Denn die TAUFPATIN ist absolut unausstehlich und voll mit Hass und giftigen Tränken und wurde deshalb im 18. Jahrhundert von der Bevölkerung auf dem Scheiterhaufen verbrannt, na klar. Erstaunlicherweise ist sie nun aber zurück und veröffentlicht pünktlich zur spooky season ihr Debüt-Album „Les Malfaisances de la Taufpatin“ („Die Schandtaten der Taufpatin“), und was soll ich sagen, ich liebe nahezu alles daran.
Sei es die schamlos alberne Promo des für seinen hohen Anspruch an Konzept und Kohärenz bekannten Labels Antiq („Antiq unterstützt das Verletzen Guter Feen oder anderer übernatürlicher Wesen ausdrücklich nicht. De facto wollten wir dieses Album gar nicht veröffentlichen, aber ein Zauber zwang uns dazu. Die Taufpatin bemächtigte sich einiger Kanäle, wirkte ein paar komplizierte Zauber, und da bin ich nun und schreibe euch unter Zwang.“), das herrlich campy Artwork von der wie immer brillianten Joanna Maeyens oder eben die Musik: TAUFPATIN ist das ganze Paket Black-Metal-Halloween-Spaß.
Aber wem wird es besonders gefallen? Na klar: Wenn ihr SUMMONING mögt (oder CERCLE DU CHÊNE), wenn ihr was mit Dungeon Synth und melodischem Black Metal mit einer mittelalterlich anmutenden Atmosphäre anfangen könnt, wenn euch dabei eine gewisse Künstlichkeit nicht unbedingt stört, sondern eher wohlig schauernd an gemütliche alte Videospiele denken lässt, wenn ihr kratzige Vocals mit dezent verrückten Einsprengseln mögt und wenn ihr beim Anblick des Covers richtig Bock auf Halloween bekommt: Das wären gute Voraussetzungen dafür, die Schandtaten der Taufpatin gebührend würdigen zu können.
Richtig Bock auf Halloween? Hier seid ihr richtig!
Ja, im Grunde hätte ich mir sogar noch mehr Campiness, noch mehr Quatsch auch in der musikalischen Umsetzung gewünscht: Manch Song tönt mir etwas zu sehr „auf Nummer sicher“ komponiert, und die angesprochenen Einsprengsel im Gesang (z.B. wird gekichert oder mit Kopfstimme gesungen) hätten das ein oder andere Stück mehr schmücken dürfen. Auch ist die Singularität des heroischen Ansatzes im zentralen Song „Opération Vengeance“ sicherlich dem Konzept geschuldet, aber davon darf die TAUFPATIN in Zukunft auch gerne mehr bringen, denn hymnische Melodien kann sie.
Das sind jedoch keine Kritikpunkte, die ein wiederholtes Abfeiern der dargebotenen Hexen-Schandtaten verhindern würden, denn dafür ist „Les Malfaisances de la Taufpatin“ einfach zu spaßig und originell und zu gut gemacht: Die Produktion ist Lo-Fi, aber geil, und jeder Song hat letztlich Hand und Fuß, eine schöne Melodie und bietet die ein oder andere interessante Abseitigkeit zu entdecken. Also, wenn ihr im Herbst etwas Abwechslung von den ganzen fallenden Blättern und Nebelschwaden in euren Kopfhörern braucht und Schokolade und Hexen mögt, wisst ihr, was zu tun ist.
Spielzeit: 41:58 Min.
Veröffentlichungsdatum: 07.10.2026
Label: Antiq
Line-Up:
La Taufpatin
TAUFPATIN „Les Malfaisances de la Taufpatin“ Tracklist
L’Attente (Audio bei YouTube)
L’Affront (Audio bei YouTube)
La Colère De La Taufpatin (Audio bei YouTube)
Ma Belle Robe Au Placard (Audio bei YouTube)
Ne Serais-je Plus
La Bienvenue
Opération Vengeance
L’Etrange Invitation – Le Grand Bal
Jolis Gateaux Empoisonnés
Arrivèe des Invitèes
Une sacrèe fete de merde
Je reste la plus belle