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CYPECORE: Make Me Real

Mit Finesse in eine neue Zukunft: CYPECORE erweitern auf “Make Me Real” ihr musikalisches Repertoire, indem sie den Blick noch mehr aufs Detail richten.

Einhundert Jahre in der Zukunft spielt die postapokalyptische Gesellschaft, auf die CYPECORE nun zum fünften Mal das Scheinwerferlicht rücken. Es ist eine düstere, oft trostlose Welt, die vor dem Hintergrund aktueller weltpolitischer Entwicklungen und dem Säbelrasseln großer Nationen fast schon als unbequemer Ausblick interpretiert werden könnte.

Dass der Titel „Make Me Real“ in diesem Kontext zum mahnenden Fingerzeig gerät, ist wohl eher dem Zufall geschuldet, obgleich die namengebende Ballade im Kern die Gefühlslage so vieler gebeutelter Seelen einfängt: Den ewigen Kampf zwischen Hoffnung und der ernüchternden Realität vertonen CYPECORE mit latenter Schwermut, während sie zugleich ihr musikalisches Spektrum erweitern. So nachdenklich und in sich gekehrt haben wir das Quartett bislang nicht erlebt; insbesondere Frontmann Dominic Christoph liegt der Weltschmerz hörbar auf der Brust.

Mit “Make Me Real” wagen CYPECORE den Schritt in eine neue Zukunft

Für die Mannheimer ist „Make Me Real“ somit ein ganz entscheidendes Werk, wagen sie mit ihm doch den Schritt in eine neue Zukunft: Das Fundament lässt die Band zwar unangetastet, indem futuristische Synthesizer dem kalten Industrial-Melodeath-Mix einen organischen Unterbau spendieren. Vom oft walzenden, beizeiten brachialen Vorschlaghammer verabschieden sich CYPECORE allerdings zusehends. So lässt nicht nur Christophs gesteigerter Gesangsanteil mehr Wärme zu, auch die Leadgitarre umgarnt den Fronter im Refrain von „Neoteric Gods“ mit Feingefühl.

Finesse ist das entscheidende Attribut, das sich im Songwriting und insbesondere den Details bemerkbar macht. Exakt die kleinen Dinge sind es, welche die Vision des Jahres 2124 greifbarer denn je machen: Die GOJIRA-artigen Slides in „Neoteric Gods“, die dezenten Drum-Computer in „Pinnacle Of Creation“ sind nur zwei Beispiele, wie CYPECORE ihre Klangwelt anreichern. Letztgenanntes zeigt zudem, wie man Standard-Songschemata effektiv durcheinanderschüttelt, ohne die Eingängigkeit zu opfern: Rund um die beiden Refrains platzieren die Musiker derart geschickt so viele kleine Ideen, dass wir den Abwechslungsreichtum beinahe als selbstverständlich hinnehmen.

CYPECORE richten den Blick aufs Detail

Ein Trugschluss, wie ein Blick auf das Frühwerk der Formation zeigt, dessen Durchschlagskraft „Make Me Real“ im Gegenzug kaum noch erreicht. Obschon das stampfende Industrial-Riff in „I’ll Be Back“ immer noch mit Wucht die Nackenmuskulatur strapaziert, wippen wir angesichts der beinahe beschwingten Synthesizer von „King Of Rats“ mit seiner zwischendurch eingeschobenen IN FLAMES-Hommage lieber unschuldig hin und her. Gerade vom teils unnachgiebigen Grundtenor der Vergangenheit rücken CYPECORE nun in überlegter Weise ab – angesichts der relativ bündig gehaltenen Gesamtlaufzeit kein allzu großes Manko, wenngleich wir uns in der zweiten Hälfte zumindest eine schnelle Nummer gewünscht hätten.

Weil wir die Variation stattdessen im Detail suchen und finden sollen, ist das dreiminütige Synth-Wave-Outro als Alternative gar nicht so schlecht gewählt. Schließlich ist es für uns die beste Gelegenheit, die eigene Anspannung fallen zu lassen, bevor wir uns ein weiteres Mal in die Zeitmaschine setzen. Warum wir uns freiwillig dorthin begeben, obwohl die Welt in 100 Jahren nach der Vorstellung CYPECOREs nicht unbedingt ein einladender Ort zu sein scheint? Natürlich, um auch die letzten Details der penibel ausgearbeiteten Stücke aufzuspüren, während wir uns gleichzeitig mit jener Realität anfreunden, auf die wir als Menschheit in letzter Zeit noch ein wenig schneller als gewohnt zusteuern.

Veröffentlichungstermin: 26.04.2024

Spielzeit: 38:36

Line-Up

Dominic Christoph – Vocals
Nils Lesser – Guitar
Pascal Oleijnik – Guitar
Ex07 – Drums

Produziert von Nils Lesser

Label: Vaaultroom Records

Homepage: http://www.cypecore.com/
Facebook: https://www.facebook.com/Cypecore

CYPECORE “Make Me Real” Tracklist

  1. Intro
  2. Neoteric Gods (Video bei YouTube)
  3. Pinnacle Of Creation
  4. Doomsday Parade (Audio bei YouTube)
  5. Make Me Real (Video bei YouTube)
  6. King Of Rats
  7. Fragments
  8. I’ll Be Back (Video bei YouTube)
  9. Patient Zero (Visualizer bei YouTube)
  10. Outro
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