Zunächst einmal: sehr schön aussehen. Was Malerin und Musikerin Joanna Mayens (Lesern dieser Seiten und Antiq-Kennern durch CERCLE DU CHENE bekannt) hat sich mit dem Cover-Gemälde locker selbst übertroffen: Zu sehen ist Gevatter Tod himself, in seiner bretonischen Version als „Ankou“, womit nicht nur der Tod, sondern auch die Angst vor dem Tod gemeint sein soll, und seinen Karren zieht ein Verfluchter, nicht tot, nicht lebendig, aber immer gut zu tun. Gezogen wird der Karren durch eine romantische Sonnenuntergangslandschaft, ich liebe es und will’s mir an die Wand hängen.
Aber will ich „A Hed an Noz, a Noz, a Noz“ dazu auch immer wieder auflegen? Musikalisch hat Hyver, Gitarrist und Sänger der Band, nämlich in all seinen Projekten trotz der großen Erfahrung noch deutlich Luft nach oben, sind sie doch zwar vom Ansatz her interessant, aber musikalisch zu gewöhnlich, um mich dauerhaft zu begeistern; so erschien letztes Jahr ein Solo-Album in der Form einer „Abenteuer-Spiel-CD“, bei der man die Reihenfolge der Lieder selbst bestimmen kann. Fand ich toll, aber leider langweilig und wurde dann entsprechend von mir nicht mit einer Rezension bedacht.
Musikalisch bietet „A Hed an Noz, a Noz, a Noz“ leider nicht genug
HANTERNOZ möchte ich dieses grauenhafte Schicksal ersparen, wenngleich ich auch hier sagen muss, dass die Verpackung mehr verspricht als der Inhalt letztlich zu liefern vermag. Denn die Formel der Band ist schnell erzählt: Über einem Fundament aus klassischem Pagan-Black-Metal wird gekeift, was das Zeug hält, das Schlagzeug bewegt sich relativ banal zwischen Blast Beats und Marschtempo, und als Höhepunkte der Lieder präsentieren sich jeweils ein-zwei traditionell bretonisch inspirierte Melodien. Diese immerhin wissen zu gefallen und sorgen vor allem dann, wenn sie mit melodischem Gesang unterstützt werden, für Ansätze von Gänsehaut.
Allein, das reicht nicht, um neben dem Preis für eines der schönsten Cover-Gemälde des Jahres wirklich mehr als eine Trost-Sense zu gewinnen. Ich wäre gnädiger, wenn die Lieder nicht so lang wären. Jedes einzelne von ihnen ist viel, viel zu lang, und die musikalischen Einfälle tragen einfach nicht über diese Distanz. Vor allem „La peste a Limoges“ ist 10 Minuten pure Monotonie – okay, der Künstler möchte einen kindlichen Alptraum von an der Pest gestorbenen Kindern damit verarbeiten, vielleicht hat das einen Sinn, aber müssen es wirklich zehn Minuten sein? Eine wahre Wohltat ist es da, wenn danach ein akustisches Folklore-Instrumental folgt, aber da die akustischen Instrumente ansonsten in den Metal-Stücken gar nicht vorkommen, wirkt es doch etwas verloren. Danach kommt zwar mit „Jean-du-Feu“ immerhin noch das beste Stück des Albums, aber insgesamt krankt das Album am gleichen Problem wie schon der Vorgänger.
Und bietet für mich daher leider nicht genug. Aber wer des Französischen mächtig ist, sich nicht allzu sehr am sehr traditionellen und einfachen musikalischen Gerüst der Band stört und zudem einfach jedes Album, das Folk und Black Metal mischt, hören muss, dem sei „A Hed an Noz, a Noz, a Noz“ durchaus ans Herz gelegt, bietet es doch mit seinem wunderschönen Cover und den konzeptionell spannenden Texten (der Künstler verarbeitet sowohl eigene Erfahrungen als auch bretonische Sagen) allemal genug zur kontemplativen Beschäftigung beim Karrenziehen.
Spielzeit: 56:34 Min.
Veröffentlichungsdatum: 03.08.2026
Label: Antiq
HANTERNOZ „A Hed an Noz, a Noz, a Noz“ Tracklist
01 Sur le Chemin des fées
02 La Lessive des Trépassés (Audio bei YouTube)
03 Le Diable de Quimper-Corentin
04 La Peste à Limoges
05 Pe trouz War an Douar
06 Jean-du-Feu (Lyric-Video bei YouTube)
07 Quand j’ai tué le Roi de la Forêt