ARCHGOAT: Nightbringer, Lightbringer

Licht aus, Licht an? ARCHGOATs sechstes Album klingt bemüht, die Power fehlt aber. „Nightbringer, Lightbringer“ ist leider kein Highlight in der Diskografie des kultigen finnischen Black/Death Metal-Trios.

Kein Problem, aus dem Reim „Nightbringer, Lightbringer“ lässt sich eine Bedeutung herbeiphantasieren, die perfekt zum satanischen Image von ARCHGOAT passt. Dieses Geschwafel von wegen Spannung aus und Spiegelung von Licht und Dunkelheit zum Zwecke der totalen Zerstörung wirkt etwas altbacken und wenig originell, passt aber zu ARCHGOATs limitiertem Spektrum. Das klingt jetzt gemein, aber wer ARCHGOAT kennt, erwartet nichts anderes als infernalisches Geprügel, Chaos an der Schwelle zwischen altmodischem Black Metal und Death Metal und den immergleichen Botschaften. Doch nun gilt: Das finnische Trio beherrscht seine Disziplin gut, aber es schleichen sich Ermüdungserscheinungen ein.

Wenn ARCHGOAT Vollgas geben, macht „Nightbringer, Lightbringer“ Spaß, davon abgesehen wirken die Finnen etwas müde.

Fünf Jahre nach dem letzten Album „Worship The Eternal Darkness“ und viereinhalb nach der EP „All Christianity Ends“ gehen ARCHGOAT ein wenig lahm – oder haben sie ihre Songs einfach besser unter Kontrolle als zuvor? Vielleicht liegt die Wahrheit ein wenig dazwischen. „Nightbringer, Lightbringer“ startet zumindest mit angezogener Handbremse. Zwar sägen die Riffs von Ritual Butcher, Angelslayer gurgelt fröhlich drauflos und das Schlagzeug von Goat Aggressor knüppelt beherzt, aber auch trotz der eingängigen Momente wirkt die Band etwas müde. Und wie soll der Rest klingen, wenn schon ein Uptemposong nicht mitreißen kann? Das langsame Stück „The Dawn To Armageddon“ kommt nicht so recht in die Gänge und ist nur wenig heavy. Immerhin, das melodische Tremoloriff bringt etwas Atmosphäre und rettet das Lied.

Danach finden ARCHGOAT endlich wieder ihre Form: „Iconoclasm The Nazarene“ ist chaotisch und es dominiert primitives Geprügel, bei dem auch die Energie und der Wahnsinn wieder Einzug halten; so funktionieren ARCHGOAT eben am besten. Und glücklicherweise gibt es mit „Blood Of Jesus Spilling Upon The Earth“, dem thrashigen „The Light Behind The Horns“ und dem Abschlusssong „Obsidian Reflection Of Anti-Light“ der zwischen Furor und atmosphärischer Heaviness pendelt, doch noch ein paar Songs, die wirklich Spaß machen – wenn auch nicht ganz so wie auf den letzten Alben. Das Ganze klingt dank der morbiden Atmosphäre besser als BLASPHEMY, aber die gnadenlose Energie von jungen Bands wie BLACK CURSE fehlt hier, weshalb auch Songs wie „Keys Of Hell And Of Death“ und „Reaper Of Christianity“ erschreckend blass bleiben.

ARCHGOAT nutzen das Potenzial der Songs nicht aus: „Nightbringer, Lightbringer“ hätte der abwechslungsreichen Songs wegen das Zeug zu einem richtig guten Album.

„Nightbringer, Lightbringer“ ist nicht nur old-school as fuck, sondern vor allem, seien wir ehrlich, auch irgendwie old. Das ist schon schade, denn erstens waren ARCHGOAT immer ein Garant für geschmackloses Geholze, und zweitens ist „Nightbringer, Lightbringer“ stilistisch relativ ausgewogen und hat sowohl groovy Midtempo-Songs als auch pfeilschnelle Prügeltracks auf dem Album, sodass sich in der Theorie ein starkes Album ergeben müsste. Ganz dem Titel gemäß besteht „Nightbringer, Lightbringer“ aber aus Licht und Schatten. Vielleicht gehen ARCHGOAT also mittlerweile doch die Ideen aus – etwas, das der Verfasser beim Genuss der letzten EP noch kategorisch ausgeschlossen hatte. Aber viereinhalb Jahre später kann man das „infernalisch“ aus „infernalischem Trio“ bei einigen der Songs leider streichen. Schade!

Wertung: 6 von 11 Nachtlichter

VÖ: 11. September 2026

Spielzeit: 41:23

Line-Up:
Angelslayer – Bass and Vocals
Ritual Butcherer – Guitar
Goat Aggressor – Drums

Label: Debemur Morti Productions

ARCHGOAT „Nightbringer, Lightbringer“ Tracklist:

1. Invocation 666
2. Nightbringer, Lightbringer (Official Audio bei Youtube) 
3. The Dawn To Armageddon
4. Iconoclasm The Nazarene
5. Blood Of Jesus Spilling Upon The Earth
6. The Stygian Millennium
7. Invocation 999
8. Keys Of Hell And Of Death
9. The Light Behind The Horns
10. Reaper Of Christianity
11. Obsidian Reflection Of Anti-Light

Mehr im Netz:

https://archgoat666.bandcamp.com
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