Alles schon da gewesen im Tolkien-Metal? Wirklich alles? Das hier definitiv nicht. Statt SUMMONING-Worshippig zu betreiben, sind LAMMOTH musikalisch völlig anders unterwegs. Mit „Onward“ hat das Projekt aus North Carolina einen kleinen Hype ausgelöst, zumindest bei denen, die (Post) Black Metal, Comfy Synth und Chiptune (!) gut finden. Und das Konzept? Nun, es geht um das Pony Bill, ein armes, unterdrücktes Wesen, das Frodo und seine Gefährten begleitet und in dieser Kameradschaft neu aufblüht. Für Robert Sandford, den Musiker hinter LAMMOTH, ist diese Geschichte der Freundschaft eine Parabel für Zusammenhalt und den Sieg über den Faschismus.
Ein Pony und ein paar Hobbits besiegen den Faschismus: Mit „Onward“ erzählen LAMMOTH eine hoffnungsspendende Geschichte.
Wenig überraschend, dass „Onward“ kein finsteres, misanthropisches Black Metal-Album ist, sondern irgendwie cute rüberkommt. Das passt zu den Hobbits, das passt zum Pony und zur hoffnungsvollen Grundausrichtung. Spätestens jetzt sind sie alle weg, die grimmigen Black Metal-Puristen, aber der Rest kann eine Menge Tolles auf LAMMOTHs erstem Album entdecken. Leidenschaftliche Riffs, schnelle Blasts, Analog-Synthesizer, melancholische Momente zwischen Schwelgen und Epik, eingebettet in ein recht rohes Klangbild ergeben eine definitiv originelle Mischung und stellt einen großen Sprung dar, nach dem eher klassischen, mit Dungeon Synth gewürzten USBM, den LAMMOTH in der Vergangenheit spielten.
„Onward“ als cute zu bezeichnen ist sicher nicht verkehrt, aber das ist nur vordergründig wirklich korrekt. LAMMOTHs märchenhaftem Ansatz zum Trotz stecken in der Musik Kraft und Stärke. Das wird erst nach und nach deutlich, denn „Poor Old Half-Starved Pony“, dessen niedliche Keyboard-Melodie das Album einleitet, wird dann zu einem rasanten Song, der mit Verve und Leidenschaft die Hörer*innen überrollt. Im Weiteren Verlauf findet Robert Sanford auch genau hier seine Komfortzone: „To Free (Bill)“, „A Gardener“ und „Horsethieving“ sind ungebremste Post Black Metal-Songs mit wunderbaren Synthesizern und Screamo-Vocals, aber richtig gut klingen die etwas langsameren, zur Epik neigenden Songs wie „Farewell, Good Beast Of Burden“ und „The Road To Bree“, die das wunderschöne Cover perfekt vertonen.
LAMMOTH lassen sich nicht limitieren: „Onward“ ist ein deutlicher Schritt nach vorne für die US-Band.
Am Ende steht mit „A Final Parting“ dann aber der beeindruckendste Track, in dem LAMMOTH auf das Schlagzeug (oder den Drumcomputer) verzichten und dafür IDM-Beats einsetzen. Dieses Wagnis geht perfekt auf, gerade weil das etwas roh knarzende Drumkit die Achillesferse des Albums ist und zu oft unter den knarzigen Gitarren verschwimmt. Dass das wohl Absicht war, zeigt sich mit Blick auf die Debüt-EP „Tales Of Treachery“, die insgesamt wuchtiger klingt. Am Ende machen diese 40 Minuten Musik aber glücklich. Und gerade in dieser gespaltenen Welt, haben LAMMOTH eine Ode an die Freundschaft geschrieben, gepaart mit der Hoffnung, dass nicht nur Hobbits und Ponys, sondern auch die Menschen die düstersten Zeiten überstehen können.
Wertung: 7 von 9 Striegel
VÖ: 7. August 2026
Spielzeit: 38:17
Line-Up:
Robert Sanford – Vocals, Instruments
Label: Fiadh Productions
LAMMOTH „Onward“ Tracklist:
1. Poor Old Half-Starved Pony
2. To Be Free (Bill)
3. A Gardener
4. Farewell, Good Beast Of Burden
5. A Fox Passing Through The Woods On Business Of Their Own
6. The Road To Bree
7. We Were Born to Suffer
8. Horsethieving
9. A Final Parting
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