Today I have really something special: „Remains Remain“ ist nämlich schon im Oktober 2025 erschienen und aber erstaunlicherweise weder mir noch vielen anderen, ähnlich irren Black-Metal-Nerds in den Fokus geraten. Erst als die Band für das diesjährige „Antifascist Black Metal Gathering“ in Winterthur (CH) – die Band kommt daher, was gäbe ich drum, wenn es so eine tolle Szene auch im Ruhrpott gäbe! – bestätigt wurde, hab ich sie mir angehört – und war so sehr von den Socken, dass ich hier einfach mal ein Review aus der Reihe dazu schreibe.
Schon die Vorgängerband FORLET SIRES (IRR bestehen aus dieser minus dem Sänger) lief wohl eher unter dem Radar trotz einiger begeisterter Reviews auf Bandcamp, aber warum IRR bisher nicht für Begeisterungsstürme gesorgt haben in der Untergrund-Presse (ich habe nur einen gefunden), ist mir wirklich ein Rätsel. Nicht nur machen sie alles richtig, nein, sie haben mit Sebastian Vogt (MEGATON SWORD und WLVS) und Daniele Brumana (MEGATON SWORD) auch noch alles andere als unbekannte Leute in ihren Reihen. (Apropos MEGATON SWORD: Die sind ja auch total geil.)
Jeder Song ein Hit
Aber der Reihe nach: IRR spielen eine unwiderstehliche und ungemein eingängige Mischung aus eingängigem Black Metal und eingängigem Death Metal, wobei der Fokus eher auf dem Schwarzen als auf dem Toten liegt, aber hinzu kommt ja noch eine gewaltige Schüppe Eingängigkeit in Form von Groove, Rotz und Rock’n’Roll, so dass man, wenn man völlig bescheuert ist, sogar von „Black’n’Roll“ sprechen könnte, aber ich spreche lieber von Eingängigkeit. Weil die Band sehr eingängig ist!
Allein wie geil das Album startet: mit einem herrlichen Tom-Snare-Geballer, das flugs in Double-Bass-Gewitter unter hymnischen Black-Metal-Riffs übergeht, dann dieser fiese, tiefe Grunzgesang, und plötzlich ist da ein D-Beat und ein gemeines Krächzen schleicht sich rein, ach, herrlich ist das, ein reiner Hit. Und so geht es weiter: Jeder, wirklich jeder Song aus „Remains Remain“ vermengt unwiderstehliche Rhythmik mit hymnischen, melancholischen Melodien und einer gewaltigen Fuck-Off-Attitüde, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang übers Ziel hinauszuschießen.
Ja, sogar die Produktion ist gerade genau so fett wie sein muss, ohne unangenehm zu werden, und wie professionell alle Elemente ineinander greifen, ohne dass es irgendwie zu steril wirkt, ist bemerkenswert und sicherlich auch der herausragenden Kompositionsklasse zu verdanken, der wir hier beiwohnen dürfen: Jedes Riff, jeder Schlag sitzt und muss genau da sein, und jede Gesangsvariation – Grunzen, Keifen, Brüllen – ist gerade genau die richtige. Ja, mit „Crestfallen“ haben IRR sogar eine echte Hymne mit klarem Gesang am Start, bei der man sich fragt, warum Daniele Brumana nicht häufiger singt, ist seine Stimme doch offenbar geradezu prädestiniert für epische Metal-Songs.
Die Welt ist schlecht
Leider bleibt das aber der einzige Song mit ihm am Mikro. Dass ich mich für dieses „leider“ beinahe schäme, liegt daran, dass die Band nach „Crestfallen“ noch drei weitere Knaller raushaut, die so gut (und so schön melodisch) sind, dass sie eben auch ohne Klargesang perfekt funktionieren: Vor allem „Mass Of The Earth“ sticht heraus, ist pure Epik, pures Gefühl, ein tiefschwarzer und wahnsinnig unterhaltsamer Abgesang auf die Welt und – wie das ganze Album – eine gnadenlose Ode auf das Ende, in dem wir leben.
Wenn „Remains Remain“ mit dem Titelsong nach nicht einmal 34 Minuten dann plötzlich endet, will ich vor allem eins: mehr. Und die Metal-Welt schütteln und bitten, dass sie die Jahresendlisten von 2025 nochmal überdenkt: IRR müssten da drauf sein. Glaubt es mir!
Spielzeit: 33:49 Min.
Veröffentlichungsdatum: 25.10.2025
Labels: Monastyr & Berggeflyster
Tracklist – IRR – „Remains Remain“
- The Shallow Graves
- Unbound
- Eternal Immurement
- Crestfallen
- I Am The Flame
- Mass Of The Earth
- Remains Remain