… und hier ist wieder eine Band, die 2026, dem Jahr der Wiedergänger, nach langer Zeit erneut von sich hören lässt. Allerdings ließen GADGET, deren letztes Album „The Great Destroyer“ bereits 10 Jahre zurückliegt, zumindest vor 5 Jahren über eine Split mit RETALIATION verkünden, dass sie noch nicht am Ende seien, auch wenn die Situation damals schwierig war. GADGET standen gerade ohne Sänger da, denn Emil Englund hatte die Band zwei Jahre zuvor verlassen. Auf besagter Split waren also einige Gäste zu hören, und eine davon, Emilia Henriksson (auch RADIUM GRRRLS), ist seit kurzem feste Sängerin bei den Schweden.
Auf „Coerced“ ist eine neue Stimme zu hören, die keine Gnade kennt: Emilia Henriksson passt perfekt zu GADGET und bringt neue Impulse in die Band.
Henriksson und der neue Gitarrist Kristofer Jankarls (ex-AXIS OF DESPAIR) vervollständigen die seit 2002 bestehenden Besetzung William Blackmon, Rikard Olsson und Fredrik Nygren, und schon haben GADGET mit „Coerced“ eine neue EP, die die lange Durststrecke beendet. Und diese währt, seien wir ehrlich, schon ein wenig länger. Denn „The Great Destroyer“ war ein rabiates, brutales Skandi-Grind-Album – sprich: mit viel Crust in der DNA –, aber die Intensität von „The Funeral March“ (2006) erreichten GADGET nur in wenigen der Songs. Also, legen GADGET endlich jetzt wieder so richtig los? Schwer zu sagen.
„Coerced“ spielt gleich zu Beginn mit den Nerven. Wir haben doch keine Zeit zu verlieren! Schließlich geht es hier um acht Songs in weniger als 14 Minuten! Und doch gibt es erst eine halbe Minute Intro-Feedback, bis der Song ausbricht, so räudig, dass die Vorgänger geradezu glattpoliert klangen. Emilia Henriksson schreit dazu so angepisst, mit einer Energie, die ihren Vorgänger locker in den Schatten stellt. Was GADGET bei all ihrer Freude, wieder lärmen zu dürfen, aber ein wenig übersehen haben, ist das Songwriting. Zwar sind die ersten drei Songs mit ihren geilen Riffs, zu denen die Blast Beats und höllisch schnellen D-Beats perfekt passen schön catchy, aber „Coerced“ wirkt recht fragmentiert. Kein Wunder: „No Sense Of Self“, „What Dosen’t Serve You“ und „Gnistan“ dauern keine Minute, „Funerary Rites“ und „Flatline“ liegen nur minimal darüber.
GADGET oszillieren zwischen impulsiver Wut und finsterem Drone: „Coerced“ ist zu kurz, um entschlossen Grenzen auszuloten.
Letzterer zerfällt und mündet in das fünfeinhalbminütige, instrumentale Drone-Stück „False Pulse“, das zwar Spannung aufbaut, aber insgesamt deutlich zu lange geraten ist und ein Drittel dieser EP einnimmt. Das abschließende „Violently Silent“ zeigt GADGET dann aber so gut wie selten, es hämmert repetitiv mit einem brachialen Groove und ist dadurch noch wütender als die blastenden ersten Songs. Insgesamt sind die extrem derb produzierten acht Songs etwas zu stark komprimiert. Klar, GADGET wollen wieder liefern, nun da sie wieder komplett sind. Ein wenig mehr kompositorische Substanz hätte dieser EP aber gutgetan. Es ist jedoch spürbar: „Coerced“, dessen Artwork ziemlich bemerkenswert ist, könnte der Auftakt für den zweiten Frühling einer Band werden, die immer etwas zu sehr unter dem Radar geblieben ist.
VÖ: 8. Mai 2026
Spielzeit: 13:44
Line-Up:
Emilia Henriksson – Vocals
Kristofer Jankarls – Guitar & vocals
Rikard Olsson – Guitar
Fredrik Nygren – Bass
William Blackmon – Drums
Label: De Nihil Records
GADGET „Coerced“ Tracklist:
1. Nonsense
2. No Sense Of Self
3. What Dosen’t Serve You
4. Gnistan (Official Visualizer bei Youtube)
5. Funerary Rites
6. Flatline
7. False Pulse
8. Violently Silent
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