ASTRAL ALCHEMY: Weaving Chilling Magical Dreamworlds

Black Metal: Zwei mysteriöse Gestalten in dunklen Roben stehen im finsteren Wald und hantieren mit einem dämonischen Gegenstand, der die Welt, wie wir sie kennen, auslöschen wird. Der Mond steht am Himmel, Raben krächzen, der Teufel… äh, Moment mal?

Es ist ja hellichter Tag! Und was haben die da in der Hand, wieso ist das lila? Ich sage es euch: Weil nichts so sehr Black Metal ist wie die Farbe Lila! Bzw. Purpur. Nein, eigentlich ist es pink, oder? Magenta? Hilfe?!

Egal: ASTRAL ALCHEMY sind ein Duo, bestehend aus – Achtung – „He Who Walks Under The Blood Moon“ und seinem Kumpel „He Who Wields Twin Scepters Of Malice“ und sie sind das beste Pferd im Stall Naturmacht Productions. Ihr Black Metal ist eine schamlose Mischung aus CRADLE OF FILTH und allen Symphonic-Black-Metal-Bands der 90er und hat sich nichts weniger als die Auslöschung des Universums und einen Neustart des Kosmos auf die Fahnen geschrieben. Und wenn ich sowas gut finde, muss es schon sehr, sehr gut sein.

Oder eben ein total beklopptes Artwork haben. Die Rolle der visuellen Gestaltung bei der Rezeption von Musik ist gar nicht hoch genug zu bewerten, habe ich mittlerweile das Gefühl. Hätte ich ASTRAL ALCHEMY überhaupt eine Chance gegeben, wenn das Album ein gewöhnliches Cover aufweisen würde, meinetwegen mit einem Sternenbild oder eben einem Wald bei Nacht? Vermutlich nicht. Und eine Chance hat „Weaving Chilling Magical Dreamworlds“ (so ein schön kitschiger Titel auch!) durchaus gebraucht, denn die Musik ist zwar ungemein flott und catchy, aber die Hooks offenbaren sich dann doch erst nach drei, vier Durchläufen so richtig.

„Weaving Chilling Magical Dreamworlds“ huldigt erfolgreich den Symphonic-Black-Metal-Bands der 90er

Was ja ein Zeichen von Qualität und vor allem Langzeitwirkung ist und letztlich der Grund, weshalb ich dieses Review schreibe: Die magischen Traumwelten hier begleiten mich nun schon über Wochen und werden immer wieder angeschmissen, wenn ich was Einfaches, Dynamisches, Melodisches brauche, das trotzdem wütend, hart und ausgefeilt komponiert ist und noch dazu mit einer Produktion aufwarten kann, die einfach mal richtig schön fett ist.

Eben wie CRADLE OF FILTH in den 90ern, und ebenso wie diese setzen ASTRAL ALCHEMY auf eine schmissige Mischung aus geradezu maschinell wirkenden Blasts (hasse ich normalerweise, aber hier wirkt’s) und Uffta-Uffta-Schlagzeug unter dominanten Synths, brutalen Gitarren und einem in Sprechgesang-Stakkato auf den Hörer eindreschenden Schreihals; nur die Tonlage ist nicht die gleiche, „He Who Walks Under The Blood Moon“ krächzt, er kreischt nicht – was schade ist, ein bisschen Kreischen wäre noch die Kirsche auf der Sahne, aber na ja.

Am Ende kredenzen uns ASTRAL ALCHEMY sogar noch ein richtig liebliches Akustik-Intermezzo: „Eyes Of The Speculum“ ist ihr episches Meisterstück und die perfekte Begleitung für einen sommerlichen Waldspaziergang, wo sich das auf dem Cover abgebildete Farbspiel ja auch immer wieder wiederholt durch allerlei Springkraut und Disteln am Wegesrand und im Unterholz. Aber, Moment, sind es wirklich nur Pflanzen? Das sah doch auch wie ein Kristall, war da nicht eine schwarze Robe, und wieso verschwimmt jetzt alles…?

Spielzeit: 39:03 Min.

Veröffentlichungsdatum: 26.06.2026

Label: Naturmacht Productions

ASTRAL ALCHEMY „Weaving Chilling Magical Dreamworlds“ Tracklist

1. Bathing in the Sap of the Moonflower (Video bei YouTube)
2. Tria Prima Offering to the Great Serpent (Audio bei Bandcamp)
3. Stars of Ruin
4. Collapse of the Cosmos
5. Eyes through the Speculum