„Ob das denn wirklich nötig sei?“, lautet in der Regel unsere erste Reaktion auf die Ankündigung einer Live-Veröffentlichung. Nicht so bei NESTOR, die wir zwar im vergangenen Jahr nicht bei ihrer hier dokumentierten Show in den Göteborger Film Studios erlebt haben, aber ein wenig später in der gleichen Stadt unter freiem Himmel.
Warum ein Live-Album im Fall der Schweden also gar ein Muss ist, wurde uns spätestens an jenem Septemberabend in der Liseberger Stora Scenen klar: Nicht unwesentlichen Anteil trägt Sänger Tobias Gustavsson, der nicht nur eine starke Präsenz auf der Bühne ist, sondern über eine fantastische Stimme verfügt, welche auf diesem Mitschnitt besonders gut zur Geltung kommt. Kraftvoll, emotional, mitreißend: Im Studio hätte man einen Großteil dieser Performance wohl als One-Take durchgehen lassen.
NESTOR kreieren auf „Live At Gothenburg Film Studios“ eine dichte Konzertatmosphäre
Gleichzeitig ist „Live At Gothenburg Film Studios“ trotz des transparenten wie satten Audiomix keine sterile Angelegenheit. Das Publikum bekommt ebenso seine Rolle zugewiesen, indem es „Kids In A Ghost Town“ klatschenderweise begleitet oder im Intro von „Perfect 10“ textsicher die Backing Vocals beisteuert.
Aus der dichten Live-Atmosphäre reißen uns eigentlich nur die teils uneleganten Übergänge heraus, wo mit simplem Fadeout bzw. -in gearbeitet wird, was die Authentizität des Konzerterlebnisses natürlich beeinträchtigt: einige Sekunden Stille passen schlicht nicht zur elektrisierenden Stimmung, die NESTOR ansonsten vermitteln. Ein Kompromiss für das Streaming-Zeitalter, um die Stücke auch separat für sich stehenlassen zu können? Irgendwie beißt sich das mit der Mission eines umfassenden Live-Dokuments.
„Live At Gothenburg Film Studios“ ist ein authentisches Live-Dokument
Dafür stimmen Darbietung und Produktion dort, worauf es ankommt. So dringen die Keyboards in „Stone Cold Eyes“ noch einen Deut klarer an unsere Ohren als in der Studioversion. „Caroline“ wiederum erweitert die Band um einen ausladenden Mitsingpart, nachdem „Victorious“ dank des erweiterten Intros samt Cheerleader-Chant zuvor erfolgreich Spannung aufgebaut hatte.
Das alles macht „Live At Gothenburg Film Studios” zu einer authentischen Live-Platte, die aufgrund der Aufnahmequalität gerne auch als kleines „Best of“ des bisherigen Schaffens durchgehen könnte – sofern man mit zwei Studioalben auf der Habenseite überhaupt schon davon sprechen darf. Ist ein solcher Live-Release also wirklich nötig? Darüber darf man freilich streiten; wir jedenfalls sind froh, dass es ihn gibt.
Veröffentlichungstermin: 14.08.2025
Spielzeit: 75:48
Line-Up
Tobias Gustavsson – Vocals
Jonny Wemmenstedt – Gitarre
Martin Frejinger – Keyboard
Marcus Åblad – Bass
Mattias Carlsson – Drums
Produziert von Tobias Gustavsson
Label: Napalm Records
Homepage: https://www.nestortheband.com/
Facebook: https://www.facebook.com/nestortheband
Instagram: https://www.instagram.com/nestor_theband/
Bandcamp: https://nestorsweden.bandcamp.com
NESTOR “Live At Gothenburg Film Studios” Tracklist
01. Intro
02. We Come Alive
03. Kids In A Ghost Town
04. Stone Cold Eyes
05. Perfect 10
06. The One That Got Away
07. Last To Know
08. Unchain My Heart
09. Signed in blood
10. Victorious
11. Caroline
12. Firesign (Video bei YouTube)
13. On The Run (Video bei YouTube)
14. Teenage Rebel (Video bei YouTube)
15. 1989
16. It Ain’t Me