MOTIONLESS IN WHITE: Scoring The End Of The World

Die Apokalypse als Spektakel: Statt blinder Zerstörungswut greift “Scoring The End Of The World” zu einer großen Tüte Popcorn. Im Zweifelsfall ist bei MOTIONLESS IN WHITE eben immer die Melodie Trumpf – nicht unbedingt originell, aber effektiv.

Fürchte dich nicht. Die Welt mag zugrunde gehen, doch immerhin wird es ein Spektakel – zumindest, wenn es nach MOTIONLESS IN WHITE geht, die schon mal provisorisch den Soundtrack für das Event des Jahrhunderts komponiert haben: „Scoring The End Of The World“ legt seine Rolle allerdings lange nicht so zerstörerisch aus, wie wir das ob des Titels vermuten könnten. Zwar legt „Meltdown“ mit aggressiven Vocals, drückenden Gitarren und rastlosen Synth-Attacken ziemlich ruppig los, zeigt uns aber nur eine Facette der Metalcore / Modern Metal-Formation.

Zwischen Sänger Chris Motionless und Gitarrist Ricky “Horror” Olson findet sich allein stimmlich schon eine große Bandbreite auf dem Album, weshalb das Faible der Musiker für eingängige Refrains und emotionale Melodiebögen auch auf „Scoring The End Of The World“ eine große Rolle einnimmt. Da gibt es etwa die eigentlich kitschige, aber doch gelungene Powerballade „Masterpiece“, den Modern-Metal-Stampfer „Sign of Life“ mit seinem catchy Mitsing-Chorus oder das gesetzte „Porcelain“, das ganz unverhohlen mit poppigen Versatzstücken hantiert.

Im Zweifelsfall ist bei MOTIONLESS IN WHITE die Melodie Trumpf

Dabei darf man natürlich kritisieren, dass MOTIONLESS IN WHITE nur selten wirklich aktiv versuchen, ihren Horizont zu erweitern. Zumeist spielt sich „Scoring The End Of The World“ eben doch auf bewährtem Terrain ab, egal ob das Quintett nun ein ähnlich gutes Melodiegespür an den Tag legt wie jüngst ICE NINE KILLS oder in „Slaughterhouse“ bzw. „B.F.B.T.G.: Corpse Nation“ ein paar knackige Breakdowns aus dem Ärmel schüttelt. Wobei wir an dieser Stelle dann doch ein wenig relativieren müssen: So richtig heavy werden MOTIONLESS IN WHITE eigentlich nie – im Fall der US-Amerikaner ist im Zweifelsfall die Melodie immer Trumpf.

Daher positioniert sich „Scoring The End Of The World” relativ deutlich im Metalcore-Mainstream, wo sich orchestrale Arrangements, Nu-Metal-Gitarren und Radio-Refrains auch gerne die Klinke in die Hand geben („Cause Of Death“) oder ein beschwingter Rhythmus zum Mitschunkeln einlädt („We Become The Night“). Überraschen können MOTIONLESS IN WHITE immerhin mit dem originellen Synthwave-Track „Werewolf“, wo sich überdies die eine oder andere 80er Referenz eingeschlichen hat.

“Scoring The End Of The World” zelebriert die Apokalypse mit einer Tüte Popcorn

Doch Originalität hin oder her, das Rezept funktioniert im Allgemeinen prächtig, auch weil die Details stimmen: Die Kollaboration mit Lindsay Schoolcraft (ex-CRADLE OF FILTH) verleiht dem futuristischen „Cyberhex“ einen dramatischen Anstrich, während die Rock’n’Roll-Attitüde im Crossover-Karussell „Red, White & Boom“ den idealen Spielplatz für Gastsänger Caleb Shomo (BEARTOOTH) darstellt. Die fünf Musiker wissen eben, wie man ein Spektakel aufzieht, selbst wenn es im Grunde mit der Subtilität einer Michael-Bay-Produktion auf ein Blockbuster-Publikum abzielt. „Be not afraid“, geben sie diesem im abschließenden Titelstück mit auf den Weg – mit MOTIONLESS IN WHITE lässt sich das Ende der Welt schließlich auch mit einer Tüte Popcorn genießen.

Veröffentlichungstermin: 10.06.2022

Spielzeit: 49:51

Line-Up

Chris „Motionless“ Cerulli – Vocals
Ryan Sitkowski – Gitarre
Ricky “Horror“ Olson – Gitarre, Vocals
Justin Morrow – Bass, Backing Vocals
Vinny Mauro – Schlagzeug

Produziert von Drew Fulk, Justin DeBlieck, Zakk Cervini (Mix) und Ted Jensen (Mastering)

Label: Roadrunner

Homepage: https://www.motionlessinwhite.net/
Facebook: https://www.facebook.com/motionlessinwhite

MOTIONLESS IN WHITE “Scoring The End Of The World” Tracklist

  1. Meltdown
  2. Sign Of Life
  3. Werewolf
  4. Porcelain
  5. Slaughterhouse (feat. Bryan Garris) (Video bei YouTube)
  6. Masterpiece (Video bei YouTube)
  7. Cause Of Death
  8. We Become The Night
  9. Burned At Both Ends II
  10. B.F.B.T.G.: Corpse Nation
  11. Cyberhex (Visualizer bei YouTube)
  12. Red, White & Boom (feat. Caleb Shomo)
  13. Scoring The End Of The World (feat. Mick Gordon)