Motionless In White - Decades Cover

MOTIONLESS IN WHITE: Decades

Zu berechenbar, zu zahnlos: Die zelebrierte Mittelmäßigkeit auf „Decades“ wird MOTIONLESS IN WHITE nicht gerecht.

Wir sind immer noch hier. Und das, obwohl MOTIONLESS IN WHITE zuletzt doch selbst den Soundtrack zur Apokalypse komponierten. Doch sei’s drum, während uns das Ende der Welt zwischenzeitlich noch warten lässt, darf man auch mal sentimental werden. „Decades“ nennen die US-Amerikaner ihr siebtes Studioalbum voller Stolz und kleiden es gleichzeitig in ein loses Konzept. Denn auf die letzten zwei Jahrzehnte blickt die Band in besonderer Weise zurück: Stilistisch breit aufgestellt, lehnen sich die Kompositionen bewusst an das bisherige Schaffen an.

Das fördert die Zugänglichkeit, bringt gleichzeitig aber eigene Probleme mit sich. Denn wo wir uns leicht zu Hause fühlen, droht in heimeliger Atmosphäre schnell die Ernüchterung: alles schon gesehen, alles schon erlebt. So entpuppt sich die Zusammenarbeit mit Sängerin Skylar Grey in „R.I.P.“ als recht schablonenhaftes Duett, dessen balladeske Züge gezielt an große Radio-Hits wie „Another Life“ oder „Masterpiece“ anknüpfen sollen. Das mit Corey Taylor (SLIPKNOT) veredelte „Playing God“ wiederum ist mit den Referenzen an dessen Hauptband nicht nur der härteste Track des Albums, sondern füllt mit seinem rohen und genüsslich ausgekosteten Breakdown am Ende dieselbe Funktion, die auf dem Vorgänger „Slaughterhouse“ erfüllte.

MOTIONLESS IN WHITE agieren auf „Decades“ größtenteils berechenbar und zahnlos

Aus dem Schatten der eigenen Diskografie kann „Decades“ mit diesem Ansatz nicht hervortreten, obwohl der bissige Titelsong zu Beginn noch ein ganz anderes Gesicht zeigt. Sieht man jedoch vom unerwarteten Dubstep-Breakdown in „All That I’ve Ever Known“ ab, agieren MOTIONLESS IN WHITE größtenteils berechenbar und – anders als es das fragwürde Frontcover suggeriert – zahnlos. Das an die 80er angelehnte „Love At First Bite“ etwa ist textlich bisweilen zum Fremdschämen, während die Trance-/EDM-Einflüsse von „Blood Rave“ so tanzbar wie aalglatt ausfallen.

Modernen Trends eifert die synth-gestützte Alternative-Metal-Nummer „Count Back From Zero“ nach, „Blood Pact“ fehlt inmitten seiner donnernder Breitwandgitarren jegliche Spritzigkeit und mit seinem Sprechgesang in „Fight Like Hell“ tut sich Frontmann Chris Motionless ebenfalls keinen Gefallen. Bleibt mit dem furiosen „Afraid of The Dark“ immerhin ein Treffer, der Melodeath-Riffing mit einem erhebenden Refrain verbindet.

Die zelebrierte Mittelmäßigkeit auf „Decades“ wird MOTIONLESS IN WHITE nicht gerecht

Für ein komplettes Album ist das natürlich viel zu wenig, zumal die angedeutete Rückschau auf den eigenen Backkatalog qualitativ deutlich mehr hätte hergeben müssen, um nicht selbst zur unfreiwilligen Karikatur zu werden. Stattdessen zernudeln MOTIONLESS IN WHITE lieber Corey Harts 80s-Hitsingle “Sunglasses At Night”, die Chris Motionless’ markante Stimme nur dann vor dem Absturz retten kann, wenn man ein besonderes Faible für den Gesang des Frontmanns hat.

Am Ende bleibt überwiegend der Ärger: über das verschenkte Potenzial und über die zelebrierte Mittelmäßigkeit auf einem Album, das eigentlich so viel mehr sein wollte. „Decades“ hat den richtigen Grundgedanken, aber nicht den kreativen Geistesblitz, um bewährte Ideen neu zu denken. Vielleicht läuft die Songwriting-Maschine ja beim nächsten richtigen Jubiläum ein bisschen runder als zuletzt – das Vierteljahrhundert jedenfalls ist in nicht mehr allzu weiter Ferne, sofern uns die Apokalypse bis dahin nicht eingeholt hat.

Veröffentlichungstermin: 17.07.2026

Spielzeit: 53:47

Line-Up

Chris „Motionless“ Cerulli – Vocals
Ryan Sitkowski – Gitarre
Ricky “Horror“ Olson – Gitarre, Vocals
Justin Morrow – Bass, Backing Vocals
Vinny Mauro – Schlagzeug

Produziert von Drew Fulk und Justin DeBlieck

Label: Roadrunner

Homepage: https://www.motionlessinwhite.net/
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Instagram: https://www.instagram.com/motionlessinwhite

MOTIONLESS IN WHITE “Decades” Tracklist

  1. Decades
  2. log_in//crash_out
  3. R.I.P. (feat. Skylar Grey) (Video bei YouTube)
  4. Fight Like Hell
  5. Playing God (feat. Corey Taylor) (Lyric-Video bei YouTube)
  6. All That I’ve Ever Known
  7. Blood Rave (feat. Anthony Martinez)
  8. Love At First Bite
  9. Count Back From Zero
  10. Blood Pact
  11. Afraid Of The Dark (Video bei YouTube)
  12. Sunglasses At Night
  13. Hollywood (Bonus Track)
  14. Fight Like Hell (feat. Outlier – Alternate Version / Bonus Track)