Beartooth - Pure Ecstasy Cover

BEARTOOTH: Pure Ecstasy

Für Caleb Shomo ist „Pure Ecstasy“ als sein persönlichstes Werk ein Befreiungsschlag. Musikalisch bewegen sich BEARTOOTH hingegen weiter in Richtung Arena-Rock und bleiben damit eher berechenbar und blass.

“Pure Ecstasy”. Der Titel ist das Ziel, auf welches Caleb Shomo seit der Gründung von BEARTOOTH hingearbeitet hat. Reiht man die Diskografie seines Soloprojekts aneinander, zeigt sich auch die psychische Entwicklung des Musikers: „Sick“ (2013), „Disgusting“ (2014), „Aggressive“ (2016), „Disease“ (2018), „Below“ (2021), „The Surface“ (2023) und schließlich das zwischenzeitliche Hoch des neuen Albums. Von tiefster Depression bis zur schrittweisen Akzeptanz des eigenen Selbst konnten wir Shomos Reise nachverfolgen. Lyrisch, aber auch musikalisch, wurden BEARTOOTH doch mit jeder Iteration positiver, lockerer, zugänglicher.

Dass für „Pure Ecstasy“ ein Produzent wie Jordan Fish an den Reglern sitzen sollte, ist nur die logische Konsequenz, obgleich sich seine Handschrift hier schnell als eindimensional entpuppt und letztlich ein großer Faktor ist, warum BEARTOOTH im Jahr 2026 so befremdlich zuckersüß klingen. Gleichzeitig spricht Caleb Shomo von seinem persönlichsten, wichtigsten und nicht zuletzt realsten Werk. Diese Aussage mag angesichts der Menge an Postproduktion und Effekten auf seiner Stimme kurios anmuten, ist jedoch tief im Privatleben des Masterminds verwurzelt.

Für Caleb Shomo ist „Pure Ecstasy“ ein Befreiungsschlag

„Pure Ecstasy“ ist nämlich in erster Linie ein Befreiungsschlag: ein Sprengen aller Ketten, die ihn sein ganzes Leben zurückgehalten haben. Die tief christliche Erziehung, sein Heranwachsen in einem konservativen Haushalt und die damit verbundene Unterdrückung seines wahren Selbst. Den Heiligenschein vergleicht Shomo in der Lead-Single „Free“ nicht umsonst mit einem Galgenstrick, bevor er uns verschmitzt erklärt: „Ich weiß etwas, das du nicht weißt.“ Gemeint ist sein Coming Out, was jedoch erst einige Wochen später klar wird, als Shomo den Schleier mit einem öffentlichen Statement lüftet.

Vor diesem Hintergrund ist es natürlich keine einfache Angelegenheit, ein Werk kritisch einzuordnen. Denn als Sinnbild seiner eigenen Selbstfindung, als schwieriger Schritt in eine völlig neue Lebensrealität, ist „Pure Ecstasy“ der vollkommene Ausdruck nicht nur der künstlerischen Vision, sondern auch der Persönlichkeit Caleb Shomos, der aber erstmalig in der Geschichte BEARTOOTHs nicht alle Instrumente selbst eingespielt hat. Stattdessen öffnete er die Studiotore auch für seine Live-Band, die ihrerseits Input liefern durfte.

BEARTOOTH bleiben auf „Pure Ecstasy“ berechenbar und blass

Die rohe Energie, die wir von den Live-Performances und dem Frühwerk der Formation kennen, transportiert auch der Titeltrack mit seinem dreckigen Gitarrensound und den giftigen Screams, bevor die glatte Hook erstmalig einen Vorgeschmack auf die nächste Iteration der Gruppe gibt. Zuckerbrot und Peitsche? Meist ist es Ersteres, obschon zumindest “You“ zeitweise die Zähne fletscht und „Eyes Closed“ abseits des Refrains auf ein abgeklärtes Riff setzt, bevor Jordan Fish die Autotune- und Post-Production-Keule auspackt.

Süßliche Arrangements und poppige Singalongs dominieren „Pure Ecstasy“ im weiteren Verlauf, was zwar eine versöhnliche Atmosphäre generiert, doch zulasten von Tiefgang und roher Energie geht. Stattdessen setzen BEARTOOTH auf zuckrige Singalongs und Alt-Rock-Hymnen wie „Free“ oder „Beautiful Again“. Synthbeats leiten wiederum „Sorry“ und „Bullshit“ ein, bevor kurzzeitig ein breitwandiges Modern-Rock-Riff übernimmt – das Songwriting ist bis hin zu den obligatorischen Breakdowns im letzten Drittel so berechenbar wie blass.

„Lose You To Find Me” probiert sich schließlich im Pop Rock, ist damit aber wenigstens erfolgreicher als das katastrophale „Stadiums“, das mit Wohlwollen als experimentell umschrieben werden darf, aber wohl eher einem musikalischen Autounfall gleicht.

BERTOOTH tätigen einen weiteren großen Schritt in Richtung Arena-Rock

Immerhin bleibt die stilistische Entwicklung konsequent: Es ist nach „The Surface“ (2023) keine Überraschung, dass BEARTOOTH nun einen weiteren großen Schritt in Richtung Arena-Rock und Pop-Appeal getätigt haben. Böse sein können wir Caleb Shomo dafür freilich nicht. Im Gegenteil: Eigentlich ist es ja eine wunderbare Entwicklung, an der wir hier teilhaben dürfen. Obwohl es ein bloßer Blick auf die Texte nahelegen könnte, ist die „Caleb-Shomo-Show“ eben nicht nur die Geschichte eines selbstverliebten Rockstars.

Es ist der Ausdruck eines Künstlers, der diese Liebe erst erlernen musste, indem er seine eigenen Dämonen bezwingt und sich der Fesseln der Vergangenheit entledigt. Das verdient Respekt und macht sogar uns als Außenstehende glücklich – auch wenn sich unsere musikalischen Wege fortan wohl trennen werden.

Veröffentlichungstermin: 28.08.2026

Spielzeit: 38:23

Line-Up

Caleb Shomo – Vocals
Zach Huston – Gitarre
Will Deely – Gitarre
Oshie Bichar – Bass, Vocals
Connor Denis – Drums

Produziert von Jordan Fish und Caleb Shomo

Label: Fearless Records

Homepage: https://beartoothband.com/
Facebook: https://www.facebook.com/BEARTOOTHband
Instagram: https://www.instagram.com/beartoothband
Bandcamp: https://beartooth.bandcamp.com/album/pure-ecstasy

BEARTOOTH “Pure Ecstasy” Tracklist

1. Pure Ecstasy (Video bei YouTube)
2. Eyes Closed (Video bei YouTube)
3. Bullshit (Lyric-Video bei YouTube)
4. Beautiful Again (Video bei YouTube)
5. Stadiums
6. Free (Video bei YouTube)
7. Sorry
8. Lose You To Find Me
9. You
10. For Me By Me
11. I Made It