Lord Of The Lost - Opvs Noir Vol. 2 Cover

LORD OF THE LOST: Opvs Noir Vol. 2

„Opvs Noir Vol. 2“ ist kein schlechtes Album, bleibt aber unter seinen Möglichkeiten. Neue Facetten entlocken LORD OF THE LOST ihrem Schaffen nicht, während vor allem die Gastbeiträge für das nötige Profil sorgen.

Back in black: Nach der farbenfrohen Phase um „Blood & Glitter“ (2022) war eine Rückkehr zum düsteren Image nur eine Frage der Zeit. Als Trilogie angelegt entdecken LORD OF THE LOST auf „Opvs Noir“ folglich ihre dunkle Seite neu. Während die Musiker also die Schönheit in der Finsternis suchen, fahren sie die 80er-Vibes jedoch nicht gänzlich zurück („The Fall From Grace“, „Walls Of Eden“). Dieses Konzept funktionierte auf „Vol. 1“ durchaus zielsicher und setzt sich auf dem zweiten Werk der Albumreihe relativ unaufgeregt fort.

Das Niveau bleibt also grundsätzlich solide, bestätigt jedoch gleichzeitig die Befürchtung, dass die Dark Rock-Band zuvorderst im Sinne der Quantität handelt. Ähnlich wie schon beim Doppelalbum „Judas“ (2021) zeichnet sich auf „Opvs Noir Vol. II“ ab, dass mit Mut zur Vorauswahl letztlich ein nachhaltigeres Gesamtwerk möglich gewesen wäre, als es diese Trilogie nach zwei Dritteln darstellt.

Vor allem die Gastbeiträge schenken „Opvs Noir Vol. 2“ Profil

Klammern wir das dezent süßliche, aber emotional sowie warm vorgetragene „One Of Us Will Be Next“ aus, sind es vor allem die Kollaborationen, welche „Opvs Noir Vol. 2“ Profil schenken. In „Would You Walk With Me Through Hell?” tritt Lena Scissorhands (INFECTED RAIN) sogar so präsent in Erscheinung, dass wir zwischenzeitlich beinahe vergessen hätten, wessen Band hier eigentlich gerade spielt, wäre da nicht das dramatische Piano-Solo in der zweiten Hälfte.

„Please Break The Silence“ wiederum ist als eher klassisches Duett konzipiert, gefällt jedoch insbesondere durch die Gesangsleistung: LEAGUE OF DISTORTION-Frontfrau Anna Brunners eindringliche wie kraftvolle Stimme harmoniert perfekt mit Harms‘ düsterem Timbre. Jenes trägt zudem das abschließende „Sharp Edges“ nahezu im Alleingang, wobei die reduzierte Instrumentierung aus Piano, Streichern und Spinett-Akzenten das ideale Vehikel für den charismatischen Sänger darstellt.

LORD OF THE LOST gehen nicht blutarm vor, können ihrem Schaffen aber auch keine neuen Facetten entlocken

Den krassen Gegenentwurf durften wir ja bereits zuvor erleben: „Raveyard“ entpuppte sich als tanzbare Club-Nummer mit Dark-Rock-Fundament, die mit dem hyperaktiven Sprechgesang KÄÄRIJÄs ein eigenwilliges Gastfeature beinhaltet. Der frische Wind tut dem Album jedoch gut, mangelt es doch sonst an hervorstechenden Momenten.

Wir wollen nicht von „Dienst nach Vorschrift“ sprechen, da LORD OF THE LOST im restlichen Verlauf keineswegs blutarm vorgehen. Nur erfindet sich die Gruppe hier weder neu noch fügt sie mit „The Last Star“ oder der Powerballade „Winter’s Dying Heart“ ihrem Backkatalog Facetten hinzu, die sie nicht schon zuvor ergreifender umgesetzt hätte.

Auch deshalb richtet sich der Blick nun schneller als gedacht auf das Trilogie-Finale: Denn trotz gefälliger Songs ist „Opvs Noir Vol. 2“ in seiner Gesamtheit kurzlebiger, als wir es von LORD OF THE LOST im Idealfall gewohnt sind. Ob das Beste also zum Schluss kommt? Ausschließen wollen wir ein Ende mit Paukenschlag jedenfalls nicht.

Veröffentlichungstermin: 12.12.2025

Spielzeit: 45:56

Line-Up

Chris Harms – Vocals, Guitar
Pi Stoffers – Guitar
Benjamin “Benji“ Mundigler – Guitar, Synths
Klaas Helmecke – Bass
Gerrit Heinemann – Piano, Synths, Percussion
Niklas Kahl – Drums

Produziert von Chris Harms

Label: Napalm Records

Homepage: https://lordofthelost.de/
Facebook: https://www.facebook.com/lordofthelost
Instagram: https://www.instagram.com/officiallordofthelost
Bandcamp: https://lordofthelost.bandcamp.com

LORD OF THE LOST “Opvs Noir Vol. 2” Tracklist

  1. The Fall From Grace
  2. Would You Walk With Me Through Hell? (& INFECTED RAIN) (Video bei YouTube)
  3. One Of Us Will Be Next (Video bei YouTube)
  4. Walls Of Eden
  5. Raveyard (feat. KÄÄRIJÄ) (Video bei YouTube)
  6. The Last Star
  7. What Have We Become (feat. IAMX) (Stream)
  8. Winter’s Dying Heart (Video bei YouTube)
  9. Scarlight
  10. Please Break The Silence (feat. ANNA BRUNNER)
  11. Sharp Edges