der zweite „beste Song der Welt“ im eigenen Set – wischt sich die Frontfrau sichtlich überwältigt mit einem Lächeln die Tränen aus den Augen. Herzerwärmende Neuigkeiten gibt es während der anschließenden Bandvorstellung zudem von Sänger und Erzähler Nilsson selbst, der an Ort und Stelle seine Vaterfreuden mit dem Festival teilt. Denn genau jene Momente möchte er seinem Sprössling später einmal zeigen, wie er erklärt. Ein verschlagener Trick, um für „Defenders Of Valhalla“ auch noch die letzten Energiereserven der Menge zu mobilisieren? Wer käme denn auf solch einen hinterhältigen Gedanken? Gefeiert wird hier nämlich auch ohne Anlass bis zur letzten Sekunde.

BROTHERS OF METAL Setlist
1. Fimbulvinter
2. Prophecy Of Ragnarök
3. Hel
4. Ride Of The Valkyries
5. Njord
6. The Other Son Of Odin
7. Concerning Norns
8. Yggdrasil
9. Defenders Of Valhalla
Fotogalerie: BROTHERS OF METAL
















TBS

Als DIE HABENICHTSE am Dienstag den „Waschtag“ verkündeten, waren TBS leider noch nicht angereist. Ihr nicht mehr ganz so weißes Leinen jedenfalls könnte ein bisschen Wasser und Seife nämlich gut vertragen. Glücklicherweise spielt der Vorhang ohnehin nur eine untergeordnete Rolle und gibt schon nach wenigen Sekunden den Blick frei auf das neue Bühnenbild: Das Bandlogo hat man sich in dreidimensionalen Buchstaben anfertigen lassen und vor dem Drumriser platziert. Eine Kulisse, die ob des durchgeknallten Chaos in Kürze ohnehin niemand mehr beachten soll.
Die erste Wall of Death in “Bierosaufus Ex”, die Shouter Stroppo mittels eines urgewaltigen Rülpsers anzählt, ist dabei noch die konservativste Einlage, die wir von der Spaßband zu sehen bekommen. Doch egal, ob nun Rapper Alex mit einer Dose Monster seinen „Dokter“ anruft, oder man dem Energiegetränk einen eigenen Song widmet: TBS setzen zwischen den Songs auf Humor und spielen dabei mit unserer Erwartungshaltung. So endet die Wall of Death in „White Monster“ auch heute wieder in Rick Astleys „Never Gonna Give You Up“ anstelle des eigentlichen Tracks. „Ach, SUMMER BREEZE, ihr wisst doch, was kommt!“, kommentiert Stroppo mit gespielter Enttäuschung das wiederholt erfolgreiche Rickrolling.
TBS wollen sich mit der puren Eskalation zu ihren Füßen nicht zufriedengeben

Doch selbst wer vorab schon Bescheid wusste, stürzte sich natürlich trotzdem mit vollem Einsatz ins eigene Verderben: Die Späße spielen die Fans gerne mit, wenngleich sich die Band mit der puren Eskalation zu ihren Füßen nicht immer zufriedengeben will. „Wer nicht hüpft, fliegt raus!“, verkündet Stroppo während des skurrilen „Crazy Frog“-Covers, wo man heute – laut der sozialen Medien der Band jedenfalls – einen Weltrekord im Hüpfen aufgestellt habe.
Auf diese Weise geht es ungebremst weiter: Für den „Nudelsong“, den wir auf diesem Festival tatsächlich ein zweites Mal live erleben, holen sich TBS die KING NUGGET GANG auf die Bühne, bevor man in „Bierdurst“ die Signifikanz der regelmäßigen Flüssigkeitszufuhr in den Vordergrund stellt, gerade aufgrund der gegenwärtigen Hitze: „Wer bei TBS stirbt, fliegt raus.“, ergänzt Stroppo trocken, nur um wenige Minuten später selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. In „Baggersee“ springt der Frontmann in die Menge, um sich dort selbst eine Bierdusche zu verpassen.
Der Ritt auf dem Bananenboot wird für TBS-Shouter Stroppo zum ungeplanten Rodeo

Dass er damit durchkommt, ist allerdings schon verwunderlich, hätte die Security ihn zu diesem Zeitpunkt doch längst vom Gelände eskortieren müssen. „Ich bin tot“, ließ er nämlich unlängst verlauten, als sein Ritt auf dem Bananenpferdeboot in der Country-Persiflage „Klettergerüst“ mehrfach unfreiwillig im Publikum endete. Zugestanden, es ist nicht seine Schuld, dass die Fans die Crowdsurfeinlage zum Rodeo umfunktioniert haben. Doch Regeln sind nun mal Regeln.
Ein Happy End gibt es letztlich dennoch, wenn auch nicht für alle: Gnade vor Recht gibt es zwar nicht für das Ungetier im Rausschmeißer „Drachentöter“, doch für den redseligen Frontmann, weil ja schließlich noch ein paar Hits fehlen, wie wir anhand der gut gekleideten Fanschar im Zentrum ablesen können. Ohne „Sonnenbrille“ und „Bauchtasche“ ging hier kein ernstzunehmender TBS-Jünger auf den Platz – und von dort im Anschluss direkt zur aufgestellten Walkthrough-Dusche auf dem T-Areal, um Staub, Schweiß und Stroppos Dosenbier von den verklebten Körpern zu waschen.

TBS Setlist
1. Bierosaufus Ex
2. Lachen
3. Crazy Frog
4. White Monster
5. Der Nudelsong
6. Herr Dokter
7. Bierdurst
8. Klettergerüst
9. Detlef D Soost
10. Baggersee
11. Cityroller
12. Sonnenbrille
13. Bauchtasche
14. Drachentöter
Fotogalerie: TBS
























UNPROCESSED

Aller guten Dinge sind drei: Nach 2019 und 2024 dürfen UNPROCESSED endlich große Bühnenluft schnuppern. Für ihr Debüt auf der T-Stage hat die Progressive Metal-Band sogleich tief in die Tasche gegriffen: Sechs bewegliche Flammenwerfer, die mit zunehmender Spielzeit immer höhere Säulen gen Himmel spucken, untermalen die unbändige Energie des Quartetts visuell.
Ansonsten bekommen wir das, was wir von UNPROCESSED eben erwarten dürfen: Spieltechnischen Anspruch, mitreißende Arrangements und eine rastlose Bühnenperformance, bei der sich Bassist David John Levy einmal mehr als treibende Kraft hervortut. Das klingt nach einer intensiven Angelegenheit und das ist es auch, weshalb wir „business as usual“ in diesem Fall keineswegs mit Enttäuschung gleichsetzen wollen.
UNPROCESSED funktionieren selbst auf größeren Bühnen ausgezeichnet

Zwar bildet das aktuelle Album „Angel“ (2025) mit fünf Tracks den Schwerpunkt des Sets, mit „Hell“, „Lore“ sowie „Thrash“ gibt es jedoch einen ziemlich kompromisslosen Ausflug zum Meisterstück „…and Everything In Between“ (2023). Stilistisch eignet sich das unbeschwerte „Beyond Heaven’s Gate“ wahlweise zum Mitspringen oder als Singalong, wohingegen „Snowlover“ mit seinem unwiderstehlichen Groove für ein Festival wie das SUMMER BREEZE geradezu geschaffen scheint.
Das Fazit fällt nach dem Djent-Klassiker „Haven“ somit erwartungsgemäß eindeutig aus. Dort, wo sie wirklich hingehören, mögen UNPROCESSED noch nicht fest angekommen sein, die Entwicklung aber führt die Band in gesundem Tempo eben an exakt jenes Ziel: große Bühnen für eine schon jetzt große Show.

UNPROCESSED Setlist
1. 111
2. Sleeping With Ghosts
3. Beyond Heaven’s Gate
4. Hell
5. Lore
6. Thrash
7. Snowlover
8. Solara
9. Haven
Fotogalerie: UNPROCESSED














THE GHOST INSIDE

Längst dort angekommen sind THE GHOST INSIDE, obwohl es noch vor gut zehn Jahren unklar war, ob die Metalcore-Band nach ihrem verheerenden Busunfall jemals wieder auf den Brettern, geschweige denn der Main Stage des SUMMER BREEZE stehen würde. Als Symbol für Resilienz und Durchhaltevermögen sind die US-Amerikaner für uns natürlich ein Programmpunkt, den wir nicht gänzlich auslassen wollen.
Den Auftakt verpassen wir zwar aufgrund der terminlichen Überschneidung mit UNPROCESSED, treffen aber pünktlich zu „Going Under“ und dem Singalong „Dark Horse“ auf dem Battlefield-Areal ein. Der Sound ist wuchtig und transparent, wie eigentlich fast immer in diesem Jahr, die Band in bester Spiellaune. Allein wie es Frontmann Johnathan Vigil bei diesen Temperaturen in der Windjacke aushält, ist uns ein Rätsel.
Crowdsurfer:innen erwarten bei THE GHOST INSIDE signierte Trommelfelle als Trophäe

Ausgebremst wird der Shouter dadurch jedoch nicht, wirbelt über die Bühne und stachelt die Meute zum Mitmachen an. Dass die Resonanz hier und da verhaltener ausfällt als sonst, liegt eher am Klima denn der Begeisterung für die Musik der US-Amerikaner: Wo die Main Stage mit der Sonne im Rücken bereits Schatten spendet, ist das Gewusel bis hin zum Circle Pit deutlich wilder als dort, wo die Zuschauer:innen noch in der Hitze brüten müssen.
Ein bisschen Nachhilfe leisten THE GHOST INSIDE dennoch: Man habe signierte Trommelfelle dabei, erklärt Johnathan Vigil vor „Light Years“, und verteile diese nun an alle Crowdsurfer, die ihren Weg nach vorne finden. Nur solange der Vorrat reicht, versteht sich. Nach so viel Energie auf einmal fällt der folgende Durchhänger natürlich umso stärker auf: Das generische „Wash It Away“ ist auch live ein Rohrkrepierer, zumal Vigils Singstimme ohne Nachhilfe aus dem Studio eher mäßig souverän erklingt.
Trotz guter Stimmung scheint das Publikum langsam vor der Hitze zu kapitulieren

Dafür freuen wir uns umso mehr, als THE GHOST INSIDE im Anschluss die großen Hits auspacken: „Mercy“, „Dear Youth“, „Aftermath“ und „Engine 45“ sorgen für entsprechende Resonanz, obwohl das Publikum – und das können wir nicht wegdiskutieren – im Vergleich zu den zuvor aufspielenden TBS doch eher bewegungsfaul wirkt und sich vorwiegend auf statische Partizipationsmöglichkeiten beschränkt. Klatschen, Singen und Ballspielen zehrt eben nicht ganz so an den bereits ausgelaugten Energiereserven. Dass sich an Letzterem zudem Bassist Jim Riley beteiligt, indem er grinsend eines der aufblasbaren Wasserspielzeuge mit einem beherzten Kick von der Bühne zurück ins Geschehen befördert, spiegelt die lockere Stimmung während des kurzweiligen Sets in passender Weise wider.
DEICIDE

Raus aus der Komfortzone: Wenn man von alter Schule spricht, wäre es gerade im Death Metal wohl ein Sakrileg, DEICIDE zu unterschlagen. Eben weil die Band ungefähr so lange aktiv ist wie wir auf der Welt, sehen wir das Booking der US-Amerikaner als Bildungsangebot an, das wir selbstverständlich wahrnehmen wollen. Daher eilen wir am frühen Abend zur T-Stage, wo wir angesichts des Interesses an den Veteranen regelrecht Slalom laufen müssen, um überhaupt in Bühnennähe zu gelangen.
Erwartungsgemäß unaufgeregt holzen DEICIDE kurz darauf los, lassen keinen sprichwörtlichen Stein auf dem anderen, so dass wir mit Erleichterung feststellen, dass der heilige Schotterhaufen des SUMMER BREEZEschen Steinkults am Aufgang zur Main Stage, also auf der anderen Seite des Geländes, verortet ist. Rituale gibt es derweil auch an der T-Stage, wenngleich eher satanischer Art, wenn wir Frontmann Glen Benton Glauben schenken wollen.
Bei DEICIDE sitzen Riffs und Tempowechsel, wie man es von Veteranen eben erwarten würde

Zugegeben, die Texte des Bassisten und Sängers zu verstehen, ist wohl im Live-Kontext eine Wissenschaft für sich, denn zwischen roh-gurgelndem Growling und schrillen Screams bleibt nicht viel Platz für Diktion. Dafür sitzen die Riffs und Tempowechsel, soweit wir das anhand der rotierenden Häupter in der Menge adäquat beurteilen können. Allzu differenziert erscheint uns der Mix an unserer Position des Areals nämlich nicht, und da gerade der klassische Florida-Death nicht zu unserer liebsten Spielrichtung des Genres zählt, schwimmen wir bei der Einordnung etwas. Wir werden zwar langsam alt, aber vielleicht ist unsere musikalische Sozialisation für ein Kaliber wie DEICIDE tatsächlich bereits zu modern geprägt. Asche auf unsere Häupter?
Fotogalerie: DEICIDE









LAMB OF GOD

Was für ein Start! Unheilvolle Ambient-Geräusche künden von der Ankunft etwas Großen, bis die Ruhe vor dem Sturm durch eine gewaltige Eruption ihr jähes Ende findet. „Ruin“ walzt über das SUMMER BREEZE hinweg, während Sparkler-Effekte die Bühne in ein Funkenmeer verwandeln. Wäre es doch nur schon finster in Dinkelsbühl. Doch selbst bei Tageslicht verfehlt der Knall seine Wirkung nicht. „Wie geht’s, Deutschland?“, fragt Shouter Randy Blythe und schon lodern mehrere Meter hohe Flammen über die komplette Front der Main Stage verteilt.
Die dazu laufenden Visualisierungen auf den aufgestellten LED-Tafeln verkommen zum Beiwerk angesichts der Präsenz, die der Frontmann an den Tag legt. Stimmlich mächtig und dabei pausenlos unterwegs trägt er großen Anteil an der Faszination, welche LAMB OF GODs Live-Shows wecken. Ein weiterer Baustein im großen Ganzen ist der massive Sound, der „Laid To Rest“ zur Abrissbirne macht und gegen den die Stimmgewalt zehntausender Fans in „Now You’ve Got Something To Die For“ erstmal ankommen müssen.
Der Circle Pit erreicht bei LAMB OF GOD völlig neue Dimensionen

Das Drumming präzise, die Riffs scharf: Für den Pit bedeutet das nur eine Konsequenz und zwar, dass bisherige Dimensionen ohne großes Aufsehen gesprengt werden. Derweil blickt Sänger Randy auch mal über den Tellerrand hinaus bis zum Horizont, wo er den einsamen Zaungast auf dem benachbarten Feld erspäht und jenem kurzerhand einen Song widmet: „Into Oblivion“ ist nur eines der Stücke vom gleichnamigen aktuellen Werk, das später noch mit dem groovenden „Blunt Force Blues“ bedacht wird.
Durchatmen dürfen die Fans nur beim zurückgenommenen Instrumentalauftakt von „Grace“, in dessen zweiter Hälfte schon wieder der Circle Pit an Fahrt aufnimmt. Eindringlich beginnt zudem „512“ mit seiner ominösen Lead-Gitarre, wo sich die nächste Wall of Death wie von Geisterhand formiert. Eine Aufwärmübung für die großen Hits LAMB OF GODs, denen man mit „Walk With Me Through Hell“ und dem finalen „Redneck“ selbstverständlich nachkommt – wer während letzterem in der äußeren Peripherie des Pits unterwegs ist, dürfte in diesen Minuten locker einen mittleren dreistelligen Wert auf dem Schrittzähler hinzugewinnen.

LAMB OF GOD Setlist
1. Ruin
2. Laid To Rest
3. Now You’ve Got Something To Die For
4. Into Oblivion
5. Resurrection Man
6. Grace
7. Blunt Force Blues
8. 512
9. Walk With Me In Hell
10. Parasocial Christ
11. Omerta
12. Hourglass
13. Memento Mori
14. Redneck
Fotogalerie: LAMB OF GOD


















PERCHTA

Dass es uns in der Regel nur selten auf den abgelegenen Campsite Circus zieht, liegt nicht an mangelndem Interesse. Viele spannende Künstler:innen geben sich dort die Ehre, erfordern aufgrund des Umwegs bei oft knapp bemessenen Spielzeiten aber einen hohen Zeitaufwand. In Kauf nehmen wir diesen für PERCHTA nur allzu gern, hat die Tiroler Black Metal-Band doch mit „D’Muata“ im Jahr 2024 nicht nur ein hervorragendes Album veröffentlicht, auch von den Live-Qualitäten der Gruppe konnten wir uns in der Vergangenheit bereits überzeugen.
Ein Faible für große Auftritte hat Sängerin Frau Percht weiterhin: Wir hören das Knarzen von Holz, das Quietschen von Scharnieren und immer lauter werdende Schritte, bis plötzlich die Frontfrau mit grotesk verzogener Miene auf die Bühne stürmt. Das Outfit grausig und geschmackvoll zugleich, die Mimik verzerrt und überdreht, aber zugleich packend. Es braucht nicht einmal die einzigartigen Folk-Elemente, welche PERCHTA in Form des Hackbretts auf die Bühne bringen, damit wir Feuer und Flamme sind.
Durch ihren einzigartigen Stilmix ziehen PERCHTA ihr Publikum verlässlich in den Bann

„Ois wås man san“ startet hektisch wie rastlos mit Blastbeats, hysterischem Schreien sowie rohem Black-Metal-Furor, bis dann plötzlich erhebender Klargesang hinzustößt und sich das Stück zu öffnen beginnt. „Åtem“ wiederum wirkt naturverbunden und mit seinem rituellen Charakter fast hypnotisch, bevor „Summa“ irgendwo zwischen Ambient und a cappella eine eindringliche Atmosphäre heraufbeschwört.
PERCHTA spielen vor einem gebannten Publikum und selbst wir reizen jede uns zur Verfügung stehende Sekunde aus, um das Maximum aus dieser starken Performance mitzunehmen. Dass wir zum Ende von „Vom Verlånga“ dennoch vorzeitig die Segel streichen müssen, schmerzt mehr, als wir gedacht haben. Hätte der Headliner ARCH ENEMY nicht ein neues Gesicht in seinen Reihen und wäre der Rückweg nicht so lang, wir hätten die Show liebend gerne bis zum Ende gesehen.
Fotogalerie: PERCHTA























ARCH ENEMY

Die Trennung von Alyssa White-Gluz im letzten Jahr schlug hohe Wellen, doch aus den Fugen gerät eine Maschinerie wie ARCH ENEMY dadurch nicht. Davon will uns die schwedische Melodic Death Metal-Institution nun auf großer Bühne überzeugen und präsentiert ihr wohl bestes Argument an vorderster Front: Lauren Hart (ex-ONCE HUMAN) repräsentiert genau das, was der Band im vergangenen Jahrzehnt gefehlt hat. Darauf möchten wir uns schon nach den ersten zehn Minuten dieser eindrucksvollen Headline-Show festlegen.
Bei aller Professionalität ist Hart nicht nur ein Energiebündel auf der Bühne, das pausenlos umherflitzt, die Sängerin strahlt dabei auch noch bis über beide Ohren. Als sie wenig später in lupenreinem Deutsch erklärt, dass ARCH ENEMY ihre „Traumband“ sei, dann nehmen wir ihr das ohne mit der Wimper zu zucken ab. Dabei behält sich die Fronterin eben die Bodenständigkeit und Menschlichkeit bei, die wir zuletzt so vermisst haben: „Ich bin neu hier, hallo!“, stellt sie sich mit einem frechen Winken beim Publikum vor.
Mit ihren giftigen Screams weckt Sängerin Lauren Hart Erinnerungen an die ARCH ENEMY der 2000er Jahre

Diese Leichtigkeit beflügelt gleichzeitig das komplette Auftreten der Band, indem Lauren Hart ein gesundes Gegengewicht zu den einstudierten Abläufen der Gitarristen Michael Amott und Joey Concepcion darstellt, welche an fest definierten Punkten Rücken an Rücken ihre Soli spielen und dabei offenbar sogar ihre Kopfbewegungen abgesprochen haben.
Doch damit nicht genug, ist die Sängerin doch stimmlich ein etwas anderes Kaliber als ihre Vorgängerin. Galliger und giftiger erklingen ihre Screams, die damit näher an Angela Gussows roher Performance liegen. Ein Faktor, der sich in der Setlist widerspiegelt: Bereits der Einstieg mit „Yesterday Is Dead And Gone“ weckt wohlige nostalgische Erinnerungen, während „Ravenous“ vom „Wages Of Sin“-Album (2002) als weiterer Vertreter der Gussow-Ära nicht lange auf sich warten lässt.
ARCH ENEMY decken heute alle ihre Schaffensperioden ab

Überhaupt deckt die Songauswahl heute alle Schaffensperioden ARCH ENEMYs ab, von „Blood Dynasty“ (2025), das mit dem Titelstück bedacht wird, über „War Eternal“, wo neben der Stage selbst der Nachthimmel in Brand gesteckt wird, bis hin zum Frühwerk der Gruppe. Tatsächlich findet mit „Bury Me An Angel“ sogar der allererste Song, den Michael Amott seinerzeit für sein Lebenswerk geschrieben hat, den Weg zurück auf die Bühne.
Es ist eine Art „Best of“-Set, welches das Quintett hier in gewohnter Perfektion kredenzt und bei dem wir sehr schnell merken, dass nicht nur Lauren Hart richtig viel Lust auf diesen Querschnitt hat. Auch wir sind plötzlich wieder Feuer und Flamme, nachdem unser Verhältnis zu ARCH ENEMY zwischenzeitlich doch recht erkaltet war.
Die Dramaturgie ist die gleiche, doch so viel Leidenschaft haben ARCH ENEMY lange nicht mehr versprüht

Es ist schön, wieder die gleiche Begeisterung zu teilen, die gerade zehntausende Andere um uns herum ebenfalls empfinden: Die Leitmelodie von „The World Is Yours“ schallt aus zahllosen Kehlen, in „My Apocalypse“ säumen – wohl zum Grauen Alex Wesselskys (EISBRECHER) – ebenso viele Handyleuchten das Infield und nach der Sprungübung „No Gods No Masters“ darf der harte Kern vor dem ersten Wellenbrecher zu „Dead Bury Their Dead“ zum Feierabendlauf ansetzen – gegen den Uhrzeigersinn im Kreis, versteht sich.
Tatsächlich haben wir heute so viel Spaß mit ARCH ENEMY, dass wir nicht einmal ob der immergleichen Dramaturgie mancher Showaspekte mit den Zähnen knirschen. So schön „Snow Bound“ als Instrumental ist, ein wenig Abwechslung wäre für den Zugabenblock eine schöne Sache, zumal sich das Infield mit dem gesetzten „Nemesis“ zum Abschluss auch heute wieder in ein Bälleparadies verwandelt. Doch ist das angesichts dieser Power auf der Bühne ohnehin nebensächlich – was für ein Comeback.

ARCH ENEMY Setlist
1. Yesterday Is Dead And Gone
2. The World Is Yours
3. Ravenous
4. War Eternal
5. Blood Dynasty
6. My Apocalypse
7. To The Last Breath
8. Under Black Flags We March
9. The Eagle Flies Alone
10. Bury Me An Angel
11. No Gods, No Masters
12. Dead Bury Their Dead
13. Blood On Your Hands
14. We Will Rise
———————————
15. Snow Bound
16. Nemesis
Fotogalerie: ARCH ENEMY

























DER WEG EINER FREIHEIT

Die ersten Minuten des Auftritts verpassen wir zwar, aber es hat einen guten Grund, warum wir im Eilschritt zur T-Stage marschieren. Dort nachts und vor dem Hintergrund des beleuchteten Walds irgendeiner Post Black Metal-Band zu lauschen, ist für uns eine Kernerfahrung des SUMMER BREEZE OPEN AIRs. Dass es heute noch dazu eben nicht irgendein Vertreter des Genres ist, sondern DER WEG EINER FREIHEIT, macht die Tradition für uns umso erfüllender.
Wir suchen uns also linkerhand ein gemütliches Plätzchen auf dem Rasen, schließen die Augen und lassen uns treiben. Es ist ein Gefühl aus Müdigkeit und völliger Entspannung, das uns übermannt; dennoch driften wir zu keinem Zeitpunkt weg. Im Gegenteil, die Arrangements der deutschen Avantgarde-Band sind zwar ausladend, doch intensiv.
Nur wenige Bands können einen solchen Sog entwickeln wie DER WEG EINER FREIHEIT

Dabei entwickeln DER WEG EINER FREIHEIT einen Sog, wie ihn nur ganz wenige andere Künstler:innen in dieser Eindringlichkeit heraufbeschwören können. Die minimalistische Lightshow, die mit dichtem Nebel und viel indirektem Licht die Musiker oft als Silhouetten auf die T-Stage zeichnet, untermalt diesen Ansatz stimmungsvoll sowie unaufgeregt.
Zwar steht im Laufe der 60 Minuten das aktuelle Werk „Innern“ (2025) im Zentrum, doch neben Stücken wie „Eos“ oder „Xibalba“, zu dessen getragener zweiten Hälfte wir es noch rechtzeitig schaffen, sind nur ein Teil des Puzzles. Mit „Immortal“ schlägt das Quartett um Mastermind Nikita Kamprad zwischendurch ruhige Töne an und lässt gar etwas Klargesang einfließen, wohingegen „Ruhe“ vom Debüt unter Jubelschreien im Publikum einen Sturm losbricht. Atempausen streuen DER WEG EINER FREIHEIT behutsam, doch intelligent, weshalb das Ende in Form von „Forlorn“ schneller kommt, als uns lieb ist. Die Zeit fliegt eben, wenn man sich der Sache voll und ganz hingibt.
Fotogalerie: DER WEG EINER FREIHEIT









TEN56.

Als wir TEN56. zuletzt live erlebten, quälten uns die Franzosen mit einer halben Stunde Stroboskopgewitter. So unerträglich wie vor vier Jahren ist die Lichtuntermalung heute glücklicherweise nicht, sonderlich spannend wird es visuell leider ebenso wenig. Damit passt das Auftreten immerhin zur Musik, denn mit ihren tief gestimmten Gitarren und simplen Strukturen nutzt sich die immergleiche Herangehensweise der Band schnell ab.
„Doormat“ und „Saiko“ haben abseits rarer Tempowechsel wenig anderes zu bieten, später im Set gesellt sich noch etwas Klargesang hinzu, doch sonst hangelt man sich eben von einem Breakdown zum nächsten. Das hat für eine Weile aufgrund des simplen Grooves durchaus Unterhaltungswert, wird allerdings dann umso schneller ermüdend.
TEN56. ziehen ihr Ding durch, auch wenn der Unterhaltungswert schnell abnimmt

Einsatz fordert Shouter Aaron Matts dennoch ohne Wenn und Aber: „When this shit kicks in, grab the person next to you and kick them in the fucking face.”, lautet die sympathische Aufforderung. Immerhin scheint ein Verzicht ohne Konsequenzen, wären wir doch bei TBS-Stroppo andernfalls sicherlich rausgeflogen. Der exklusiv für weibliche Fans eingerichtete Moshpit ist dann noch eine nette Geste, kann uns allerdings nicht davon überzeugen, bis zum Ende der Spielzeit vor der Rebel Stage zu verweilen.
Fotogalerie: TEN56.










DEAFHEAVEN

„Lonely People With Power”. Gibt es eine bessere Kulisse für dieses intensive Stück Post Black Metal als die T-Stage zur Geisterstunde? Ihr aktuelles Werk aus dem Jahr 2025 stellen DEAFHEAVEN aus gutem Grund in den Fokus: Verbissen und intensiv zeigen sich die US-Amerikaner darauf, ohne die nachdenklichen Töne zu vergessen. Nichtsdestotrotz ist die Band in dieser Nacht zuvorderst laut: Frontmann George Clarke wirbelt regelrecht über die Bühne und will vom Genre-Klischee der in sich gekehrten Shoegaze-Fraktion so gar nichts wissen.
Das mag nicht die Regel sein für diese Spielart der Musik, welche ihren Sog insbesondere durch die massive „Wall of Sound“ und das Spiel mit Dynamik entwickelt. Es mag auch nicht der Form entsprechen, wie wir das Material DEAFHEAVENs am liebsten auf uns wirken lassen. Aber es funktioniert: Die Intensität, mit der Clarke zum Mitmachen animiert und Bewegung in die eigentlich ausgelaugte Zuschauerschaft bringen will, ist auf eigene Weise faszinierend.
Trotz fortgeschrittener Uhrzeit lassen DEAFHEAVEN nicht locker

Hinzu kommt eine gut eingespielte Band, die im einleitenden „Doberman“ nicht lockerlässt und im kompromisslosen „Sunbather“ gar noch eins draufsetzt. Dass sich „Brought To The Water“ dank prägnanter Lead-Gitarre und cleanem Einschub zeitweise öffnet, sorgt für kurze Erholung, wobei wir aufgrund der fortgeschrittenen Stunde – nach über zwölf Stunden auf dem Infield macht sich unsere Erschöpfung bemerkbar – zumindest einem der ruhigeren Tracks von „Infinite Granite“ (2021) nicht abgeneigt gewesen wären.
Als Zäsur wählen DEAFHEAVEN stattdessen das Interlude „Incidental II“, das zum Großteil vom Band kommt und die Band erst in der abschließenden Kakophonie aktiv hinzuzieht. Ihr Ziel jedenfalls hat das Quintett nach dieser 60-minütigen Vollbedienung erreicht: Wir sind zufrieden und geschafft. So sehr sogar, dass wir trotz geschmiedeter Pläne im Anschluss Feierabend machen: BIZARREKULT und WOLVES IN THE THRONE ROOM bekommen beim nächsten Mal die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.
Fotogalerie: DEAFHEAVEN














Samstag, 15. August 2026

Wie sehr sich die Trockenheit in diesem Jahr auf den Festivalalltag ausgewirkt hat, merken wir am letzten Morgen. Unsere Schuhe sind mittlerweile mehr hellbraun als schwarz, das Auto muss im Anschluss definitiv durch die Waschstraße und wie sehr die Kameraausrüstung durch den Staub in Mitleidenschaft gezogen wurde, erfuhren wir genau genommen schon am Vorabend, wo ein Kollege während seiner Reinigungsversuche darüber sinnierte, sich das versicherte Equipment doch lieber stehlen zu lassen. Zumindest die Pfriemelarbeit würde man sich dann ersparen.
Andererseits hat der Auslöser heute eigentlich nochmal Hochbetrieb: HELLOWEEN geben sich als Headliner die Ehre und bekommen dafür sogar ganze zwei Stunden statt der üblichen anderthalb zugestanden. Darüber hinaus laden ALESTORM zur Piratenparty, während traditionell geprägte Naturen der Audienz weiterer Metal-Veteranen entgegenfiebern. Max Cavalera gibt sich mit SOULFLY die Ehre, davor stehen TESTAMENT als gern gesehene Gäste ebenfalls in Dinkelsbühl auf den Brettern. Das ist freilich nur ein kleiner Auszug des Programms, das uns schon zur Mittagszeit aufs Gelände führt.
Weiterhin Teil des Steins, weiterhin Teil der Crew

Dort halten wir kurz an einem Gruppenevent: Seit 2024 gehören wir dem sogenannten „Stone Cult“ an, der am Auf- bzw. Abgang des Battlefield-Areals in Ringformation das Heiligtum in dessen Mitte bewacht. Wehe dem, der es wagt, diese Pilgerstätte ohne Opfergabe zu durchqueren. Schließlich legen dort Neu-Bekehrte regelmäßig einen jeweils eigens mitgebrachten Stein nieder, um das Aufnahmeritual anschließend durch eine persönliche Kostbarkeit zu besiegeln. Das können ein paar Tropfen des eigenen Gerstensafts sein oder aber kleinere Besitztümer: Wir sehen Stofftiere, Hüte, Sonnenbrillen, Feuerzeuge und sogar ein Stück Käse. Der Kult floriert trotz der Hitze.
HEAVYSAURUS

Gepilgert wird zur Mittagszeit sogar noch ein Stückchen weiter, geben sich doch um Punkt zwölf HEAVYSAURUS die Ehre, wo sich neben gestandenen Metalheads auch solche von Morgen um die große Bühne scharen. Hierfür öffnet das SUMMER BREEZE ausnahmsweise über einen eigens abgetrennten Bereich auch der Generation die Tore, welche eigentlich noch zu jung für den geregelten Festivalbetrieb ist.
Dass die Show der Dino-Drachen-Band eine Party für Groß und Klein ist, weiß man in Dinkelsbühl schon seit einer Weile, wo man zuletzt im Vorjahr zur gleichen Zeit mit Mr. Heavysaurus und seiner Crew feierte. Trotz der Hitze, die für die Band selbst sicherlich kein Zuckerschlecken sein dürfte, gibt das Quintett jedoch von Anfang an Vollgas, zündet zu „Metal um die Welt“ erst die Pyro-Effekte, bevor Gitarrist Riffi Raffi seinem Instrument das erste Solo hervorlockt.
Bei HEAVYSAURUS haben die jüngsten Fans genauso viel Spaß wie die Großen im Dino-Pit

Wie man eine große Show aufzieht, wissen HEAVYSAURUS mittlerweile bestens, weshalb buntes Farbfeuerwerk den direkt nachgelegten Hit „Kaugummi ist mega!“ begleitet. Konsequent bringt der schmissige Track auch Leben in den mittlerweile zur Tradition gewordenen Dino-Pit im Publikum, wo die Zahl der kostümierten Urzeitechsen im Vergleich zu 2025 nochmals zugelegt hat.
Spaß haben die jüngsten Besucher:innen in den vorderen Reihen derweil genauso, allein schon, weil sie ihren Dinohelden (plus Drache) die „Pommesgabel“ aus nächster Nähe entgegenstrecken können. Dass HEAVYSAURUS mit „Kuhglocke, Go!“ selbst die musikalische Bildung in Form von kleiner Instrumentenkunde nicht ganz vergessen, rundet das diesjährige Familienhighlight ab. Nächstes Jahr also zur gleichen Zeit am gleichen Ort wieder? Der Dinopit jedenfalls freut sich sicherlich über neue Mitglieder.
Fotogalerie: HEAVYSAURUS










PARASITE INC.

PARASITE INC. haben Verstärkung mitgebracht: Stand die Band im April auf dem EASTER CROSS ausnahmsweise noch in Unterzahl auf der Bühne, bekam sie in der Zwischenzeit offenbar Zuwachs. Am Mikro hilft derzeit CYPECORE-Frontmann Dominic Christoph aus, da der eigentliche Sänger (und Gitarrist) Kai Bigler derzeit aus gesundheitlichen Gründen seine Stimmbänder schonen muss. Für die Performance der Melodic Death Metal-Band auf der Main Stage wird diese Konstellation jedoch zum echten Zugewinn.
Da der Aushilfsshouter nicht an ein Instrument gebunden ist, hat er deutlich mehr Gelegenheit, die riesige Kulisse mit Leben zu füllen – eine Aufgabe, die Bassist Lou sonst größtenteils alleine schultert, während sich der stoische Bigler ungern ins Rampenlicht zu drängen scheint und Kollege Dominik Sorg neben den Fingern übers Griffbrett vornehmlich die eigene Haarpracht fliegen lässt.
PARASITE INC. tragen den anfänglichen Elan routiniert bis ins Finale

Beste Voraussetzungen also, die PARASITE INC. zu nutzen wissen: „First Born“ als treibender Einstieg setzt den Kurs, bevor die Band die Menge in „Follow The Blind“ gemeinsam aus der Hocke springen lässt. Das scheint Aufwärmprogramm genug für das SUMMER BREEZE, schalten doch alle Beteiligten ab diesem Augenblick einen Gang höher. In „Sunset Overdrive“ bedeutet das einen Circle Pit und in die Mitsing-Einlage während „Dead Or Alive“ stimmen die Fans ebenfalls gerne ein, bevor in „Once And For All“ eine stattliche Wall of Death ansteht.
„Viel Glück da in der Mitte“, wünscht Dominic Christoph den einzelnen Verrückten, die todesmutig im Epizentrum der nachfolgenden Erschütterung tanzen. Verletzte gibt es am Ende natürlich nicht, dafür aber ein per Fingern geformtes Herz vom Interimsfrontmann für das Geschehen zu seinen Füßen. Da PARASITE INC. diesen Elan über „Cyan Night Dreams“ mit seinem klar gesungenen Refrain bis hin zum Bandhit „The Pulse Of The Dead“ mitnehmen können, sind am Ende nicht nur die Musiker, sondern auch wir überglücklich mit dieser Vorstellung.
PARASITE INC. Setlist
1. First Born
2. Headfuck Rollercoaster
3. Follow The Blind
4. Sunset Overdrive
5. Dead And Alive
6. Once And For All
7. Cyan Night Dreams
8. The Pulse Of The Dead
9. When All Is Said
Fotogalerie: PARASITE INC.















SKELETON PIT

Ihren Auftritt fassen SKELETON PIT erst ganz am Ende treffend zusammen: Als „Violent Raid“ könnten wir diesen Überfall des Trios ohne Bedenkzeit oder Zweifel bezeichnen. Nach dem vermeintlich ruhigen Intro holzt die Formation mit Vollgas los, verbissen und energisch schneiden die Thrash-Riffs durch die staubdicke Luft. Die Belohnung ist ein kleiner Pit in „Awaken The Claw“, für das SKELETON PIT ebenfalls die richtigen Worte in der Hinterhand haben: ein „Hit in the Pit“?
Aber sicher; wer hätte gedacht, dass der Backkatalog der Aalener selbst auf der Meta-Ebene eine ausgezeichnete Figur macht? Seine größte Stärke entfaltet das Material trotzdem hier und jetzt im Live-Kontext, wo der Thrash Metal des Gespanns bissig und kompromisslos zum Austoben anstachelt und dabei trotz seiner Grundhärte überraschend gut ins Ohr geht.
Fotogalerie: SKELETON PIT









BLOODRED HOURGLASS

“I know, man… Can we still try?” – Manchmal muss man nur lieb fragen. Zwar hat Shouter Jarkko Koukonen vollstes Verständnis für die Strapazen, die sein Publikum nun den vierten bzw. fünften Tag in Folge auf sich nehmen muss. Über den anschließend gezeigten Einsatz, freut er sich trotzdem, als die Fans in der Nachmittagsglut zu „Where The Sinners Crawl“ auf und ab springen.
Dass es sich bei dem Stück um eines der wenigen älteren im Set handelt, scheint nicht der ausschlaggebende Punkt zu sein. Im Gegenteil feiern die Fans das im Fokus stehende aktuelle Werk „We Should Be Buried Like This“ (2025) mit der gleichen Begeisterung ab wie die Evergreens „Drag Me The Rain“ und „Veritas“.
BLOODRED HOURGLASS haben wir in der Vergangenheit kaum stärker erlebt als heute

Anteil daran hat sicherlich auch die Darbietung selbst: BLOODRED HOURGLASS treten heute spielfreudig auf, lassen die langen Haare – sofern vorhanden – synchron im Propellermodus rotieren und gehen mit gutem Beispiel voran, wenn es darum geht, am heißesten Tag des Open Airs ein paar Gänge höher zu schalten. Die einzige Pause in Form des nachdenklichen „God Has Favourites“ ist dennoch eine willkommene Abwechslung. Ein bisschen Durchschnaufen müssen wir trotz der erfrischenden Dusche mit dem Wasserschlauch zuvor.
Ein wenig Klargesang gibt es darüber hinaus in „Chasing Shadows“, wo Gitarrist Lauri Silvonen (WOLFHEART) zwischenzeitlich zum Mikro tritt und dabei eine durchaus gute Figur macht. Viel Raum für Kritik bleibt also nicht: BLOODRED HOURGLASS haben wir in der Vergangenheit kaum besser erlebt als heute, auch wenn wir natürlich dem einen oder anderen zusätzlichen Klassiker-Track nicht abgeneigt gewesen wären.
Fotogalerie: BLOODRED HOURGLASS















WUCAN

Ohne Backdrop, dafür mit klassischen Orange Amps könnte man das schlichte Stageset als Statement lesen. Mehr als sich selbst – und ihre Instrumente versteht sich – brauchen WUCAN nicht, um eine packende Rock-Show aufzuziehen. Dass der Plan aufgeht, liegt zu nicht unwesentlichem Anteil an Francis Tobolsky: Das passionierte Auftreten der Sängerin bindet schnell unsere Aufmerksamkeit, während ihre Mitmusiker zwar abgeklärt, doch insgesamt eher unaufgeregt ihre Instrumente bedienen.
Das wiederum versprüht seinerseits eine gewisse Coolness; weniger aufgrund der Kippe, die Gitarrist Tim George lässig im Mundwinkel qualmen lässt, sondern weil die Band in passender Mode ein fast vergessenes Feeling von Rock’n’Roll heraufbeschwört. Musikalisch tritt das in „Irons In The Fire“ spürbar zutage, grundsätzlich jedoch bringen WUCAN eine ganze Reihe weiterer Einflüsse von progressiv bis psychedelisch mit sich. Das wiederum spiegelt sich in einem Solo wie dem von „Spectres of Fear“ oder im Querflötenspiel von Fronterin Francis.
WUCANs Bühnenpräsenz weckt eine gewisse Faszination

Deren ausdrucksstarke Gestik und Körpersprache schließlich führt dieses bunte Potpourri visuell zusammen und erzeugt im Bestfall einen regelrecht hypnotischen Sog. Das ist nicht jedermanns Sache, wie wir mancher Reaktion innerhalb der ersten Minuten entnehmen, weckt in uns aber eine gewisse Faszination – auch wenn wir letztendlich terminbedingt nur Teile des Auftritts verfolgen können.
Fotogalerie: WUCAN













ORBIT CULTURE

Die Main-Stage-Premiere war nur eine Frage der Zeit. ORBIT CULTURE sind seit ihrem letzten Auftritt auf dem SUMMER BREEZE OPEN AIR nicht ohne Grund durch die Decke gegangen. Catchy, melodisch, groovend und massiv wie eine Urgewalt erklingen die Schweden, wohin sie auch kommen – und kehren heute nicht von diesem Erfolgsrezept ab. Entsprechend fett und klar ist der Soundmix, der dem Quartett dabei verhilft, schon mit „Death Above Life“ ihren bevorstehenden Siegeszug zu verkünden.
Dass manche Fans direkt während des Openers schon auf dem Hosenboden Platz nehmen, um zu rudern, hatte Frontmann Niklas Karlsson zwar nicht auf dem Schirm, er nimmt diesen Ausdruck von Wertschätzung jedoch ebenso gern entgegen, wie den folgenden Circle Pit im nach vorn preschenden „The Storm“. Dass der moderne Death Metal ORBIT CULTUREs ein generationenübergreifendes Ding ist, hätten wiederum wir nicht erwartet, bis wir im Hit „North Star Of Nija“ einen Papa mit seinem Sprössling beim gemeinsamen Crowdsurfen erspähen.
Die treue Fangemeinde ORBIT CULTUREs setzt Sänger Niklas Karlssons Wünsche in Windeseile um

Dergleichen soll es später noch eine ganze Menge geben, wobei Karlsson zunächst andere Pläne hat: „Bloodhound“ sei für Konzerte wie dieses geschrieben. Doch gleichzeitig müsse der Pit noch um ein paar Meter anwachsen – eine Forderung, der die Metalheads binnen Sekunden Folge leisten. Dass eine solch gigantische Lücke auch logistische Herausforderungen mit sich bringen kann, erleben wir aus nächster Nähe in „Rasen“: Weil man nicht so recht weiß, wohin man nun die Crowdsurferin reichen soll, wird ein spontaner Entschluss gefasst. „Durch den Pit!“, heißt es plötzlich im Chor, woraufhin man die Dame per Eillieferung zielstrebig wie sicher durch die Gefahrenzone transportiert.
Das Timing könnte nicht besser sein, hätte man sich dort doch Minuten später am Schauplatz einer Wall of Death wiedergefunden. Bei so viel Action in der Menge könnte man fast vergessen, dass auf den Brettern selbst vier gut eingespielte Musiker den Takt vorgeben. Gitarrist Richard lässt mit finsterer Miene vorwiegend die Haare fliegen, während Fredrik Lennartson am Bass „The Tales of War“ mit ein paar zusätzlichen Backing Vocals veredelt – dank mehrerer aufgestellter Mikrofone aus jeder Ecke der Stage.
Gänsehautgarantie gibt es bei ORBIT CULTURE nicht nur für die Fans

Das Fazit dieser einstündigen Machtdemonstration kommt derweil von Niklas Karlsson selbst: „Ich hab‘ am gesamten Körper Gänsehaut.“ – Ein Gefühl, das man auf dem Infield augenscheinlich bestens nachvollziehen kann, ziehen wir den Jubel heran, mit dem die Skandinavier nach dem kompromisslosen „Vultures Of North“ verabschiedet werden.
ORBIT CULTURE Setlist
1. Death Above Life
2. The Storm
3. The Tales Of War
4. North Star Of Nija
5. From The Inside
6. Bloodhound
7. Rasen
8. While We Serve
9. Hydra
10. Vultures Of North
Fotogalerie: ORBIT CULTURE




















TESTAMENT

Ein bisschen unangenehm berührt sind wir schon angesichts dieses Fehlstarts: Ein animierter Schädel spricht während des Intros direkt zum Publikum: „Scream!“, lautet die Anweisung, bevor der Knochenkopf gleich zweimal nach einer noch lauteren Reaktion verlangt. Der Haken an dieser – eigentlich – interaktiven Einleitung ist jedoch, dass diese Forderung vor der Main Stage kaum jemand mitbekommt. Totenstille ist die Resonanz, als würde man das Filmchen eben noch über sich ergehen lassen, bevor sich TESTAMENT endlich selbst die Ehre geben.
Tatsächlich ändert sich die Stimmung auf dem Battlefield mit einem Schlag, als die Thrash-Veteranen mit „Into The Pit“ und damit direkt einem Klassiker einsteigen. Dergleichen haben die US-Amerikaner selbstverständlich eine ganze Menge im Gepäck, wobei sich die Mannen um Chuck Billy – heute wieder stilsicher mit Stirnband – keineswegs nur auf den Lorbeeren von „More Than Meets The Eye“ und Co. ausruhen.
Es ist beeindruckend, wie aktiv TESTAMENT selbst heute noch über die Bühne fegen

Ihr jüngstes Schaffen stellt die Bay-Area-Band beispielsweise mit „Shadow People“ vor und präsentiert sich zugleich hungrig wie zu Anfangstagen. Generell ist es beeindruckend zu sehen, wie aktiv die Mannen selbst heute noch über die Bühne fegen: von Müdigkeit oder Erschöpfung ist weiterhin nichts zu spüren.
Dem schließen sich die Fans an, die gerne mitsingen, sofern es sich anbietet, oder eben auf andere angebrachte Weise partizipieren: Fäuste recken, Haare schütteln – wir alle kennen die Spielchen nur zu gut. Mitmachen lohnt sich heute zudem gleich doppelt, denn neben dem Spaß lockt auch eine kleine Belohnung. Immer wieder wirft Sänger Chuck Billy in hohem Bogen kostenlose T-Shirts ins Publikum. Wer eingangs noch mit den Gedanken woanders war, brüllt nun natürlich umso euphorischer in Richtung Main Stage. Also ganz so, wie es sein soll, wenn sich TESTAMENT mal wieder in Dinkelsbühl blicken lassen.
Fotogalerie: TESTAMENT

















DECAPITATED

Wie sehr die vergangenen Tage den Besucher:innen in den Knochen stecken, ist gerade vor der T-Stage zu spüren. Während DECAPITATED die Daumenschrauben anziehen, bleibt die Luft davor erstaunlich klar. Warum hier weniger Staub als sonst fliegt, liegt nicht allein am zuvor bewässerten Infield: Die Fans sind schlicht müde. Was aber nicht die Wertschätzung für die polnische Death Metal- / Deathcore-Band schmälern soll, denn sobald Sänger Eemeli Bodde das Wort ans Publikum richtet, ist die Resonanz deutlich zu hören.
Man hat augenscheinlich Spaß mit Songs wie „Last Supper“ oder „Earth Scar“ – die Fäuste schießen in den dafür vorgesehenen Parts reihenweise in die Höhe -, doch für mehr fehlt den meisten schlicht die Energie. Das ist insofern schade, da DECAPITATED sichtlich gut aufgelegt sind und mit dem nicht mehr ganz neuen Frontmann Bodde einen fähigen wie sympathischen Mann an vorderster Front wissen.
Mit fortschreitender Spieldauer bekommt auch der harte Kern im Pit stetigen Zuwachs

Ohne allzu viele Worte verlieren zu müssen, spricht das Grinsen des Shouters Bände. Breiter wird es nur, als mit zunehmender Spieldauer der harte Kern im Pit stetigen Zuwachs zu bekommen scheint. Eigentlich nur logisch, denn mit der schwindenden Sonne werden die Temperaturen erträglicher, während es bei Songs à la „404“ dank des guten Mix und der beherzten Performance selbst in unseren Füßen kribbelt. Fehlt eigentlich nur noch eine zweite Live-Gitarre statt des Backing Tracks und wir wären nahezu wunschlos glücklich.
DECAPITATED Setlist
1. The Blasphemous Psalm To The Dummy God Creation
2. Last Supper
3. Earth Scar
4. A Poem About An Old Prison Man
5. Cancer Culture
6. 404
7. Spheres Of Madness
8. Kill The Cult
9. Suicidal Space Programme
10. Iconoclast
Fotogalerie: DECAPITATED











ALESTORM

Die Quietscheentchen vermehren sich nicht nur, sie werden auch immer größer. Von den drei Stück auf der Bühne überragt noch die kleinste Frontmann Christopher Bowes um einen guten Meter, während sich auf dessen Kappe neuerdings ein Miniaturexemplar eingenistet hat. Lange müssen wir zudem nicht warten, bis in „Keelhauled“ ein weiteres der gelben Maskottchen ins Publikum segelt. Die Message ist somit klar: ALESTORM sind nach wie vor die Alten, also ein Garant für 80 Minuten Party der feuchtfröhlichen Sorte.
Und wem das noch nicht zu deutlich ist, bei dem sollte der Groschen spätestens beim Dad-Joke des Festivals fallen: „Let me see your hands in the air, SOME-ARE-BEES!“, fordert er das spontan umgetaufte Open Air auf. Das macht man in Dinkelsbühl gerne, obgleich nicht immer nur zum Klatschen: Schon in „Killed To Death By Piracy“ häufen sich die Crowdsurfer, die gleich mehrfach auf menschlichen Brettern unterwegs sind. Zum Piratengimmick der Schotten passt das natürlich hervorragend. Allerdings würden Fans der Band wohl das Gleiche über das rosafarbene Axolotl sagen, welches sich über die Köpfe der Menge tragen und dabei Seifenblasen in den Abendhimmel aufsteigen lässt.
Von Sombrero bis Heiratsantrag – an Schauwerten mangelt es während der ALESTORM-Show nicht

An Schauwerten mangelt es während der Show somit sicherlich nicht, gerade weil es im Publikum vom fröhlich hüpfenden Circle Pit bis hin zu zahlreichen Schwimmutensilien an Kuriositäten nur so wimmelt. Die Größte aber hält sogar die Filmkamera fest, als irgendwo im Publikum gefühlt aus dem Nichts die Frage aller Fragen gestellt wird – der Soundtrack dazu? „Zombies Ate My Pirate Ship“ natürlich, wird man sich doch von nun an gemeinsam einen Kahn teilen.
Direkt vor den Brettern bekommt man den Heiratsantrag nicht mit: Hier rudern die Anhänger:innen um die Wette – und das nicht zum letzten Mal an diesem Abend. Denn während die Grabenschlampen zu „Nancy The Tavern Wench“ gemütlich schunkeln, sitzen die Hardcore-Fans in der Mitte längst wieder im Staub. Mitunter scheint uns der Einsatz der Leute fast schon inszeniert, als zu „Mexico“ plötzlich ein Crowdsurfer im Sombrero an uns vorbeizieht.
Zur Hitparade im letzten Drittel fliegt plötzlich ein knappes Dutzend Riesenenten über die Menge

Dennoch passt man inmitten des Tohuwabohus aufeinander auf: Als die mittlerweile ungesund aussehende Riesenente in den Pit geschleift wird, schwant uns schon Schreckliches, doch alle missglückten Versuche, in der Folge auf dem gelben Wassertier zu reiten, enden sanft in den Händen der umstehenden Personen.
Bei so viel Zusammenhalt kann ja eigentlich nichts schief gehen, als man endlich zum „guten Zeug“ kommt, wie Chris Bowes den unverschämt eingängigen Hit „P.A.R.T.Y.“ ankündigt. Um anschließend die völlige Eskalation sicherzustellen, sucht das Battlefield plötzlich eine Invasion riesiger Quietscheentchen heim. Ganze neun Stück zählen wir zwischenzeitlich zum Evergreen „Drink“.
Aus der Ferne wirkt das Gastspiel ALESTORMs zweifelsohne wie die größte Party des Festivals

Dass wir währenddessen langsam den Weg zur T-Stage antreten, ist ein Jammer, hat jedoch auch einen Vorteil: Von der höher gelegenen Zweitbühne aus bietet sich ein beeindruckendes Bild der Main Stage, wo sich die Enten mittlerweile bis zu den Menschenmassen am hinteren Ende durchgeschlagen haben. Wären wir nicht gerade selbst dort gewesen, wir hätten panische Angst verspürt, gerade die größte Party des Festivals verpasst zu haben.
ALESTORM Setlist – ca. 80 Minuten
1. Keelhauled
2. Killed To Death By Piracy
3. The Sunk’n Norwegian
4. Zombies Ate My Pirate Ship
5. Mexico
6. Under Blackened Banners
7. Banana
8. Hangover
9. Hyperion Omniriff
10. Nancy The Tavern Wench
11. Alestorm
12. Shipwrecked
13. The Storm
14. P.A.R.T.Y.
15. Shit Boat (No Fans)
16. Drink
17. Uzbekistan
18. Fucked With An Anchor
19. Rumpelkombo
Fotogalerie: ALESTORM















SOULFLY

Warum denn hier so viel los sei, fragt unsere unwissende Begleitung, die mit dem Namen Max Cavalera eben keine mehr als vier Dekaden andauernde Erfolgsgeschichte verbindet. Der prägende Einfluss des Brasilianers sorgt dafür, dass es auf dem T-Square um halb neun ziemlich kuschelig zugeht, was dem Großmeister allein allerdings nicht genug scheint.
Mit dem unverwüstlichen Evergreen „Back To The Primitive“ machen SOULFLY sodann Nägel mit Köpfen: Die Meute soll den Kopf ausmachen und zum groovenden Tribal-Rhythmus am besten beide Beine vom Boden lösen. „Everybody jump!“, lauten die ersten Worte Cavaleras, welchen natürlich Folge geleistet wird. Und somit steht die Marschrichtung für die nächste Stunde: Ob SOULFLY nun „Seek ’n‘ Strike“ oder „No Hope = No Fear“ nachschieben, die Devise bleibt unverändert.
Roh und ungezügelt lassen SOULFLY nicht locker

Und so springen diejenigen, die noch etwas Sprit im Tank haben, die ersten zehn Minuten pausenlos durch, um dann mit den ersten Takten von „Prophecy“ umso energischer ineinander zu krachen. So kraftvoll der Pit, so roh und ungezügelt die Performance der Band. Das schließt den Bandkopf mit ein, der heute gewohnt roh, doch stimmlich auch ein bisschen müde klingt. Die Urgewalt der Anfangstage verspüren wir heute somit nicht, von Altersmilde wollen derweil weder wir noch Max Cavalera etwas wissen. Das Tribal-Instrumental „Bumba“ mit Percussioneinsatz ist somit nur als Zäsur anzusehen, bevor in „Downstroy“ wieder die gewohnte Abrissbirne zum Einsatz kommt.
Fotogalerie: SOULFLY















HELLOWEEN

Ganze zwei Stunden bekommen HELLOWEEN, um ihre Jubiläumsshow zum 40-Jährigen auf die hiesige Festivalbühne zu bringen. Das ist eine halbe Stunde mehr als üblich und doch muss die Power Metal-Legende hier und da den Rotstift ansetzen, um nicht zu überziehen: bei der Setlist, bei den Ansagen, nicht aber beim animierten Intro, das über die seitlichen Videotafeln flimmert und die Diskografie der Band in einer kargen Felslandschaft in Szene setzt. Das ist mit seinem 2000er Charme etwas trashig, soll uns aber nicht weiter stören. Denn besser ein angestaubtes Intro, als ebensolche Musik.
Jene hat hingegen zeitlosen Charakter scheint die Botschaft, die uns das animierte Uhrwerk im Hintergrund der zweistöckigen Bühne überliefern will. „March of Time“ ist ein geradliniger Opener mit entsprechender Größe und ein klares Statement, das in punkto Megalomanie nur von Daniel Löbles vier Bassdrums umfassenden Kit in den Schatten gestellt wird – SPINAL TAP würden vor Neid erblassen.
Andy Deris und Michael Kiske teilen sich die Aufgaben am Mikrofon brüderlich und ergänzen sich erstaunlich gut

Dennoch ist das erst der Auftakt einer Zeitreise, wie uns der animierte Hüter der sieben Schlüssel anschließend erläutert. Gespickt mit Hits, Klassikern und ein paar aktuellen Nummern ziehen HELLOWEEN eine entsprechend pompöse Show auf, die insbesondere gesanglich großes Kino ist. Zugegeben, während „March Of Time“ haben wir noch etwas mit Andy Deris‘ hohen Noten gefremdelt, doch schon in „The King For A 1000 Years“ sind wir voll an Bord. Deris und sein Kollege Michael Kiske ergänzen sich dabei auffallend gut, teilen sich die Aufgaben am Mikro brüderlich und überlassen dem jeweils anderen für einzelne Songs das Rampenlicht.
Während beispielsweise Andi Deris in „We Burn“ im Schein der Flammenwerfer das Szepter übernimmt, überreicht er selbiges im Anschluss an seinen Partner, der „Twilight Of The Gods“ federführend übernimmt. Zwar glauben wir nicht, dass er damit die Obrigkeit verärgert hat, und doch prasseln während der Show plötzlich die Regentropfen vom Himmel. Lange ersehnt, kommt der Schauer nun zur denkbar schlechtesten Zeit.
In „Ride The Sky“ übernimmt Gitarrist und HELLOWEEN-Gründer Kai Hansen den Gesang

Immerhin heizen uns HELLOWEEN musikalisch ein, wenn sich Kiske und Deris nicht gerade in ihren einstudierten Ansagen verlieren. Immerhin wirkt das Hin und Her irgendwie sympathisch, vermutlich weil die Witzchen eher wie etwas steif vorgetragene Sketch-Einlagen wirken. Immerhin: Unterhaltsamer als Kai Hansen unnötiges Gitarrenintro zu „Future World“ ist der Dialog der beiden in jedem Fall.
Aber wir wollen nicht zu hart sein, schließlich hat der Gitarrist und Bandgründer ansonsten nur wenige Gelegenheiten, selbst federführend in Erscheinung zu treten. „Ride The Sky“ ist so ein Augenblick, wo Hansen an vorderster Front selbst ans Mikro tritt. Zwar scheint während der Solos etwas der Wurm drin, dafür entwickelt die Nummer einen kräftigen Zug nach vorne.
HELLOWEEN beenden ihre Headline-Show mit einem Feuerwerk

Die Powerballade „Into The Sun” holt uns anschließend wieder auf den Boden zurück, bevor HELLOWEEN mit „Hey Lord!“ einen Klassiker aus den 80ern anstimmen und dabei auf stimmliche Unterstützung hoffen, wie uns Andy Deris wissen lässt. Was zuvor schon bei „Future World“ und „We Burn“ ausgezeichnet geklappt hat, enttäuscht die Band natürlich auch jetzt nicht: Das SUMMER BREEZE zeigt sich heute Abend sowohl textsicher als auch gut bei Stimme.
Für uns wiederum ist das ein Signal, langsam weiterzuziehen: Band und Publikum sind jeweils in des anderen Arme gut aufgehoben, so dass wir – neugierig ob des Kontrastprogramms am T-Square – langsam losschlendern. Das große Finale jedenfalls können wir eine halbe Stunde später zwar nicht hören, dafür allerdings sehen: Mit einem Feuerwerk endet traditionsgemäß die Headline-Show des Samstags. Dass jenes uns diesmal ein wenig abgespeckt und weniger imposant erscheint, liegt wohl in der Dürre begründet: Einen Flächenbrand möchte man aufgrund fehlgezündeter Feuerwerkskörper in Dinkelsbühl vernünftigerweise nicht riskieren.
Fotogalerie: HELLOWEEN



















PALEFACE SWISS

Dabei handelt es sich um Bedenken, die PALEFACE SWISS völlig fremd sind, möchten wir meinen. Binnen Minuten stecken die Schweizer die komplette T-Stage in Brand und zwar aus allen möglichen Richtungen: Später im Set schießen die Flammen sogar von den Bühnenrändern zur Mitte und über die Köpfe der Musiker hinweg. Dieser Sinn für Ästhetik beginnt derweil schon beim Intro, wo Sound und Licht perfekt aufeinander abgestimmt sind und die Spannung schüren für einen regelrecht explosiven Auftritt.
Dass es auf dem Areal brechend voll ist, liegt folglich nicht nur am härteren Alternativprogramm, das PALEFACE SWISS all jenen bieten, die mit dem Headliner HELLOWEEN – im Übrigen Gitarrist Yannicks Einstiegsband in den Metalkosmos – wenig anfangen können. Genauso wenig lässt es sich mit dem bloßen Hype begründen, der die Formation derzeit umgibt. Die gegenwärtige Situation ist wohl in erster Linie Beleg für die Live-Qualitäten des Quintetts, das mit „I Am A Cursed One“ brachial und ungezügelt loslegt. Das geschieht mit Elan und Biss, weshalb die Eskalation im Pit nicht lange auf sich warten lässt.
Shouter Zelli hat sich in seiner Rolle als Frontmann endgültig gefunden

Natürlich ist der Mix aus Nu Metal à la SLIPKNOT und roher Hardcore-Attitüde, die gerne auch in den Backing Shouts zutage tritt, ein entsprechend effektives Gebräu. Gleichzeitig hat sich Zelli mittlerweile zum Frontmann von Format gemausert. Mit beispiellos eindringlicher Präsenz diktiert der Shouter das Geschehen, ohne dabei auf eine übertrieben harte Persona setzen zu müssen. Dass sich der Sänger mittlerweile in seiner Rolle gefunden hat, macht das Auftreten der Band aller verbissener Intensität zum Trotz sympathisch – selbst wenn wir selbst ein bisschen zu alt für das GenZ-Vokabular sein mögen.
Dafür verspricht uns Zelli keineswegs zu viel, wenn er uns verspricht, dass es nun „richtig ab[gehe], Brudi.“ Der Beweis ist die in der Dunkelheit zur undefinierbaren Masse gewordene Fangemeinde, die zu „…and with hope you’ll be damned“ auf und ab springt. Damit auch niemand auf den Gedanken kommt, anschließend einen Gang runterzuschalten, geht der Fronter in „Nail To The Tooth“ am Wellenbrecher auf Suche nach zusätzlicher stimmlicher Unterstützung – oder vielleicht auch nur, um herauszufinden, woher denn nun zu dieser späten Stunde die crowdsurfende Person im rosafarbenen „Hello Kitty“-Kostüm hergekommen ist.
Bei PALEFACE SWISS erreicht der Pit bisweilen Dimensionen, die wir an der T-Stage nur sehr selten zu sehen bekommen

Dass das SUMMER BREEZE das Mikro indes nicht unbedingt braucht, stellt es kurz darauf in „Best Before: Death“ klar, wo gefühlt das komplette Infield die Hook begleitet. Angesichts dieses Energielevels mag eine Powerballade wie „Everything Is Fine“ ein kleines Risiko sein, vor treuen Fans, die sich hier gegenseitig auf die Schultern heben, wird allerdings selbst diese Zäsur zum gefühlvollen Singalong. Wie man daran anknüpft? Mit einer Wall of Death natürlich – oder auch zwei, denn hinter dem Wellenbrecher geht es weiter.
Dabei erreicht der Pit Dimensionen, die wir an der T-Stage nur sehr, sehr selten zu sehen bekommen – und die Zelli dennoch nicht genug erscheinen: „Macht mal eure scheiß Smartphones weg, ihr guckt die Scheiße eh nie wieder an!“, erklärt er den Leuten am Rand mit weisen Worten: Da könne man ja stattdessen auch Teil der Erfahrung sein. Eskalation auf der Bühne, Eskalation davor – was will man mehr? Eben.

PALEFACE SWISS Setlist
1. I Am A Cursed One
2. Hatred
3. …And With Hope You’ll Be Damned
4. Nail To The Tooth
5. Best Before: Death
6. The Orphan
7. Everything Is Fine
8. The Gallow
9. My Blood On Your Hands
10. Love Burns
11. Let Me Sleep
12. Please End Me
Fotogalerie: PALEFACE SWISS













THY ART IS MURDER

“Who the fuck is Jerry Grimefeld?” Was der neue Frontmann selbstironisch auf dem T-Shirt trägt, ist tatsächlich eine berechtigte Frage. Nur wenige Tage zuvor standen THY ART IS MURDER plötzlich mit neuem Mann am Mikro auf der Bühne – keine Ankündigung, keine Info zur Trennung von Vorgänger Tyler Miller. Die Stimme für den Job hat der Neuzugang jedenfalls. Grimefelds Bandbreite im extremen Spektrum ist enorm, die Screams so fies wie das Growling voluminös. Dass er in punkto Deutlichkeit noch zulegen kann, soll an Ort und Stelle erstmal nicht stören.
Denn selbstbewusst und mit ungewohnt lockerem Gang marschiert der Sänger über die Main Stage, während um ihn herum die Pyro-Effekte zünden. Selbst auf der großen Bühne verfehlt der Deathcore der Australier seine Wirkung nicht, so viel ist nach dem Einstieg mit „Blood Throne“ klar. Das liegt am ungemein fetten Soundmix, den klug gesetzten Special Effects und dem bewährten Songmaterial THY ART IS MURDERs, das heavy und doch für Genre-Verhältnisse eingängig daherkommt.
Ein medizinischer Zwischenfall überschattet eine bärenstarke Performance

Zweifel? Ein Blick auf den ARTE-Mitarbeiter an der Dolly-Kamera dürfte Klarheit schaffen, lässt es sich der gute Mann doch nicht nehmen, während der Arbeit selbst die Haare zu schütteln. Wir jedenfalls sind uns nach zehn Minuten schon sicher, hier unerwarteterweise eines unserer Festivalhighlights zu sehen, das nur durch einen medizinischen Zwischenfall während „Death Squad Anthem“ überschattet wird.
Rund zehn Minuten dauert der Einsatz der Sanitäter in Pit-Nähe, bevor es mit der Show weitergehen kann. Dazu gehört natürlich auch ein Circle Pit wie in „Slaves Beyond Death“. Aufeinander aufpassen solle man allerdings, merkt Jerry Grimefeld an. Eine Warnung, die nach dem vorherigen Unglück umso wichtiger erscheint – zumal die Fans im Zentrum weiterhin Vollgas geben. Diese Leidenschaft entschädigt schlussendlich auch für die ausgedünnten Reihen jenseits des zweiten Wellenbrechers.
THY ART IS MURDER beschließen das Programm der Main Stage mit Brachialgewalt

Als letzte Band auf der Main Stage müssen THY ART IS MURDER mit einem erlesenen, doch dafür umso begeisterungsfähigen Publikum vorliebnehmen. Aber mal ehrlich: Es gibt bedeutend Schlimmeres, als vor seiner treuesten Fangemeinde zu spielen, die es trotz Finaltags fertigbringt zu „Keres“ einen gigantischen Circle Pit vom Stapel zu brechen.
Fotogalerie: THY ART IS MURDER



















SOEN

Lief das Open Air unserer Erfahrung nach bislang ohne technische Komplikationen, dauert es nun geschlagene zehn Minuten länger, bis das Intro ertönt. Mit der „20th Century Fox“-Fanfare verspricht man uns jedenfalls einen Blockbuster, den wir – gemessen an vergangenen Auftritten SOENs – auch erwarten.
Da sich die Schweden auf ihre jüngeren Alben konzentrieren, stehen dementsprechend drückende Riffs auf dem Programm: mehr Alternative denn Progressive Metal. Das klingt live entsprechend massiv, über das komplette Set allerdings auch gleichförmiger als in der Vergangenheit, wo die Skandinavier ihre gesamte Bandbreite besser zur Schau stellten.
SOEN inszenieren sich selbstbewusst als Band der Stunde

Immerhin gibt es in Form von „Fraccions“ mit seinen TOOL-artigen Arrangements eine kleine Rarität, während „Lotus“ als obligatorischer Klassiker selbst diese Nacht veredelt. Dazwischen inszenieren sich SOEN selbstbewusst als Band der Stunde: vom großzügigen Pyro-Einsatz bis hin zur Militäruniform in „Memorial“ reichen die Showeinlagen, um die kraftvoll-eingängigen Songs zu untermalen.
Und doch scheint man hier nicht das volle Programm aufgefahren zu haben, wie Sänger Joel Ekelöf später auch die Verspätung erklärt. Man habe uns zwar nicht die Lightshow bieten können, die wir verdient hätten, aber die Musik spreche doch für sich selbst, so der Frontmann. Dass die aufgestellte Backline die ganze Zeit über dunkel geblieben war, fällt uns tatsächlich erst mit diesem Wissen auf. Essentiell scheint das Brimborium somit kaum.
Trotz eigentlich guter Show bleiben SOEN diesmal hinter den Erwartungen zurück

Denn im Grunde hat Ekelöf, der uns heute dennoch etwas arg selbstgefällig erscheint, ja Recht: Die Performance allein ist der Grund, warum uns SOEN in der Vergangenheit stets restlos begeistern konnten. Musikalisch ist das heute nicht anders: Die Soli sitzen, Drummer Martin Lopez spielt mit viel Gefühl, ein bisschen Rockstar-Feeling ist auf dem Areal ebenfalls zu spüren.
Nichtsdestotrotz will der Funke diesmal nicht so recht überspringen. Die Songauswahl ist sich mit Stücken wie „Primal“, „Violence“ oder „Unbreakable“ recht ähnlich und Joel Ekelöfs eigentliches Charisma bewegt sich mittlerweile nahe an der Grenze zur Arroganz, während die gesangliche Darbietung zwar gut, doch gerade zum Ende hin in „Unbreakable“ doch nicht immer sauber klingt. Unsere Erfahrung ruiniert das keineswegs, gemessen an unseren bisherigen Aufeinandertreffen mit der Band ist das heute allerdings eine geradezu nüchterne Vorstellung.

SOEN Setlist
1. Mercenary
2. Antagonist
3. Fraccions
4. Memorial
5. Discordia
6. Lotus
7. Primal
8. Violence
9. Unbreakable
Fotogalerie: SOEN















MØL

Wir haben zuvor schon darüber gesprochen: Einen schöneren Tagesausklang als mit den überwältigenden Soundkulissen, wie sie der Post Black Metal errichtet, können wir uns nicht vorstellen. Dementsprechend heiß waren wir auf den Festivalabschluss mit MØL, welche mittels diverser Lichtsphären und einer ununterbrochen laufenden Nebelmaschine die passende Bildsprache dabeihaben.
Für die entrückt-verträumten Momente sorgt dabei das Material des neuen Albums „Dreamcrush“ (2026), das zauberhafte Clean-Arrangements und – wie in „Garland“ – sanften Klargesang einstreut. Davon abgesehen setzen die Dänen jedoch auf eine massive Wall of Sound, die zwar etwas unter dem matschigen Audiomix und den zu lauten Drums leidet, sein Ziel aber nicht verfehlt.
MØL beweisen, dass Blackgaze eine aufrüttelnde Angelegenheit sein kann

Dafür sorgt auch Frontmann Kim Song Sternkopf, dessen Silhouette im Nebel eine erratische Erscheinung darstellt. Den Mikroständer reißt der Sänger theatralisch in die Luft, bevor es ihn für „Photophobic“ das erste Mal in den Fotograben zieht. Zwischen Kakophonie und Seelenbalsam reichen die Extreme, die MØL in dieser Nacht bedienen und die das SUMMER BREEZE keinesfalls andächtig, sondern laut sowie unbeugsam enden lässt.
Er hasse Rituale, erklärt Sternkopf zum Ende, bevor er doch eine Ausnahme zugesteht: Ohne Ausflug ins Publikum gehe es offenbar nicht, weshalb sich der Sänger kurz darauf umringt von einem Pulk begeisterter Anhänger:innen wiederfindet. Ein bisschen mehr Feingefühl am Mischpult wäre zwar schön gewesen, doch immerhin verabschieden sich die Skandinavier mit einem Knall und dem unmissverständlichen Nachweis, dass Blackgaze eine ungemein aufrüttelnde Angelegenheit sein kann.
Fotogalerie: MØL






Was das SUMMER BREEZE Jahr für Jahr für den Besucherkomfort tut, ist keine Selbstverständlichkeit

Der Weg zurück zum Campingplatz hat am letzten Tag immer auch etwas Wehmütiges. Beinahe surreal fühlt sich das nun stille Infield an, wo bereits die Aufräumarbeiten im Bereich der Hauptbühne und Shoppingmeilen angelaufen sind. Dass wir nach fünf Tagen schon am nächsten Morgen wieder zurück in die Realität müssen, scheint gerade noch eine Ewigkeit entfernt. Es ist eben eine kleine Wohlfühl-Bubble, in die wir uns jedes Jahr in Dinkelsbühl zurückziehen und auf die wir uns nun wieder zwölf Monate lang freuen dürfen.
Was nämlich von Ausgabe zu Ausgabe hier passiert, ist keinesfalls selbstverständlich – obwohl das ein Blick auf unsere letztjährigen Zusammenfassungen nahelegen könnte. Was wir 2025 etwa lobten, setzte sich in diesem Sommer nahtlos fort: Die schattigen Rückzugsorte wurden abermals und diesmal massiv erweitert, indem man ein gigantisches „Magic Sky“-Dach errichtete und durch zusätzliche sonnengeschützte Sitzgelegenheiten ergänzte. Diese breit angenommene Neuerung in irgendeiner Form auch auf das Battlefield-Areal nahe der Main Stage auszuweiten, wäre der nächste logische Schritt.
Das SUMMER BREEZE will auch weiterhin unabhängig bleiben

Zusätzliche Toiletten verbesserten zudem die sanitären Bedingungen auf dem Campingplatz. Dass jene noch dazu rund um die Uhr gewartet und gereinigt wurden, dürfte dem SUMMER BREEZE eine Vorreiterstellung in der Festivalszene einbringen. Ähnliches gilt für die Duschanlagen, die unserer Erfahrung nach hervorragend funktionierten, aber – wie uns zugetragen wurde – mancherorts nicht immer mit heißem Wasser dienen konnten. Dass die beengten Kabinen häufig ohne Vorhang kamen, sorgte allerdings für zusätzliche Herausforderungen. Abhilfe war zwar mit etwas Einfallsreichtum auch hier möglich; dennoch hörten wir oft den Wunsch nach einer festivalseitigen Lösung, so dass beim Umziehen auf Wunsch auch die eigene Privatsphäre geschützt werden kann.
Blicken wir nur zwei Dekaden zurück – immerhin feierte das SUMMER BREEZE OPEN AIR in diesem Jahr das 20-jährige Jubiläum in Dinkelsbühl -, dann merken wir schnell, dass wir hier über Luxusprobleme sprechen. Was das Festival seither für seine Besucher:innen getan hat, geht nämlich weit über das Maß hinaus. Möglich ist das auch, da die Veranstalter trotz der stolzen Größenordnung von rund 45.000-50.000 Gästen weiterhin vollständig unabhängig agieren. Ein Status, den man auch künftig beibehalten will, wie Gründer Achim Ostertag in der diesjährigen Pressekonferenz erklärte.
Das festivaleigene Motto „Respect Everyone“ machte das SUMMER BREEZE 2026 noch sichtbarer

Dass das SUMMER BREEZE 2026 so schnell ausverkauft war wie nie zu vor, spricht für die Politik der Organisatoren: Es sind die Früchte der harten Arbeit und der langjährigen Geschichte, die auf gegenseitigem Respekt beruht. Zu sehen ist das ganz konkret anhand verschiedener Poster und Plakate auf dem Festivalgelände. Hier spielt nicht nur Inklusion eine Rolle, wie wir sie während des von Metality organisierten Moshpits bei BROTHERS OF METAL erlebten, sondern auch ein Bekenntnis zu Toleranz und freiheitlich-demokratischen Werten.
„Respect Everyone“ ist eines der Mottos des Festivals, das in diesem Jahr noch sichtbarer wurde: An Kontrollpunkten wie Einlass oder Fotograben wiesen Aushänge auf verfassungsfeindliche Symbolik hin und hoben nach dem Security-Skandal auf dem diesjährigen WACKEN OPEN AIR auch jene Aufnäher und Botschaften hervor, die ausdrücklich erlaubt seien. Und sah man sich doch einmal mit rassistischer Symbolik konfrontiert, stand eine Security-Hotline zur Verfügung, deren Rufnummer auf dem Gelände allerdings künftig gerne noch sichtbarer gemacht werden darf.
Das kulinarische Angebot setzte 2026 auf größere Vielfalt, während das SUMMER BREEZE den Getränkepreis stabil hielt

Respekt ist zudem eine Art Leitidee, die sich bis in jede Facette der Veranstaltung erstreckt: Vom Ausschank über die mobilen Verkäufer:innen bis hin zum Sicherheitsdienst erlebten wir ausschließlich zuvorkommende Interaktionen. Im Bühnengraben schließlich sorgten traditionsgemäß die Grabenschlampen für gute Laune und sicher zu Boden gebrachte Crowdsurfer.
Bleibt also nur noch die gastronomische Situation: Keine Preiserhöhungen hat das SUMMER BREEZE für seine Getränkestände versprochen. Das macht 5,20€ für 0,4 Liter zwar nicht unbedingt attraktiver, ist aber immerhin ein Zugeständnis, das wir anerkennen wollen. Dafür empfanden wir das kulinarische Angebot so vielfältig wie nie, was sich auch im vegan/vegetarischen Bereich bemerkbar machte. Für den schmalen Geldbeutel war die Auswahl zwar erwartungsgemäß begrenzt, mit etwas Suchen fand man aber durchaus Verpflegungsoptionen mit immerhin adäquatem Preis-Leistungsverhältnis.
Ausverkauft in Rekordzeit: Das bedingungslose Vertrauen der Fans ist wohl das größte Kompliment für die Arbeit des SUMMER BREEZE OPEN AIRS

Seinen Kurs behält das SUMMER BREEZE folglich bei und scheint damit kaum zu stoppen. Schon Anfang September sind die Tickets für das 30-jährige Jubiläum 2027 restlos vergriffen. Man hält dem Festival in Süddeutschland also nicht nur die Treue, sondern schenkt ihm auch bedingungsloses Vertrauen. Ob also in der ersten Zeile neben ELECTRIC CALLBOY und EDGUY das in Teilen noch unter Verschluss gehaltene „Legends & Orchestra“-Special anstelle eines zugkräftigen Mega-Acts steht, ist nicht der springende Punkt.
Wenn das SUMMER BREEZE sich etwas Außergewöhnliches vornimmt, dann wird es sicherlich auch gut werden, scheint die Devise. Darüber hinaus feiert man im kommenden Jahr mit dem 30. Geburtstag ja ohnehin ein ganz besonderes Fest. Und obwohl es immer irgendeinen Grund zu feiern gibt, ist ein solcher Meilenstein doch fraglos ein ganz besonders schöner.
Fotogalerie: Impressionen
































































































































Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)