Bülent Ceylan - B.L.N.T. Cover

BÜLENT CEYLAN: B.L.N.T.

Ein Comedian, der nun bereits sein zweites Album veröffentlicht, noch dazu bei einem Big Player wie Napalm Records – das klingt ja erstmal nach einer Erfolgsstory. Aber ist das wirklich so? Wir haben uns erlaubt, mal genau hinzuhören!

Heavy Metal und Rockmusik scheinen, warum auch immer, plötzlich furchtbar hip zu sein. Drittklassige Soapdarsteller sitzen mit METALLICA-Shirts in viertklassigen Sendungen, halten aber „Blackened“ für eine neue Backmischung vom Discounter. Jeder, der auch mal furchtbar böse im Fernsehen gucken möchte, pommesgabelt einfach mal ein bisschen rum. Modeketten verbimmeln komplett auf Mainstream gebügelte Bandshirts und weil all das noch nicht reicht, treten harte Bands, oder solche, die sich dafür halten, plötzlich sonntagmorgens vor Busladungen von Schlagerrentnern im ZDF auf. Und genau bei diesem Publikum wird BÜLENT CEYLAN mit diesem Album punkten.

„Stumpf ist Trumpf.“: Nomen est omen! 

Für alle anderen ist dieses Machwerk einfach völlig uninteressant, um nicht zu sagen indiskutabel. Gleich im ersten Song bringt es CEYLAN auf den Punkt: „Stumpf ist Trumpf.“ Oder wie ich ihn nenne: Nomen est omen. Das Ganze soll wohl neue deutsche Härte sein, tatsächlich ist es nichts anderes als scooteresces Rumgeballer mit Vocals, für die auch ein Drittklässler im Aufsatz die Benotung „Thema verfehlt“ bekommen hätte. Mit dem Nachfolger „5 vor 12“ geht es direkt exakt so weiter. NDH-Müll at its best, der sich vom Einstiegssong nur dadurch unterscheidet, dass er im Refrain schamlos bei Peter Schillings „Die Wüste lebt“ klaut. Und wer jetzt meint, wir hätten die nach oben offene Peinlichkeitsskala schon bis ans Limit ausgereizt, der kann sich bei den kommenden beiden Songs vom Gegenteil überzeugen. Dabei, und das meine ich tatsächlich ernst, ist die Ballade „Wir haben gelebt“ musikalisch gar nicht sooooo schlecht. Aber eine textlich derartig offensichtliche Anbiederei an die Onkelz zertrampelt das gerade zaghaft angewachsene Pflänzchen der Hoffnung wieder gnadenlos. Das folgende „Wolfsherz“ dürfte inzwischen mehr als bekannt sein, ebenso die Tatsache, dass sich die selbsternannte „Metal Queen“ DORO (hier darf man durchaus anderer Meinung sein) inzwischen für jeden Mist hergibt. Gute Güte, was ein Gewimmer! Ich brauch ’ne Pause!

„Ich hab nen Pferdeschwanz oder Dauerwelle, Frauen fassen mir ins Haar, werden wuschig auf der Stelle.“ Echt jetzt?

Einmal durchgeatmet, es geht mit EBM der eher schlechten Sorte weiter, „Keiner kommt hier lebend raus“, dessen Refrain aber durchaus auch dem unheiligen Schlagergrafen gut zu Gesicht stehen würde. Und siehe da, Henning Verlage, seines Zeichens Mastermind hinter UNHEILIG, ist auch dabei. Man geht offensichtlich auf Nummer sicher! Zwischendurch wird noch ein bisschen mitten im Song rumgebrüllt. Das ist alles nicht schön. Ich mag nicht mehr. Deshalb beschränken wir uns für den Rest der Platte auf die schlimmste Peinlichkeit. Und es soll keiner sagen, ich hätte nicht vorher gewarnt!

Im Song „Lange Haare“ heißt es tatsächlich „Ich hab nen Pferdeschwanz oder Dauerwelle, Frauen fassen mir ins Haar, werden wuschig auf der Stelle.“ Echt jetzt? Na klar, man kann die Comedy von der Musik bei einem Künstler wie BÜLENT CEYLAN nicht trennen. Aber dann, lieber Bülent, mach doch ein Album mit lustigen Schunkelliedern für deine Zierlgruppe und halte den Metal da raus. Bei „Leck mich Tag“ wird es dann noch mal fremdschämend onkelfreiwildig im Text. Er scheint zu erahnen, was diese Platte an Kritiken einfährt, und teilt vorsorglich mal mit, dass es ihm wohl egal ist. Dann sind wir uns ja einig, dein Machwerk ist mir ebenfalls komplett egal. Was mich aber wirklich kolossal ärgert, ist, dass so ein musikalischer Tiefflug bei einem so namhaften Label erscheint, während sich da draußen weltweit ein Haufen großartiger Nachwuchsbands den Arsch abspielt, die nicht das Standing eines aus dem TV bekannten Komikers haben und deshalb wahrscheinlich niemals die Chance auf einen Labelvertrag haben. Na ja, nächstes Jahr meinetwegen auf WACKEN, vor zehntausenden Eventtouristen in H&M-Maiden-Shirts. Da wird dieser Mist funktionieren. Oder im ZDF-Fernsehgarten. Wobei … Da war er ja schon. Mit DORO. Und da schließt sich dann ein Kreis. Not my Kind of Metal!

Veröffentlichungstermin: 12. September 2026

Label:  Napalm Records

BÜLENT CEYLAN „B.L.N.T.“ Tracklist

  1. Stumpf ist Trumpf  (Video bei YouTube)
  2. Fünf vor Zwölf
  3. Wir haben gelebt
  4. Wolfsherz (feat. Doro) (Video bei YouTube)
  5. Keiner kommt hier lebend raus
  6. Habt euch endlich alle lieb (Audio bei YouTube)
  7. Lange Haare
  8. Randale und Radau (feat. Michael Rhein)
  9. Ein Hoch auf die beschissenen Zeiten
  10. Leck mich Tag
  11. Diktatürk (Video bei YouTube)
  12. Am Ende gut

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