DESTRUCTOR: Tales Of Glory

DESTRUCTOR ziehen auf Album Nummer sieben stur ihr Ding durch und begeistern mit ihrem Mix aus viel Speed und etwas Power Metal.

Allzu glorreich verlief die Bandgeschichte von DESTRUCTOR auf den ersten Blick nicht. Nach dem 1985er Debüt “Maximum Destruction” wollte man eigentlich durchstarten, doch dann wurde an Neujahr 1988 Gitarrist Dave Holocaust ermordet. Danach dümpelte die Band noch eine Weile vor sich hin, um einige Jahre später endgültig in den Sack zu hauen. 1999 tat man sich dann wieder zusammen, unter anderem mit Jamie “Athenar” Boulder als Gitarristen, welcher später MIDNIGHT gründen sollte. Für “Tales Of Glory” beteiligte er sich ebenfalls am Songwriting, auch wenn er bereits seit 2012 kein Teil der Band mehr ist. Immerhin, seit dem Comeback haben DESTRUCTOR es bereits auf fünf Alben zwischen 2003 und 2023 gebracht. Ihrem Stil, irgendwo zwischen US Power und Speed Metal, ist die Band seit den Achtzigern 100% treu geblieben. Die vom Label genutzte Bezeichnung Power Thrash finde ich nicht ganz zutreffend, da ich die Band eher im Speed als im Thrash verorten würde, das ist nun aber natürlich wirklich Nerd-Talk.

DESTRUCTOR ziehen auf “Tales Of Glory” stur ihr Ding durch und das Ergebnis ist großartig!

Im Vergleich zum Debüt klingt man inzwischen etwas weniger ungestüm, ansonsten schließt “Tales Of Glory”, das nunmehr siebte Album, nahtlos an das Frühwerk an. Vom Original Line Up sind immerhin noch Sänger und Gitarrist Dave Overkill sowie Schlagzeuger Matt Flamable am Start. Nach dem kurzen Intro ballert “Shadow Magic” so richtig schön old schoolig los, kreischende Gitarren, bollernde drums, da kommen wir gleich die Kanadier EXCITER in den Sinn. Klassischer Speed Metal der brachialen Sorte eben, allerdings durchaus auch mal mit melodischen Leadgitarren zwischendurch. Und weil es gerade so schön läuft, machen DESTRUCTOR auch erstmal so weiter und rüpeln sich durch die nächsten Songs, bevor “Death Screams” ein wenig Tempo raus nimmt. Das geht dann schon eher in klassischer US Power Metal, alles natürlich weiterhin schön rauh und unpoliert. Hier gefällt mir auch die atmosphärische Einleitung sehr gut. Dave Overkill singt eher im mittelhohen Bereich und macht dabei eine ordentliche Figur. Klar, der Mann ist kein Wundersänger, klingt aber kraftvoll und bissig, kann aber auch hymnische Töne anschlagen, wenn nötig und liefert hier eine wirklich mitreißende Performance ab.

Wer nach über vierzig Jahren noch so rabiat und energiegeladen klingt wie DESTRUCTOR auf “Tales Of Glory”, der muss sich vor der jungen Garde nicht verstecken

Nach dem rabiaten Speed Metal-Abriss “Fall to Your Knees” packen DESTRUCTOR in der zweiten Albumhälfte noch ein paar richtige Banger aus. “Never Take Me Alive” vereint im Wechsel miteinander stampfende Passagen und kompletten Speed-Irrsinn, während “Answers In Blood” richtig wüste Riffs mit den vielleicht besten Gesangslinien des ganzen Albums verbindet. Der Song hätte meiner Meinung nach auch auf “The Force” aus dem Hause ONSLAUGHT stehen können. Nach nicht ganz vierzig Minuten ist der Spaß dann auch vorbei, ohne dass Langeweile aufgekommen wäre. Perfekte Albumlänge, würde ich sagen. Der Sound ist sehr natürlich, lässt der Musik ihren rauen Charme. Genau so muss eine old school Metal-Platte klingen. Und“Tales Of Glory” ist genau das, ein richtig starkes old school Heavy Metal-Album mit dem DESTRUCTOR es auch problemlos mit der jungen Garde aufnehmen können. Diese älteren Herren wissen noch wie es geht. Und vielleicht ist das ja dann eben doch so eine kleine tale of glory, dass diese Band über vierzig Jahre nach ihrem immer noch, wenn auch mit Unterbrechung, am Start ist, starke Alben veröffentlicht und einfach ihr Ding durchzieht.

Veröffentlichungsdatum: 19.06.2026

Spielzeit: 38:53

Line-Up:
Dave Overkill – vocals, guitars
Mark Hellhound – guitars
Tim Hammer – bass
Matt Flammable – drums

Label: Shadow Kingdom Records

Bandcamp: https://destructor1.bandcamp.com
Facebook: https://www.facebook.com/DestructorMetal

 

DESTRUCTOR „Tales of Glory“ Tracklist

01. Tales of Glory
02. Shadow Magic
03. Harbinger of Death (Audio bei Bandcamp)
04. Wolves at Your Door
05. Death Screams
06. Fall to Your Knees
07. Never Take Me Alive
08. Answers in Blood
09. Rise to the Call
10. Victorious Warrior