Der Gedanke an eine Wiedergeburt sei ihr immer wieder begegnet, erklärte Sängerin Maria Lessing im Vorfeld, gemeinsam mit der Frage, wie man mit all den Lehren aus dem jetzigen Leben sein nächstes gestalten würde. Bezogen auf das textliche Konzept, spiegelt sich dieser Gedankengang jedoch weniger in der Musik: Einem stilistischen Neuanfang kommt „Resurgence“ in der Folge nicht gleich, die Erfahrungen der ersten drei Alben prägen den neuesten Output dafür in jeder Hinsicht.
Es wäre andernfalls auch unvernünftig gewesen, nach dem langen Reifeprozess, welchen FUTURE PALACE mit „Distortion“ (2024) endlich abschließen konnten, die eigene Herangehensweise schon wieder über den Haufen zu werfen. Das Trio bleibt sich also treu und nutzt die gewonnene Expertise, um Feinschliff zu betreiben. Entsprechend geschmeidig öffnen sich die Arrangements des Albums, das sich abermals im modernen Alternative Metal zu Hause sieht, doch phasenweise die Fühler in Richtung härteres Terrain ausstreckt.
Trotz härterer Ausbrüche tendiert „Resurgence“ eher in die melodisch-eingängige Richtung
Diese Balance gelingt der Band ausgesprochen gut, wobei „Resurgence“ als Gesamtwerk eher in die melodisch-eingängige Richtung tendiert. Das liegt auch an den einprägsamen Hooks, die beispielsweise den Alt-Rocker „Deep Blue“ auszeichnen. Doch Frontfrau Maria kann auch anders: Das groovende US-Rock-Riff von „Resurge“ begleitet sie mittels roher Screams, um dem gewohnt emotionalen wie ausdrucksstarken Klargesang ein entsprechendes Gegengewicht zu schenken.
Die regelmäßige Rückkehr zu catchy Gesangslinien gehört zum Konzept und findet sich auch im treibenden „Nixy“, wo die harten Strophen einen ähnlichen Zug entwickeln, wie wir ihn sonst von Daniel Haniß‘ Arbeit bei SAMURAI PIZZA CATS bzw. ELECTRIC CALLBOY kennen. Seinen Kollegen will Gitarrist Manuel Kohlert aber keineswegs kopieren: Das rastlose Fundament von „Supernova“ erzeugen Synthesizer und Drumcomputer, bevor eine Akustikgitarre vor dem Finale gezielt einen Gang zurückschaltet.
FUTURE PALACE wollen auf „Resurgence“ zugänglich bleiben
Das erzeugt Dynamik, ohne die recht geradlinig angelegten Songstrukturen opfern zu müssen. Denn ob nun in „Disintegrate“ futuristisch angehauchte Synth-Spuren Akzente setzen oder sich das nachfolgende „The Shades“ mit tief gestimmten Gitarren und eher mäßigem Sprechgesang am Nu Metal orientiert, bleibt das Kredo immer eindeutig: FUTURE PALACE wollen zugänglich bleiben, aber auf keinen Fall langweilen.
Schief geht dieser Ansatz eigentlich nur in der klebrigen Pop-Ballade „Tidal Waves“, wo es zwischen Piano, Drumcomputer und Post-Produktion arg kitschig wird. Deutlich spannender entwickelt sich „Nightfall“, welches das vorherrschende Drei-Minuten-Korsett selbstbewusst sprengt, um eine musikalische Wandlung zu durchleben: Zaghaft und von Selbstzweifeln geplagt folgt ein regelrecht garstiger Wutausbruch, bevor der Breakdown schlussendlich in den letzten Refrain samt zusätzlicher Streicherbegleitung überführt.
Mit „Resurgence“ setzen FUTURE PALACE die gesunde Evolution ihres Stils fort
Dass allein dieser zusätzliche Raum dem Stück spürbar guttut, macht weiter optimistisch: FUTURE PALACE scheinen trotz Fokus auf allgemein zugängliche Arrangements nun auch den Mut zu haben, beizeiten etwas mehr Risiko zu gehen. Eine Wiedergeburt sollte somit eigentlich vom Tisch sein, denn was die drei Musiker:innen seit Beginn ihrer gemeinsamen Karriere konsequent verfolgen, ist die gesunde Evolution ihres Stils – warum sollte man also damit brechen?
Veröffentlichungstermin: 31.07.2026
Spielzeit: 42:48
Line-Up
Maria Lessing — Gesang
Manuel Kohlert — Gitarre
Johannes Früchtenicht — Schlagzeug
Produziert von Julian Breucker und Christoph Wieczorek (Mix und Mastering)
Label: Century Media
Homepage: https://future-palace.com
Facebook: https://www.facebook.com/futurepalace/
Instagram: https://www.instagram.com/futurepalaceofficial/
Bandcamp: https://future-palace.bandcamp.com/
FUTURE PALACE “Resurgence” Tracklist
1. Deep Blue (Video bei YouTube)
2. Resurge (Video bei YouTube)
3. Supernova (Video bei YouTube)
4. Disintegrate
5. The Shades
6. Nixy (Video bei YouTube)
7. Thorns
8. Ebb and Flow
9. Nightfall
10. Symphony of the Clouds
11. Tidal Waves (Video bei YouTube)
12. Cyclone