SOJOURNER: Gateways

„Gateways“ raus aus der Realität: SOJOURNERs viertes Album ist ein packendes, melodiöses Atmospheric Black Metal-Album, das nicht wegen seiner Härte punktet, des großartigen Songwritings wegen.

In der grauen, düsteren Realität sind Fantasy und Sci-Fi die besten Mittel, um etwas Ruhe zu haben, vor dem ganzen Makakentum heutzutage, um HELGE SCHNEIDER zu zitieren. Wie wertvoll ist da ein Album wie „Gateways“, das tatsächlich wie ein Portal in eine andere Welt führt? SOJOURNERs Eskapismus war nie wirksamer als heute, die Frage ist nur, ob es an der Entwicklung der Band, oder an der Entwicklung der Welt liegen mag.

In den sechs Jahren seit dem letzten SOJOURNER-Album war Mike Lamb mit seinen anderen Bands sehr aktiv. Als exzellenter Songwriter prägt seine Handschrift „Gateways“ natürlich deutlich. Seien es die Riffs, die Leadgitarren, die Keyboards oder die Klavierpassagen; die Nähe zu REMINA und LIGHT FIELD REVERIE ist nicht abzustreiten. Auch wenn SOJOURNER statt kosmischem Doom eine Fantasy-lastige Variante des melodischen Atmospheric Black Metal, zart gewürzt mit melodischem Death Metal spielen, ist die Nähe erkennbar. Und natürlich, mit Heike Langhans als neuer Sängerin fühlen sich SOJOURNER sehr vertraut an.

Es gibt deutlich aggressivere Alben als „Gateways“, SOJOURNER schreiben aber bessere Songs als die meisten anderen Atmospheric Black Metal-Bands.

Wie gut das sein kann, was diese auf der ganzen Welt verstreute Band erschaffen kann, zeigt sich gleich zu Beginn. „Dawnrays“ startet das Album langsam und baut das Szenario vom Piano ausgehend Stück für Stück auf: erst sanftes Klavier und Leadgitarren und schließlich ein rasanter Teil mit Tremolo-Riffs, schnellen Drums und Emilio Crespos aggressivem Gesang. Der clean gesungene Chorus von Heike Langhans repliziert im Black Metal-Kontext ein wenig das Beauty-And-The-Beast-Schema des Gothic Metals, die Formel des Songs ist aber so packend, dass dieses Klischee nicht stört. Auf dieser Basis ruhen sich SOJOURNER glücklicherweise nicht aus, „And The Paintings Fall“ variiert den Duettgesang stärker und verwebt das mit leidenschaftlichen Riffs und wird so zu einem der besten Songs von „Gateways“. Getragener ist „Lunar Tear“, das mit seiner Violine zu Beginn leicht folkig klingt, aber zunehmend aggressiver wird und mit schnellen Blast Beats die Zähne zeigt.

SOJOURNER instrumentieren ihre Songs üppig, achten aber darauf, sie nicht im Pomp zu ertränken. „Occultation“ bekommt die Kurve sehr gut, indem es im richtigen Moment die Komplexität zurückfährt. Auch ein Song wie „Epitaphs“, der melodiös und in getragenem Tempo die atmosphärische Seite der Band betont sorgt für etwas Dynamik im gesamten Albumkontext. SOJOURNER berühren hier mehr als nur einmal. Das abschließende „The Road Ahead“ bei dem Heike Langhans fast allein singt, fährt das Album runter, schlägt eine Brücke zu REMINA mit seinem getragenen Tempo und geht ganz tief unter die Haut – hier dürfen, auch trotz grimmigem Finale, die Tränen fließen. „Vvardenfell“ ist der einzige Song, den SOJOURNER nicht vollständig im Griff haben. Hier nehmen die folkigen Elemente fast überhand und Emilio Crespo, der hier den allergrößten Gesangsanteil hat, erzeugt einen zu scharfen Kontrast zum Rest der Musik. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau.

„Gateways“ sorgt nachhaltig für Gänsehaut: SOJOURNERs viertes Album nutzt sich auch nach vielen Durchgängen nicht ab.

Um ehrlich zu sein: Heike Langhans wertet jedes Album auch, so auch „Gateways“. Nicht nur ihre Stimme und ihre Gesangslinien, auch ihre Präsenz hebt das Album ab vom Großteil des melodischen Atmospheric Black Metals dieser Tage. Ohne Heike Langhans würden SOJOURNER ein Stück weit gewöhnlicher klingen. Aber: Die Songs sind so vielseitig und detailverliebt geschrieben, dass „Gateways“ eine schöne Realitätsflucht bietet, selbst wenn es nicht das originellste Album ist. DOMHAIN sind da etwas eigenständiger, aber SOJOURNER müssen sich nicht hinter all den melodischen Black Metal-Bands der letzten Jahre verstecken, im Gegenteil: SAOR und FALLS OF RAUROS sind grimmiger, PANOPTICON näher am Folk, FEN schauen mehr in Richtung Post Rock. Dazwischen finden SOJOURNER am Ende doch ihre eigene, kleine Nische und haben mit „Gateways“ ein Album geschrieben, das auch nach zehn Durchgängen nachhaltig begeistern kann.

Wertung: 6 von 7 Portale

VÖ: 10. Juli 2026

Spielzeit: 47:12

Line-Up:
Emilio Crespo – Vocals
Heike Langhans – Vocals
Mike Lamb – Guitars & Music
Mike Wilson – Bass
Riccardo Floridia – Drums

Label: Avantgarde Music

SOJOURNER „Gateways“ Tracklist:

1. Dawnrays (Official Audio bei Youtube) 
2. And The Paintings Fall (Official Audio bei Youtube) 
3. Lunar Tear (Official Audio bei Youtube) 
4. Occultation (Official Audio bei Youtube) 
5. Epitaphs (Official Audio bei Youtube) 
6. Vvardenfell (Official Audio bei Youtube) 
7. The Road Ahead (Official Audio bei Youtube) 

SOJOURNER „Gateways“ Full Stream bei Youtube 

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