Sich kurz zu fassen ist eine Kunst, die man lernen kann – aber nicht immer sollte. Es hat schließlich einen guten Grund, warum „Latitudes Of Sorrow“ als Split-Veröffentlichung trotzdem Albumlänge erreicht. Die Schuldigen finden wir in der hinteren Hälfte des Werks, wo sich CONVOCATION für zwei Stücke knapp 20 Minuten Zeit nehmen.
Dass dies jedoch in der Natur der Sache liegt, wird nach den ersten Takten des schwerfällig nach vorne kriechenden „Abaddon’s Shadow“ klar: Funeral Doom-Death steht auf dem Programm und der braucht eben seine Zeit und seinen Raum. Sein tiefes Grollen lockert Sänger MN durch punktuell gesetzte Screams auf, meist jedoch verlässt sich der Shouter auf die donnernden Growls, die sich an die lavaartigen Riffs schmiegen. Düster walzt der Track nach vorne, einzig die bisweilen eingestreuten Clean-Gitarren durchbrechen den massiven Soundwall und erzeugen damit eine unheilschwangere Grundstimmung.
Noch stärker tritt jene in „Empty Room“ zutage, wo CONVOCATION vermehrt auf Laut-Leise-Dynamik setzen: Orgelklänge, Chor-Harmonien und die melancholische Leadgitarre, die ein wenig frühe OPETH in sich trägt, schenken dem Stück Dramatik.
SHORES OF NULL präsentieren sich aufwühlend und packend
Im direkten Vergleich erscheint der Beitrag SHORES OF NULLs greifbarer: Ihren Doom-Death erweitern die Italiener durch Gothic-Einflüsse, was sich in der Melodieführung und Davide Stracciones ausdrucksstarkem Klargesang niederschlägt. Die Kombination aus harschen und emotionalen Vocals ist eines der Markenzeichen der Band und prägt auch die beiden Tracks dieser Split.
Besonders elegant wechselt „The White Wound“ zwischen verbitterter Schwermut und einem hoffnungslosen Aufbäumen gegen die Resignation: aufwühlend und packend mit einem Schuss PARADISE LOST im Refrain. Der Opener „An Easy Way“ wiederum knüpft stilistisch an den Vorgänger „The Loss Of Beauty“ (2023) an, indem die Band zwischen melodischen Gitarren und Doublebass im gehobenen Midtempo und behäbig-schweren Doom-Death-Riffs balanciert.
Mit „Latitudes Of Sorrow“ gelingt CONVOCATION und SHORES OF NULL ein Lichtblick
Das Bindeglied zwischen beiden Bands ist das Gastfeature CONVOCATIONs in „The Year Without Summer“, wo sich SHORES OF NULL zunächst in doomigen Gefilden à la PARADISE LOST – möglicherweise mit einem Schuss END OF GREEN – durch die Tristesse tasten, bevor das Stück mit dem einsetzenden Growling MNs im Mittelteil an Drive gewinnt.
Dass die Musiker schlussendlich jedoch wieder an ihren Ausgangspunkt zurückkehren, ist nur konsequent und der Materie angemessen. Atmosphärische Lichtblicke sind schließlich rar auf diesem gemeinschaftlichen Unterfangen. Eigentlich ironisch, wenn man bedenkt, dass „Latitudes Of Sorrow“ im Doom-Death als Genre einen ebensolchen darstellt. Das jedenfalls können wir in aller Kürze so festhalten.
Veröffentlichungstermin: 21.11.2025
Spielzeit: 37:24
SHORES OF NULL Line-Up
Davide Straccione – Vocals
Gabriele Giaccari – Guitars
Raffaele Colace – Guitars
Matteo Capozucca – Bass
Emiliano Cantiano – Drums
CONVOCATION Line-up
LL – alle Instrumente
MN – Vocals
Produziert von SHORES OF NULL und Marco „Cinghio“ Mastrobuono / The Desolate Dungeon (CONVOCATION) | Split-Mastering: Carlo Altobelli
Label: Everlasting Spew Records
Homepage: https://www.shoresofnull.com/
Facebook: https://www.facebook.com/shoresofnull | https://www.facebook.com/ConvocationDoom/
Instagram: https://www.instagram.com/shoresofnull/ | https://www.instagram.com/convocationband/
Bandcamp: https://everlastingspew.bandcamp.com/album/latitudes-of-sorrow
SHORES OF NULL / CONVOCATION “Latitudes Of Sorrow” Tracklist
- Shores Of Null – An Easy Way (Audio bei YouTube)
- Shores Of Null – The White Wound
- Shores Of Null – The Year Without Summer
- Convocation – Abaddon’s Shadow
- Convocation – Empty Room