Stichtag Mitte August. Nach den ersten Unwettern ist er da, der Atem des Spätsommers. Die Wärme ist nach der erbarmungslosen Julihitze nicht mehr so drückend, und langsam ist der erste Hauch des Herbstes spürbar. In dieser wunderbaren Jahreszeit, in der sich die Welt darauf vorbereitet zu ruhen, verändert sich oft das Lebensgefühl ein wenig, womöglich liegt es am Licht oder an der Luft. Und so steht plötzlich wieder der Black Metal im Zentrum aller Sounds, zumindest beim Verfasser. ASPEN SANCTUM kommen gerade zur rechten Zeit, erinnern nicht nur durch das schöne Artwork daran, dass jetzt das schönste Licht des Jahres den Himmel erhellt, sondern liefern mit ihrem Debütalbum „To Withhold The Need To Conquer“ den passenden Soundtrack dafür.
Der perfekte Soundtrack für den Spätsommer: ASPEN SANCTUMs Post Black Metal ist auf „To Withhold The Need To Conquer“ voller Nostalgie und Furor.
Die Band aus Michigan macht nicht besonders viel anders, verglichen mit den lieben Kollegen und pendelt sich irgendwo zwischen PANOPTICON und DÖDSRIT ein. Heißt: melodiös, leidenschaftlich, intensiv. ASPEN SANCTUM debütieren mit „To Withhold The Need To Conquer“ mit einem fast puren Genrebeitrag und sind in keiner Weise irgendwie originell, aber schon in der Mitte des Openers „Without Illumination“, wenn die Band auf Post Rock schaltet, stockt das erste Mal der Atem. Die Melancholie, die den von leidenschaftlichen Riffs geprägten Furor abwürgt, ist schlicht berührend. ASPEN SANCTUM haben trotz der kurzen Spielzeit eine Menge von diesem Zauber auf ihrem Debütalbum stehen. „Poisoned Life“ hat messerscharfe, aber trotzdem emotionale Riffs, und beim Ausspielen der unterschiedlichen Facetten beweist die Band das richtige Timing.
In allen sechs Songs von „To Withhold The Need To Conquer“ zeigen sich ASPEN SANCTUM als gewiefte Songwriter. In den längeren Tracks mit bis zu 8 Minuten bleiben die Spannung aufrecht und das Material kohärent, und auch die beiden kurzen Tracks „Pillars“ und „The Plains Grown From The Hide“ wirken nicht fragmentiert oder wie Bruchstücke. Viel mehr zielen die Songs, egal wie lang oder kurz sie sind, auf die Emotion ab, und durch die kompakte Herangehensweise gelingt das sehr unmittelbar. Egal, ob „Withhold The Need To Conquer“ schnell und furios, ob es bedrückend und heavy oder auch hoffnungsvoll und leicht klingt, der Crust-Ursprung der Band durch die Direktheit präsent.
Gewiefte Songschreiber: „To Withhold The Need To Conquer“ funktioniert sowohl, wenn sich ASPEN SANCTUM aufs Wesentliche beschränken, als auch in den epischen Momenten.
Trotzdem sind ASPEN SANCTUM in der Lage zum Ende hin ihr Material nochmals zu steigern. „The Mortal Trap“ schwankt zwischen wilder Verzweiflung und einem friedlichen Gefühl, während „Ancient Sentience“ die Dynamik voll ausspielt und nach dem Neocrust-Start und der punkigen ersten Hälfte die Post-Black Metal Riffs voller Hingabe spielt und den Lyrics durch die intensiven Vocals fühlbar werden lässt. Dass da noch Platz für einen Hauch folkiger Americana ist, zeigt, wie gut ASPEN SANCTUM das Songwriting beherrschen. Passenderweise ist der Sound schon rau und warm, bildet einen gelungenen Kontrast zu den teils frostigen Riffs und fängt die Post Rock-Elemente gut ein. „To Withhold The Need To Conquer“ mag wenig innovativ sein, ASPEN SANCTUM haben mit diesen sechs Songs aber einen beeindruckenden Einstand geschaffen, der sich qualitativ mit den bevorstehenden Alben von WAYFARER und WOLVES IN THE THRONE ROOM locker messen lassen kann. Tolles Album, wie geschaffen für die schönste Jahreszeit.
Wertung: 8 von 10 Tagundnachtgleichen
VÖ: 7. August 2026
Spielzeit: 37:28
Line-Up:
Jared Koons – Vocals
Jeremy Cronk – Guitars
Bryan Neterer – Bass
Tim Wicklund – Drums
Label: Eigenproduktion / Fiadh Productions (Tape)
ASPEN SANCTUM „To Withhold The Need To Conquer“ Tracklist:
1. Without Illumination (Official Audio bei Youtube)
2. Poisoned Life
3. Pillars (Official Audio bei Youtube)
4. The Plains Grown From The Hide
5. The Mortal Trap
6. Ancient Sentience
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