LORD OF THE LOST: Blood & Glitter

Zwischen viel Neuem vergessen LORD OF THE LOST keineswegs ihre Stärken. Das 80er Make-up steht der Dark / Gothic Metal-Band dennoch ausgezeichnet, was “Blood & Glitter” letztlich zu einer kurzweiligen Angelegenheit macht.

Der Jahreswechsel ist die perfekte Gelegenheit, das eigene Leben neu zu sortieren. Raus mit dem Alten, rein mit dem Neuen: neue Vorsätze, neue Ziele, vielleicht sogar ein neuer Look? Genau das wagen LORD OF THE LOST in den letzten Tagen des verflixten Jahres 2022. Mit dem Überraschungsrelease „Blood & Glitter“ werfen die Hamburger nicht nur die Vorzüge einer lang geplanten PR-Kampagne über Bord, sondern würzen die eigene Feuerzangenbowle gleichzeitig mit ein paar unerhörten Zutaten.

Na gut, Glam Rock-Einflüsse und 80er Synthesizer waren schon in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten vielerorts en vogue, für den Gothic / Dark Metal des Quintetts bedeuten diese Stilmittel aber durchaus Neuland. Entsprechend frisch und ungezwungen klingt „Blood & Glitter“ in der Folge, das nach dem vergleichsweise ruhigen und zu ausladenden Doppelalbum „Judas“ (2021) deutlich schneller und mit mehr Elan zum Punkt kommt.

Das 80er Make-up steht LORD OF THE LOST gar nicht schlecht

Die Gitarren rocken schon im eröffnenden Titeltrack ordentlich nach vorne, während Drumcomputer und Synths im 80er Stil den Rahmen für die kommenden 50 Minuten abstecken. Dabei balancieren LORD OF THE LOST relativ unverkrampft zwischen Metal und sogar Pop-Anleihen, wenn Sänger Chris Harms den oftmals eingängigen Melodiebögen harsche Screams entgegensetzt. Dass sich solche Kontraste diesmal besonders harmonisch ergänzen, liegt auch an der starken Performance von Keyboarder Gared Dirge, welcher etwa dem getragenen Synthwave-Track „Absolute Attitude“ und den ungleich härteren „Destruction Manual“ sowie „Leave Your Hate In The Comments“ einen wunderbar nostalgischen Retro-Unterbau spendiert.

Das 80er Make-up steht LORD OF THE LOST folglich gar nicht schlecht, zumal sich die Formation stets die Essenz ihres düsteren Dark Rocks bewahrt. Dass es nun zwischendurch ein wenig mehr glitzert oder funkelt, passt eigentlich sogar hervorragend ins Konzept: „Blood & Glitter“ dreht sich mit Themen wie Diversität, Selbstentfaltung oder Hassbotschaften in sozialen Medien inhaltlich primär um die (zwischen)menschliche Ebene.

Zwischen viel Neuem verlassen sich LORD OF THE LOST immer wieder auf ihre Stärken

Da hören wir natürlich gerne zu, obwohl LORD OF THE LOST in der zweiten Hälfte mit „Leaving The Planet Earth“ oder „Forever Lost“ zu sehr im Autopiloten unterwegs sind. Hier plätschern die Kompositionen etwas zu routiniert vor sich hin, was gerade nach den gelungenen Kollaborationen mit HEAVEN SHALL BURN-Sänger Marcus Bischoff („The Future Of A Past Life“) und COMBICHRIST-Fronter Andy LaPlegua („Reset The Preset“) ein wenig ernüchternd ist.

Dafür gibt es zum Ende mit „One Last Song“ nochmals eine Ladung Pathos der guten Sorte, wenn ein versöhnlicher Chris Harms den Spagat zwischen Nachdenklichkeit und Lebensfreude schlägt. Dass sich LORD OF THE LOST nicht nur hier zwischen neuem Look und Klangfarben immer wieder auf Bewährtes verlassen, gereicht „Blood & Glitter“ derweil nicht zum Nachteil. Im Gegenteil: Bei so viel Mut zur Veränderung – sei es nun musikalisch oder marketingtechnisch – sind die fest in den Sound integrierten Trademarks der Band tatsächlich ein willkommener Ankerpunkt. Man muss ja letzten Endes der lobenswerten Aufbruchstimmung zum Trotz nicht alles infrage stellen, oder?

Veröffentlichungstermin: 30.12.2022

Spielzeit: 51:36

Line-Up

Chris Harms – Vocals, Guitars
Pi – Guitars
Class Grenayde – Bass
Gared Dirge – Piano, Synthesizer, Percussion
Niklas Kahl – Drums, Percussion

Produziert von Chris Harms (auch Mix und Mastering), Corvin Bahn, Jaani Peuhu (Co-Producer) und Benjamin Lawrenz (Mix und Mastering)

Label: Napalm Records

Homepage: https://www.lordofthelost.de/
Facebook: https://www.facebook.com/lordofthelost/

LORD OF THE LOST “Blood & Glitter” Tracklist

01 Blood & Glitter (Video bei YouTube)
02 Leave Your Hate In The Comments  (Video bei YouTube)
03 Absolute Attitude
04 The Future Of A Past Life (feat. Marcus Bischoff)
05 No Respect For Disrespect
06 Reset The Preset (feat. Andy LaPlegua)
07 Destruction Manual
08 Dead End
09 Leaving The Planet Earth
10 Forever Lost
11 Save Our Souls (feat. Ally Storch)
12 One Last Song
13 The Look (Roxette Cover) – feat. Blümchen