DOOM IN BLOOM FESTIVAL 2026 – Chapel Göppingen, 10. und 11. April 2026

Vor 30 Jahren, am 12. Januar 1996, spielten im Jugendhaus Farbstraße in Bietigheim-Bissingen vier Bands – und wohl keiner der Musiker ahnte, wie emotional die Neuauflage ihres Konzerts 30 Jahre später sein würde. Viel Wasser floss die Enz seitdem hinunter, das Jugendhaus nahe dem kleinen Fluss gibt’s seit 2012 nicht mehr. Aus dem Konzert 1996 entstand das DOOM IN BLOOM und später das DOOM SHALL RISE. Und vor allem das DOOM SHALL RISE machte im Lauf der Jahre die Chapel in Göppingen zum Pilgerort für Doom-Fans aus ganz Deutschland und Europa. 2013 fand das letzte DOOM SHALL RISE statt – und es wird schmerzlich vermisst. So sehr, dass es zur Neuauflage immerhin rund 600 Besucherinnen und Besucher in die Hohenstaufenstadt Göppingen zog – wohl auch zur Freude der örtlichen Hotel, die waren nämlich fest in der Hand von Menschen in Metalshirts.

Das aktualisierte Original-Plakat aus dem Jahr 1996

Es ist ziemlich mutig, die Neuauflage dieses kleinen Doom Metal-Festivals an einen derart mit Erinnerungen aufgeladenen Ort wie der Chapel in Göppingen zu veranstalten. Hier fand einst das legendäre DOOM SHALL RISE Festival statt. Die Venue, eine in den 50er Jahren errichtetet Kirche für die dort stationierte US-Army, hat sicherlich zur besonderen Atmosphäre des DOOM SHALL RISE in der Vergangenheit beigetragen. Wer einmal dort war und sich auf den Stufen zum Eingang verquatscht hat, wird diesen Ort nicht vergessen. Buntes Licht gibt’s in der Chapel nicht nur auf der Bühne, es fällt auch durch die Kirchenfenster. Schade war nur, dass es die große Wiese gegenüber nicht mehr gibt, hier steht heute ein Gewerbebau. Das gemütliche Doom-Picknick verlagerte sich deshalb auf die Bierbänke des Foodtrucks neben der Chapel, 2026 übrigens bei bestem Wetter.

Noch mutiger ist, Bands einzuladen, die so eng mit der Geschichte des DOOM SHALL RISE und dem Vorgänger-Event DOOM IN BLOOM verbunden sind. Gealtert sind in den 30 Jahren Bands wie Publikum, wobei sich die Musiker alle wirklich gut gehalten haben, denn alle Austritte waren auf ihre Art überzeugend – ganz ohne nostalgische Verklärung. Was trotzdem auffiel: Der Nachwuchs fehlt, der Alterschnitt lag locker bei Ü45, wenn nicht sogar drüber. Und auf der Bühne standen mit Ausnahme von APTERA, nur Männer. Die jungen Berlinerinnen von APTERA mit ihrem Death-Black-Sludge-Stilmix waren nicht nur musikalisch eine kleine Ausnahme, sie hatten als einzige Bands auch einige jüngere Fans vor der Bühne. Ansonsten war das DOOM IN BLOOM ein Familientreffen nach 30 Jahren, also eigentlich dem Zeitraum, in dem eine neue Generation heranwächst – doch die treibt sich offenbar lieber anderwo herum.

Die Veranstalter Joachim und Sabrina haben dabei ein perfektes Festivalwochenende organisiert, ohne Größenwahn, aber mit unglaublich viel Liebe zum Detail. Sie zogen ein mehr als positives Fazit: „Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen, sowohl von den Besucherzahlen, als auch dem reibungslosen Ablauf. Vor allem aber von den enorm vielen und herzlichen Resonanzen von ALLEN Seiten wurden wir regelrecht überrollt, was wir noch immer emotional verdauen müssen… – was haben wir da nur angerichtet, uff!“

Bei so viel Wiedersehensfreude und Harmonie kommt natürlich schnell der Wunsch auf, das alles nochmal erleben zu dürfen. MIRROR OF DECPTION-Gitarrist Jochen Fopp hat beim Auftritt bestimmt nicht ohne Grund gefragt: „Habt ihr Lust auf ein weiteres DOOM IN BLOOM?“ Die Antwort des Publikums war ziemlich eindeutig und einstimmig „Ja!“. Und auch Jochen und Sabrina wecken Hoffnungen auf die Frage, ob es denn eine Neuauflage geben könnte, antworten sie: „Nachdem das erste Doom in Bloom Festival in der Chapel solch ein großer Erfolg war und wir bereits während des Festivals immer wieder danach gefragt worden sind, ob und wann es eine Fortsetzung gibt, stehen die Chancen recht gut, dass wir zu Wiederholungstätern werden.“ Vorfreude soll ja die schönste Freude sein, ein Rückblick auf das erste neue DOOM IN BLOOM steigert sie vielleicht zusätzlich – und deshalb lassen wir das Wochenende nochmal Revue passieren.

Freitag, 10. April 2026

PETRIFIED

PETRIFIED haben ihr aktuelles Album „Old Farts Of Doom“ genannt. Ein guter Albumtitel, eine gewisse Selbstironie hat die Band offenbar, das zeigte sich auch an ihrem Auftritt in der Chapel. Das Trio setzt auf klassisches Old-School-Doom-Geriffe und war damit der perfekte Opener für das DOOM IN BLOOM, wo sich die älteren Semester zum Doomdance zusammenfanden. Zudem spielten PETRIFIED auch bei der letzten Ausgabe des DOOM SHALL RISE 2013 und so schloss sich mit dem Opener des DOOM IN BLOOM ein weiterer Kreis an diesem Wochenende.

Das Trio aus dem sächsichen Zschopau spielte ein paar Songs, bevor sich Bassist und Sänger Thomas Schulz zum ersten Mal mit einer Ansage ans Publikum richtetet, sie fiel mit „Schönen guten Abend“ eher wortkarg aus. Er brauchte aber auch nicht viele Worte zu machen, denn in der Chapel  fühlten sich die meisten Besucherinnen und Besucher sofort wieder wie Zuhause. Die Silberrücken im Publikum (man hatte hier immerhin schonmal WINO auf der Bühne gesehen!) und die Band fanden erstaunlich schnell in den Doom-Groove. Mit ihrem schnörkellosen klassischen Doom und unaufgeregtem, und wahrscheinlich deshalb absolut authentischen Stageacting lieferten PETRIFIED eine guten Einstieg in das Doom-Wochenende, Erfahrung bringt die Band ja reichlich mit: Im Laufe des Sets zeigte sich der Frontmann selbst erstaunt darüber, dass der ein oder andere Song tatsächlich 40 Jahre alt ist.

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APTERA

Die wohl außergewöhnlichste Band des Wochenendes: Weiblich, jung und nicht zu 100 Prozent Doom. Und gerade deshalb waren die in Berlin beheimateten APTERA mit ihrem wüsten Stilmix zwischen Doom, Slugde, Psychedelic und sogar etwas Punk ein schillernder Farbtupfer, optisch passend in Szene gesetzt von den bunten Lichtstreifen, die die Sonne durch die Kirchenfesten ins Publikum schickte. APTERA hatten nicht nur den Verzerrer bis 11 aufgedreht, die Band war auch agiler und lebhafter als sämtliche Kollegen. In ihren Songs setzt die internationale Truppe mit Musikerinnen aus den USA, Italien, Belgien und Südamerika auf Abwechslung und ziemlich harsche Vocals, wobei besonders die Growls von Sängerin Celia Paul mindestens so eindrucksvoll waren wie ihre Explorer-Gitarre mit ihrer wunderbaren Old-School-Thrash-Metal-Optik. Bassistin Michela Albizzati sieht aus wie eine sehr junge Version von SONIC YOUTH-Ikone Kim Gordon – und sie bewegt sich auch so. Wer hier ein wenig Offenheit bewies, wurde mit einer spannenden Band und einem tollen Auftritt belohnt.

APTERA - Setlist Doom In Bloom 2026

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WELL OF SOULS

„Legion Of Doom“ hatten sich WELL OF SOULS als Opener auf die Setlist geschrieben und zack, war die Chapel gefüllt. Vor einiger Zeit mit neuem Sänger reformiert, kehrte Gitarrist Frank Hellweg mit seiner eigenen Truppe WELL OF SOULS dahin zurück, wo er gemeinsam mit MIRROR OF DECEPTION-Gitarrist Jochen Fopp den Doomern aus Deutschland und Europa mit dem DOOM SHAL RISE-Festival für viele Jahre eine Heimat boten. 2026 mit auf der Bühne: Drummer Peter Krause, ebenfalls Urmitglied und nach 22 Jahren wieder mit dabei, sowie der überaus lebhafte Bassist Claas Rüscher. Vangelis heißt der neue Sänger, aus Griechenland stammt er. Das muss so sein, denn wie Frank Hellweg schmunzelnd erklärte, funktionieren WELL OF SOULS nur mit einem Griechen am Mikro. Kurzer Exkurs in die Vergangenheit: Der erste Sänger der Band hieß Petro Kapakos. Während der ersten zwei, drei Songs war dem neuen Mann am Mikro seine Nervosität ein wenig anzumerken, dann fing er sich, tauchte ein in die WELL OF SOULS-Welt, die sich am ehesten um Bands wie frühe CANDLEMASS, SOLITUDE AETERNUS, TROUBLE, COUNT RAVEN und BLACK SABBATH dreht. Das Versprechen „Wir spielen Party Doom“ hielten WELL OF SOULS übrigens nicht ein. Die drückenden Doomsongs und die emotionale Ansprache Franks, in der er betonte, wie schön es für ihn sei, in der Chapel wieder auf der Bühne zu stehen, machte den Auftritt zu einem besonderen Moment – für die Band, aber auch für viele im Publikum. Leider dürfte der Auftritt in dieser Besetzung wohl ein einmaliges Erlebnis bleiben, denn Bassist Claas wird die Band wahrscheinlich wieder verlassen.

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AHAB

AHAB standen vor ziemlich genau 20 Jahren auf derselben Bühne, beim DOOM SHALL RISE IV, damals noch als zweite Bands, jetzt als Headliner am Freitag. Die Chapel beschreibt die Funeral Doom Metal-Band in einem Posting bei Social Media als  „Raum, der für die Doom-Szene in Deutschland zum heiligen Boden wurde. Ein Ort voller Menschen, die uns verstanden haben. Es war erst unser zweites Konzert überhaupt – und trotzdem fühlte es sich schon wie zu Hause an. Zwei Jahrzehnte später hallen die Riffs immer noch nach.“

Bei ihrer Rückkehr nach Göppingen verzichteten AHAB auf Ansagen und zogen ihr Publikum sanft aber unerbittlich in ein tiefes, schwarzes, kaltes Wasser. Finsterer Death Doom Metal mit massivsten Riffs und grabeskalten Growls, getaucht in giftgrünes oder blutrotes Licht. So reduziert wie das Licht war auch das Stageacting der Band, genaugenommen passierte da fast nichts. Hätte sich auch nicht gelohnt, denn viele vor der Bühne hatten die Augen geschlossen und wogten nur langsam hin und her. AHAB spalteten auch an diesem Abends das Publikum, viele waren völlig begeistert und ließen sich von den Songs in einen Sog fangen, andere nutzen das Angebot an der Bar um den Freitags-Headliner wegzuspülen. Mir imponiert die absolute Kompromisslosigkeit dieser Band jedes Mal, wenn ich sie live sehe. Inzwischen sind ja diese so genannten immersiven Ausstellungen zu verschiedenen Malern gut besuchte Veranstaltungen. AHAB brauchen für ihre immersive Unterwassershow weder Virtual Reality oder Projektionen, es reichen die Songs. Und das lustigste Merch hat das Quartett außerdem: In der Crypta am Merchbooth gab es Strandshorts mit Bandlogo und sogar Badeschlappen mit dem Covermotiv des „The Boats of the Glen Carrig“-Albums.

AHAB - Setlist - Doom In Bloom 2026

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Samstag, 10. April 2026

Was bereits im Oktober 2024 beim DOOM AN DER STEIGE funktioniert hatte, sollte sich am Samstag nun noch einmal wiederholen: Ein gemeinsames Konzert von DAWN OF WINTER, NAEVUS und MIRROR OF DECEPTION. Die Dreifaltigkeit des schwäbischen Dooms, die Trilogie der ergeifenden Behäbigkeit, das Triumverat der erhabenen Gemächlichkeit. Außerdem auf der Bühne: ASTRAL RISING, die (selbstverständlich) auch einen Bezug zue doomigen Pflichtveranstaltung DOOM SHALL RISE mitbringen.

 

DAWN OF WINTER

DAWN OF WINTER hatten zwar keinen eigenen Merch dabei, machten aber fleißig Werbung für die Fanartikel der anderen Bands. Die eigenen Leibchen lagen noch im einem Keller, berichtete Sänger Gerrit Mutz, und man habe nicht die Zeit gefunden, sie hervorzuholen. So unprätentiös sich die Band präsentierte, so überragend war das Songmaterial und die Songauswahl beim DOOM IN BLOOM. Der Frontmann sinnierte in seinen launigen Ansagen unter anderem darüber, dass die Songs  heute 36 Jahre alt seien und ob man wohl in weiteren 36 Jahren auch noch auf der Bühne stehe. „Sweet Taste Of Ruin“ und „Dream Within A Dream“ waren die Highlights, mitgesungen von vielen. Gerrit führte charmant durchs tonnenschwere Programm, überzeugte mit seinen unverkennbaren, wehmütigen Gesang. Gitarrist Jörg Knittel und Bassist Joachim „Bolle“ Schmalzried blickten die meiste Zeit stoisch ins Publikum, ab und zu huschte aber auch ein Lächeln über ihre Gesichter, es war einfach zu schön für alle, nach so langer Zeit wieder zusammenzufinden. Das einzige was zum Glück vieler gefehlt haben dürfte: die Ankündigung eines neuen Albums. „Pray For Doom“ Hat ja auch schon wieder fast zehn Jahre auf dem Buckel. So blieb es bei einem Streifzug durch die Diskografie der vergangenen Jahrzehnte, der bleibenden Eindruck hinterließ und nochmal eindrücklich klarmachte, wie zeitlos gut die Alben dieser Band sind.

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ASTRAL RISING

ASTRAL RISING sind kaum alt geworden! Die inzwischen zum Trio geschrumpfte Band hat zwar ihr letztes Album vor mehreren Jahrzehnten rausgebracht, da sitzt aber noch jeder Ton und jeder Move. Vor 30 Jahren war die Band Headliner, jetzt muss sie sich mit einer denkbar ungünstigen Position begnügen: Zwischen drei Lokalmatadoren, in der Heimat des schwäbischen Doom Metals. Und sie machten das Beste daraus und unternahmen gar nicht erst den Versuch, sich an die drei Schwabenbands anzupassen, sondern zogen ihr Ding durch: Psychodoom mit fettestem Groove, sogar ein neuer Song fand den Weg auf die Setlist und in die Gehörgänge (und Seelen) des Publikums. Das feierte den Auftritt der Band gar mit „Astral Rising, Astral Rising“-Spechchören, worüber sich die Musiker sichtlich freuten und nochmal einen Zahn zulegten. Da war orgendtlich Bewegung auf der Bühne, besonders Bassist Philippe Guiziou überzeugte mit energiegeladenem Stageacting, dieser Mann ist für sein Alter erstaunlich beweglich und hat offensichtlich einen sehr niedrigen Körperfettanteil, es hat schon viel Spaß gemacht, ihm zuzusehen. ASTRAL RISING wurden Anfang der 90er gegründet, 1996 hat sich die Band aufgelöst, seit 2024 sind sie wieder aktiv, im wahrsten Sinne des Wortes.

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NAEVUS

NAEVUS live ist immer ein Erlebnis: Da steht auf der Bühne zusammen, was zusammengehört. NAEVUS sind eine Einheit, das zeigen die vielen kleinen Gesten und Blicke, die die vier Musiker austauschen, das perfekte Zusammenspiel und die guten Vibes. Die Musik von NAEVUS ist gar nicht mal so fröhlich, doch live liegt ganz viel Hoffnung und positive Energie unter dem satten, bassigem Groove. Der Titel des aktuellen Albums „Back Home“ kann auch als Motto für ihren Auftritt und das gesamte das DOOM IN BLOOM verstanden werden. Heimkommen, dort sich wohlfühlen, gute Erinnerungen zulassen, schlechte Erinnerungen beiseiteschieben – das hat vor und wohl auch auf der Bühne ganz wunderbar funktioniert. Sänger Uwe Groebel hat eine ungewöhnlich helle, klare Stimme, die NAEVUS-Songs einen hohen Wiedererkennungswert gibt, Drummer Mathias Straub ist technisch überragend und beweist, dass Doom Metal auch mit komplexen Drum-Pattern funktioniert, vielleicht sogar besser als mit dem typisch reduzierten Drumming. Gitarrist Oliver Grosshans soliert ausgesprochen gefühlvoll und Bassist Sven Heimerdinger baut das Fundament der Songs, ist aber gleichzeitig überall auf der Bühne zu sehen und hat auch die ganz großen Rockstar-Posen drauf, die zu keiner Sekunde aufgesetzt wirken. Songs von „Back Home“ machten den Großteil der Setlist aus, dass in diesen Songs viel Arbeit und Erfahrung steckt, zeigt ihre zeitlose Klasse. Und dass sich die PENTAGRAM-Coverversion “Relentless” einfach nahtlos einfügte, spricht ebenfalls für sich.

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MIRROR OF DECEPTION

Sänger Michael Siffermann drohte an, Reggae-Versionen der MIRROR OF DECEPTION-Songs zu spielen, aber das war natürlich nur ein Scherz. Stattdessen überraschte die Band mit einem zweigeteilten Set: Zuerst spielten MIRROR OF DECEPTION ihr aktuelles Album „Transience“ am Stück, danach ein Special-Set mit alten Hits, zu dem auch einige Gäste auf die Bühne kamen. Ein weiser Entschluss, denn man kann zwar davon ausgehen, dass im Publikum viele Fans der Bands sind, die das neue Material bereits gut kennen, dennoch war es mutig, nicht auf die sichere Bank und ein „Greatest Hits“-Set zu setzen. Auf der anderen Seite ist „Transience“ ein so vollkommenes Album, das es mehr als gerechtfertigt war, es in voller Länge ohne Unterbrechungen zu spielen – und dieser Plan ging auf. Spätestens beim dritten Song „Haven“ wogten alle im Takt, und ich blinzelte vor Ergriffenheit ein, zwei Tränchen weg. Wie ein Fluss, mal reißend und wild, mal ganz sachte und fließend, auch live funktionieren diese Songs. Die bezaubernden Melodien, die Schwere, die Melancholie kumulierten im Abschlussong „Meander“, und mit jedem Ton schwang auch Hoffnung und Schönheit mit – das war fast ein bisschen viel von allem, man wusste gar nicht, wohin mit all dem Emotionen. Gut, dass MIRROR OF DECEPTION dann übergingen zum Historienteil: Ex-Sänger Markus „Baumi“ Baumhauer, ex-Schlagzeuger Gunnar Drescher und Live-Bassist Thorsten Woitaschek übernahmen Gesangsmikro und Instrumente, wobei Baumi einen kleinen Moment benötigte, um sich darüber klar zu werden, dass er wieder auf einer Bühne stand – das war schon super sympathisch, wie er zunächst ein wenig unsicher wirkte, dann aber bei „Mirrorsoil“ plötzlich wider vollkommen in seinem Element war. Eine schöne Geste gegenüber den früheren Bandmitgliedern und gegenüber den vielen Fans, die diese Band schon so lange begleiten. Und mit „Weiß“ fand ein geschichtsträchtiges Wochenende einen würdevollen, emotionalen Abschluss. Wir kommen gerne wieder!

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