HULDER: Verbolgen

Ist es nicht erstaunlich, wie charakteristisch ein von Menschen erschaffenes Gemälde sein kann? Irgendwas ist da dran, was du nicht richtig fassen kannst, ähnlich wie beim „Uncanny Valley“ bei von KI erstellten Bildern, aber eben positiv: Das kennst du doch, das erinnert an etwas, und wenn es nur ein Gefühl ist. Ein Blick auf die neue HULDER, und du weißt, wohin die Reise geht: in die 90er.

Das Cover-Artwork des dritten HULDER-Albums „Verbolgen“ stammt nämlich von einer Künstlerin, die zuletzt 1996 für eine Metal-Band tätig gewesen ist (HADES): Morrigan von AETERNUS ist es, und von eben jenen ist bei HULDERs drittem Streich auch Drummer Vrolok am Start (auf vier Liedern jedenfalls), handelt es sich bei HULDER doch um eine zweiköpfige Band aus eben Hulder selbst und einem Typen namens Necreon.

Auf die Fahnen geschrieben hat man sich den guten alten 90er-Jahre-Black-Metal. Lieben will ich HULDER dafür schon seit ihrem ersten Album, allein, gelungen ist es mir bislang noch nie. Nun aber ist sie wieder da, will ihren Sound mit akustischen Instrumenten aufgepeppt haben und insgesamt größer und voller klingen, und die Single „In Blood And In Oath“ mit ihrem interessanten Rhythmus und ihrer epischen Atmosphäre gefällt mir, also immer her damit.

Und nicht nur die kann einiges, auch das Album als solches startet sehr stark: Das Intro „Drie Raven“ wartet mit wehmütigen Flötentönen auf, die stilvoll überleiten in den ersten großen Hit des Albums: „The Crowning“ ist der perfekte Opener, trägt die unheilschwangere Atmosphäre weiter und begeistert durch eine wehmütige Melodie. „Thy Binding Oath“ kann ebenfalls einiges, lässt aber schon erkennen, dass HULDER auch anno 2026 noch nicht am Zenit ihres Schaffens angekommen sind.

Zuviel Wiederholung, zu wenig Raffinesse – „Verbolgen“ bleibt Mittelmaß

Denn sie setzen, ähnlich wie die Genre-Kollegen von HANTERNOZ neulich, zu viel auf Wiederholung, und da das Album nicht auf Rhythmus, sondern Atmosphäre produziert ist (die Bassdrum ist viel zu leise für die rhythmusbetonten Parts), kann das über die volle Länge nicht tragen, und man läuft Gefahr den Fokus zu verlieren. Die Blastbeats in „…And We Shall Sing“ sind ein prima Gegenmittel gegen die drohende Monotonie, aber dieses Stilmittel wird noch zu selten eingesetzt. Stattdessen langweilt „Den Nacht Zijn Lied“ zwar nicht in puncto Sprache (es wird ein altes Deutsch verwendet), dafür aber mit Double-Bass-Teppich, der schlimmsten Seuche, die das Black-Metal-Genre jemals hervorgebracht hat.

„View From Nemeton“ packt mich dann erst wieder: Blast-Beats und flotter Marschrhythmus gehen eine sinnvolle Verbindung ein, nur die Gitarren könnten etwas abwechslungsreicher sein, so dass der Song dann doch wieder zu lang wird. Am Ende will es mit „The Glow Of Dawn“ dann nochmal episch werden; das rein instrumentale Stück wirkt aber eher wie ein Aneinanderreihen von Songideen und versinkt plötzlich im Nichts.

Zwei Bonus-Tracks halten sie noch parat, einer davon rein akustisch, aber da will auch irgendwie keine Begeisterung mehr aufkommen. Ja, irgendwas ist leider immer mit HULDER, und so bleibt auch „Verbolgen“ trotz 90er-Atmosphäre und -Cover und zweifelsohne vielen guten Ansätzen im Mittelfeld stecken.

Spielzeit: 48:31 Min.

Veröffentlichungsdatum: 07.08.2026

Labels: Season Of Mist & 20 Buck Spin

HULDER „Verbolgen“ Tracklist

1. Drie Raven (Intro) (2:18)
2. The Crowning (6:28)
3. Thy Binding Oath (5:38)
4. Verbolgen (4:01)
5. …And We Shall Sing (6:01)
6. In Blood and In Earth (7:09) (Video bei YouTube)
7. Den Nacht Zijn Lied (6:45)
8. View From Nemeton (5:23) (Video bei YouTube)
9. The Glow of Dawn (4:48)