Siamese - Dissolution Cover

SIAMESE: Dissolution

SIAMESE setzen mit „Dissolution“ verstärkt auf Elektronik, bemühen sich aber auch um Kontraste – nur das Risiko meiden die Dänen auch Album Nummer acht.

Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei, doch manchmal bleibt einem gar nichts anderes übrig, als auf Gruppenarbeit zu setzen: Erfahren haben das SIAMESE am eigenen Leib, als Haupt-Songwriter Andreas Kruger 2025 seinen Hut nahm. Aus der Not machten die vier verbliebenen Musiker kurzerhand eine Tugend, indem sie für „Dissolution“ die Hilfe einer ganzen Reihe von Songwritern in Anspruch nahmen.

Folglich ist das achte Studioalbum auch ein kollektives Unterfangen, indem sich die Dänen unter professioneller Leitung selbst am Schreiben versucht haben. Respektabel ist das Resultat vor diesem Hintergrund in jedem Fall: Was „Dissolution“ an innovativen Impulsen fehlt, macht es durch Professionalität wieder wett. Gestriegelt und frisch herausgeputzt zeigt sich der synth-lastige Modern Metal, der ein bisschen im BAD OMENS-Terrain wildert und auch sonst ein Faible für süßliche Melodien und Pop-Anleihen hat.

SIAMESE setzen verstärkt auf Elektronik, bemühen sich aber auch um Kontraste

Die elektronischen Elemente sind dabei oft tragende Säule des Klanggerüsts, während die Gitarren etwa in „Drown“ nur punktuell für Nachdruck sorgen. Die Melange aus Alternative Metal und RnB bis Pop praktizierten SIAMESE bereits auf dem Vorgänger „Elements“ (2024), bemühen sich anno 2026 aber verstärkt um gesunde Kontraste.

Die zahlreichen Effekte auf Mirza Radonjicas Singstimme mögen manchmal zu viel des Guten sein, dafür klingen die kehligen Screams in „Sense“ oder der CASKETS-Kollaboration „Reveries“ herrlich gallig. Die cineastischen Soundscapes von „Friends“ lassen ebenfalls aufhorchen, da hier Christian Hjort Lauritzens Violine zeitweise die Führung übernimmt.

„Dissolution“ meidet das Risiko

Catchy Gesangslinien prägen wiederum den Titeltrack, bevor das leicht schwermütige „Patterns“ mittels stampfenden Synth-Beats vorsichtig in Richtung Tanzfläche schielt. Das gemächliche Tempo vieler Tracks macht sich indes in der zweiten Albumhälfte zunehmend bemerkbar, wo sich trotz der relativ kurzen Spielzeit erste Längen einschleichen. Statt mit Elan endet „Dissolution“ auf dieselbe gleichförmige Weise, wie es die vorherige halbe Stunde bestritten hat: catchy, herausgeputzt und glattgebügelt. Nicht automatisch ein Zeichen zu vieler Köche, aber eben auch ein Produkt, das den beschwichtigenden Konsens dem aufregenden Risiko vorzieht.

Veröffentlichungstermin: 26.06.2026

Spielzeit: 35:21

Line-Up

Mirza Radonjica – Vocals
Marc Nommesen – Bass
Christian Hjort Lauritzen – Violin, Gitarre
Joakim Stilling – Drums

Produziert von Mirza Radonjica

Label: Long Branch Records

Homepage: https://siamese.dk/
Facebook: https://www.facebook.com/siamesedk
Instagram: https://www.instagram.com/siamese_band/
Bandcamp: https://siamese.bandcamp.com/

SIAMESE “Dissolution” Tracklist

1. Dark (Visualizer bei YouTube)
2. Drown (Video bei YouTube)
3. Sense (Video bei YouTube)
4. Friends
5. Sinner
6. Dissolution
7. Patterns
8. Reveries
9. Reaper
10. Twisted