ARGUL: Soledad & Orgullo

Doom aus Peru, „Einsamkeit & Stolz“, ein Schaffensprozess von mehr als zehn Jahren allein für das Debüt-Album – nein, es hätte des geschmackvollen und simplen Ruinen-Covers mit purpurner Schrift gar nicht mehr bedurft, um mein Interesse zu wecken. Aber ist es auch gerechtfertigt?

Ich mache es kurz: Spätestens beim dritten Stück, das allen Ernstes mit Arnold Schwarzenegger als Conan der Barbar eröffnet, war mir klar, dass ja, verdammich noch eins, and if you don’t listen… TO HELL WITH YOU! Denn ARGUL leben und atmen Doom und ziehen uns daher mit „Soledad & Orgullo“ hier mal so richtig gepflegt die Keule über den Latz: „Ritual“ ist ein zehnminütiger Wehmutstanz par excellence, mit hymnischem Gesang und Gitarren und allem, „Engedro“ groovt wie Hölle weiter, „Hor Hodin“ hat die dicksten Eier, und der „Animal Dog“ zieht alle Epik-Register, bis wir weinen wollen vor Freude und Trauer gleichermaßen.

Dann folgt mit „Kamog“ ein, nun ja, „Bonus Track“, der aber tatsächlich als solcher gut benannt ist, denn „Animal Dog“ ist mit seinem Akustik-Gitarren-Outro eigentlich in der Tat ein perfekter Abschluss; vielleicht wäre „Epilog“ für „Kamog“ die noch passendere Bezeichnung gewesen, aber missen möchte ich das längste Stück der Platte auf keinen Fall, denn auch hier zeigen ARGUL, was sie am besten können: hymnische Melodien, wehmütiger, irgendwie entrückter, aber kraftvoller Gesang, Gitarrensoli voller Leidenschaft und Melancholie. Und ein extrem geiles Sample am Anfang.

„Soledad & Orgullo“ hat großartige Musik, aber den falschen Sound

Zu meckern hab ich trotzdem was: Gestartet ist die Band wohl als Vertreter des sog. „Stoner Doom“, und das hört man noch im leider furztrockenen Sound. Daraus entsteht ein Kontrast, der es irgendwie nicht bringt, so sehr man ihn sich auch schön hören möchte. Klar, es ist nicht ganz ohne Reiz, epische Melodien in diesem für meine Ohren ungewöhnlichen Gewand zu hören, aber es funktioniert für mich auf Dauer leider nicht: Immer ist ein Leiern zuviel da drin und insgesamt einfach zuviel Staub und zu wenig Saft. Dazu ist der Gesang noch etwas zu dünn und zu leise geraten und insgesamt dann auch eine Spur zu selten eingesetzt, um das Album zu etwas wirkich Großem werden zu lassen.

Trotzdem sei „Soledad & Orgullo“ allen Doom-Nerds dringend empfohlen, denn allein die ungewohnte Sprache, die in jeder Sekunde spürbare enorme Leidenschaft für das Genre, die kompromisslose Underground-Attitüde und Authentizität und die erstklassigen Kompositionen sind es wert, dass du mal reinhörst. Wer weiß, vielleicht gefällt dir der Sound ja sogar besser als mir, und du hast gar keine Stoner-Allergie?

Spielzeit: 45:34 Min.

Veröffentlichungsdatum: 21.08.2026

Label: Personal Records

Reinhören bei Bandcamp

ARGUL „Soledad & Orgullo“ Tracklist

01 Ritual
02 Engendro
03 Hor Hodin
04 Animal Dog
05 Kamog