Shadow Of Intent live in München 2026

SHADOW OF INTENT, ABORTED, DISEMBODIED TYRANT, SOREPTION: Konzertbericht – Backstage Werk, München – 25.09.2026

Deathcore statt Wiesn: Warum das hiesige Backstage für viele Münchner:innen an diesem Freitagabend die bessere Abendgestaltung verspricht, verrät ein kurzer Blick auf das Line-up. Die mächtigen SHADOW OF INTENT haben neben den Veteranen ABORTED und dem Opener SOREPTION mit DISEMBODIED TYRANT nämlich auch einen angesagten Deutschland-Debütanten im Gepäck. Da kann man ja nicht ‚Nein‘ sagen, oder?

Was wir oft vergessen: Für Außenstehende sind wir Metalheads schon ein komisches Volk. Denn welcher normale Mensch würde sich sonst in seiner Freizeit zur eigenen Unterhaltung anschreien lassen? Zum Glück aber sind wir in dieser Hinsicht keine Einzelfälle, wie wir an einem milden Freitagabend feststellen dürfen. Am Münchner Backstage Werk zieht sich die Schlange bereits bis auf den Bürgersteig vor dem eigentlichen Gelände, um dem Tourauftakt der US-Amerikaner SHADOW OF INTENT beizuwohnen.

Das Interesse ist nachvollziehbar, brüllen doch nur ganz wenige Shouter so eindringlich wie deren Frontmann Ben Duerr, den viele der anwesenden Fans zu Beginn des Jahres bereits im Vorprogramm LORNA SHOREs erleben durften. Noch dazu hat die Deathcore-Band neben den Veteranen von ABORTED ein ganz besonderes Schmankerl mitgebracht: DISEMBODIED TYRANT sollen heute ihre erste Show auf deutschem Boden spielen, was für viele der angereisten Münchner:innen ganz offensichtlich ein triftiger Grund ist, den Auftakt des zweiten Wiesnwochenendes eben nicht auf der Theresienwiese zu verbringen.


SOREPTION

Soreption live in München 2026

Dieselbe Priorität scheinen SOREPTION wiederum nicht zu genießen, ist die Halle doch gerade erst im Begriff sich zu füllen, als die Schweden ihre ersten Takte anstimmen. Undankbar ist die Rolle des Anheizers ohnehin oft genug, doch für die karge Szenerie kann die Tech-Death-Band in diesem Fall wirklich nichts: Eine geschlagene halbe Stunde vor dem offiziell ausgeschriebenen Beginn müssen die Mannen bereits auf die Bretter, wodurch ein Großteil der Besucher:innen vom Set der Gruppe schlicht nichts mitbekommen wird.

Bedauerlich ist das insofern, da sich SOREPTION um eine intensive Show bemühen, indem sie die fehlende Bewegung auf der Bühne durch vertrackte Riffs und einen drückenden Groove auszugleichen suchen. Das gelingt im Opener „King Of Undisputed Nonsense“ aufgrund des unsauberen Mix‘ noch nicht vollumfänglich, entwickelt allerdings schnell eine gewisse Dynamik, sobald die Vocals von Shouter Fredrik Söderberg auch tatsächlich im Werk zu hören sind.

SOREPTION kämpfen gegen die Außenseiterrolle an – mit vertrackten Riffs und drückendem Groove

SOREPTION live in München 2026

Zur Halbzeit des 30-minütigen Auftritts passen schließlich die Soundlevels, weshalb sich auch in der gestuften Arena nach und nach die ersten Haarbüschel mit zunehmender Intensität in Bewegung setzen. Mit dem neuen Track „The Narcissist Unravels“ hat die Gruppe überdies ein passendes Argument im Gepäck, um die endlich in adäquater Zahl eingetroffene Zuschauerschaft auf angemessene Weise willkommen zu heißen. Dass die Resonanz zum Ende hin zwar wohlwollend und doch verhalten ausfällt, darf man wohl in Teilen der Außenseiterrolle SOREPTIONs zuschreiben, die als einzige Band des Abends eben nicht so recht in die weit gefasste Deathcore-Schublade passen will.

Fotogalerie: SOREPTION


DISEMBODIED TYRANT

Disembodied Tyrant live in München 2026

Dafür sprengen die Münchner:innen eine Viertelstunde später mit einem Schlag jegliche Fesseln und das, obwohl Gitarrist und Sänger Blake Mullens mit seiner stoischen Art zu Beginn noch versucht, die Euphorie im Rahmen zu halten: „I’m a little jetlagged, so take it easy.“, mahnt er die Fans zur Zurückhaltung, nur um Sekunden später mit der vollkommenen Ekstase konfrontiert zu werden.

Warum die Symphonic Deathcore-Band bei ihrem ersten Gastspiel auf deutschem Boden gar so überschwänglich empfangen wird, liegt in Teilen wohl auch in der EP „The Poetic Edda“ (2024) begründet, wo man gemeinsam mit SYNESTIA einen regelrechten Wirbelsturm entfachte. Dieser entlädt sich heute zum Auftakt konsequenterweise in einem Pit, der ab den ersten Tönen des Titelstücks die eben noch ordentlich aufgereihten Fans durcheinanderwürfelt.

DISEMBODIED TYRANT zelebrieren eine audiovisuelle Reizüberflutung, deren Intensität ihresgleichen sucht

Disembodied Tyrant live in München 2026

Dass die symphonische Seite DISEMBODIED TYRANTs im heutigen Audio-Mix eher die zweite Geige spielt, ist derweil zu verschmerzen. Schließlich gibt sich die Band ansonsten keine Blöße, egal ob nun ein Breakdown mit der Urgewalt LORNA SHOREs über das Werk hereinbricht oder Gitarrist Dominic Petrocelli in „Winter“ seine Fingerfertigkeit unter Beweis stellen darf. Natürlich unter strenger Aufsicht von Blake Mullens, der das Griffbrett seines Kollegens während des „stressigen“ Auftakts mit Adleraugen fixiert.

„Ist er nicht ausgesprochen gut im Gitarre spielen?“, schiebt der Frontmann beeindruckt hinterher, nachdem er – sicherlich nicht aus Scham – zuvor sein eigenes Instrument erstmal aus der Hand gelegt hatte. Was folgt, ist eine audiovisuelle Reizüberflutung, deren Intensität zwischen rasenden Blasts, mächtig groovenden Parts in „Icarian“ und den angeschwärzten Riffs von „Aberrant Waltz“ von Augenblick zu Augenblick ein neues Plateau zu erklimmen scheint.

Das Fazit ist klar: DISEMBODIED TYRANT hätten die Fans heute auch als Headliner akzeptiert

Disembodied Tyrant live in München 2026

Somit bleibt ausgerechnet Blake Mullens‘ reservierte Art der einzige Gegenpol zur sich immer weiter aufschaukelnden Euphorie, deren einzige logische Konsequenz die zahlreichen Forderungen nach einer Zugabe zu dieser knapp bemessenen halben Stunde sind: DISEMBODIED TYRANT hätte man in München wohl gut und gerne auch als Headliner akzeptiert.

DISEMBODIED TYRANT Setlist – ca. 30 Min.

1. The Poetic Edda
2. Winter
3. Icarian
4. Aberrant Waltz
5. Malphasian
6. 8.6 BLACKOUT

Fotogalerie: DISEMBODIED TYRANT


ABORTED

Aborted live in München 2026

Hat da tatsächlich jemand gegähnt? Frontmann Sven de Caluwé hat die passende Strafe schon im Hinterkopf: Bei der für „Death Cult“ anstehenden Wall of Death müsse der Schuldige in die Mitte, um Buße zu tun. Immerhin löst sich das Getümmel im Anschluss schnell wieder zugunsten eines Circle Pits auf – ernsthafte Blessuren dürfte also niemand davongetragen haben.

Wobei wir nichts ausschließen wollen, schließlich ging es zu diesem Zeitpunkt bereits eine ganze Weile drunter und drüber: Vom starken Auftakt „Dreadbringer“ über den Nackenbrecher „Retrogore“ bis hin zu „Brotherhood Of Sleep“, wo die Security am Wellenbrecher die Crowdsurfer:innen im Sekundentakt aus dem Gemenge fischen musste.

Energisch und furios spielen sich ABORTED durch ihr Set

Aborted live in München 2026

Das Fazit jedenfalls lässt sich bereits nach halber Distanz ziehen: ABORTED mögen tendenziell mehr im Death Metal zu Hause sein, spätestens seit ihrem 2024er Album „Vault Of Horrors“ aber erreichen die Belgier auch das moderne Deathcore-Publikum. Entsprechend energisch und furios spielen sich die vier Musiker durch ihr Set, das vom guten Mix und der dunklen, doch dafür stimmungsvollen Lichtuntermalung profitiert.

Dass das jüngste Kapitel der Diskografie am heutigen Tag und vor diesem Publikum im Fokus steht, überrascht uns in der Folge keineswegs. Ein paar Ausflüge in die Vergangenheit wagen ABORTED dennoch, so dass wir uns in Form des Medleys aus „Threading On Vermillion Deception“ und „The Saw And The Carnage Done“ auch ein Bild des ersten musikalischen Jahrzehnts der Formation machen dürfen – ballert selbstverständlich auch, wer hätte es gedacht?

ABORTED Setlist – ca. 45 Min.

1. Dreadbringer
2. Retrogore
3. Brotherhood Of Sleep
4. The Origin Of Disease
5. Infinite Terror
6. The Shape Of Hate
7. Death Cult
8. Insect Politics
9. Threading On Vermillion Deception / The Saw And The Carnage Done

Fotogalerie: ABORTED


SHADOW OF INTENT

Shadow of Intent live in München 2026

Es ist ein Prädikat, das wir neben ABORTED jeder Band des Abends ausstellen könnten, das jedoch in erster Linie auch dem Headliner gilt. Das Backstage Werk mag zwar nicht restlos ausverkauft sein, gut gefüllt ist der Club nichtsdestotrotz. Ein weiteres Gütesiegel, denn als DIY-Band ohne großes Label im Rücken muss man sich einen solchen Status erstmal erarbeiten. Dementsprechend dankbar sind SHADOW OF INTENT ihrer treuen Fangemeinde, obgleich sie das im Verlauf des Sets weniger plakativ zeigen wie andere Gruppen.

„I like playing music, I don’t like talking so much.”, erklärt der tendenziell wortkarge Ben Duerr Gegen Ende des Abends, um klar zu stellen, dass es nicht Arroganz ist, welche die hohe Taktzahl vorgibt. Denn Ansagen bleiben heute die Ausnahme, während das Quartett häufig einen Track ohne großes Brimborium an den nächsten reiht. Dass dadurch Brutto- und Nettospielzeit in etwa den gleichen Wert ergeben, werten wir als Plus: Durchhänger gibt es in diesen rund 65 Minuten keinen einzigen.

SHADOW OF INTENT-Frontmann Ben Duerr klingt mächtig wie nie

Shadow of Intent live in München 2026

Stattdessen regiert die Intensität und damit auch das mächtige Organ Duerrs: Der Frontmann mag mit der bleichen Schminke im Gesicht zunächst irritieren, verschlägt uns aber bald darauf einmal mehr die Sprache. Spätestens als er die Stimme erhebt und uns ein derart massives Grollen überrollt, müssen wir unsere eigene Kinnlade wieder einrenken. Der Shouter klingt so gut wie nie, was sich neben dem markanten Growling auch in den gellenden Screams spiegelt.

Ähnlich mühelos bearbeitet Drummer Bryce Butler sein Instrument: Das charakteristische Grinsen im Gesicht überspielt auch heute die Herausforderung seiner Patterns und Fills – für Butler ist der Platz hinter dem Kessel auch bei hohen Schlagzahlen offenbar eine Art Happy Place.

Zwischen Crowdsurfing und Moshpit wird das Backstage Werk für die Fangemeinde SHADOW OF INTENTs zum Happy Place

Shadow of Intent live in München 2026

Einen solchen finden die Fans des Quartetts derweil im Zentrum der Arena, wo sich der Pit zu „Infinity Of Horrors“ formiert und sich alsbald im anküpfenden „Flying The Black Flag“ zum Rundlauf steigert. Dass die Moshaktivitäten heute etwas weiter hinten stattfinden als gewohnt, kommt wiederum den Crowdsurfer:innen entgegen, die während „The Migrant“ erst zögerlich und dann immer zahlreicher nach vorne segeln. Dass in „Barren And Breathless Macrocosm“ zwischenzeitlich gar die eigentlich zahlreich vertretene Security an die Belastungsgrenze stößt, spricht für den Enthusiasmus der Münchner:innen.

Dennoch gönnt sich die Anhängerschaft vereinzelte Pausen, um auch mal genießen zu können: „You’re awfully quiet.“, bemerkt Sänger Ben Duerr während des Über-Hits „The Heretic Prevails“, den viele im Publikum eben nicht im Pit zelebrieren, sondern eher ehrfurchtsvoll verfolgen – als sei der Track zu gut, um ihm nicht weniger als die ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Die Epik des symphonisch angereicherten „From Ruin… We Rise“ wiederum bringen SHADOW OF INTENT mit Entschlossenheit auf die Bühne, bevor sich Giatrrist Chris Wiseman im Instrumentalstück „Apocalypse Canvas“ am Griffbrett austoben darf.

Eine kleine Verschnaufpause für Ben Duerr und die bayerische Landeshautpstadt, um schließlich nochmal Gas zu geben: Die Zugabe „Malediction“ leitet die Band klassisch mit einer Wall of Death ein und beendet so diesen mitreißenden Tourauftakt auf würdige Weise mit einem Evergreen.

SHADOW OF INTENT feiern in München einen mitreißenden Tourauftakt

Shadow of Intent live in München 2026

Viel mehr zu sagen bleibt im Anschluss eigentlich nicht. Klar, ein zweiter Live-Gitarrist wäre wünschenswert, genauso eine ausgeglichenere Verteilung bei der Songauswahl. Allerdings ist das aktuelle Werk „Imperium Delirium“ (2025) glücklicherweise stark genug, um den Großteil der Show zu schultern.

Andernfalls hätte die Szenerie heute wohl ohnehin anders ausgesehen: Nicht im Werk hätten wir die US-amerikanischen Deathcore-Vorreiter dann gesehen, sondern in der Halle nebenan, wo wir uns selbst schon des Öfteren haben anschreien lassen. Sogar von SHADOW OF INTENT mit dem damals noch langhaarigen Ben Duerr höchstpersönlich, die im Januar 2023 an Ort und Stelle den Grundstein legten für das, was diese Band heute auszeichnet und Außenstehende wohl auch in zehn Jahren noch nicht verstehen dürften.

Shadow of Intent live in München 2026

SHADOW OF INTENT – ca. 65 Min.

1. Infinity Of Horrors
2. Flying The Black Flag
3. Intensified Genocide
4. They Murdered Sleep
5. The Migrant
6. Feeding The Meatgrinder
7. The Heretic Prevails
8. Barren And Breathless Macrocosm
9. From Ruin… We Rise
10. Apocalypse Canvas
11. The Facets Of Propaganda
12. Imperium Delirium
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13. Malediction

Fotogalerie: SHADOW OF INTENT

Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)