ISKANDR: Sacraal

Dutch Can Dance: Die Evolution von ISKANDR geht weiter. „Sacraal“ ist noch zeremonieller und ritueller als sein Vorgänger.

ISKANDR gehört zu den spannendsten Projekten aus den Niederlanden, schließlich ist das einzige feste Bandmitglied, Sänger und Instrumentalist O. Iskandr alias Omar Kleiss (auch DOOL) fest entschlossen, vom Black Metal ausgehend in andere Welten zu driften. Das ist nichts wirklich Neues, viele vor ISKANDR haben schon den Black Metal in diese Richtung verlassen, aber „Sacraal“, das knapp drei Jahre nach „Spiritus Silvestris“ erscheint, treibt diese Entwicklung konsequent weiter fort, in eine teils bizarre, aber stets spirituelle Welt.

„Sacraal“ ist stilistisch heterogen und dennoch sehr kohärent: ISKANDR liegen anno 2026 zwischen Neofolk und Ambient.

Tatsächlich, „Sacraal“ zeigt ISKANDR so introspektiv und leise, wie nichts, das dieses Projekt zuvor veröffentlicht hat. Mal ist das „nur“ gut geworden, und mal geht es ganz, ganz tief. „Bevreemdend Klaroengeschal“ beginnt noch als Neofolk-Song, unauffällig, aber stimmig und das Album solide eröffnend. Direkt danach beginnt aber die wirkliche Magie. „Verdronken Vlinder“ besteht im Prinzip nur aus einem flächigen Synthesizer, ein paar subtilen Streichern und liturgisch anmutenden Gesängen. ISKANDR kommen hier in der absoluten Reduktion an und erreichen das Maximum. Ab diesem Moment liegen ISKANDR irgendwo zwischen DEAD CAN DANCE und CURRENT 93, aber so richtig wollen sie sich nicht fassen lassen. Sensationell schön. Diese Magie kann glücklicherweise wiederholt werden: „Melk en Honing“ geht in eine ganz ähnliche, erneut berührende Richtung.

Jeder der sieben Songs klingt anders, und doch schafft es O. Iskandr, das Album kohärent zu halten. „Zonsonderkomst“ ist mit knapp zwölf Minuten der einzig wirklich lange Song auf „Sacraal“, ein Ambient-Stück mit obskurem Sprechgesang, Trompeten, Synthesizern und hypnotischen LoFi-Beats gegen Ende, ein fast halluzinogener Song. Auch „Pilaren van de Zuivere Blik“ ist sehr getragen und voll feierlichem Ernst, mit wieder anderer Instrumentierung: mit Kontrabass und Klavier und später mit überraschender Heaviness. Die fast schon schüchterne Stimme wirkt dazu sehr feierlich. Dass ISKANDR dann mit sehr leisen Klavierstück „Glinster“ und dem wieder mehr rhythmischen, von Sitar getragenem „Bewegingen in het Afkoelende Zand“, das verzerrte Beats und eine entweltlichte Atmosphäre vereint, erzeugt ein Gefühl, als würde man zur Septemberequinox unter dem Sternenhimme liegen. So endet „Sacraal“ sehr subtil, vielleicht etwas zu subtil.

ISKANDR können sowohl leise und introspektiv, als auch rituell und hypnotisch: „Sacraal“ funktioniert in all seinen Facetten.

ISKANDR zeigen auf ihrem fünften Album eine große Bandbreite zwischen akustischer und elektronischer Musik. Stets organisch und bei allem Abwechslungsreichtum sehr geschlossen präsentiert sich „Sacraal“, das trotz aller ritualistischen und zeremoniellen Herangehensweise nicht aufgeblasen klingt, sondern die meiste Zeit intim und persönlich bleibt. Damit ist ISKANDR ein subtiles und leises, aber nicht zu leises Album gelungen, das immer wieder von magischen Momenten durchtränkt ist. Vielleicht ist „Sacraal“ nicht das aufregendste und mitreißendste, das ISKANDR bisher gemacht haben, aber es ist ein Slow-Burner und entfaltet seine Kraft in den richtigen Momenten umso nachhaltiger.

Wertung: 5 von 7 Gottesdienste

VÖ: 26. Juni 2026

Spielzeit: 40:36

Line-Up:
O. Iskandr

Label: Eisenwald

ISKANDR „Sacraal“ Tracklist:

1. Bevreemdend Klaroengeschal
2. Verdronken Vlinder (Official Audio bei Youtube) 
3. Zonsonderkomst (Official Audio bei Youtube) 
4. Pilaren van de Zuivere Blik
5. Melk en Honing
6. Glinster
7. Bewegingen in het Afkoelende Zand

ISKANDR „Sacraal“ Full Album Stream bei Youtube 

Mehr im Netz:

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