Evergrey - Architects Of A New Weave Cover

EVERGREY: Architects Of A New Weave

Für ihre Verhältnisse gehen EVERGREY geradezu konservativ vor: Dem Songwriting fehlt bei aller Klasse der Mut, weshalb „Architects Of A New Weave“ zwar wertig, doch keineswegs essentiell ist.

Die Schwermut steckt ja schon im Bandnamen, das wollen wir keineswegs in Abrede stellen. Nichtsdestotrotz scheint Mastermind Tom S. Englund in den vergangenen Jahren zusehends in dieser Tristesse gefangen zu sein. Es ist nicht so, als klängen EVERGREY plötzlich durchweg depressiv – „Leaving The Emptiness“ erfüllt gar so etwas wie Zuversicht und Aufbruchstimmung – und doch ist es abermals die Melancholie, die der Musiker mit beiden Armen innig an sich drückt.

Ein Problem ist das nicht grundsätzlich, insbesondere weil „Architects Of A New Weave“ sehnsuchtsvolle Melodien und – aufgrund des berührenden Klargesangs – eine starke emotionale Seite aufweist. Zur Geltung kommt diese erstmals im Opener „The Shadow Self“, wo die tänzelnden Keyboards eine Prise Leichtigkeit beisteuern und dosierter Choreinsatz für Pathos sorgt.

Für ihre Verhältnisse gehen EVERGREY geradezu konservativ vor

Abseits des Gitarrensolos gehen EVERGREY hier jedoch auch sehr konservativ vor: Fordernde Arrangements oder gar unerwartete Kniffe hat die Formation vorerst wohl ad acta gelegt. Der Schwerpunkt liegt weniger auf Riffs denn auch einfühlsamen Gesangslinien und süßlichen Keyboardspuren. Diese melodische Seite des eigenen Sounds haben die Schweden beinahe perfektioniert: Der Titeltrack fließt geschmeidig, während sich das anschließende „The World Is On Fire“ in punkto Emotionalität gar an der Größe eines „Where August Mourns“ vom 2021er Werk „Escape Of The Phoenix“ orientiert.

Gleichzeitig drohen die einzelnen Stücke und Hooks im Verlauf des Albums ineinander zu verschwimmen: „Architects Of A New Weave“ ist enorm homogen konzipiert, wodurch die Konturen der Stücke zwischendurch an Strahlkraft verlieren können. Daher sind Songs à la „Heaven“ umso wichtiger, weil Englund hier mit Entschlossenheit die Stimme erhebt und zugleich das Tempo zumindest ein wenig anzieht.

Bei aller Klasse fehlt dem Songwriting auf „Architects Of A New Weave“ auch der Mut

Leider können jene Ausreißer in der zweiten Albumhälfte nicht gleichermaßen mitreißen, weshalb sich die üppige Laufzeit von rund 54 Minuten bei aller Güte der Kompositionen unweigerlich bemerkbar macht. Kauzig zeigt sich immerhin das zwischendurch angedeutete Göteborg-Riffing in „A Burning Flame“, wo sich Englund und Gastsänger Mikael Stanne (DARK TRANQUILLITY, THE HALO EFFECT) unaufgeregt, doch stimmig ergänzen.

„Chains Of Shame“ leidet im Gegenzug unter der dynamikarmen, leicht matschigen Produktion, die EVERGREY nicht gerecht wird und dem runden, doch auch sicher konzipierten Album höhere Weihen verwehrt. Seinem Namen wird „Architects Of A New Weave“ somit kaum gerecht: Für einen tatsächlichen Aufbruch fehlt dem Songwriting der Mut, wodurch die Schauwerte anno 2026 nahezu die gleichen bleiben: Melancholie und Schwermut mit einem kleinen Sprinkler Zuversicht. Das passt und ist elegant intoniert, nur eben nicht mehr ganz so aufregend wie vor fünf, zehn oder 15 Jahren.

Veröffentlichungstermin: 05.06.2026

Spielzeit: 53:35

Line-Up

Vocals and Guitars: Tom S. Englund
Guitars: Henrik Danhage
Keyboards: Rikard Zander
Drums: Simen Sandnes
Bass: Johan Niemann

Produziert von Tom S. Englund, Vikram Shankar und Adam „Nolly“ Getgood (Mix und Mastering)

Label: Napalm Records

Homepage: https://evergrey.net/
Facebook: https://www.facebook.com/Evergrey
Instagram: https://www.instagram.com/evergreyofficial/
Bandcamp: https://evergrey.bandcamp.com/

EVERGREY “Architects Of A New Weave” Tracklist

  1. Welcome To The Pattern
  2. The Shadow Self
  3. Architects Of The New Weave (Video bei YouTube)
  4. The World Is On Fire (Video bei YouTube)
  5. Heaven
  6. The Script
  7. Leaving The Emptiness (Video bei YouTube)
  8. Longing
  9. A Burning Flame (Video bei YouTube)
  10. Call Off Your Lions
  11. Chains Of Shame
  12. The Prophecy