Muse - The Wow! Signal Cover

MUSE: The Wow! Signal

Extravagant und experimentierfreudig: Auf „The Wow! Signal“ schöpfen MUSE ihre stilistische Bandbreite in gewohnter Manier aus, indem sie frische Ideen in einen vertrauten Rahmen packen.

Wir Menschen sind schon eine seltsame Spezies: Fasziniert vom Unbekannten sind wir doch verheiratet mit der eigenen Gewohnheit. Wir fühlen uns wohl in unserem vertrauten Rahmen, doch blühen oft erst so richtig auf, wenn das Mysterium lockt. Was da draußen wohl noch warten mag? Sind wir wirklich allein im Universum oder gibt es noch eine weitere, vielleicht sogar höhere Existenz?

Fragen, welche die Radioastronomie seit Ende der 70er Jahre beschäftigt hat und die Matt Bellamy nicht nur im Titel des zehnten Studioalbums aufgreift. Das 72-sekunden lange „Wow!-Signal“ nutzt der MUSE-Bandkopf als Aufhänger für eine Dreiviertelstunde Megalomanie, welche die Briten von Introspektion über existenzielle Überlegungen bis hin zur Sinnsuche trägt.

MUSE knüpfen wieder stärker am eigenen Frühwerk an

Dass die Rock-Giganten infolge dieses Ansatzes wieder stärker am eigenen Frühwerk anknüpfen, ist ein angenehmer Nebeneffekt, wenngleich sich das Trio keineswegs vom mitunter überbordenden Kitsch der letzten Jahre lossagt. Das unterstreichen die sakralen Orgelharmonien von „Be With You“, wo sich ein überraschend optimistischer Bellamy zum Synth-Beat mit süßlich-schmalziger Note nach spiritueller Erleuchtung verzehrt.

Dick aufgetragen wird zudem in der Ballade „Shimmering Scars“, wo Piano und Orchester den MUSE-typischen Bombast beisteuern. Gesanglich fehlt es freilich nicht an Pathos, obschon Matt Bellamys Falsett auf „The Wow! Signal“ oftmals dezent heiser und dünner wirkt als in der Vergangenheit.

Auf „The Wow! Signal“ schöpfen MUSE ihre stilistische Bandbreite in gewohnter Manier aus

Was die Band aber keineswegs verlernt hat, ist es, ihre stilistische Bandbreite größtmöglich auszuschöpfen: Lehnt sich der düster-orchestrale Space-Rocker „The Dark Forest“ noch vorsichtig an „Knights Of Cydonia“ an, bringt das funky „Nightshift Superstar“ unmittelbar tanzbare Disco-Vibes mit sich, während Chris Wolstenholme mit smoothen Läufen den Bass zum heimlichen Protagonisten erhebt.

Satte Riffs und verspielte Lead-Gitarren zeichnen derweil „Cryogen“ aus, das mit seinem catchy Refrain und dem erdigen Groove ein wenig Oldschool-MUSE-Flair heraufbeschwört, bevor das Finale gar ein wenig mit dem Hardcore Punk zu flirten scheint. 80er Synths und progressiv-psychedelische Space-Rock-Vibes prägen wiederum das sich gemächlich entfaltende „Hexagons“.

Extravagant und experimentierfreudig: MUSE treten nicht auf der Stelle

Hier fordern MUSE sowohl Aufmerksamkeit als auch Geduld ein, nur um nahtlos in den sexy Groove von „The Sickness In You & I“ überzuleiten, welches wiederum mit einem überraschend kernigen Schlussakt im entfernten Fahrwasser GOJIRAs den Weg für die erste Single „Unravelling“ ebnet. Tief gestimmte Gitarren balancieren MUSE mit einem Refrain von Stadion-Format, überraschen aber noch viel mehr im folgenden „Hush“, wo sich die charismatische Gastsängerin Ellie Goulding als perfekter stimmlicher Gegenpart zu Bellamy entpuppt.

Dass sich „The Wow! Signal” noch dazu mit dem ruhigen “Space Debris“ als erstaunlich experimentierfreudiges Album positioniert, zementiert den Status der Band als eine der größten moderne Rock-Bands der Gegenwart: Denn trotz zeitweiser Rückbesinnung und gelebter Megalomanie treten MUSE keineswegs auf der Stelle. Nicht jede Idee mag sofort zünden und nicht jeder Track mag die Unmittelbarkeit aufweisen, die zuletzt „Will Of The People“ (2022) zu einer kurzweiligen Pseudo-Werkschau machte. Dafür bietet das zehnte Studioalbum unter seinem extravaganten Auftreten wesentlich mehr Substanz, also so mancher Skeptiker den drei Musikern noch zugetraut hätte.

„The Wow! Signal“ setzt auf vertrauten Rahmen und frische Ideen

Wie MUSE das genau anstellen, ist derweil alles andere als Hexenwerk: Den vertrauten Rahmen füllen die drei Musiker mit dem Unerwarteten, dem Unbekannten, sodass unsereins gar nicht anders kann, als der Neugier nachzugeben. An frischen Ideen fehlt es der Band schließlich nicht, auch wenn sich die Einfälle anfangs gerne mal als kleines Mysterium präsentieren – fast so, wie ein gewisses Radiosignal aus den späten 70er Jahren.

Veröffentlichungstermin: 26.06.2026

Spielzeit: 45:27

Line-Up

Matt Bellamy – Vocals, Gitarre, Piano, Keyboard
Chris Wolstenholme – Bass
Dominic Howard – Drums

Produziert von MUSE, Dan Lancaster und Aleks von Korff

Label: Warner / Helium 3

Homepage: https://muse.mu/
Facebook: https://www.facebook.com/muse
Instagram: https://www.instagram.com/museband/

MUSE “The Wow! Signal” Tracklist

  1. The Dark Forest
  2. Nightshift Superstar
  3. Shimmering Scars
  4. Cryogen (Visualizer bei YouTube)
  5. Be With You (Video bei YouTube)
  6. Hexagons
  7. The Sickness In You & I
  8. Unravelling (Lyric-Video bei YouTube)
  9. Hush
  10. Space Debris