Hansen - Born With A Hammer Cover

HANSEN: BORN WITH A HAMMER

Kai Hansen hat, gefühlt so ganz nebenbei, sein zweites Soloalbum auf den Markt gebracht. Ein Album, so viel sei vorweggenommen, das auch für „Hansen Ultras“ nicht sofort zu greifen ist. Wer nämlich GAMMA RAY 2.0 oder HELLOWEEN 3.0 erwartet, der wird, je nach persönlicher Präferenz, angenehm oder unangenehm überrascht sein.

Der Einstieg gelingt mit dem vorab veröffentlichten „Feeding the Beast“, einem soliden Riffer, ganz ordentlich und wenig überraschend. Danach allerdings folgt mit dem ebenfalls vorab veröffentlichten „Welcome to Life“ der erste Song, bei dem man zunächst einmal ratlos den Kopf schüttelt. Das Ganze ist so eine Melange aus altem Speed Metal, End-70er-Punkvibes und … Reggae. Tatsächlich, Hansen holt hier den Jamaica-Joint raus und lässt es, um beim passenden Wortspiel zu bleiben, ordentlich rauchen.

Alles reichlich durcheinander. Untypisch für einen Musiker wie Kai Hansen?

Das Abschlussolo wiederum meint, man habe genau so dann wieder auf einer der beiden Keeper-Platten gehört zu haben. Alles reichlich durcheinander. Untypisch für einen Musiker wie Kai Hansen? Wir verschieben die Beantwortung der Frage ans Ende der Besprechung. Vorher gilt es noch, „Don’t care“ und „Wait and see“ zu überstehen. Erstgenannter könnte so auch bei ELECTRIC CALLBOY stehen. Vor allem der Refrain ist schon hart im Bereich Partymucke verortet. „Wait and see“ hingegen ist arg an LINKIN PARK angelehnt. Und wir sind weiterhin bei der Frage: „Ist das wirklich DER Kai Hansen, der bei den HELLOWEEN Weltalben wie „Walls of Jericho“ oder den „Keeper“-Alben metalmusikalische Geschichte geschrieben hat?

Das folgende „I.D.G.A.F.“ (I don’t give a fuck) lässt uns nochmal teilhaben an den Punkroots des Künstlers. Und spätestens hier stößt Hansen eine Tür auf, die den Hörer so langsam verstehen lässt, was er da veranstaltet: Er lässt einfach den Teil seiner musikalischen Ursprünge raus, den er so bisher nirgendwo bei einem seiner Projekte platzieren konnte.

Hier baut sich ein Künstler und Fan seinen ganz eigenen Bohemian-Rhapsody-Moment.

Am allerdeutlichsten wird das beim folgenden Titelsong. Wer hier nicht nach den ersten Tönen erkennt, dass Freddie Mercury gehuldigt wird, der hat entweder Esskastanien in den Hörmuscheln oder ist zu viel auf Mallepartys. Hier baut sich ein Künstler und Fan seinen ganz eigenen Bohemian-Rhapsody-Moment. Und das macht er wirklich gut. 8 Minuten Höchstform-Hansen!

Und ab sofort sind dann auch die Fans im Boot, die sein Schaffen bisher nur auf seine beiden bereits genannten Hauptbands beschränkt haben. „End of the Road“, „Triple Trouble“ und vor allem „Invader“ sind genau die Art Songs, die man drinnen erwartet, wenn draußen der Name Kai Hansen draufsteht.

Der Abschlussknaller „Wonderland“ versöhnt dann zum Schluss all diejenigen, die vom ersten Teil der Platte enttäuscht/überrascht waren. Ein Speedknaller erster Kajüte mit einem dieser so typischen Refrains, auf den sich alle einlassen können. Und der eben auch bei seinen beiden Hauptbands … aber das hatten wir schon.

Es ist eindeutig Kai Hansen, ein Hansen, aber der sich hier musikalisch verwirklicht hat und andere Wege gegangen ist

Und um auf unsere Eingangsfrage zurückzukommen: Ja! Und nein! Es ist eindeutig Kai Hansen, ein Hansen, aber der sich hier musikalisch verwirklicht hat, andere Wege gegangen ist, einfach mal das gemacht hat, worauf er Bock hat, und bei dem er nicht auf 6 weitere Bandmitglieder Rücksicht nehmen muss. Ein Hansen, der sich, wohlwissend, dass er sich auf dem Höhepunkt seiner musikalischen Karriere befindet, einfach mal ein Album gönnt, das so komplett anders ist. Aber trotzdem 100 % Hansen.
Und mit dem er ganz sicher viele seiner Anhänger überrascht hat.
Aber seien wir mal ehrlich: Wenn ich HELLOWEEN oder GAMMA RAY hören möchte, dann kaufe ich mir deren Alben. Wenn ich aber am musikalischen Werdegang des prägendsten Künstlers beider Bands interessiert bin, seine Wurzeln und musikalische Vielfältigkeit kennenlernen möchte, dann bin ich bei diesem Album bestens aufgehoben!

 

VÖ: 18. September 2026

Label: earMusik / Edel

Hansen – Line Up:
Kai Hansen – Gesang, Gitarre
Alexander Dietz – Bass
Daniel Wilding – Schlagzeug
Eike Freese – Gitarre
Tim Hansen – Gitarre

HANSEN „Born With A Hammer“ Tracklist

1. Feeding The Beast (Video bei YouTube)
2. Welcome To Life (Video bei YouTube)
3. Don’t Care
4. Wait And See (Video bei YouTube)
5. Born With A Hammer
6. I.D.G.A.F.
7. End Of The Road
8. Triple Trouble
9. Invaders
10. Wonderland

Mehr im Netz:

facebook.com/kaihansenofficial
instagram.com/realkaihansen/