HANTERNOZ: Au Fleuve de Loire

Reingelegt! Das stimmige Artwork, ein gelungener Vorabsong, Typen, die bei VÉHÉMENCE dabei sind und die hinter dem spannenden Label ANTIQ stecken – das kann doch nicht in die Hose gehen, oder? Oder? Ganz so schlimm ist es nun nicht. Aber HANTERNOZ, die mit „Au Fleuve De Loire“ ihr drittes Album veröffentlichen, hätten Potenzial für weit mehr gehabt – und das, obwohl sie nicht gerade tief stapeln. Doch gerade das löst das Dilemma der Bretonen aus. Die Schwelle zum Kitsch wird häufig gesprengt, und zwar so arg, dass selbst ENSIFERUM die Trinkhörner vor Schreck aus der Hand fallen.

Dabei beginnt das Album wirklich vielversprechend: „À Cul de Grève“ lässt an PRIMORDIAL circa 1998 – 2002 denken, vereint Power und Epik, eine gewisse Grimmigkeit und solide Melodien, die nicht sofort nerven. Im weiteren Verlauf meinen es HANTERNOZ aber etwas zu gut mit den folkloristischen Einflüssen. Die Flöte in „Ce Que le Fleuve a Pris“ ist furchtbar penetrant und lässt vergessen, welch starken Mittelteil das Stück eigentlich hat. „L’Hanterdro de Languidic“ klingt nach frühen MOONSPELL mit ihren folkigen Momenten, irgendwo zwischen „Under The Moonspell“ und „Wolfheart“, hat aber nicht den Charme der damaligen Zeit. Immerhin fällt spätestens hier auf, dass Hyvermor entfernt wie der damalige, grantig-krächzende Langsuyar klingt – ein klarer Sympathiepunkt.

HANTERNOZ haben Potenzial und starke Ansätze, doch „Au Fleuve de Loire“ überzeugt nur selten wirklich

Mit zunehmender Spielzeit klingt „Au Fleuve de Loire“ dann immer beliebiger, was „Vieille nasse Crevée“ und „Hérons dans ma Mémoire“ verdeutlichen. Schade, denn teilweise finden sich in den bis zu zehnminütigen Stücken starke Riffs, die auch länger im Ohr bleiben. Doch als Gesamtheit funktionieren die Songs nur selten, immer wieder geht den beiden Musikern, ergänzt um Sessiondrummer Isarnos, die Luft aus. Zumindest ist der Eindruck über das ganze Album hinweg dann doch wieder recht stimmig. Die keltische bis heidnische Atmosphäre kommt gut rüber und wirkt nicht aufgesetzt. HANTERNOZ halten das aufrecht, egal ob das Material hymnisches klingt oder ob es rasant und schwarzmetallisch wird. Packende Nummern wie den simplen, charmant-punkigen Prügler „Le Roi René a Fait Mander“ mit seinem getragenen Finale hätte es aber gern mehrere geben dürfen.

HANTERNOZ haben viel Potenzial: Eine große Auswahl an Stimmungen, Instrumenten und Stilmitteln finden sich in dieser Stunde Musik. Vor lauter songschreiberischem Eifer vergessen die beiden Protagonisten Hyvermor und Sparda dabei häufig, den Hörer mitzunehmen. So vermisse ich an „Au Fleuve de Loire“ die Intensität, auch trotz aller Leidenschaft, die HANTERNOZ an den Tag legen; sie mag bis auf wenige Ausnahmen einfach nicht auf den Hörer überspringen – und genau dann klingt es eben beliebig. Aber vielleicht bin ich nur besonders kritisch, weil Hyvermor mit VÉHÉMENCE so ein unglaublich gutes Album erschaffen hat. Spielerisch und dank dem Sound von Stefan Traunmüller handwerklich ist alles in Ordnung, aber um wirklich im folkigen Pagan Black Metal ein Aufhorchen zu erzeugen, hat „Au Fleuve de Loire“ nicht das Zeug.

Wertung: 5 von 9 Krötenteiche

VÖ: 3. Mai 2021

Spielzeit: 63:30

Line-Up:
Hyvermor – Guitars, flutes, vocals
Sparda – Bass, back vocals, choirs, Hurdy-Gurdy

Sessionmusiker:
Isarnos – Drums
Stefan Traunmüller – Guitar
Geoffroy Dell’Aria – Bagpipes, flutes, percussions on “L’Hanterdro de Languidic”
Spellbound, Cervantès, Géraud – Guest Vocals

Label: Antiq Records

HANTERNOZ „Au Fleuve de Loire“ Tracklist:

1. Déjà la Nuit
2. À Cul de Grève (Audio bei YouTube)
3. Ce Que le Fleuve a Pris
4. L’Hanterdro de Languidic
5. Vieille Nasse Crevée (Lyric-Video bei Invisible Oranges)
6. Bateliers de Loire (Audio bei No Clean Singing)
7. Le Roi René a Fait Mander
8. Hérons dans ma Mémoire
9. Bientôt la Nuit

Mehr im Netz:

https://hanternoz.bandcamp.com/
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