Ist es eine Fügung des Schicksals, dass nach dem Tod von Tompa Lindberg und somit auch dem Ende von DISFEAR die Urväter des schwedischen Crusts wieder aktiv sind? Fast 20 Jahre nach dem letzten TOTALITÄR-Album „Vi Är Eliten“ wirkt es so, als wäre keine Zeit vergangen. Optisch wie musikalisch sind TOTALITÄR nah an dem punkigen Lärm der Debüt-EP „Multinationale Mördare“ aus dem Jahr 1987. Auch in Sachen Quantität steht nicht besonders viel zwischen diesen Veröffentlichungen: damals fünf Songs in zehn Minuten, heute neun Songs in einer Viertelstunde. Das Line-Up? Fast dasselbe, aber in jedem Fall das gleiche wie auf dem Debütalbum „Sin Egen Motståndare“ aus dem Jahr 1994. Und doch: Der Gesamtsound hat sich leicht verändert.
20 Jahre nach ihrem letzten Album wollen es TOTALITÄR nochmal wissen: Der Gesamtsound hat sich leicht verändert, die Schweden sind aber noch immer so rabiat wie früher.
Aber hey, es knallt durchgehend. TOTALITÄR konzentrieren sich auf dreckige Riffs, schnelle D-Beats, Rock and Roll-Soli und heiseres Gebrüll. Das klingt so pur, dass „Totalitär“ zeigt, wo der Ursprung des schwedischen Sounds liegt. WOLFBRIGADE, DISFEAR, KRIGSHOT, MASSGRAV sie alle tranken aus der Quelle TOTALITÄR, haben den Sound aber leicht weiterentwickelt. Nun wirkt es ein wenig so, als zögen TOTALITÄR nach. Die neun Songs klingen schon sehr nach weniger metallischen WOLFBRIGADE, was den Charakter von TOTALITÄR ein wenig verwässert, aber macht nix; es steht ihnen einfach gut. Der Sound ist richtig roh, aber doch fetter als zuletzt 2007, und so fetzen sie unvermittelt mit „Vad är det ni vill ha?“ los, mit crustiger Düsternis, Hardcore-Furor und Punk-Attitüde. Die Songs sind allesamt eingängig, wild und zwingend, besonders „Stolta barbarer“ und „Fängsla dem alla“. Und mit dem stampfenden „Älskade USA“ steht sogar ein kleiner Hit auf dem Album.
„Totalitär“ fetzt von vorn bis hinten, ein paar Songs mehr hätten dennoch nicht geschadet.
Somit ist es schade, dass nach neun Songs und 15 Minuten schon Schluss ist. TOTALITÄR klingen hungrig und wütend, eben so, als hätte mindestens doppelt so viel Material in ihnen geschlummert. Gerade Poffens Vocals, die so dreckig – oder verbraucht? – wie nie zuvor klingen und das ungebremste Drumming haben richtig viel Energie. Und besonders schön sind die komplett abgefuckten Gitarren. Es bleibt trotz geiler Songs und der richtigen Attitüde der Eindruck, dass ein bisschen mehr möglich gewesen wäre. Trotzdem: Schön, dass sie wieder da sind und den Jungen und nicht mehr Ganz-So-Jungen zeigen, dass die Alten immer noch mithalten können. Für Skandi-Crust-Hardliner führt an „Totalitär“ kein Weg vorbei, aber auch alle anderen können sehr wohl Spaß mit diesem Album haben.
Wertung: 7 von 10 Vorstandssitzungen
VÖ: 28. August 2026
Spielzeit: 15:39
Line-Up:
Poffen – Vocals
Lanchy – Guitar
Andreas – Bass
Jallo – Drums
Label: De:Nihil Records
TOTALITÄR „Totalitär“ Tracklist:
1. Vad är det ni vill ha? (Official Audio bei Youtube)
2. Stolta barbarer
3. Följ din prognos
4. Älskade USA (Official Video bei Youtube)
5. Detta är vad jag fick
6. Det är krig ni vill ha
7. En dag hos terapeuten
8. Himlen – en öppen kloak
9. Fängsla dem alla
Mehr im Netz:
https://totalitaer.bandcamp.com/
https://www.instagram.com/denihilrecords/
https://denihilrecords.bigcartel.com/