MONOLORD: Neverending

Mit ihrem sechsten Album fächern MONOLORD ihre stilistische Varianz weiter auf: „Neverending“ ist musikalisch wie emotional mitreißend und beeindruckt durch das verknappte Songwriting.

„Neverending“ also. Puh, Glück gehabt. MONOLORD, die brav alle zwei Jahre neuen Stoner-Doom geliefert haben, ließen seit dem letzten Album „Your Time To Shine“ ganze fünf Jahre verstreichen. Wäre nicht die EP „It’s All The Same“ aus dem Jahr 2023 gewesen, man hätte denken können, dass MONOLORD eben doch ihr Ende fanden. „Neverending“ ist ein fast schon trotziger Titel, und die Band wirkt bereits auf den ersten Blick kraftvoll wie eh und je. Doch was heißt, „wie eh und je“? So richtig gut wurden MONOLORD erst, als sie das kompakte Songwriting und den klassischen Doom für sich entdeckten. MONOLORD ist also so eine Band, die von Album zu Album immer besser wird. Da kann man schon mal von sich selbst und dem eigenen Anspruch und dem eigenen Schaffen eingeschüchtert sein.

Seit „No Comfort“ suchen die Schweden nach der Quadratur des Kreises in der langsamen Heaviness. Sprich, nach dem Album, das sie alle zufriedenstellt: die Stoner Rock-Freund*innen, denen es nicht repetitiv genug sein kann, diejenigen, die es psychedelisch brauchen, das Klientel, das zermalmt werden will unter der Heaviness und die, die melancholischen Weltschmerz in ihrer Musik brauchen. „Your Time To Shine“ war schon nahe dran, das zu erreichen. MONOLORD setzen nun den Fokus neu und verknappen weiter, schließlich sind fünf der acht Songs kürzer als fünf Minuten. „Neverending“ startet mit dem cool rockenden „Iodine“ und der kompakten und auch wütenden Stoner Rock-Nummer „You Bastard“, bevor das Trio erstmals wirklich unter die Haut geht. „Inside A Collider“ verströmt die melodiöse Melancholie und lässt die Hörenden acht Minuten lang in PALLBEAREReske Sphären abdriften. Großes Kino!

Spätestens ab dem dritten Song von „Neverending“ ist MONOLORDs Songwriting praktisch unschlagbar.

MONOLORD, die auf ihren ersten beiden Alben fast schon provozierend repetitiv und überraschungsarm waren, stehen anno 2026 für Facettenreichtum. Konsequenterweise ist „Neverending“ ein sehr abwechslungsreiches Album. Der trockene, launige und doch schwermütige Rocksong „The Masque“ steht neben dem schwerfälligen, sehr bedrückenden „Oozing Wound“, „Crystal Bridge“ setzt im Interlude Percussions ein und das abschließende „It’s Neverending“ hat als Leadstimme nicht die von Thomas Jäger, sondern lässt Jörgen Sandström (ex-ENTOMBED, THE PROJECT HATE MCMXCIX, FIRESPAWN) brüllen, sodass MONOLORD erstmals in Richtung Sludge gehen.

Und genau hier ist „Neverending“ etwas irritierend, denn der Shift nach dem elegischen Stoner Doom-Song „Invisible“ ist ein sehr harter. Zwar fängt sich der Qausi-Titelsong nach einer Minute wieder und schenkt dem Album eine gefühlvolle Klimax, doch MONOLORD zeigen hier, dass sie Lust haben, ihr Publikum zu überraschen. Überraschend ist auch die Auswahl der Produzentin: Silvia Massys Sound ist gewaltig und brachial und doch sehr dynamisch. Die Gitarren und der verzerrte Bass sind voluminös, das Drumming trocken und doch auf dem Punkt, und der Gesang geht trotz der gesamten Lautstärke nicht unter. Das klingt sehr stark und ist durch den Mix ähnlich einschüchternd wie das, was NEUROSIS jüngst mit Scott Evans erreicht haben.

Keine Chance für Stoner-Doom-Klischees: MONOLORD legen auf „Neverending“ hohes Niveau an den Tag.

Gerade verglichen mit den frühen Alben der Band ist die Varianz auf „Neverending“ beeindruckend. Die Dynamik ist nicht nur musikalisch, sondern auch emotional gegeben: Das Trio spielt sich gegenseitig die Themen zu und lässt dadurch die unterschiedlichsten Emotionen entstehen. Besonders deutlich wird das bei der Interaktion von Bass und Gitarre auf „Invisible“. MONOLORD ist somit ein starkes Album geglückt, das nur am Anfang etwas Startschwierigkeiten hat, dann aber umso besser funktioniert. Die Schweden sind auf „Neverending“ meilenweit von Stoner-Doom-Klischees entfernt – das abermals großartige Artwork verdeutlicht das – und beweisen, welche Musik entstehen kann, wenn sich ein Trio über 13 Jahre lang konsequent gemeinsam entwickelt. Dann ist die Kreativität praktisch auch „Neverending“.

Wertung: 6,5 von 8

VÖ: 29. Mai 2026

Spielzeit: 43:09

Line-Up:
Mika Häkki – Bass
Esben Willems – Drums
Thomas Jäger – Vocals, Guitar

Label: Relapse Records

MONOLORD „Neverending“ Tracklist:

1. Iodine
2. You Bastard (Official Video bei Youtube) 
3. Inside A Collider
4. Crystal Bridge
5. Oozing Wound (Official Audio bei Youtube) 
6. The Masque
7. Invisible
8. It’s Neverending (Official Audio bei Youtube) 

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