THE DOGS: Trauma Junkie

Der Teufel im Elchpelz: „Trauma Junkie“ versucht, sich als Skandirock zu tarnen. Gelingt nur nicht, denn auch mit ihrem 12. Album erzählen THE DOGS von menschlichen Abgründen – und das so unwiderstehlich, dass man ganz langsam darin versinkt.

„We’re back“ – das sind die ersten Worte im ersten Song im neuen THE DOGS-Album „Trauma Junkie“. Auch wenn die Norweger nie weg waren, ist das eine gute Nachricht, gehören sie doch zu den eigenständigsten Bands Skandinaviens. Ihre Landsleute wissen das und shoppen die Alben regelmäßig in die Top 10 der Charts. Das ist verwunderlich, denn die Band ist sperrig, schert sich nicht um Genres und kombiniert eingängige Lieder über eine verflossene Liebe („Do You Miss At All“) mit einer wüsten Punknummer („Fuck ‚em“). Das ist verstörend und genau deshalb spannend und faszinierend.

„Trauma Junkie“ erzählt, wie bitter Scheitern ist

Der Opener „Back To Fucking“ führt erst in die Irre, denn der Song ist eine erstaunlich gut gelaunte Rocknummer mit viel „uh uh“ zum Mitsummen, Mitwissen und Mitfreuen. Spaß haben kann mit der Nummer jeder. Für Nerds, die die Texte und das letzte Album „Starvation“ kennen, ist der Track doppelt lustig, nehmen die Lyrics doch auf den Song „I’m Done With Fucking, I Just Wanna Dance“ Bezug.

Die gute Laune schlägt aber schon mit „Close Is Just Another Word For Nothing“ ins Gegenteil um. Ein panischer Schrei und Sänger Kristopher Schau, macht das, was er so gut kann: Er erzählt eine Geschichte. Die ist natürlich wie immer nicht schön. Im Prinzip geht’s um die alte Erkenntnis: Knapp vorbei ist auch daneben. Kein „Ich habe mir aber Mühe gegeben.“ Kein „Der Wille zählt“. Kein „Du hast es versucht“. Sondern eine Abhandlung, wie bitter es ist, zu scheitern, die er mit wachsender Verzweiflung  in der Stimme vorträgt.

Den Mittelfinger zeigen THE DOGS auch mit Ü50 gerne, häufig und aus gutem Grund

„Fuck you“ streckt zweieinhalb Minuten lang allen den Mittelfinger entgegen. „We are living on borrowed time / So why do I even mind“:  Richtig, eigentlich ist es eh alles egal in diesen Zeiten. Mit „Fuck You“ und „Come on“ graben sich THE DOGS wieder in den Dreck zu ihren Wurzeln im Punk, nicht nur musikalisch, sondern auch in den Texten. „Come on / Die Young / I‘m Fucking Begging You Not To Go On“ –  das ist schon ziemlich derb und deutlich.

Psycho Rock mit Hang zur Katastrophe

Psycho Rock umschreibt noch am ehesten, was die Osloer Band da auf ihrem zwölften Album veranstaltet. Da ist viel  Skandi-Rock, noch mehr klassischer Rock, mehr als auf den älteren Alben wie „El Verdugo“, mehr als je zuvor. Aber da sind auch Punk-Momente und „das Album überrascht und irritiert immer wieder mit Details. Hörte ich nachts auf meinem einsamen Heimweg jemanden so pfeifen wie am Beginn von „Reality Is A Failure“ würde ich zusehen, dass ich so schnell wie möglich wegkomme. Deshalb ist „Trauma Junkie“ ziemlich verstörend: Es liegt nicht nur an Schaus Gesang, der sich ohne Rücksicht auf Stimmapparat durch die Songs brüllt, wenn’s erforderlich ist. Er kann aber auch den Crooner geben und säuseln. Man sollte sich nur nicht in Sicherheit wiegen, denn die erschreckende Wendung kommt garantiert noch. Wie in „Another Child Of The Cross“, was als fast schon zu süßliche Rockballade mit megaeingängiger Melodie beginnt, endet – natürlich  – in einer Katastrophe. Es dauert aber gute zwei Minuten, bis der Song endlich kippt und dann auch zum Depri-Text passt. Mit einem Paukenschlag zieht Schau das Fazit: „This Is The Worst She Felt In Years“ – und man glaubt ihm jedes Wort.

Im Interview sagt THE DOGS-Sänger Kristopher Schau selbst, dass das 2014er Album „The Tears Are Voodoo“ unerreicht bleibt. Recht hat er, es ist nach wie vor das beste Album von THE DOGS. Auf der anderen Seite sind alle elf anderen Alben empfehlenswert für alle, die statt Stromlinien-Sound eigenständige Musik mit spitzen Ecken und scharfen Kanten schätzen.

VÖ: 18. September 2026

Label: Indie Records

THE DOGS Line-up 2026: 

  • Vocals – Kristopher Schau
  • Guitar – Mads Martinsen
  • Bass – Tommy Reite
  • Drums – Henrik Odde Gustavsen
  • Percussion – Kenneth Simonsen
  • Keys –  Stefan Höglin

THE DOG „Trauma Junkie“ Tracklist

Back to Fucking (Stream)
Close is Just Another Word for Nothing (Stream)
Fuck’em (Audio beu YouTube)
Politics Find You (Audio bei YouTube)
Reality is a Failure (Audio bei YouTube)
Vinyl Bonus Track: Stop
7:25
Another Child of the Cross
Do You Miss Me at All
Come On
Becoming God of Nothing
Vinyl Bonus Track: No Animal Would do That