Dry Wedding - The Back Of Beyond Cover

DRY WEDDING: The Back Of Beyond

Goth-Americana ist sehr wohl ein Genre: DRY WEDDINGs drittes Album „The Back Of Beyond“ ist ein ordentlicher Beitrag für diesen staubigen, aber nicht eingestaubten Bereich.

Im Staubmantel steht er da, der Revolverheld, den Hut tief ins Gesicht gezogen, die blutrote Dämmerung geht langsam in die Nacht über. Die Frage lautet: Wer würde in einem Duell gewinnen, kämpfte er gegen David Eugene Edwards oder Carl McCoy? Wären DRY WEDDING aus Portland, Oregon, die sich selbst als Heavy Gothic Western Post-Punk einsortieren, dieser geheimnisvolle Outlaw, er würde vermutlich nicht als der schnellste ziehen. So viel vorweg: 16 HORSEPOWER respektive WOVENHAND, frühen NICK CAVE AND THE BAD SEEDS und FIELDS OF THE NEPHILIM können DRY WEDDING nicht das Wasser reichen.

Auf „The Back Of Beyond“ bringen DRY WEDDING Post Punk und Noise Rock in das Genre.

Doch Vorsicht. „The Back Of Beyond“, das dritte Album von DRY WEDDING, zeigt, dass dieser Goth-Americana-Stil ziemlich heavy sein kann. Bereits „Arrowhead“ beweist das mit viel Dynamik und lässt sich Zeit, die einzelnen Elemente groß auszuspielen. Es wirkt ein wenig, als würden DRY WEDDING mit ihrem Opener die Lage sondieren – nicht zaghaft, aber etwas zu vorsichtig. „The Back Of Beyond“ hat viele Facetten, die Band zeigt sich mal aggressiv und heavy, mal geheimnisvoll und düster, wie es sich für in den Schatten stehenden Revolverhelden gehört. Was der Band aber besonders gut steht, sind die Momente, in denen sie die Fesseln lösen: „The Serpent Box“ ist fast ein Noiserock-Song, mit treibenden Rhythmen, starken Gitarrenleads und ganz viel Power. Auch das an KILLING JOKE erinnernde Post Punk-Stück „One Last Stand“, das easy zu einer D-Beat-Nummer umgebaut werden könnte, geht ins Ohr und in die Beine, und erzeugt mit dem düsteren Mittelteil Gänsehaut.

Aus den Augen verlieren sie am ehesten die längeren Songs, jene, in denen die Band fast schon narrativ agiert. „Sure As A Gun“ kommt nicht so recht in Schwung und verliert sich in den diversen einzelnen Parts. „Moth“, das eine klarere Richtung fährt und sich auf eine Klimax hinbewegt, macht das viel besser, selbst wenn die siebeneinhalb Minuten etwas straffer sein dürften. Mit „Shifting Wilderness“ gibt es dann noch eine düstere Prophezeiung zum Schluss, die das Album dann final in eine von Cormac McCarthy getränkte Ästhetik lenkt. DRY WEDDINGs Sound, der auch prärieaffinen UNTO OTHERS-Fans gefallen dürfte, ist somit weniger originell, als es die Band uns weismachen will, aber über weite Strecken schlicht und ergreifend gut.

DRY WEDDING profitieren von der hervorragenden Produktion, die „The Back Of Beyond“ allein schon hörenswert macht.

Der Sound von „The Back Of Beyond“ ist großartig, die Instrumente haben viel Raum, wohl auch weil DRY WEDDING nicht alles mit Riffs ersticken. Die Musik hat Platz zum Atmen, sodass es nicht stört, dass Sänger Davey Ferchow nicht immer im Vordergrund steht. Etwas mehr Gesangsvariation wäre indes schön gewesen, denn Ferchow ist eben auch kein David Eugene Edwards. All das zusammengenommen verleiht den sieben Songs eine gewisse Liveaura, lässt sie lebendig und sehr kraftvoll wirken. DRY WEDDING sind sattelfeste Cowboys, die nur in bei ihren längeren Stücken aufpassen müssen, dass sie nicht vom sprichwörtlichen Pferd fallen. Kurz: „The Back Of Beyond“ kann man gut hören, vor allem in dieser jetzigen Hitzewelle, in denen sich Gärten in Wüsten verwandeln. So richtig hängen bleiben DRY WEDDING aber noch nicht – wer in diesem Genre nach neuem dürstet, sollte aber reinhören.

Wertung: 4,5 von 7 Staubmäntel

VÖ: 24. Juli 2026

Spielzeit: 38:12

Line-Up:
Davey Ferchow – vocals, guitar
Jarrod Green – guitar, synth
Chadwick Ferguson – bass
Tom Fuller – drums

Label: Vesperian

DRY WEDDING „The Back Of Beyond“ Tracklist:

1. Arrowhead
2. The Serpent Box
3. Sure As A Gun
4. Blood-Red Vengeance
5. One Last Strand
6. Moths (Official Video bei Youtube)
7. Shifting Wilderness

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