Interview mit MIRROR OF DECEPTION: Songs über Vergänglichkeit, die bleiben

„Nur jedes halbe Jahr proben – das können wir machen, wenn wir 50 sind“, das sagten MIRROR Of DECEPTION vor über 20 Jahren im Interview zu „Forgone“. Warum die Band heute mit Mitte 50 aber immer noch weitaus häufiger probt, erzählen Jochen, Siffi, Uwe und Pascal im Gespräch über das aktuelle Album „Transience“, legendäre Auftrittsorte und ihren neuen Videoclip zu „Meander“.

Ende März 2026 veröffentlichten MIRROR OF DECEPTION ihr sechstes Album „Transience“, im April spielte die Band bei der Neuauflage des DOOM IN BLOOM Festivals in der Chapel in Göppingen. Jetzt teilen die Schwaben eine neuen Videoclip zum Song „Meander“. Wir haben ihnen über den neuen Clip, das Album, die beiden legandären Festivals DOOM IN BLOOM und DOOM SHALL RISE und ihre Erfahrungen als ein eine der dienstältesten Doom Metal-Bands Deutschlands  gesprochen.

MIRROR OF DECEPTION 2026 sind Jochen Fopp (Gitarre), Uwe Kurz (Schlagzeug), Michael „Siffi“ Siffermann (Gesang, Gitarre), Pascal Schrade (Gesang, Bass) (von links nach rechts)

Warum habt ihr euch für „Meander“ als Videosingle zum aktuellen Album „Transience“ entschieden?

Wir hatten sowohl „Meander“, als auch „The Sands“ erwogen. Weil beide Stücke die Frischesten für uns waren und wir einige visuelle Ideen dazu hatten. Nur noch keine Vorstellung, wie und mit wem wir das angehen könnten. Dann hatte ich den Geistesblitz, mal bei Christian Palm von LORD VIGO deswegen anzuklopfen. Wir hatten in der Vergangenheit einige gemeinsame Konzerte und ich fand ihre Videos immer ziemlich cool und aufwendig gemacht. Die finale Wahl fiel dann auch in Hinsicht auf die Umsetzbarkeit auf „Meander“. Dieses Stück und Christian waren die absolut richtigen Entscheidungen. Uns war nicht bewusst, dass er seit einigen Jahren professionell Videos dreht, über Top-Equipment und viel Erfahrung verfügt. Zudem konnte er sich gleich mit dem Song identifizieren und reindenken. So entwickelten sich schnell gemeinsame Ideen. Das größte Kompliment im Nachhinein ist sicher, dass ihn der Song auch nach unzähligen Durchgängen in der Vorbereitung, beim Dreh und beim Videoschnitt nicht zum Würgen gebracht hat. Was ja durchaus vorkommen kann.

Ein weiterer Grund für unsere Wahl war auch, dass es in Streaming Zeiten nicht viele Hörer bis zum Ende eines Albums schaffen. Das zeigen die Statistiken. Man wird unterbrochen, die Autofahrt ist zu Ende oder es kommt das nächste Stück von einer anderen Band. „Meander“ bedeutet uns aber zu viel, als den Song einfach so im digitalen Algorhythmus-Nirvana versacken zu lassen. Bei den Tonträger Menschen ist das sicher anders, da wird intensiver gehört. Streaming scheint hingegen insgesamt eher auf einzelne Lieder, als auf Alben ausgelegt zu sein. Somit ein spätes Goodie für alle, die „Meander“ schon mochten. Und brandneu für jene, die nur mal reingehört haben, weitergeskippt oder schlichtweg nie so weit nach hinten gekommen sind.

mirror-of-deception-transience-album
„Transcience“ ist das sechste Album von MIRROR OF DECEPTION, es erschien am 27. März 2026

In „Meander“ geht es um das älteste Schlachtfeld Europas, dem Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern. Dort entdeckten Archäologen in den 1990er Jahren die Überreste einer Schlacht wie Knochen und Waffenfragmente aus der Bronzezeit um 1250 v. Christus. Wie seid ihr auf dieses Thema gekommen?

Jochen: Ich habe eine Doku über das Tollensetal auf YouTube gesehen. Mich haben die Kontraste fasziniert: Aufnahmen von dem friedlichen und unscheinbaren Flüsschen wie ein einem Naturfilm und andererseits Bilder von Skeletten und Waffen, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden.



Wer sich mit „Transience“ näher beschäftigt, findet auf dem Album neben solchen historischen Themen auch Naturerlebnisse und Textfragmente aus der Weltliteratur – ihr scheint euch von vielen verschiedenen Dingen inspirieren zu lassen. Was muss ein Thema mitbringen, damit es euch fasziniert? 

Jochen: Neben dem Text von ‚Meander‘ habe ich auch die Lyrics zu ‚Slow Winds‘, ‚Currents‘ und ‚The Sands‘ geschrieben. Irgendwie haben diese Songs alle etwas mit Natur zu tun, ich habe bei jedem Song schon Bilder vor Augen. In ‚Slow Winds‘ geht um eine Person, die einen Berg erklimmt, umgeben von einer beeindruckenden und vielleicht auch beängstigenden Naturkulisse. ‚Currents‘ ist die Fortsetzung davon und handelt vom Abstieg. ‘The Sands‘ ist inspiriert von einem Bericht eines amerikanischen Journalisten, der in der syrischen Wüste von einem Sandsturm überrascht wurde. Er hat eindrucksvoll beschrieben, wie der Sand plötzlich von allen Seiten auf seinen Körper trifft und er völlig die Orientierung verliert. Und nach dem Sturm, als er wieder klar sehen konnte, war die Landschaft total verändert. Meine Inspiration kommt weniger aus Literatur oder Filmen, sondern eher aus der Natur.

„Death, Deliver Us“ ist inspiriert von Bram Stokers Roman „Dracula“, genauer gesagt von der Fahrt Draculas mit dem Schiff „Demeter“ von der bulgarischen Hafenstadt Warna nach Whitby in England.

Pascal: Ich finde diesen Teil der Geschichte besonders spannend, die Überfahrt, auf der Menschen auf mysteriöse Weise verschwinden. Stoker beschreibt die Schiffsreise mit Ausschnitten aus den Logbüchern und Zeitungsartikeln. Ich wollte mit meinem Text die Perspektive der Schiffsbesatzung einnehmen, sozusagen einen neuen Blickwinkel bieten. Es gibt ja noch ein paar andere Songs von MIRROR OF DECEPTION mit nautischen Themen, von daher passt das auch wieder zur Band.

Pascal Schrade (links) und Uwe Kurz (zweiter von links) gehören seit gut zwei Jahren zur Besetzung von MIRROR OF DECEPTION. Michael „Siffi“ Siffermann (dritter von links) und Jochen Fopp (rechts) gründeten die Band 1990.

Pascal und Uwe, ihr seid seit gut zwei Jahren bei MIRROR OF DECEPTION. Jochen und Siffi haben die Band 1990 gegründet. Wie arbeitet man mit einem so beständigen Duo zusammen?

Uwe: ich habe am Anfang ganz bewusst versucht, mich ein bisschen zurückzunehmen, reduzierter und fokussierter zu sein. Mir geht es inzwischen mehr um Details. Hier mal eine Betonung auf der Snare oder der Bassdrum, mit solchen Feinheiten kann man so viel erreichen. Das ist neu für mich, ich komme ja aus dem Death Metal (u. a. BEHIND THE SCENERY), das lautet die Devise: Voll auf die Mütze. Ich habe einen Riesenrespekt und will als neuer Schlagzeuger die 30jährige Geschichte der Band nicht ankratzen.

Pascal: Auch ich will auf keinen Fall das Bandmitglied sein, der das Ruder rumreißt, ich habe ebenso viel Respekt. Ich bin nicht hier, um mein eigenes Ding  zu machen, es geht um die Band. Jochen meinte mal, dass meine Beiträge mehr nach MIRROR OF DECEPTION klingen, als das, was MIRROR OF DECEPTION heutzutage machen. Ich kenne die Band schon ewig, bestimmt 20 Jahre und habe mit ihnen mit meinen vorherigen Bands wie MUSTUM auch schon zusammen Konzerte gespielt. Es funktioniert und wir geben uns gegenseitig gutes Feedback, das ist sehr wertvoll.

Uwe Kurz und Pascal Schrade beim DOOM IN BLOOM 2026 in Göppingen

Und wie ist es für euch, Jochen und Siffi?

Siffi: Jede neue Konstellation bringt eine andere Dynamik. Aber wir kennen uns schon sehr, sehr lange. Uwe kenn ich auch seit 30 Jahren, Pascal fast genauso lange.

Jochen: Im Mai 2025 waren es zwei Jahre, dass wir in dieser Besetzung aktiv sind. Wir haben uns Zeit genommen, um zusammenzufinden. Und wir haben uns auch zwei Jahre Zeit genommen, um ‚Transience‘ aufzunehmen. Scheinbar haben wir da vieles richtig gemacht. Wir sind selbst ein wenig von den vielen, vielen positiven Resonanzen auf ‚Transience‘ überrascht, freuen uns aber sehr  darüber.

„Transience“ ist mehr als Doom. Ihr hattet ja schon immer das Motto „Unorthodox Doom Metal“ auf euere Fahren geschrieben, euer sechstes Album zeigt euch aber so vielseitig wie nie zuvor.

Siffi: Unorthodox Doom kam ja nur auf, weil REVEREND BIZARRE irgendwann mit dem Begriff ‚Orthodox Doom Metal‘ um die Ecke kamen.

Jochen: Wir waren schon immer ein bisschen anders und hatten immer auch Elemente in unserem Sound, die nicht zu 100 Prozent Doom Metal sind. Wir wollten nie eine Tribute Band von SAINT VITUS oder BLACK SABBATH sein, sondern unser eigenes Ding machen. Neulich habe ich mir mal wieder unsere alten Demos aus dem 90ern angehört, ich finde, vieles, was auf ‚Transience‘ zu hören ist, gab es schon auch ganz zu Beginn. Den Kehlkopfgesang haben wir seit 1997. Das Tremolopicking, eine Spieltechnik für die Gitarre, gibt’s bei uns seit 1999. Im Track „Yearn“ aus dem Jahr 2000 kann man das nachhören (zum Beispiel auf der Bonus-CD „The First 2 Decades“, die dem „A Smouldering Fire“ beilag) . Wir haben einen breiten Musikgeschmack, das findet sich natürlich auch in unseren Songs wieder.

Siffi: Wir gehen auch nicht her und sagen: Lass uns einen klassischen Doom Metal-Song schreiben. Die Track entwickeln sich so lange, bis es für uns passt.

Jochen: Wir hatten auch noch nie einen klassischen Doom Metal-Drummer, die gibt es eh kaum. Alle Schlagzeuger und auch die anderen Bandmitglieder waren selten hundertprozentige Doomer, da hat jeder etwas eigenes mitgebracht. Das ist bereichernd. Keine Ahnung, wo wir heute wären, wenn immer nur Siffi und ich die Songs geschrieben hätten. Wir sind kein Solo- oder Duoprojekt mit Begleitmusikern, wir haben uns schon immer als Band verstanden.

Jochen Fopp beim DOOM IN BLOOM 2026

Und warum klingt am Ende dann doch alles nach MIRROR OF DECEPTION, was ist für euch der Kern dieser Band?

Jochen: Zwei Gitarristen, die nie wirklich besser geworden sind. (lacht)

Siffi: Jochens Melodien sind unverkennbar, wenn er Gitarre spielt, erkennt man das sofort. Das ist der Jochen, unverkennbar.

Jochen: Ja, und dir fällt dazu immer noch was ein – das ist es eigentlich.

Auch „Transience“ hat den typischen MIRROR OF DECEPTION-Stil, wirkt auf mich aber von all euren Alben am zugänglichsten und abwechslungsreichsten. ‚Currents‘ hat ein Riff, das auch auf BATHORYs „Hammerheart“ sein könnte.

Jochen: Ja, das haben wir schonmal gehört.

Siffi: Das war aber keine bewusste Entscheidung.

Jochen: Wir können unsere Wurzeln halt auch nicht verleugnen, manchmal kommt was von unserem Fundament zutage, auch wir hören andere Bands.

Ihr habt „Transience“ als Eigenproduktion veröffentlicht. Hattet ihr euch um einen Plattenvertrag bemüht oder wolltet ihr von Anfang an alles selber machen?

Jochen: Es gab Angebote, aber die Labels haben ihren Zeitplan und wir haben unseren Zeitplan. Wir haben im April auf zwei Festivals gespielt, das DOOM IN BLOOM in Göppingen und  das Easter Darkness Festival in Göteborg. Dafür wollten wir auch neues Material am Start haben. Es hat funktioniert, weil wir ein wunderbares Team um uns haben. Auch das Vorgängeralbum „The Estuary“ haben wir alleine veröffentlicht und gute Erfahrungen gemacht. Zuvor, mit „Smouldering Fire“ und „Shards“ waren wir bei Cyclone Empire unter Vertrag, die haben aber ihren Betrieb eingestellt. JACK FROST, mit denen wir gut befreundet sind, haben ihr Album, „Mélaina Cholé“ in Eigenregie veröffentlicht und uns berichtet, dass das gut funktioniert hat. Da wollten wir es auch auf eigene Faust wagen. Wir haben viel gelernt und konnten uns diesmal besser aufstellen. Für uns ist ok, wie es läuft.

Welchen Vorteil, welchen Nutzen hätte den ein Label überhaupt? Einen besseren Vertrieb? Finanziell wird sich das ja nicht mehr lohnen.

Siffi: Wir hatten solche und solche Deals, mal zahlte das Label die Kosten für die Aufnahmen, mal wir. Mit einem Label im Rücken musst du dich um weniger kümmern, dir wird Arbeit abgenommen. Du verkaufst deshalb aber nicht unbedingt mehr Alben. Die Doom Szene ist begrenzt, das wissen wir alle – den Markt hast du irgendwann bedient, ob mit oder ohne Label.

Jochen: Ich will gar nicht ausschließen, dass wir irgendwann wieder mit einem Label zusammenarbeiten, weil wir Arbeit abgeben wollen. Aber im Moment läuft es gut. Es war viel Arbeit, aber wir sehen die Resultate und wir bekommen das Feedback direkt. Vertrieb ist zwar ein Thema, aber ganz ehrlich, wie viele Plattenläden gibt es denn noch? Und in den Media Markt kommst du auch mit Label kaum rein – sofern die überhaupt noch Tonträger haben. Promotion für eine Veröffentlichung zu machen ist für mich nichts Neues, ich habe in den 90ern bei Nuclear Blast gearbeitet. Es hat sich zwar seither einiges geändert, aber wir können das alles selber machen.

Michael „Siffi“ Siffermann beim DOOM IN BLOOM 2026

Und ihr konntet euch im Studio so viel Zeit nehmen, wie ihr braucht.

Siffi: Ja, wir hatten keinen Druck.

Jochen: Und wir hatten nicht das Problem, dass wir auf einem fertigen Album dasitzen und dann ein Jahr warten müssen, bis es in den Releaseplan passt.

Uwe: Eswar schon gut, dass die Songs langsam wachsen konnten und wir nicht in zwei, drei Tagen das ganze Album aufnehmen mussten. Wir hatten Zeit, um nochmal über alles drüberzuschauen.

Sind eure Songs komplett fertig, wenn ihr ins Studio geht?

Jochen: Die Instrumentalversion steht in der Regel, da kommt nicht mehr viel. Der Gesang entsteht dann großteils im Studio oder wird dort erst richtig ausgearbeitet.

Siffi: Der Huber (aka MICHELLE DARKNESS/ Michael Huber, Sänger Gitarrist bei END OF GREEN und Produzent) ist uns eine sehr große Hilfe. Er ist selbst ein megaguter Sänger, und hat uns schon bei „The Estuary“ richtig gut beraten. Wenn uns nichts einfällt, hat er eine Idee (lacht).

Jochen: Auch ihn kennen wir schon ewig. Er hat eine Vision, wie wir zu klingen haben – die wir selbst noch gar nicht so komplett haben, wenn wir mit den Songs zu ihm kommen. Es gibt zum Beispiel bei „Meander“ ein paar Soundeffekte, diese Idee hatten wir im Proberaum nicht auf dem Schirm, wir wären gar nicht auf so etwas gekommen. Wir wissen gar nicht, wie viel Zeit er da wirklich reinsteckt. Ich glaube, MIRROR OF DECEPTION ist ein echtes Herzensprojekt von ihm.

Wie waren die Aufnahmen mit der neuen Besetzung?

Jochen: Uwe geht eher mathematisch an die Songs ran. Und mit Pascal habe ich wahnsinnig viel zusammengearbeitet, er spielt ja eigentlich Gitarre. Wenn Siffi nicht konnte, habe ich mit ihn an den Songs geschraubt. Bei den Texten haben wir uns ausgetauscht, das war eine tolle Teamarbeit.

Die limited Edition von „Transcience“ mit Extras wie Buttons und Plecs in einer gravierten Metallbox

Das Gesamtpaket ist total schön. Transcience ist kein Digitalrelease, Cover, das Booklet und auch die limited Edition mit Gimmicks wie Plektren sind ein sehr liebevoll gestaltet.

Jochen: Nee, digital bekommt man auf gar keinen Fall alles, was dazugehört. Wir sind zwar selbst nicht die eifrigsten Sammler, aber es gibt viele in der Doom Szene, denen wir gerne etwas Besonderes bieten wollen. Und Kassetten finde ich super, ich habe neulich ein altes Ibanez Rock And Play-Gerät wiedergefunden, eine Art Walkman, in den man eine Gitarre einstöpseln und mitspielen kann. Eine coole Sache, die viele Erinnerungen weckt. Es ist schön, wieder eine Kassette im Programm zu haben.

Wer von euch hat noch ein Tapedeck?

Siffi: Im Kellersteht noch eines. Sollte ich mal anschließen.

Jochen: Ich weiß nicht, ob sich ein Tape heute noch Viele anhören. Aber im Regal siehts super aus. Es ist ein Sammlerstück, und ich finde es total schön, dass wir sowas anbieten können. Mir ist wichtig, in diesem Zusammenhang ein paar Leute zu erwähnen: Nicole Dau aus Berlin hat das Layout gemacht, die Zusammenarbeit mit ihr war toll. Unfassbar, wie sie sich reingehängt hat. Sie ist total fit im Druckbereich und kennt die ganzen Profi-Tricks, weiß, worauf es beim Druck ankommt, Sonderfarben, Auflösungen und und und. Dinge, von denen wir keine Ahnung haben. Michel hat uns als Produzent  bei den Aufnahmen unglaublich viel geholfen, Michael Langbein (Sänger von THE LAST DECADE) hat die gesamte Herstellung der Tonträger begleitet, die Fotografin Carolin Traitler aus Wien hat uns die wahnsinnig tollen Fotos geliefert, mit ihr hatten wir schon 2006 für „Shards“ zusammengearbeitet. Es macht so viel Spaß, mit diesen Leuten zu arbeiten, sie sind so begeistert und engagiert – dafür sind wir total dankbar. Klar könnten wir das alles von einem Profi erledigen lassen, aber das könnten wir wahrscheinlich gar nicht bezahlen und ob am Ende was Vergleichbares rauskommt, ist auch fraglich. Die Leute, mit denen wir gearbeitet haben, kennen sich in ihrem Bereich super aus, denken sich rein, habe eine eigene Vision. Wir machen halt Musik, wir reihen Töne und Buchstaben aneinander. Aber dann gibt es da noch Leute, die grafische Ideen haben, die dazu passen.

„Transcience“ gibt es auch als Kassette, es ist das erste Album, das MIRROR OF DECEPTION auf Tape veröffentlicht haben.

Ihr gebt also die Gestaltung des Albums, den optischen Teil, an andere ab?

Jochen: Die Idee zum Cover gab es nicht von Anfang an. Wir versuchen für jedes Album einen übergeordneten Begriff zu finden, einen Schirm über das Album zu spannen. Auf dem Cover sind Tierknochen zu sehen. Ich hatte das Foto von diesem Baby-Delfin in Chile aufgenommen, und eigentlich gar nicht mehr daran gedacht. Das Motiv tauchte in einem unserer Videoclip als Zwischenbild auf, geriet dann aber in Vergessenheit. Die erste Idee für ein Cover kommt schon immer von uns. Nur die Umsetzung überlassen wir Leuten, die weit mehr Ahnung davon haben.

Siffi: Eigentlich ist viel aus Zufall entstanden, ursprünglich hatten wir andere Bilder zur Auswahl, die sind jetzt alle im Booklet zu sehen. Jochen ist dann wieder mit dem Foto des Schädels angekommen und wir haben festgestellt, dass es perfekt passt.

Jochen: Ja ein glücklicher Zufall – den gibt’s oft bei Mirror Of Deception.

MIRROR OF DECEPTION beim DOOM IN BLOOM 2026 mit alten und neuen Bandmigliedern für einen Auftritt vereint

Wie war im Rückblick der Auftritt beim DOOM IN BLOOM im April für euch?

In allen Belangen fantastisch! Zuerst natürlich ein großes Klassentreffen mit alten Bekannten und Menschen, denen wir erstmals persönlich begegnet sind. Und alles ganz hervorragend und mit viel Liebe zum Detail von den Doom in Bloom Organisatoren Sabrina und Joachim, sowie der Chapel Crew umgesetzt. Natürlich kamen alleine schon durch den Veranstaltungsort, die anwesenden Leute und die Bands massive DOOM SHALL RISE Nostalgievibes auf. Doch das DOOM IN BLOOM hat seinen eigenen Charme und wir sind freudig gespannt, wie es sich weiter entwickeln wird.

Es war natürlich grossartig, wieder mit unseren alten Weggefährten DAWN OF WINTER und NAEVUS auf der Bühne zu stehen. Fast 30 Jahre lang gar nichts gemeinsam und dann gleich zweimal innerhalb von knapp anderthalb Jahren (2024 spielten die drei Bands gemeinsam beim DOOM AN DER STEIGE, ebenfalls in Göppingen) . Von uns aus gerne noch öfters! Ein weiteres, wunderbares Highlight war das Wiedersehen mit Astral Rising, die wir seit 1997 nicht mehr getroffen hatten. Auch daran hoffen wir wieder anzuschliessen.

Wir hatten im Vorfeld überlegt, wie wir unseren eigenen Auftritt gestalten könnten. Schließlich war es das 30. Jubiläum des DOOM IN BLOOM und wir wollten etwas Besonderes daraus machen. Im Gegensatz zu DAWN OF WINTER und NAEVUS gab es bei uns seither einige personelle Veränderungen. Der Organisator Joachim regte an, ob wir nicht was in der 1996er Besetzung machen könnten. Zuletzt hatten wir das 2010 getan, anlässlich unseres 20. Jubiläums. Wir sind immer noch gut befreundet mit unserem ehemaligen Sänger Baumi und Schlagzeuger Gunnar, sehen uns öfters und so waren alle schnell an Bord. Leider musste unser damaliger Bassisten Klaus aus gesundheitlichen Gründen passen. Dafür wurden wir von unserem alten Freund Thorsten unterstützt, der uns bereits Anfang der 2000er auf Tour ausgeholfen hat.

Wir hatten allerdings auch ein brandaktuelles Album im Gepäck und wollten mit Pascal und Uwe auftreten. So kam die Idee auf, das Album einfach komplett von vorne bis hinten darzubieten. Das war für uns eine absolute Premiere und kam gefühlt auch ziemlich gut an. Machte auch daher Sinn, weil das „Transience“ Album eben in genau dieser Besetzung entstanden ist. Im Anschluss daran dann 5 Songs mit der alten Garde. Auch das machte grossen Spaß. Da wir uns an einen gewissen Zeitrahmen halten mussten, hatten wir nichts weiter vorbereitet und konnten den Zugaberufen leider nicht nachkommen. Ich hoffe trotzdem, dass alle Anwesenden eine ebenso gute Zeit hatten wie wir.

Wir freuen uns schon sehr auf die DOOM IN BLOOM Fortsetzung am 16. und 17. April 2027 in der Chapel und sind da als Besucher oder Bühnenhelfer gerne wieder mit dabei.



MIRROR OF DECEPTION 2024 beim DOOM AN DER STEIGE in Göppingen

Du hast es erwähnt, mit der Chapel verbindet euch eine lange Geschichte.

Jochen: Die Chapel ist ein wichtiger Ort für uns, es ist schon was besonderes wieder hier zu spielen. Übrigens, dass das DOOM SHALL RISE damals in der Chapel gelandet ist war Siffis Idee. Nach einem Konzert in der Krypta (im Keller der Chapel)  meinte er, dass die Chapel auch ein guter Ort für das DOOM SHALL RISE wäre. Das erste DOOM SHALL RISE war ein Winterchaos. Die Turnhalle in Triensbach bei Crailsheim war eine Notlösung, das war für uns als Veranstalter eine Heidenarbeit. Wir mussten Gummimatten auslegen, die den Boden schützen sollten. Samstagnacht nach dem Konzert mussten wir die Dinger wieder sauber schrubben, trocknen lassen, umdrehen und die andere Seite schrubben. Wir sind um 5 Uhr in der Früh halbtot aus der Halle gekrochen. Hier war das alles viel entspannter. Das Doom Shall Rise fand dann zwischen 2003 und 2013 achtmal statt, bis wir den Stecker ziehen mussten, weil es zeitlich einfach nicht mehr ging. Es war auch nicht klar, wie viele Leute werden weiterhin kommen, das Risiko wurde zu groß. War ein guter Zeitpunkt, denn die Chapel hat dann auch für ein paar Jahre dichtgemacht, wegen Umbau. Und wir wurden immer wieder gefragt, ob wir nicht wieder ein Festival auf die Beine stellen wollten. Nein, wollen wir nicht, uns fehlt die Zeit, ein halbes Jahr Arbeit da reinzustecken. Unsere Leben haben sich verändert. Und wir haben zu viel Respekt davor, die Fans verknüpfen so viel mit dem DOOM SHALL RISE, vielleicht auch nostalgisch verklärt. Aber es ist ganz wunderbar, dass  Sabrina und Joachim das DOOM IN BLOOM in die Chapel geholt hat. Es ist schön, hierher zurückzukehren. Das Feeling ist jedenfalls da. Aus dem DSR ist viel entstanden, Bands haben sich gegründet, anhaltende Freundschaften, Ehen kamen zustande. Es war mehr als ein Festival. Aber es hatte seine Zeit und man kann und muss nicht alles wiederbeleben.



Was plant ihr jetzt für die Zukunft?

Siffi: Wir spielen diese Jahr noch einige Konzerte, zum Beispiel das Stygian Pilgrims Festival in Braunschweig am 26. September, das BUNKER OF DOOM am 24. Oktober im Kulturbunker in Stuttgart und am 21. November sind wir mit PETRIFIED und KALIBOS im Iron Eagle in Lugau im Erzgebirge. Für eine Tour fehlt uns aber die Zeit, das ist nicht umsetzbar.

Jochen: Wir wollen uns aber nicht ewig ausruhen, ich bin 54 und bevor ich 60 bin, will ich auf jeden Fall noch ein weiteres Album veröffentlichen oder zwei.

Ein schönes Schlusswort, denn 2004 hatte Siffi in einem Interview mit vampster zum Album „Forgone“ gesagt, dass er sich frühestens mit 50 vorstellen kann, nur „jedes halbe Jahr mal ein bisschen proben“: „In dem letzten halben Jahr vor der Trennung haben wir vielleicht drei oder vier Proben als Band absolviert, da hat mal der eine gefehlt, dann der andere… Irgendwann haben wir uns einfach gesagt, dass wir die Sache richtig durchziehen und nicht jedes halbe Jahr mal ein bisschen proben wollen. Das können wir dann schon mal machen, wenn wir 50 sind oder so, aber momentan hab ich einfach noch Lust darauf viele Konzerte zu spielen, usw.“

Schön, dass es hier nochmal 10 Jahre Aufschub gibt und wir uns auf ein weiteres Album und einige Konzerte freuen können!