Wie viel von VAFURLOGIs Debütalbum hängen blieb: wenig. So wenig, dass der Verfasser erst ein bisschen nachdenken musste, denn trotz damaliger eingehender Beschäftigung mit dem Debütalbum „Í vökulli áþján“ gab es kaum Erinnerung daran. Das passiert mit „Gneisti af eldi Guðs“ wohl nicht, denn die sieben Songs sind stürmisch, chaotisch, melodiös und episch. Im Prinzip vereinigen sie damit das, was guter Black Metal made in Iceland braucht. Perfekt ist das zweite Album des Duos nicht zwar, aber es ist – genau wie FORSMÁNs „Brenndar Rústir & Fuðrandi Fjörur“ – ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.
Auf „Gneisti af eldi Guðs“ vereinigen VAFURLOGI genau das, was richtiger guter Black Metal braucht.
„Gneisti af eldi Guðs“ will den Funken göttlichen Feuers versprühen, zumindest sagt das der übersetzte Titel. VAFURLOGI gehen auf ihrem zweiten Album in der Tat ziemlich feurig ans Werk haben aus den Schwachstellen im Songwriting gelernt. „Gneisti af eldi Guðs“ ist gleichzeitig Chaos und Harmonie, Passion und Gefühl, Furor und Epos. Die Band um Þórir Garðarsson (SINMARA und ex-SVARTIDAUDI) gibt sich in den sieben Songs der Impulsivität hin, ohne aber den Kopf ganz auszuschalten. Bei VAFULOGI führen deutlich Herz und Bauch. Dissonante Riffs und irrwitzig epische Leadgitarren sind parallel präsent und sorgen dafür, dass ihr zweites Album schnell ins Ohr geht, dass es sich beim Hören aber auch von Mal zu Mal etwas entwickelt.
Mit purer Leidenschaft errichtet das Duo Felsmassive aus Riffs und lässt diese Konstrukte immer wieder einstürzen. Clever ausgespielte Dynamiken und Tempowechsel sorgen dafür, dass sich die Songs entwickeln und immer wieder aufs Neue mitreißen. Ein Album voll purer Aggression könnte nie auf diese Art berühren. Damit gehören einige der Songs zum besten, was in diesem Jahr im Black Metal bisher zu hören war: „Af heilagri heift“ ist zu Beginn in Sachen Chaos noch etwas zurückhaltend, hat dafür viele atmosphärisch-starke Momente, sei es mit den Leadgitarren, den Spoken Words oder dem kurzen Synth-Interlude, das in den episch-rauschhaften Schlussteil fließt. „Vafurlogi“ schraubt sich mit zahlreichen dramatischen Melodien ins Hirn, „Vitjun“ klingt wie martialische PRIMORDIAL-Epen in doppelter Geschwindigkeit und raubt den Atem. „Úr himinsölum“ ist das große Highlight von „Gneisti af eldi Guðs“, hier verbinden VAFURLOGI alle Facetten des Albums: Wahnsinnige Raserei, Atmosphäre, Melodien zum Niederknien und eine unberechenbare Energie.
VAFURLOGI klingen spontaner und frischer als auf dem Debüt: „Gneisti af eldi Guðs“ zeigt eine Band, die bei sich ankommt.
Trotz der kalten Riffs ist „Gneisti af eldi Guðs“ ein heißblütiges Album, energiegeladen und mit einem fantastischen Sound, wie ihn nur Stephen Lockhart hinbekommt: Voluminös, roh, kratzig, wuchtig, direkt, verstörend. Selbst die Stücke, die nicht ganz das Niveau vom Rest halten, wie „Þegar rykið sest“ und „Earthly Vestiges“ das etwas zu lang geraten ist, liegen meilenweit über dem des Debütalbums. Nachdem VAFURLOGI mehrere Jahre am Debütalbum gearbeitet haben, liegen zwischen „Í vökulli áþján“ und „Gneisti af eldi Guðs“ weniger als zwei Jahre, und das tut dem Album gut. Gitarrist, Bassist und Sänger Þórir Garðarsson und Drummer Ragnar Sverisson klingen deutlich spontaner, frischer und aufgeweckter, und sind auf dem besten Weg ihre Identität zu finden und auszuspielen. Auf diese Art ist VAFURLOGI eine echte Überraschung geglückt, und ihr Zweitwerk „Gneisti af eldi Guðs“ wird dank seiner geballten Kraft zum besten isländischen Black Metal-Album der vergangenen Jahre. Ob in diesem Genre der göttliche Funke stecken kann, mag fraglich sein. Wenn es das aber gibt, hat dieser Funke „Gneisti af eldi Guðs“ entzündet.
Wertung: 8,5 von 10 Feuerwerke
VÖ: 26. Juni 2026
Spielzeit: 48:51
Line-Up:
Þórir Garðarsson – Vocals, Guitars, Bass, Songwriting, Lyrics
Ragnar Sverisson – Drums
Label: Norma Evangelium Diaboli / Oration
VAFURLOGI „Gneisti af eldi Guðs“ Tracklist:
1. Af heilagri heift
2. Þegar rykið sest
3. Vafurlogi
4. Að handan
5. Vitjun
6. Úr himinsölum
7. Earthly Vestiges
VAFURLOGI „Gneisti af eldi Guðs“ Full Album Stream bei Youtube
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