BLODTAR: Monark

Dass BLODTAR, als Soloprojekt gestartet und nun ein Duo aus Songwriter und Schlagzeuger, Potential hat, ist nichts Neues: Schon Debüt-EP und -Album haben weiland euphorische Reaktionen geerntet, bei mir jedoch noch nicht. Ein paar Jahre und einen persönlichen Schicksalsschlag später steht mit „Monark“ das zweite Album an. Und macht (fast) alles richtig.

Ob’s am erwähnten Schicksalsschlag liegt, dass „Monark“ so gereift, seriös und authentisch klingt? Vielleicht – sicher ist nur, dass die intensive Melancholie, die aus den acht hier vorliegenden Kompositionen trieft, darin ihren Ursprung hat. Denn so wehmütig und romantisch klangen die Vorgänger nicht. Zwar steht außer Frage, dass der größte Einfluss nach wie vor beim klassischen schwedischen Pagan Black Metal alter Schule zu suchen ist, es hat sich aber eine emotionale Dringlichkeit und Unmittelbarkeit in die Musik eingeschlichen, an der es ihr – für meinen Geschmack jedenfalls – vorher ein wenig gemangelt hat.

Deutlich wird das schon durch den herrlich kehligen, verzweifelten Gesang, der Schmerz förmlich atmet und in seiner Rohheit etwas an die großartigen PANPHAGE-Alben erinnert; die Stücke sind aber auch dichter komponiert, in sich geschlossener, hervorragend als Album arrangiert und letztlich insgesamt erwachsener als auf dem Vorgänger. Zwar hören wir hier immer noch überwiegend diese typischen schwedischen Folk-Melodien an jeder Ecke, aber sie sind nur mehr Mittel zum Zweck und nicht mehr der Zweck selber.

Wehmut, Verlorenheit, große Hymnen

Und dann ist da dieses Titelstück, das sich in seiner Melodieführung beim Post Black Metal sowie insgesamt eines anderen Gesangsstils bedient und dadurch eine tiefe Trauer evoziert, wie wir sie von BLODTAR bisher nicht kannten. Zusammen mit den vielen klaren Gesangsanteilen und sägenden Riffs in Moll ergibt sich auf „Monark“ schließlich das Bild eines verlorenen Mannes, der sein Leid kennt und in Kunst zu gießen imstande ist, ohne daran zu zerbrechen. Das wird beim Folk-Stück (im Original von einer skandinavischen Folk-Band) „Nu är det synd om de döda“ dann nochmal besonders deutlich; gleichzeitig sorgt es für die dringend benötigte Ruhe vor dem abschließenden Sturm.

Der beginnt mit „Bland kvällens skuggor ännu vandra“ dann brillant und erneut tief melancholisch, wogt hin und her, sucht die große Katharsis… und versinkt dann mit „Den eviga isen“ leider im Nichts. Ja, schade, das Ende des Albums kommt erstaunlich plötzlich, und da alles andere so sinnvoll arrangiert anmutet, muss man ja davon ausgehen, dass das gewollt ist. Soll’s die Unbarmherzigkeit des Todes darstellen, die jede Schönheit – denn Schönheit gibt’s en masse auf „Monark“ – nach kurzem Verwelken unweigerlich zerstört? Vielleicht. Allein, es wirkt als Ende eines ansonsten sehr guten Albums nicht bzw. es wirkt schon, aber eben ästhetisch unbefriedigend.

Was die Großartigkeit von z.B. „Till min sista viloplats“ (was für ein herrlicher Chor!) und dem 3/4-Takt-Nackenbrecher „Paradis“ (was für ein herrliches Riff!), die ich hier mal exemplarisch als geniale Anspieltipps stehen lassen möchte, keineswegs schmälern soll. Songwriter Carl weiß, was er tut und ballert uns einen urschwedisch tobenden Metal-Wirbelsturm nach dem anderen um die Ohren, dass es eine helle Freude ist. Denn Trauer und Melancholie sind bei BLODTAR anno 2026 zwar immer spürbar, letzten Endes handelt es sich bei „Monark“ dann aber doch um richtig geilen Heavy Metal, und das ist auch gut so.

Spielzeit: 36:02 Min.

Veröffentlichungsdatum: 18.09.2026

Label: Nordvis

Line-Up:
Carl – Bass, Gitarre, Gesang
Hebert Alarcon Cerna – Schlagzeug

https://blodtar.bandcamp.com/music
https://www.instagram.com/blodtarband/

BLODTAR „Monark“ Tracklist

1 – Blodtår (‘Blood Tear’)
2 – Till min sista viloplats (‘To My Final Resting Place’)
3 – Paradis (‘Paradise’)
4 – Det slutar i lågor (‘It Ends in Flames’)
5 – Monark (‘Monarch’)
6 – Nu är det synd om de döda (Kraja cover)
7 – Bland kvällens skuggor ännu vandra (‘Still Wandering Among the Evening Shadows’)
8 – Den eviga isen (‘The Eternal Ice’)