SKUGGOR: The Expanse

Komisch: Wo mir früher der Synthesizer als atmosphärische Untermalung naturmystischer Metal-Musik nicht nur taugte, sondern ich geradezu nicht ohne ihn konnte, erscheint er mir nun eher als unnötiger Ballast, als störend regelrecht. Klar, Ausnahmen bestätigen diese Regel, aber gehören SKUGGOR, die sich in Name und Artwork ja nun wirklich kaum mehr Wald und Wiese verschreiben könnten, auch dazu?

Eindeutig jein. Vielleicht liegt es daran, dass die Texte auf Englisch sind, vielleicht daran, dass ich mit dem Titel „The Expanse“ eine Science-Fiction-Serie assoziiere, aber SKUGGOR starten ihr neues Album ja auch noch mit irgendwie nach Weltraum klingendem Synthesizer, so dass es eine Weile dauert, bis die gewünschte Waldeinsamkeitsstimmung mich erreicht. Und die soll es ja erklärtermaßen sein: „The Expanse“ ist, na klar, eine naturverbundene Meditation über Leben und Tod und traditioneller Black Metal der melodischen, getragenen und atmosphärischen Sorte, mit ganz viel Wiederholung; und wer jetzt weiß, was ihn erwartet, der weiß das.

Der Synthesizer indes erwartet ihn am leidenschaftlichsten. Er ist das tragende Instrument hier, und in der richtigen Stimmung können SKUGGOR mit ihm durchaus Welten öffnen, die einem im Wald sonst verborgen bleiben: „Hem“ beispielsweise begeistert mit erhabener Melodik und epischer Atmosphäre, wie das sein soll. Sowieso setzt die zweite Hälfte des Albums nicht mehr ganz so stark auf die Kraft der Wiederholung, sondern es werden immer mal wieder Variationen eingestreut, die das erneute Hören spannender machen.

Schwieriger Sound, fehlende Dynamik: „The Expanse“ ist kein Highlight

Ein dickes Minus hat „The Expanse“ dann aber leider in puncto Klang zu verzeichnen: Sicher, das klingt alles nach 90er und alles andere als überproduziert, aber muss es denn so… egal klingen? Insbesondere das lasche Schlagzeug mit der dumpfen Snare ist mir ein Rätsel, und der Gitarrensound ist kratzig und sonst nicht so viel. Gut, so kommt der Synthesizer ordentlich zur Geltung, aber das ist dann auch alles.

Unterm Strich können SKUGGOR mit „The Expanse“ leider nicht vollends überzeugen, weil es trotz viel Atmosphäre und Know-How an Kohärenz und Dynamik mangelt. Selbst als sie in „The Storm“ einen – wer hätt’s gedacht – Sturm entfesseln wollen, mit Blast Beats und allem, fühlt sich der irgendwie gebremst und stockend an. Verlorene Zeit ist ein Spaziergang mit „The Expanse“ im Ohr zwar nicht, aber wenn ich daran denke, was beispielsweise FORNHEM mit einem ähnlichen Ansatz (aber eben ohne Synthesizer) an Kraft und Atmosphäre erzeugen können, werde ich für SKUGGOR leider keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen können.

Spielzeit: 34:45 Min.

Veröffentlichungsdatum: 04.09.2026

Label: Nordvis

SKUGGOR „The Expanse“ Tracklist

1. The Expanse (Audio als Stream)
2. The Fire (Audio bei YouTube)
3. The Trance
4. Hem
5. The Storm (Audio bei YouTube)
6. The Nothing