Fast hätte sich der Verfasser letztes Jahr mit REMINA befasst. Fast! Über Umwege kam erst Anfang 2026, also leicht verspätet, die große Heike Langhans-Welle: Ihre Projekte sind in den vier Wänden des Autors die meistgehörten in diesem Jahr, und bevor wir uns ihrem Soloprojekt LOR3L3I zuwenden, muss noch über „The Silver Sea“ geschrieben werden – es fühlt sich ansonsten nicht vollständig an. REMINAs zweites Album ist nämlich ein Juwel. Eines, das einlädt, die endlosen Weiten des Weltalls zu erforschen. Zwischen Doom Metal, Gothic Metal und Synthwave ist „The Silver Sea“ ein zeitgemäßes Album geworden, das einen eigenen Weg geht.
REMINA führen die Hörer*innen in die Weiten des Alls: „The Silver Sea“ ist ein atmosphärisch brillantes Album.
Plump gesagt: Wer sich die atmosphärischen Momente von DARK TRANQUILLITYs „Atoma“ im Gothic-Doom-Kontext mit vielen Synthesizern, angeführt von einer magischen Stimme vorstellen kann, ist hier genau richtig. Das kreative Duo Mike Lamb und Heike Langhans schickt die Hörer*innen ins All auf eine interstellare Reise, bei der es mehr auf das Entdecken ankommt, denn auf große Weltraumschlachten. Elegisch und meist im getragenen Tempo schreibt die neuseeländische Band wunderschöne Songs, beginnend mit „Trust No One“, das es versteht, Spannung aufzubauen, schnell ins Ohr geht und mit einem kräftigen Double Bass-Part endet. Die Riffs stehen hier gleichberechtigt neben den Synthesizern, das Drumming ist unterstützend im Hintergrund.
Mike Lamb schafft eher als Produzent denn Gitarrist beeindruckende Stimmungen: „The Silver Sea“ pulst und atmet, ist dabei aber atmosphärisch sehr dicht. REMINA brauchen keine großen Effekte um mitzureißen, das dynamische Songwriting schafft es, dass die Hörer*innen die gesamte Dreiviertelstunde am Ball bleiben, einfach weil REMINA ihre Songs sehr cineastisch denken. „Io“ ist so ein Song mit wunderbarer Steigerung, von auf Synths basierendem Beginn und großem, metallischen Finale, der sich ganz organisch entwickelt. Auch das abschließende „Silence And The Silver Sea“ ist sehr bewegend. Wenn sich nach der ersten Strophe mit Synthesizer, Bass und Drums die Bridge langsam aufbaut und der Refrain dann so elegant auf dem Song thront, darf man durchaus Tränen der Rührung vergießen, die, je näher das Finale mit seinen wunderbaren Leads kommt, immer mehr fließen dürfen.
Mike Lamb und Heike Langhans agieren auf „The Silver Sea“ als perfekt eingespieltes Kreativteam: REMINA schaffen es, ihre Songs ganz intuitiv klingen zu lassen.
Mit „House Of Suns“ steht ein Song auf dem Album, der zumindest durch seine Langsamkeit und Heaviness nah am klassischen Doom ist, aber sich mit seiner Atmosphäre erheblich vom Urgenre abhebt. Immerhin: Hier wird deutlich, wo die Wurzeln der Band liegen. Zweimal holen sich REMINA auf „The Silver Sea“ Unterstützung. Während Tony Dunn (SGAILE) auf dem schmissig-melancholischen Gothrock-Song „Vanta Ray“ relativ zurückhaltend agiert, ist „Algol“ das Juwel des Albums. Die tiefe Stimme von Mick Moss (ANTIMATTER) kommt auf „Algol“ derart gut zur Geltung, dass er nicht nur ein idealer Duettpartner für Heike Langhans ist, sondern mit ihrem Gesang ebenbürtig mithalten kann. Die dynamischen Entwicklungen, die Spannungsaufbauten in dem achtminütigen Stück gehen ganz tief unter die Haut. Allein dieser Song rechtfertigt den Kauf des Albums. Allerdings: Die restlichen Songs stehen auch etwas im Schatten von „Algol“.
„The Silver Sea“ klingt ein wenig so, als wäre Stanislaw Lems „Solaris“ sehr zeitgemäß vertont worden. REMINAs zweites Album ist in seinen besten Momenten schlichtweg atemberaubend gut und zeigt wie schön moderner Gothic-Doom Metal und Synthwave miteinander verbunden werden können. Die sieben Songs ergeben trotz ihrer dystopischen Thematik ein durch und durch sinnliches Album, es ist Space Opera und eine empathische Reise zur Menschlichkeit gleichermaßen. Da REMINA aber nicht verkopft an ihr zweites Album gehen, sondern ihre Musik intuitiv fließen lassen, ist „The Silver Sea“ so berührend gut geworden. Space Travellers und Hörer*innen von bewegendem Gothic-Doom am Puls der Zeit müssen das hören.
Wertung: 6 von 7 Space Odysseys
VÖ: 24. Oktober 2025
Spielzeit: 43:11
Line-Up:
Heike Langhans – Vocals, Keyboards
Mike Lamb – Guitars, Bass, Keyboards, Drums
Shayne Roos – Drums
Gastmusiker:
Mick Moss – Vocals („Algol“)
Tony Dunn – Vocals („Vanta Ray“)
Label: Avantgarde Music
REMINA „The Silver Sea“ Tracklist:
1. Trust No One (Official Audio bei Youtube)
2. Algol (Official Lyric Video bei Youtube)
3 Vanta Ray (Official Audio bei Youtube)
4. Theia (Official Audio bei Youtube)
5. House Of Suns (Official Audio bei Youtube)
6. Io (Official Audio bei Youtube)
7. Silence And The Silver Sea (Official Video bei Youtube)
Mehr im Netz:
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