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Freitag, 24. Juli 2026
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Samstag, 25. Juli 2026
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„Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.“ Was uns Tolkien einst mit den Worten Gandalfs gelehrt hatte, trifft augenscheinlich auch auf so manches Fabelwesen zu. Denn es hat einen durchaus berechtigten Grund, warum der Tooth Fairy e.V. seine jährliche Open-Air-Veranstaltung in diesem Jahr etwas später als üblich ausrichtet. Gleich drei lokale Feuerwehren feierten Mitte Juli ihr 450-jähriges Bestehen: Da will das in der Region fest verwurzelte WISDOM TOOTH FESTIVAL natürlich nicht dazwischen grätschen, so dass sich die Zahnfee heuer erst ein wenig später in Bissingen blicken lässt.
Freitag, 24. Juli 2026

Immerhin bleibt sonst alles im gewohnten Rahmen: Das Wildbachstadion in Hochstein hat sich als Lokalität schließlich bewährt, auch wenn Veteranen im fünften Jahr an Ort und Stelle abermals Veränderungen ausmachen dürften. So findet 2026 die kleinere der beiden Bühnen zum vierten Mal in Folge ein neues Zuhause. Weil das unmittelbar angrenzende Feld derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, wandert die Babytooth Stage samt Biergarten von der Nord- auf die Westseite des Geländes. Das großzügige Areal scheint tatsächlich wie geschaffen für den Open-Air-Betrieb, kommt jedoch nicht ganz ohne Tücken: Platzbedingt mussten im Biergarten-Bereich in der Folge einige Sitzflächen weichen, während der staubige Acker vor der Nebenbühne keinerlei Rückzugsmöglichkeiten vor der sengenden Hitze bietet.
Abhilfe schafft derweil der Wechsel vor die Main Stage, wo schon ab dem späten Nachmittag die Schatten der angrenzenden Bäume spürbar länger werden. Und wer es bis dahin nicht aushält, darf wahlweise unter dem neuen Tarnnetz Zuflucht suchen oder direkt an der überdachten Bar die nächste kühle Erfrischung ordern – mit 4,-€ für 0,4L Gerstensaft zudem durchaus fair bepreist. Die Qual der Wahl haben wir zudem vor der Essensausgabe, wo es von Pommes über allerlei Grillgut bis hin zu Flammkuchen sowie Pizza-Fladen eine kleine, aber feine Auswahl für den Magen gibt. Glutenfreie und vegane Optionen inklusive: Für die Pizza hält man auf Nachfrage sogar eine Käsealternative parat.
Bevor wir uns aber schon vor dem offiziellen Startschuss dem Nachtisch in Form eines Kuchenbuffets zuwenden, zücken wir zunächst andernorts den Geldbeutel. 25,-€ für das diesjährige Festival-Shirt erscheint uns mehr als angemessen, weshalb wir die unterschwellige Überzeugungsarbeit im Nachgang gar nicht gebraucht hätten.
FLÖTENKIDS

Als die Flötenkids der Musikschule Wertingen um Punkt vier nämlich in frischer Garderobe den Startschuss setzen, haben wir unser brandneues Textilstück schon längst eingetütet. Der einheitliche Look im Festival-Merchandise übermittelt zeitgleich jedoch eine weitere Botschaft: Was die Firefighters für WACKEN und die BLASMUSIK ILLENSCHWANG für das SUMMER BREEZE sind, repräsentieren die Nachwuchsmusiker:innen für das hiesige Open Air. Der Auftakt der jungen Kapelle, die dieses Jahr neben Schlagzeug, Block- und Querflöten sogar ein Saxofon umfasst, hat mittlerweile schon Traditionscharakter.
Entsprechend stehen auch wir zeitig vor der Bühne, um uns mit den liebevollen Interpretationen zeitloser Volkslieder wie „Hänschen klein“ oder „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“ auf das bevorstehende Wochenende einzustimmen. Als Medley präsentiert, bleibt das Programm-Tempo überraschend hoch und dabei kurzweilig, ohne den eigentlichen Anlass aus den Augen zu verlieren.
Ohne Zugabe lässt das Publikum die FLÖTENKIDS nicht von der Bühne

Weil man sich ja immerhin auf einem Metal-Open-Air befindet, darf natürlich auch ein Rock-Klassiker im Set nicht fehlen: Für die diesjährige Auflage intonieren die FLÖTENKIDS mit QUEENs „We Will Rock You“ einen Evergreen in originellem Arrangement, an dessen Ende weiße Luftschlangen auf das Infield herabregnen. Ein visueller Paukenschlag könnte man sagen, der von Metalheads wie stolzen Eltern entsprechend quittiert wird: Ohne Zugabe lässt man die Gruppe nicht von dannen ziehen, weshalb der abschließende Hit kurzerhand ein zweites Mal genossen werden darf.
CALL ME MESSIAH

Dass es auf der Nebenbühne im Anschluss ungleich härter zur Sache gehen würde, konnten wir schon im Vorfeld erahnen: Während des Soundchecks der Deathcore-Band drangen Songfragmente immer wieder bis zur Hauptbühne herüber und – wir sehen es mal positiv – machten Lust auf mehr. Dass es letzten Endes vor der Babytooth Stage noch etwas karg aussieht, ist hingegen weniger CALL ME MESSIAH denn der unbarmherzigen Sonne geschuldet.
Tatsächlich wird in den nächsten 30 Minuten ausgerechnet die Nebelmaschine unser bester Freund, deren dichte Schwaden sich hin und wieder kurzzeitig vor die große gelbe Kugel am Firmament schieben. Ansonsten heißt es eben Freiluftsauna im staubig-trockenen Ambiente, begleitet von einem herrlich kernigen Soundtrack. Begann Carl Orffs „O Fortuna“ als Intro noch mit einer gesunden Portion Dramatik, übernimmt kurz darauf der Vorschlaghammer.
Aller Anfang ist schwer, doch CALL ME MESSIAH werden der Rolle des Anheizers gerecht

CALL ME MESSIAH spielen ihren Deathcore trocken und präzise, ohne sich auf überbordende Backing Tracks zu verlassen. Das Resultat ist ein klassischer Sound, der sich an den frühen 2010er Jahren orientiert und abseits der donnernden Breakdowns auf rohes, teils morbides Riffing setzt. Dazu passen die deutschsprachigen Texte wie die Faust aufs Auge, so dass sich der engagierte Frontmann Ruggero Marino schon früh über ein wenig Bewegung in der ersten Reihe freuen und letztlich sogar anerkennend einem drei Mann starken Ruderwettbewerb im Zentrum zunicken darf.
Fotogalerie: CALL ME MESSIAH












GUTRECTOMY

Unerwartet bescheiden geben sich nebenan die Baden-Württemberger GUTRECTOMY: Die „siebzehntgrößte Wall of Death, die das WTF je gesehen hat“, wolle man nun bestaunen. Da Geduld aber offenbar nicht zu den Stärken der Brutal Death Metal-Band zählt, geht dieser Plan zunächst in die Hose. Vorbereitungszeit gestehen die Mannen der Zuschauerschaft nämlich keine zu, weshalb die Menge den Einsatz gehörig verpatzt.
Dafür wagen GUTRECTOMY in „Carnage In Despair“ kurz darauf einen zweiten Anlauf, der dem ausgerufenen Ziel deutlich näherkommt. Vorgewärmt sind die Fans ja mittlerweile durch das sommerliche Klima auf der einen und die knackigen Stücke des Quartetts auf der anderen Seite. Unsere Hüften lockerte Frontmann Dennis zuvor nicht ohne Grund mit einer kurzen Aufforderung zum „Macarena“-Tanz in „Sledgehammer Dismemberment“, bevor die Hauptbühne zu „Jackhammer Lobotomy“ den ersten richtigen Circle Pit zu sehen bekommt. So kann man doch entspannt in den Abend starten.
Fotogalerie: GUTRECTOMY













LORRAINE

Eine eigene Wikipedia-Seite haben LORRAINE zwar noch nicht, dafür bringt das gesprochene Intro vom Band ein wenig Licht ins Dunkel: Die gleichnamige Geisterjägerin, die zusammen mit Ehepartner Ed Warren aufgrund der „Conjuring“-Filmreihe auch hierzulande Berühmtheit erlangte, stand bei der Namensgebung offenbar Pate. Visuell wiederum orientiert sich Frontmann Patric mit bleichem Make-up samt schwarzer Akzente an US-Kollege Chris Motionless (MOTIONLESS IN WHITE).
Dass seine Mitstreiter ohne Kajalstift auskommen, sorgt für einen deutlichen Kontrast auf der Bühne mit dem Nebeneffekt, dass sich die Aufmerksamkeit vor allem auf den Mann am Mikro konzentriert. Das ist letzten Endes keine schlechte Sache, denn die passende Rockstar-Attitüde bringt der Shouter mittels ausdrucksstarker Gestik und dramatischer Mimik in jedem Fall mit. Die Saitenfraktion kann sich so getrost im Hintergrund bewegen, wo die kleine Babytooth-Stage durchaus Platz für ein wenig 2-Step lässt, während die Zuschauer:innen vor der Bühne ordentlich Staub aufwirbeln.
LORRAINE bringen mit ihrem explosiven Stilmix Bewegung ins Publikum

Zu „Holding Together“ springt das WISDOM TOOTH FESTIVAL auf und ab, nur um kurz darauf in einen Circle Pit zu starten. Dass sich angesichts der warmen Temperaturen doch einige bereitwillige Fans finden, spricht für LORRAINE und deren wandelbaren Alternative Metal. Je nach Stück bewegt sich das Gespann zwischen klassischem Metal- und Post Hardcore, öffnet sich zwischendurch jedoch auch so mancher Strömung des Nu Metals. Ein explosiver Mix also, der in „Break Out“ sogar zum Mitsingen animiert.
Fotogalerie: LORRAINE


















DEUS VULT

„Klingt gut? Dann bedankt euch beim Stefan am Mischpult!“ Mit nur einem augenzwinkernden Satz haben DEUS VULT schon während des Soundchecks gewonnen. Bodenständig und grundsympathisch präsentieren sich die sieben Musiker vor dem eigentlichen Showbeginn und werden somit in der Folge mit offenen Armen empfangen. Denn das ausgelassene Miteinander und die Begegnung auf Augenhöhe entspricht eben auch dem Geist des WISDOM TOOTH FESTIVALs.
Insofern hat die Band, die in ihren Steampunk-Outfits zielsicheren modischen Geschmack beweist, von Beginn an leichtes Spiel. Der Mittelalter Rock mit zwei Sackpfeifen mag keinen Originalitätspreis gewinnen, wird von den Bayern aber kompetent als auch launig dargeboten. Ein wenig Lokalkolorit streut Sänger Dennis in „Rauhnacht“ ein, wo er mit tiefer Stimme ein paar gesprochene Zeilen in waschechtem Dialekt einstreut.
DEUS VULT bezeichnen sich nicht grundlos als „Mitmach-Band“

Dass DEUS VULT das Rad keineswegs neu erfinden, lässt die Band derweil im eröffnenden „Halunken“ kurz durchblicken, wo sich im Text ein paar clever eingewobene Querverweise an die Kollegen von SALTATIO MORTIS und SCHANDMAUL entdecken lassen. Referenzen im Übrigen, die eine ausgelassene Live-Atmosphäre versprechen: „Wir sind eine Mitmach-Band“, erklärt Sänger Dennis während „Baba Jaga“ nicht ohne Grund.
So dürfen die Zuschauer:innen in Bissingen erst im Takt klatschen, in „Tanz mein Kind“ zum neu interpretierten russischen Volkslied „Katjuscha“ die Hüften schwingen oder in „Hebt die Krüge“ sowie dem düsteren „Petrichor“ beide Beine gleichzeitig vom Boden lösen. Zum Partymuffel werden wir allein beim ELECTRIC CALLBOY-Cover “Hypa Hypa”, aber damit – und das müssen wir fairerweise auch sagen – sind wir am frühen Abend sichtbar in der Unterzahl.
Fotogalerie: DEUS VULT



















DEADFREIGHT OF SOUL

Grimmigere Mienen als gerade eben versammeln sich derweil vor der Babytooth Stage. Nicht, weil man keine Lust auf Live-Musik hätte, sondern weil DEADFREIGHT OF SOUL eben das andere Extrem bedienen. Manchmal groovend, oft mächtig walzend bricht der Death Metal der Augsburger über uns herein und stellt sich damit bewusst gegen viele zeitgenössische Trends.
Statt Popcorn-Show zählt hier noch das echte Handwerk, das die Band immerhin bald 20 Jahre praktiziert. Dementsprechend scheint das Faible für die alte Schule nur logisch: Die deutschsprachigen Vocals sind kratzig und roh, während die Gitarren in „Grautoene“ ihre Melodien dosiert und mit Zurückhaltung in das drückende Riffing einweben. Als Kontrastprogramm ist diese unaufgeregte Performance erfrischend, eben weil sie so authentisch ist und für das steht, was wir seit unserer Jugend im Eigentlichen mit extremer Musik verbinden.
Fotogalerie: DEADFREIGHT OF SOUL












ABBIE FALLS

Geordnet, akribisch und seelenruhig bestreiten ABBIE FALLS im Backstage-Bereich ihre Kartenduelle. Doch wo Magic the Gathering ein gewisses Maß an Selbstkontrolle voraussetzt, brechen auf den Brettern alle Dämme. Dabei steckt den Tschechen eine kleine Odyssey in den Knochen, spielte das Gespann doch am Vortag noch auf MONOLIT FESTIVAL in Budapest.
Übernächtigt scheinen die vier Mannen jedoch nicht zu sein: Im Gegensatz zum anfangs noch etwas steifen Publikum drehen ABBIE FALLS ab der ersten Sekunde auf. Das beginnt mit dem Hardstyle-Remix von BRING ME THE HORIZONs „Parasite Eve“ und setzt sich im knackigen Opener „FURY“ fort. Dabei zeigt sich Shouter Tomás ohnehin bescheiden: Es sei ihm egal, ob es am Ende nur zwei Leute sein mögen. So lange man sich zum Set seiner Band abreagiere, sei er glücklich.
Mehr Energie als ABBIE FALLS kann man kaum in ein Festival-Set packen

Gesagt, getan: Das Grinsen des sympathischen Frontmanns ist im Anschluss kaum noch zu verbergen, als sich in den nächsten Minuten erst das Infield füllt, bevor sich zu „Pitch Black“ gar ein kleiner Circle Pit formiert. Wie man einen solchen anheizt, wissen ABBIE FALLS genau: Für den nachfolgenden EDM-Breakdown händigt die Band aufblasbare Keulen aus, damit man sich im Pit gepflegt die Rüben einhauen kann, ohne gleichzeitig den Rettungsdienst zu Überstunden zu verdonnern.
„UGA UGA BAM BAM“ hieße das bei einer gewissen Mannheimer Kapelle, die auch dem WISDOM TOOTH FESTIVAL wohlbekannt ist. ABBIE FALLS wiederum bleiben bei verständlicherem Vokabular wie „Black Void“, „Purge“ oder „Victim“, wo es im Zentrum ab diesem Zeitpunkt drunter und drüber geht. Mehr Energie als die Prager Modern Metalcore-Band kann man wohl kaum in eine Dreiviertelstunde packen.
Fotogalerie: ABBIE FALLS












RED TO GREY

Im weitesten Sinne könnte man den Bandnamen auch auf Bissingen übertragen, wo die einbrechende Dämmerung das schwindende Abendrot zusehends verschluckt. Eine farbenfrohe Angelegenheit ist der Auftritt RED TO GREYs dennoch und das beziehen wir keineswegs nur auf die Lichtshow der Münchner:innen. Was die Formation vielmehr auszeichnet, ist die elegante Vermählung von klassischem Thrash mit Power Metal.
Dominant sind in Songs wie „Fight“ oder „Vanity And Pride” zwar die Bay-Area-Einflüsse, die sich vor allem im Drumming und der flinken Gitarrenarbeit bemerkbar machen, zwischendurch jedoch tauscht Frontfrau Gaby die Reibeisenstimme gegen klar gesungene Passagen, die in den Refrains zu stattlicher Größe anwachsen.
RED TO GREY haben sichtlich Spaß auf der Bühne

Aufgesetzt wirkt das in diesem Fall zu keinem Zeitpunkt, da der Sound roh und authentisch bleibt. Die Einstellung auf der Bühne spiegelt exakt das Gleiche wider: Als während „We March“ Bassist Stefan Hendel seiner Sängerin einen kleinen Streich spielt, indem er ihr von hinten auf die gegenüberliegende Schulter tippt, ist deren anschließendes Grinsen nicht das Einzige auf dem Areal.
Trotz der knapp bemessenen Spielzeit scheinen die Prioritäten bei RED TO GREY klar gesetzt: Obgleich in der Folge die Leadgitarre zwischendurch ein bisschen krumm klingen wird, verzichtet die Band auf die Stimmpause, um das Maximum aus den zugestandenen 30 Minuten herauszuholen. Dafür stößt man lieber gemeinsam mit den Fans vor der Bühne an und wird sogleich reich entlohnt: „The Dead Walk“ hat für uns nicht nur ein feines Solo zu bieten, sondern stachelt die Fans gar zu einem kleinen Moshpit vor der Babytooth Stage an. Starke Show!
Fotogalerie: RED TO GREY










DOMINUM

Auf dem Papier ist die Sache eindeutig: catchy und melodisch, leicht zugänglich, familientauglich, Charteinstieg in den Top 10. Für ein Open Air wie das WISDOM TOOTH FESTIVAL scheinen DOMINUM der ideale Headliner zu sein, auch weil sich die Band mit ihrem dritten Studioalbum „Night Is Calling“ (2026) weiterhin auf dem aufsteigenden Ast befindet. Ein wenig Neugier schwingt bei uns ebenfalls mit, schließlich haben wir die Gruppe noch nie mit atmosphärischer Lichtuntermalung und im Hochglanzformat erlebt. Ob sie also heute den blutarmen Auftritt auf dem SUMMER BREEZE 2025 vergessen machen wird?
Die Chancen stehen eigentlich nicht schlecht, denn das Bühnendesign ist zwar schlicht, doch stimmig, und Frontmann Dr. Deads maßgeschneidertes Outfit im viktorianischen Stil durchaus elegant. Selbiges von seinen Mitstreitern zu behaupten, käme wohl einer kleinen Beleidigung gleich, denn Rückendeckung erhält der selbsternannte Frankenstein von einer Entourage aus Untoten. Die Zombies fallen ins hiesige Wildbachstadion ein mit Bass, Gitarre, Schlagzeug…und erstaunlich wenig Biss.
Ihre Fangemeinde erreichen DOMINUM im Rekordtempo

Der Soundmix ist zwar klar und differenziert, doch ist die Rockbesetzung im Vergleich zu den getrackten Synthesizern viel zu leise, um der Darbietung die nötige Power zu schenken. Stattdessen stachelt Sänger Dr. Dead die Menge im Refrain des Openers „Danger Danger“ mit einer einstudierten Tanz-Choreografie an, bevor er im Laufe des restlichen Sets versucht, so ziemlich jedes Festival-Spielchen irgendwie unterzubringen: In „Killed By Life“ dürfen die Anhänger:innen das Infield in ein wogendes Händemeer verwandeln, im für DOMINUM-Verhältnisse experimentellen Pop-Crossover „The Circus Is In Town“ springt das WISDOM TOOTH FESTIVAL im Takt und zu „The Chosen Ones“ sorgen plötzlich nicht nur vereinzelte Crowdsurfer, sondern auch zwei riesige Luftballons für Beschäftigung im Zentrum.
Immerhin: Ihre eingeschworene Fangemeinde, erreichen DOMINUM mit ihrer durchkalkulierten Performance im Rekordtempo. Laute Sprechchöre vernehmen wir schon nach den ersten Minuten aus den vorderen Reihen, wo man sich zudem überaus textsicher gibt. Das gilt sogar für brandneues Material wie „Nosferatu“, dessen treibender Rhythmus sich sogar für einen Circle Pit eignet. Die Stimmung ist also vor der Bühne genauso gut wie auf den Brettern, wo Bandkopf Dr. Dead auch mal neckisch einer seiner Kreationen wild durch die Haare fährt.
Frontmann Dr. Dead spart heute am Charisma

Es ist einer der wenigen Momente, wo das Alter Ego des Sängers tatsächlich so etwas wie Profil zeigt. Denn ansonsten verstrickt sich Dr. Dead in einer Persona, die den überheblichen und wahnsinnigen Wissenschaftler mimen soll, doch bei uns letztlich nur als emotionsbefreit ankommt. Als der Frontmann das WISDOM TOOTH FESTIVAL zum Fäuste Recken animieren will, da es ja „lächerlich“ sei, wenn es nur „fünf Leute“ täten, wirkt das Unterfangen aufgrund der wenig charismatischen Art sogar mehr wie Affront denn Motivationsversuch.
Daher sind wir letzten Endes auch nicht unglücklich, als DOMINUM nach relativ kompakten 70 Minuten inklusive des fragwürdigen MICHAEL JACKSON-Covers „Thriller“ ihren Soll als erfüllt ansehen. Nichtsdestotrotz: Der Erfolg dieser Metal-Kirmes gibt dem Freitagsheadliner Recht, wie wir im Anschluss an so manch zufriedenem Gesicht in der Menge ablesen können.

DOMINUM Setlist – ca. 70 Min.
1. Danger, Danger
2. Killed By Life
3. The Dead Don’t Die
4. Patient Zero
5. Hey Living People
6. Frankenstein
7. One Of Us
8. The Circus Is In Town
9. Don’t Get Bitten By The Wrong Ones
10. Nosferatu
11. The Guardians Of The Night
12. We All Taste The Same
13. Can’t Kill A Dead Man
—————————-
14. Thriller
15. Immortalis Dominum
Fotogalerie: DOMINUM














ENFYS

Wir haben uns auf alles Mögliche eingestellt, aber damit konnten wir tatsächlich nicht rechnen: Was wir nach dem „Sailor Moon“-Intro auf der Babytooth-Stage erleben, ist eine Reizüberflutung, die man wohl sonst nur aus der Berliner Nachtszene kennt. Passend dazu tragen ENFYS ihre „Sonnenbrille im Club“, während Sängerin Laura eine brennende Magnesiumfackel zückt, an deren Flamme die mit Bühnennebel gefüllten Seifenblasen zerplatzen. Dazwischen stürmt Schlagzeuger Daniel für eine Tanzeinlage in die erste Reihe, nur wenige Sekunden nachdem uns ein gewisser süßlich-beißender Geruch in die Nase gestiegen war. Kurz: ein Fiebertraum von einer Show.
Gleichzeitig jedoch entfesselt dieser ungezügelte Wahnsinn eine Energie, mit der ENFYS selbst hartgesottene Metaller ins Boot holen können. Allein Scheuklappen darf man angesichts des wilden Genre-Mixes, der Pop, Synth Rock und modernen Alternative Metal unter einen großen Hut bringt, nicht haben. Von tanzbaren Club-Beats springt das Trio in die Nachdenklichkeit, nur um urplötzlich donnernde Riffs und einen markigen Breakdown aus dem Handgelenk zu schütteln, der mehr Durchschlagskraft besitzt als das komplette vorausgegangene Set des Tages-Headliners.
Die Live-Show ENFYS‘ ist ein Erlebnis

„Namasté“ addiert den Nightcore-Einflüssen eine treibende Doublebass hinzu, deren Elan nicht einmal kleinere Probleme mit der PA ausbremsen können. Fehlt eigentlich nur noch ein Gastfeature, dem ENFYS gemeinsam mit Shouterin Maja nachkommen, deren herausragendes Growling das nachdenkliche „Alles leer“ veredelt. Kurios, eigenwillig, originell: Auch wenn sich die Augsburger Band derzeit etwas zu sehr auf Backing Tracks stützt, ist diese Live-Show ein ziemlich einmaliges Erlebnis.
ENFYS Setlist – ca. 30 Min.
1. Sonnenbrille im Club
2. Filterwelt
3. Eskalation
4. Namasté
5. Alles leer
6. Uns lieben
7. Systemsprenger
Fotogalerie: ENFYS
















CYTOTOXIN

Ein unvergessliches Event liegt fernerhin dem Konzept der letzten Band des Abends zugrunde: Das Reaktorunglück von Tschernobyl dient CYTOTOXIN als Aufhänger, ihren anspruchsvollen Tech-Death mit einem übergreifenden Rahmen sowie einer Dosis Humor zu versehen.
Allen voran Sänger Grimo ist schon vor Showbeginn zu allerlei Späßen aufgelegt, als er sich beim Publikum während des Soundchecks rückversichert, ob man die „natürlich sehr bedeutungsvollen Texte“ denn verstehen könne. Sympathisch: Die eigene Jacke bietet er obendrein als Leihgabe gegen die Kälte an, ist es doch in Bissingen mittlerweile ganz schön frisch geworden.
Gegen die Kälte haben CYTOTOXIN ein probates Mittel: Bewegung erzeugt schließlich Wärme

Das Gegenmittel haben CYTOTOXIN glücklicherweise ebenfalls im Gepäck: Mit einem zweckentfremdeten Kreisverkehr-Schild versinnbildlicht Grimo die nächste Übung, um Krankheit vorzubeugen: Ein rotierender Pit soll es während „Chaos Cascade“ sein, um nebenbei mit „Circlepitonium“ das kostbarste aller Elemente zu generieren. Was für Außenstehende komplett wirr klingen muss, ergibt im bandeigenen Kosmos erstaunlich viel Sinn: Bewegung erzeugt Wärme, Wärme erzeugt Energie – zu überprüfen mithilfe des Geigerzählers, den der Frontmann während des Intros und später zwischen den Stücken suchend über die Bühne lotst.
Der radioaktive Quell ist schnell gefunden: Aus einem Metallfass birgt Shouter Grimo ein altes Relikt in Form einer sogenannten „Compact Disc“ – ein Ausblick auf ein mögliches neues Werk? Die Texte jedenfalls seien schon längst fertig, versichert uns der Frontmann trocken, bevor sich CYTOTOXIN wieder auf die aktuelle Schaffensperiode konzentrieren. So erwarten uns im Intro von „Hope Terminator“ womöglich sogar „alle Noten, die es gibt in sehr kurzer Zeit“, bevor das Quintett mit „The Everslave“ gar eine Live-Premiere zum Besten gibt.
Bei CYTOTOXIN trifft Entertainment auf spielerische Klasse

Dass währenddessen im Circle Pit sogar ein kleines Kind seine Runden dreht, ist ein skurriles wie herzerwärmendes Bild, das zufälligerweise das belegt, was FREEDOM CALL noch vor drei Jahren an Ort und Stelle predigten. „Metal is for everyone“, sogar wenn er technisch anspruchsvoll und musikalisch extrem intoniert wird. Wobei auch diese Spielart ihre Tücken aufweist: Dem Genre entsprechend hält Sänger Grimo für die Wall of Death zwei Countdowns bereit, um im zweiten Schritt auch die äußeren Reihen hinzuzuziehen. Wir schieben es auf die fortgeschrittene Uhrzeit, dass es mit dem gestaffelten Anlauf letztlich nicht ganz so klappt wie angedacht.
Dafür findet sich auf dem WISDOM TOOTH FESTIVAL spontan ein stattliches Rudel „headbangender Wölfe“ zusammen, wie CYTOTOXIN die im Takt von „Lupus Aurora“ wiegenden Pommesgabeln betiteln. Kurzum, hier trifft Entertainment auf spielerische Klasse, so dass das heutige Late-Night-Special mit „Biographyte“ und „Chernopolis“ sein Ende schneller erreicht als erwartet. Mehr „Kernenergie“ hätte wohl auch kein anderer Act um diese Uhrzeit zusammenbekommen.
Fotogalerie: CYTOTOXIN


















Samstag, 25. Juli 2026

Für Frühaufsteher ging der zweite Festivaltag nach Wunsch relativ zeitig los: Mit Weißwurstfrühstück samt musikalischer Begleitung durch das Bissinger Vororchester durfte man sich bereits am Vormittag auf das nachfolgende Programm einstimmen. Zur Verdauung bot sich zur Mittagszeit das erstmalig stattfindende Metal-Yoga mit Conny an, das wir eigentlich selbst besuchen wollten, wäre da nicht eine familiäre Angelegenheit dazwischengekommen.
Daher erreichen wir das Wildbachstadion heute etwas später als geplant, wo sich bereits die ersten Gäste an der Bar das zweite oder dritte Konterbier genehmigen. Wir entscheiden uns zunächst für die alkoholfreie Variante, schließlich müssen wir bei wolkenlosem Himmel und Temperaturen jenseits der 30°C auch ein wenig mit dem eigenen Energiespiegel haushalten.
Der Festival-Samstag lockt mit einer Jubiläumsshow und Wikinger-Spektakel

Zudem haben wir noch einiges vor: HACKNEYED spielen für die verhinderten GHOSTKID eine ihrer wenigen Jubiläumsshows, während die zum Headliner beförderten ASENBLUT sicherlich auch showtechnisch größere Geschütze auffahren dürften. Mit den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS soll es zudem ein Wiedersehen mit einem unserer Guilty Pleasures aus Teenager-Zeiten geben, während die kleine Bühne mit ELCHWUT sowie DEATH IN FICTION gleich zweimal Melodic Death Metal bereithält.
BLACK & DAMNED

Zunächst allerdings wird es traditionell: BLACK & DAMNED eröffnen nachmittags die Main Stage mit einem gesunden Mix aus klassischem Heavy sowie Power Metal. Dass es unmittelbar vor den Brettern noch recht licht aussieht, ist indes allein dem Wetter geschuldet. Die wenigen Schattenplätze verteilen sich über die komplette Länge des Areals, weshalb sich einige Metalheads den Auftritt des Quintetts zunächst aus gesunder Entfernung ansehen.
Irritieren lassen sich BLACK & DAMNED dadurch nicht, im Gegenteil liefert die Band eine relativ unaufgeregte Performance: Aushilfssänger Peter überzeugt gesanglich, während er ansonsten mit gelassenem sowie besonnenem Auftreten eher den Gegenentwurf zur klassischen Rampensau darstellt. Das ist sympathisch, das ist bodenständig und macht auf Anhieb Spaß, da bereits der Opener „Golden Wings“ im Refrain ein wenig Epik hinzuaddiert.
Mit der Bühnenrückkehr ihres Sängers Roland Seidel erleben wir wohl den emotionalen Höhepunkt des Festivals

Michael Vetter wiederum scheint seinerseits ganz der Veteran zu sein: Selbst als sich in „Hyena’s Call“ der Gurt seines Instruments löst, lässt sich der Musiker nicht aus der Ruhe bringen – nach einer kurzen Zwangspause setzt die Gitarre nahtlos wieder in den Reigen ein. Es wäre ja noch schöner, wenn derlei Lappalien einen der schönsten Momente des Festivals ruinieren würden.
Denn kurz zuvor durften BLACK & DAMNED in einem besonders emotionalen Moment mit Roland Seidel ihren eigentlichen Frontmann zurück auf der Bühne Willkommen heißen: Von persönlichen Rückschlägen gezeichnet, aber mit eisernem Willen und einer charismatischen Singstimme übernimmt Seidel ab „Rise To Rise“ den Lead-Gesang, während sich Kollege Peter nach der symbolischen Übergabe des Mikrofons selbstlos in das zweite Glied einreiht.
Der Rückkehrer verleiht derweil Stücken wie „Welcome To Madness“ oder „The World Bleed“ noch eine Prise mehr Power und Charakter, was den Anwesenden letzten Endes auch als lebender Beweis dienen dürfte, dass es für eine ergreifende Bühnenpräsenz keine überbordenden Requisiten, geschweige denn Akrobatik braucht.

BLACK AND DAMNED Setlist – ca. 45 Min.
1. Golden Wings
2. Salvation
3. Ruthless Wrath
4. Dreamhunter
5. Rise To Rise
6. Welcome To Madness
7. Hyena’s Call
8. Black And Damned
9. The World Bleed
Fotogalerie: BLACK & DAMNED
















DIE FLEDERMAUS

„Nichts, was sie sagen, ist wahr!“, lässt uns Sänger Max während des treibenden Openers mehrfach wissen. In jedem Fall glaubwürdig erscheint uns dagegen das kauzige Quartett auf der Bühne, das es glücklicherweise doch noch auf das WISDOM TOOTH FESTIVAL geschafft hat: Als kurzfristiger Ersatz für ARSCHFISTGRINDBLUNT verpflichtet, hatte DIE FLEDERMAUS nun ihrerseits Verletzungspech. Nicht der Flügel, aber die Schulter von Keytar-Spielerin Julia macht Probleme, weshalb sie den eigenen Bewegungsdrang heute ausnahmsweise nur eingeschränkt ausleben kann.
Für uns kein Problem, denn in der prallen Glut vor der Babytooth Stage kennen wir das Gefühl nur zu gut. Dabei ist der punkige und treibende Sound der Nürnberger eigentlich per Definition ein Garant für gute Laune und ausgelassenen Pogo, egal ob nun ein bisschen Pop oder – wie in „Wer ist dieser Mann“ – etwas Indie Rock beigemischt wird.
DIE FLEDERMAUS bringt Unbeschwertheit und Spielfreude auf das WISDOM TOOTH FESTIVAL

Ganz dem Genre entsprechend sind die Grenzen zudem lose gesteckt: Frontmann Max und Kollegin Julia tauschen auch mal spontan die Rollen, sodass die frischgebackene Frontfrau dem Pop-Punk-Charme von „I Don’t Care“ ein wenig unterdrückten Herzschmerz schenken darf.
Dass wir im Beisein von DIE FLEDERMAUS gerne eine halbe Stunde lang in der Hitze backen, sollte eigentlich als Fazit dieses kurzweiligen Auftritts ausreichen. Bis zum Schluss geblieben wären wir nämlich auch ohne die erfrischende Wasserdusche, obschon wir die spontane Abkühlung durch die Bühnensecurity mit offenen Armen empfangen. Ein Hoch auf die Grabenschlampen und ein Hoch auf DIE FLEDERMAUS, die mit ihrem „Echsenmenschen-Song“ genau das richtige Maß an Unbeschwertheit mitbringt, um selbst solch extremem Klima zu trotzen.
Fotogalerie: DIE FLEDERMAUS













HOME REARED MEAT

Wenn schon texanische Temperaturen, dann kleiden wir uns auch entsprechend: HOME REARED MEAT jedenfalls könnten mir ihren Latzhosen, Cowboystiefeln und Strohhüten direkt aus dem US-amerikanischen Süden importiert sein. Den Hillbilly-Look samt (geschminkter) Zahnlücken komplettiert die Death Metal-Band mit einem Faible für Country-Einflüsse.
Bevor das Gespann jedoch das Banjo zücken kann, darf sich Frontmann Chicken als Schlagersänger versuchen: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ ist nur einer der Klassiker, die der Frontmann zum Besten gibt, um die anfänglichen technischen Probleme zu überbrücken. Eine Viertelstunde und ein paar kurzweilige Einlagen später läuft der Laden wieder, so dass dem waghalsigen Genre-Crossover mit Ausnahme eines weiteren kleinen Ausfalls nichts mehr im Weg steht.
HOME REARED MEAT zücken zur Auflockerung das Banjo

Für das Redneck-Image ungewöhnlich, aber auf dem WISDOM TOOTH FESTIVAL mit Jubel aufgenommen, beziehen HOME REARED MEAT mit „Empire Of Scum“ deutlich Stellung: Gewidmet ist der Track der Regierung des aktuellen US-Präsidenten, welcher in Form einer KI-Persiflage gar das gesprochene Intro bereitstellen darf. Das Tempo zieht die Band derweil mit „Spayed By A Toothless Goat“ an, wo sich das Frontgespann Chicken und Nik ein Shouterduell liefert. In „Hass“ wiederum treiben einige besonders feierwütige Metalheads den Circle Pit an.
Aufgelockert wird diese Vollbedienung durch die erwähnten Country-Anleihen, welche mit Banjo und plattem Pipikaka-Humor in Form von „Dirty Butthole“ oder „Booze & Titties“ allerdings einen entsprechenden Grundpegel voraussetzen. Vielleicht rächt sich jetzt, dass wir vorhin an der Bar doch lieber die alkoholfreie Variante gewählt hatten.
Fotogalerie: HOME REARED MEAT
















ELCHWUT

Was wir im Lauf der letzten Jahre gelernt haben: Melodic Death Metal geht auf dem WISDOM TOOTH FESTIVAL immer. Insofern überrascht es nicht, dass der Platz vor der Babytooth Stage am frühen Abend überaus gut gefüllt ist. Uns soll’s recht sein, haben wir doch selbst eine Schwäche für den klassischen Göteborg-Sound, den ELCHWUT eine halbe Stunde lang in Ehren halten.
Im Midtempo und mit prägnanter Lead-Gitarre erinnert uns „Creature“ an die goldenen Jahre des Genres, wobei Riffing und Melodieführung insbesondere die früheren IN FLAMES ins Gedächtnis rufen. Diese Nähe prägt auch die aktuelle Single „The Light“ sowie die Dual-Leads von „Reclaiming Control“, währenddessen Sänger Joe das Plüschmaskottchen zum Crowdsurfen schickt.
Mit ihrem melodischen Death Metal treffen ELCHWUT einen Nerv

„Death Metal zum Mitschunkeln“ beschreibt die Gruppe selbst ihre Musik auf der eigenen Website. Wie gut man zu den eingängigen wie energiegeladenen Tracks aber auch die Sau rauslassen kann, beweist das WISDOM TOOTH FESTIVAL zu „The Traitor Must Die“, wo sich Bassist Sebastian ebenfalls nicht mehr beherrschen kann und spontan selbst ein paar Runden im Circle Pit dreht.
Selbiger rotiert im selbstbetitelten Schlusstrack weiter um die eigene Achse, während die restlichen Zuschauer:innen Frontmann Joe gesanglich unter die Arme greifen. Und wer sich den prägnanten Bandnamen gegen Ende der halbstündigen Show immer noch nicht merken kann, wirft einfach einen kurzen Blick auf das Schild, das der Shouter mit der Frage, wer denn nun hier spiele, emporhebt: Na, ELCHWUT natürlich.
Fotogalerie: ELCHWUT
















GOSSENPOETEN

Dass Wespen zu den größten Spielverderbern im Tierreich gehören, sollte hinlänglich bekannt sein. Dass sie aber gleich eine derart große Aversion gegen feuchtfröhliche Trinklieder hegen, hätten wir nicht erwartet. Die GOSSENPOETEN stehen erst seit ein paar Minuten auf der Bühne, als ein besonders streitlustiges Exemplar Gitarrist und Sänger Wandi tatsächlich in den geöffneten Mund fliegt und zusticht.
Gerade noch im „Freibierwahn“ macht der Musiker mit dem Insekt genau das, was man mit dem goldenen Gerstensaft eigentlich nicht tun sollte: Er spuckt es wieder aus und setzt die Show fort, als wäre nichts gewesen. Einen Abbruch unter diesen potenziell sogar gefährlichen Umständen hätten wir vollkommen verstanden; den Auftritt dennoch durchzuziehen und sich dabei kaum etwas anmerken zu lassen, verdient dementsprechend unseren höchsten Respekt.
Selbst durch einen Wespenstich lassen sich die GOSSENPOETEN ihre Party nicht vermiesen

Mit einem Becher Eiswürfel gegen die Schwellung geht es somit feucht-fröhlich weiter: Die GOSSENPOETEN erzählen in „Finya’s Taverne“ von ihrer Lieblingskneipe, zücken die Mundharmonika, um den nüchternen Fahrern dieser Welt Tribut zu zollen, und schultern die Akustikgitarre für ein „Liebeslied“ an das beste aller Erfrischungsgetränke.
Immer mit einem Lächeln auf den Lippen dauert es somit nicht lange, bis das Trio auch die kleine, aber bestens aufgelegte Menge vor der Hauptbühne fest in der Hand hat. Die fröhlichen Klänge und Folk-Melodien, teils an bekannte Traditionals angelehnt, laden zum Tanzen und Mithüpfen ein, obwohl – und das ist für das Genre schon etwas zweifelhaft – alle Flöten- und Geigenspuren vom Band kommen.
Die Instrumente kommen teils vom Band, die gute Stimmung ist aber dafür live

Live-Instrumente sind für uns als stilbildendes Element in diesem Fall eigentlich Pflicht; ansteckend sind die kauzigen und unbeschwerten Klänge dennoch, zumal die Stimmung vor den Brettern von Minute zu Minute besser wird, obwohl man im Fanlager den kürzlichen Rausschmiss von Bassistin Jasmin nicht unbedingt wohlwollend aufnahm.
Die Fäuste recken die Fans während „Konterbier“ letztlich doch freudig, bevor sie im Zugabenblock für das deutschrockige „So jung wie heute“ und den Party-Song „Gönnjamin“ samt verschmitzter Pokémon-Referenz noch die letzten Energiereserven mobilisieren. Es braucht offenbar schon weit mehr als einen einzigen geflügelten Partymuffel, um die GOSSENPOETEN von ihrem Kampf gegen die gesellschaftliche Unterhopfung abzubringen.
Fotogalerie: GOSSENPOETEN












SPRACHROHR

Grund zu feiern gibt es auch auf der Nebenbühne, wo SPRACHROHR ihr am Vortag erschienenes Debütalbum „Die Zeit ist ein Dieb“ vorstellen. Mit dem Titeltrack geht es schmissig und treibend nach vorne: Wem Deutschrock zu soft ist, findet hier trotz eingängiger Melodien das zusätzliche Quäntchen Durchschlagskraft.
Sänger Marco nutzt analog jeden Zentimeter der Babytooth Stage, die eigentlich viel zu eng bemessen für den Bewegungsdrang des Frontmanns scheint, und wechselt dabei munter zwischen kehligem Klargesang und giftigen Screams.
SPRACHROHR profitieren von ihrer dynamischen Bühnenpräsenz

Dass der Rock-/Metal-Crossover der Augsburger schnell ins Ohr geht, äußert sich zudem im Treiben vor der Bühne, wo die Melodeath-Anleihen in „Die Stimmen die ich höre“ den unermüdlichen Circle Pit zusätzlich befeuern. Mit positiver Message und dynamischer Bühnenpräsenz machen SPRACHROHR an diesem Samstagabend eine ausgesprochen gute Figur, was sogar wir gerne zugestehen, die sonst für gewöhnlich beim ersten Anzeichen deutschrockiger Farbtupfer die Beine in die Hand nehmen.
Fotogalerie: SPRACHROHR















HACKNEYED

Der Plan war eindeutig: Zehn Jahre nach der Auflösung gibt es genau so viele Shows zum 20-jährigen Jubiläum. Eine einmalige Sache. Der Zufall wollte es, dass nun doch ein extra Gig obendrauf kommt: Nachdem der ursprünglich geplante Headliner abgesprungen war, sprangen HACKNEYED sofort in die Bresche, um das Line-up des WISDOM TOOTH FESTIVALs wieder zu komplettieren. Ein Anlass mehr zu feiern?
Der unverkennbare Intro-Song „Liftoff!“ legt es nahe, obwohl uns die leicht mitschwingende Wehmut als Achterbahn-Nerds nicht verborgen bleibt: Wie auch HACKNEYED befindet sich die „EuroMir“-Anlage des Europa Parks, deren Soundtrack hier gerade zum Tanzen animiert, auf Abschiedstour: 2027 werden wohl Band und Coaster Geschichte sein.
HACKNEYED erwecken keineswegs den Eindruck, gerade erst aus dem Winterschlaf erwacht zu sein

Bis dahin aber zählt das Hier und Jetzt, in welches uns das Quintett mit dem mächtig groovenden „Bugging For Mercy“ in Windeseile zurückholt. Das gelingt auch aufgrund des differenzierten Mix auf Anhieb, wobei allein der Snare-Sound während der Blastbeats in „Axe Splatter“ etwas arg penetrant gerät.
Davon abgesehen erwecken HACKNEYED keineswegs den Eindruck, gerade erst aus dem Winterschlaf erwacht zu sein. Klar, die beiden NECROTTED-Musiker Philipp sowie Fabian Fink waren in den vergangenen Jahren mit ihrer eigenen Band durchaus fleißig und sogar schon selbst in Bissingen zu Gast. Dennoch wirkt die Gruppe gut eingespielt und harmonisiert selbst mit Aushilfsgitarrist auf der Bühne prächtig miteinander.
Die Hits aus alten Tagen sparen sich HACKNEYED für das Finale auf

Die Rolle des Frontmanns beherrscht Phillip Mazal weiterhin sicher, egal ob HACKNEYED nun „Feed The Lions“ oder „Coulrophobia“ anstimmen. Rückendeckung erhält der Shouter von Kollege und Bassist Fabi Fink, dessen Backing Vocals so mancher Passage noch mehr Nachdruck verleiht. Kurios erscheint uns einzig die Frage vor „Ravenous“, ob denn hier jemand Lust auf Menschenfleisch hätte. Bekämen wir jedes Mal einen Euro, wenn sich auf dem WISDOM TOOTH FESTIVAL jemand nach unseren kannibalistischen Vorlieben erkundigte, dann hätten wir nun zwei Euro. Das ist nicht viel, aber es ist seltsam, dass es nach TROLLFAUST 2024 nun ein weiteres Mal passiert ist.
Für die eingeschworenen Fans in der ersten Reihe ist das natürlich zweitrangig: Dort hält man seit einer Dreiviertelstunde bereits selbstgebastelte Schildchen mit nur einer Botschaft hoch: „Deatholution“ wolle man hören. Dass sich HACKNEYED den Bandhit bis zum Finale aufsparen würden, überrascht uns ebenso wenig wie die überschwänglichen Reaktionen im Anschluss. „Danke!“, steht auf der Rückseite der bunten Kartons, die sodann in den Fotograben segeln. Wie man das übertreffen will? Mit „Gut Candy“ vielleicht, dem zweiten Klassiker aus einer anderen Zeit, der den würdigen Schlusspunkt einer kurzweiligen Performance markiert, die aus unserer Sicht gerne der Beginn eines längerfristigen Comebacks sein dürfte.
Fotogalerie: HACKNEYED












DEATH IN FICTION

Gab’s gerade auf der Main Stage noch Death Metal, widmen wir uns nun nebenan dem DEATH Metal. Denn was wir nicht auf dem Schirm hatten, war Gevatter Tod höchstpersönlich, der in langer schwarzer Robe die Sense hebt. Und doch täuschen uns unsere Augen nicht: Während DEATH IN FICTION ihren Melodic Death Metal zum Besten geben, keift der Sensenmann stoisch und doch leidenschaftlich ins Mikrofon.
Ist das cheesy? Klar, allerdings gewinnt die Performance zu dieser späten Stunde dadurch auch an Atmosphäre. Dass die Band, dieses Gimmick nicht totreitet, ist ihr ebenfalls hoch anzurechnen. Die Kapuze legt Frontmann Zeno früh ab, um fortan direkter mit der Menge kommunizieren zu können: Ein Mitglied sei heute leider verhindert, weshalb die Rhythmusgitarre ausnahmsweise vom Band komme, so der Hinweis.
DEATH IN FICTION legen Wert auf klassische Tugenden und sind dadurch umso packender

Sympathisch ist das, eben weil DEATH IN FICTION mit offenen Karten spielen und sonst ebenfalls großen Wert auf klassische Tugenden legen. Ein bisschen AT THE GATES, eine ganze Menge IN FLAMES ist der musikalischen DNA zu entnehmen, mit der die vier Musiker das Publikum im Handumdrehen um den Finger wickeln. „Nevermore“ besticht durch catchy Riffing, „The Great Unknown“ steuert nach einem ruhigen Instrumentalpart auf ein großes Finale zu, „Centurio’s Whore“ schließlich stachelt das WISDOM TOOTH FESTIVAL zum Circle Pit an. Das Ganze kulminiert letztlich in einer Wall of Death, aus der plötzlich sogar Bassist Fabian Spitzer hervortritt. Wie der gute Mann ins Publikum gekommen ist, müssen wir wohl im Eifer des Gefechts verpasst haben.
Fotogalerie: DEATH IN FICTION








ASENBLUT

Kein Zweifel besteht vor der Main Stage, dass nun gleich der Hauptact des Tages die Bühne betreten wird. Das jedenfalls klärt ein schneller Blick über das Areal, das nun beträchtlich besser gefüllt ist als noch zu Beginn des Tages. Doch selbst das Szenenbild spricht für das geschulte Auge eine deutliche Sprache: Flitterkanonen und Flammenwerfer stehen für das kommende Spektakel bereit, während zahlreiche Wikingerschilde für die richtige Grundstimmung sorgen. Allein die beiden aufgestellten Fernseher wirken trotz Verkleidung etwas deplatziert, zumal die später darauf gezeigten Visualisierungen nie über billigste KI-Animationen in Endlosschleife hinausgehen.
Das ist insofern enttäuschend, da die teils wirklich schäbig aussehenden Clips das sonst so stimmige und schlüssige Bühnenbild entwerten. Glücklicherweise aber haben ASENBLUT mit Tetzel einen Frontmann, der nicht nur eine imposante Erscheinung für sich ist, sondern zugleich bodenständig und sympathisch auftritt. Nicht einmal kleinere Komplikationen wie der streikende Flammenwerfer im eröffnenden „Das Ende der Götter“ kann die gute Laune des Sängers trüben.
ASENBLUT-Sänger Tetzel fordert den „kleinsten Circle Pit“ des Festivals

Heiß wird es ohnehin noch oft genug im Laufe der 14 Stücke, wo immer wieder Pyro-Effekten die dunkle Nacht erhellen. Dass die Melodic Death Metal-Band AMON AMARTH als Brüder im Geiste durchaus nahesteht, zieht sich derweil nicht nur durch die Thematik, sondern auch das Songgerüst an sich: „Entfesselt“, das melodisch-groovende „Bruderschaft“ oder „Seite an Seite“ erinnern auch musikalisch an die früheren Schaffensperioden der Skandinavier, was wir in diesem Fall keineswegs negativ meinen.
Schließlich fällt es dadurch leicht, sich im Klangkosmos ASENBLUTs zurechtzufinden und dabei – wie soll es anders sein – besonders energisch die Fäuste zu heben. Für einen regelrechten Drehwurm sorgt Chef-Berserker Tetzel wiederum mit seiner Bitte, für die aktuelle Single den kleinsten Circle Pit des Festivals zu bilden: Maximal drei Leute sollen es pro Ausgabe sein, dafür aber so viele davon wie möglich. Das Resultat ist klar: Auch ohne Hochprozentiges finden wir uns nach dreiminütigem Workout im „Tavernenrausch“.
Die ASENBLUTsche Armee ist heute zu allen Schandtaten bereit

Damit das WISDOM TOOTH FESTIVAL sein Koordinationsvermögen pünktlich zum Massenrudern in „Wölfe des Meeres“ wiederfindet, bedarf es Unterstützung: Während sich im Zentrum dutzende Fans auf dem Hosenboden verausgaben, übernimmt ein besonders engagierter Teilzeitwikinger spontan die Rolle des Schlagmanns, um den Rhythmus vorzugeben.
Ohnehin sind die Anhänger:innen heute zu allen Schandtaten bereit, auch wenn Tetzel hier und da den anfänglichen Einsatz monieren muss. Das kollektive Singen in „Wie ein Berserker“ erinnert den Hünen etwa zunächst an eine „Schulklasse“. Ganz Unrecht hat er damit ja nicht: Wie anhand der zahlreichen Crowdsurfer unschwer zu sehen ist, säumen das Schlachtfeld heute Nacht auch viele kleine Nachwuchswikinger, die in diesen Augenblicken den Spaß ihres Lebens haben.
ASENBLUT beschwören den Zusammenhalt und damit die Grundwerte des WISDOM TOOTH FESTIVALs

Allein deshalb bleibt aus unserer Sicht kein Zweifel daran, dass ASENBLUT trotz gewisser Grundhärte eine gute Wahl für dieses familiäre Festival sind. Wobei Tetzel auch anders kann, so er denn möchte: Der eingestreute Klargesang in „Dagon“ klingt überraschend gut und ist ein schöner Kontrast im manchmal etwas monotonen Growl-Repertoire des Frontmanns, der den oft von ihm besungenen Zusammenhalt nicht als heiße Luft verstanden haben will: Nahbar gibt sich die Band in der Folge selbst nach der Show, wo alte und neue Fans auf einen Plausch oder ein gemeinsames Foto am Merchandise-Stand vorbeischauen dürfen.

ASENBLUT Setlist – ca. 80 Min.
1. Das Ende der Götter
2. Unbesiegbar
3. Seite an Seite
4. Entfesselt
5. Tavernenrausch
6. Bruderschaft
7. Wie ein Berserker
8. Wölfe des Meeres
9. Urgewalt
10. Die wilde Jagd
11. Dagon
12. 300
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13. Berserkerzorn
14. Asenblut
Fotogalerie: ASENBLUT















TAG MY HEART

Finale auf der Babytooth Stage: Es wird laut, es wird bunt und vor allem wird es modern. Zwar benötigen TAG MY HEART für unseren Geschmack ein paar Backing Tracks zu viel, um den Studiosound inklusive Vocal-Layers auf die Bühne zu bringen, dafür ist das Ergebnis jedoch fraglos explosiv. Groovende Rhythmen und Breitwandgitarren bilden das Fundament von Stücken wie „Cold Heart In a Killbox“, die ihre Inspiration häufig im Nu Metal der Jahrtausendwende finden.
So ist die Gitarrenarbeit in „Deadline“ hörbar an KORN bzw. LIMP BIZKIT angelehnt, während Sängerin Ivy eine Note GUANO APES hinzuaddiert. Rap, Shouts und Klargesang gehören zum Repertoire der agilen Frontfrau, die das Scheinwerferlicht sichtlich genießt und deren unermüdlicher Einsatz die Meute vor den Brettern anstachelt. Somit wird das Publikum in „Start It Up“ kurzerhand als fünftes Bandmitglied rekrutiert, das für den Background-Gesang ebenso zuständig ist wie für das Aufrechterhalten des Energielevels. Glücklicherweise hat man sich in Bissingen mehr als genug Kraft für eine halbe Stunde Vollgas aufgespart.
Fotogalerie: TAG MY HEART












EXCREMENTORY GRINDFUCKERS

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Wir waren noch Teenager, als das frisch erschienene „Fertigmachen, Szeneputzen!“ (2004) in unserem Kinderzimmer rauf und runter lief. Das Konzept Guilty Pleasure kannten wir damals noch nicht, hatten aber in den folgenden Jahren trotzdem Probleme, die weiteren Scheiben der Gruppe ebenso ins Herz zu schließen. Waren wir zu alt geworden für den Vorschlaghammer-Humor? Hatte sich unser Musikgeschmack verändert? Oder waren die Pointen der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS später einfach nicht mehr so zugespitzt wie damals? Wir wissen es bis heute nicht.
Trotzdem freuen wir uns irgendwie, die Band nach exakt 20 Jahren noch einmal sehen zu dürfen, obwohl uns das Line-up mit Ausnahme von Gitarrist und Gründer Rob gänzlich unbekannt ist. Gleiches gilt zudem für einen nicht unbedeutenden Teil der Setlist, wobei die Balance aus unbarmherzigem Geprügel und eingängigen Gesangslinien weiterhin Bestand hat.
Bei aller Blödelei zeigen sich EXCREMENTORY GRINDFUCKERS stets nahbar

Dass unsere eigene ambivalente Haltung schon im Opener „Jetz is auch egal“ Thema ist, erfahren wir erst im Nachhinein: „Grindfuckers sind scheiße und werden trotzdem noch gebraucht.“, lautet hingegen das Fazit des Stücks, mit dem die Spaßband gar nicht mal so falsch liegen dürfte. Denn die Stimmung während dieser Late-Night-Show ist durchweg ausgelassen, besonders wenn die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS eine ihrer zahlreichen Persiflagen à la „Looking For Grindcore“ oder ausgewiesenes Hitmaterial Marke „Taschengeld“ anstimmen.
Das ungleich heftigere „Durchfall im Moshpit“ verläuft glücklicherweise ohne Zwischenfall, bevor die Menge in „Is aber nich“ inbrünstig die Stimmen erhebt. Die knackigen Songs lassen wenig Raum für Leerlauf, wobei sich die Musiker bei aller Blödelei doch genug Zeit nehmen, um sich von einer nahbaren Seite zu zeigen: Sogar ein Ständchen für einen Festivalbesucher namens Eliyah stimmt das Sextett von der Bühne aus an, um dem Geburtstagskind anschließend ein unterschriebenes Drumfell als Präsent zu überreichen. Der vielleicht jüngsten Crowdsurferin wiederum bietet Gitarrist Rob im Anschluss sein Plektron als Geschenk an – ungeachtet der Frage, ob sie dieses nutzlose Plastikding denn überhaupt haben möchte.
Selbst 25 Jahre später bringen die GRINDFUCKERS noch Freude an jeden Spielort

Kurzum, diesen ungezwungen Abschlussgig genießt das verbliebene Publikum sichtlich und mit Grinsen im Gesicht. Sogar der „Tooth Fairy“-Vereinsvorstand persönlich findet nach einem stressigen Wochenende nun die Zeit, höchstselbst den einen oder anderen Crowdsurfer nach vorne zu bugsieren. Als dann auch noch zu „Vater Morgana“ eine Polonaise“ durch das Infield zieht – angeführt von niemand geringerem als Bandkopf Rob -, können auch wir ein zufriedenes Fazit ziehen. Wirklich neu entfachen konnten die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS die alte Liebe nicht, aber sichtlich Freude bringt das Gespann selbst nach 25 Jahren auf der Straße noch mit an jeden Spielort.
Fotogalerie: EXCREMENTORY GRINDFUCKERS











Definitiv angekommen: Das WISDOM TOOTH FESTIVAL hat sich endgültig als integraler Bestandteil der regionalen Musikszene etabliert

Bevor wir aber ins Auto hüpfen, wagen wir noch einen letzten Blick den Hang hinab. Bunte Lichter blitzen durch die Baumkronen hindurch, während der Wind uns noch eine ungefähre Vorstellung dessen heranträgt, was die Szenerie gerade noch mit Leben erfüllt. Es ist ein nur ein kurzer Augenblick, der uns trotzdem zufrieden innehalten lässt: Es scheint, als hätte sich das WISDOM TOOTH FESTIVAL im fünften Jahr an Ort und Stelle endgültig als ein integraler Bestandteil der lokal-regionalen Musikszene etabliert.
Man sei mit dem diesjährigen Ablauf rundum zufrieden, versicherte uns zuvor auch Vereinsvorstand Dominik Vogel in einer vorläufigen Bestandsaufnahme. Und tatsächlich verlief 2026 eigentlich alles reibungslos, sehen wir mal von einer kurzen technischen Panne am Nachmittag ab. Zugleich schaffte es der Helferkreis um den „Tooth Fairy“-Verein sogar, den Wohlfühlfaktor der Vorjahre aufrechtzuerhalten, ja teils sogar zu verbessern, indem man im Bereich der Inklusion sogar jenen kurze Wege zwischen den Bühnen ermöglicht hatte, die den gestuften Zugang zur Babytooth Stage nicht alleine bewerkstelligen konnten.
Hilfsbereitschaft und Harmonie durchziehen die Organisation des WISDOM TOOTH FESTIVALs

Und falls doch einmal irgendwo der Schuh drückte, war Unterstützung meist nicht weit: In Form der freundlichen Crew-Mitglieder, der entspannten Security von ST Sicherheit & Service oder natürlich der immer auf Neue fantastischen Abordnung der Grabenschlampen, die Crowdsurfer wohlbehalten zu Boden brachten, in der Nachmittagsglut per Wasserschlauch für Abkühlung sorgten und darüber hinaus für jeden Spaß zu haben waren.
Dabei war der 2026 erreichte Status quo beileibe keine Selbstläufer, hat das WISDOM TOOTH FESTIVAL in den vergangenen Jahren doch so ziemlich alles mitgemacht, was einem aufstrebenden Open Air zum Verhängnis werden kann. Von schwierigem Vorverkauf über das Wetterchaos 2024 oder die nur teilweise gelieferte Bühnentechnik im Folgejahr bis hin zu kurzfristigen Absagen wie die des Headliners der aktuellen Ausgabe.
Die Planunge für das nächste WISDOM TOOTH FESTIVAL sind bereits in vollem Gange

Dass man trotzdem jedes Mal erneut ein erfolgreiches Event auf die Beine stellen konnte, ist wohl allein schon Grund genug, das Jubiläum mit ein wenig Verspätung im kommenden Jahr nachzuholen und dafür u.a. auch einige Gäste wie STONES OF JORDAN, INTERSTELLAR DUST, WAVES LIKE WALLS oder den Haupt-Act J.B.O. ein weiteres Mal im Wildbachstadion zu begrüßen.
Wobei „Verspätung“ als Formulierung unsererseits wohl nicht ganz glücklich gewählt ist. Denn wie die großen Zauberer in Tolkiens Weltliteratur kommt auch die Zahnfee weder zu früh noch zu spät zurück nach Bissingen, sondern genau dann, wenn sie es beabsichtigt – und das ist 2027 mit dem 16. und 17. Juli wieder das gewohnte Wochenende in der Mitte des Monats.
Fotogalerie: Impressionen









































Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)