STORMKEEP: The Nocturnes Of Iswylm

Auf ins Symphonic Black Metal LARP-Camp: „The Nocturnes Of Iswylm“ ist großartig komponiert und gespielt, STORMKEEP lassen auf ihrem zweiten Album aber emotionalen Tiefgang missen.

Wo auch immer Iswylm liegen mag, dort werden Hymnen an die Nachthimmel der Neunziger Jahre gesungen, dort wird der nächtlichen Finsternis frohlockt. „Iswylm“, die Heimat von STORMKEEP, ein schwarzmetallisches Mittelerde, Zamonien, oder was auch immer. Dort wird daran erinnert, dass beim Revival des Symphonic Black Metal viele Paten stehen, eher obskure Helden wie LIMBONIC ART oder KVIST, aber auch selbstredend DIMMU BORGIR und CRADLE OF FILTH. Nur an den einmaligen Stil EMPERORs traut sich kaum jemand heran, dabei sind sie es doch, die in Sachen symphonischem Tralala nach wie vor den Goldstandard darstellen. Klar, dieser Schatten ist groß, zu groß vielleicht. Doch wenn hier jemand das Ansehen von EMPEROR beschädigt, dann immer noch EMPEROR selbst, „The Nocturnes Of Iswylm“ ist nämlich frisch genug, um Spaß zu machen.

Manchmal ist es eben besser, die jungen Wilden einfach mal machen zu lassen. STORMKEEP aus Denver, der vielleicht fruchtbarsten Szene der USA haben nicht nur und mit der ersten EP „Galdrum“ Staub aufgewirbelt und mit „Tales Of Othertime“ ein starkes Debütalbum geschaffen, sondern auch live überzeugt. Und natürlich, wer bei WAYFARER, BLOOD INCANTATION und LYKOTONON spielt, verursacht keinen qualitativen Ausreißer nach unten. STORMKEEP beweisen ein Händchen für epische Songs, die sich aber nicht in sich selbst verlieren. Hits schreibt das Quartett zwar keine, aber „The Nocturnes Of Iswylm“ legt es mehr darauf an, eine epische Geschichte zu erzählen.

Mit „The Nocturnes Of Iswylm“ bringen STORMKEEP in das Genre des Symphonic Black Metals.

Das Fantasy-Konzept des Debüts und der EPs wird fortgesetzt, wobei die epischen Momente deutlich hochgefahren werden. Bombastische Keyboards und vermehrte epische Clean Vocals stehen rasanten Tremoloriffs mit Blast Beats und Double Bass gegenüber, zu denen Otheyn Vermithrax boshaft faucht. Die Atmosphäre auf „The Nocturnes Of Iswylm“ sehr dicht, auch wenn das cineastische Momentum von SUMMONING ebenso in weiter Ferne liegt wie die, mit Verlaub, gediegene Langeweile der Österreicher. Verglichen mit dem Debütalbum liefern STORMKEEP nun von allem mehr, glücklicherweise, ohne dass sie dadurch zu verkopft klingen. So rasen sie durch ihre sieben Songs, die kompakter sind als in der Vergangenheit, aber so verdichtet, dass es selten anstrengend wird, dem Ganzen zu folgen.

Immerhin: STORMKEEP wissen um die Notwendigkeit, die Geschwindigkeit auszubalancieren und Variation einzubauen. So wird es gleich zu Beginn feurig mit „The Taste Of Immortal Blood“, das virtuos und episch beginnt, dann aber mit fiesen Riffs feuert und einen, ja, BLIND GUARDIAN-Chorus bietet. Heroische Schlachten, gegen fiese Antagonisten in dieser Ausprägung gibt es in diesen Zeiten nur im Kampf von He-Man gegen Skeletor. Und so reisen STORMKEEP weiter durch ihr mystisches Iswylm, setzen immer wieder einen anderen Fokus, mal melodiöser und orchestraler („Imperious Sanguine Eroticism“), mal rasant und frostgebissen („Saccharine Subjugation“, „Carnal Tapestries Of Nailtorn Flesh“), meistens aber gut vermischt („The Black Dragons Of Iswylm“, „Echoes In The Vasts Of Sequestration“).

STORMKEEPs große Stärke sind die sorgsam ausgearbeiten Keyboards und die hervorragende Gitarrenarbeit: „The Nocturnes Of Iswylm“ ist technisch und kompositorisch sehr stark.

Rein technisch und kompositorisch machen STORMKEEP mit ihrem zweiten Album alles richtig, vor allem Keyboarder Lord Dahthar kann mit seinem komplexen Spiel Akzente setzen und hebt STORMKEEP damit vom Gros der Konkurrenz ab. Einzig: Ins Herz will es nicht in demselben Maße gehen, wie es ähnlich gelagerte Klassiker von vor 30 Jahren geschafft haben, seien es SACRAMENTUMs „Far Away From The Sun“, COVENANTs „In Times Before The Light“ oder eben „Anthems To The Welkin At Dusk“, und nein, das liegt nicht an der zeitgemäßen Produktion oder dem USBM-Flair, das STORMKEEP verströmen.

Abschließend wird deutlich, dass „The Nocturnes Of Iswylm“ aller kompositorischen und spielerischen Klasse zum Trotz, und das soll jetzt nicht negativ klingen, unterm Strich Fantasy-Mummenschanz betreiben, die gefährliche Aura des Black Metal nur aufgesetzt haben und es dabei gerne auch mal übertreiben – siehe das alberne Artwork. Ist Iswylm nun der neue Sehnsuchtsort der Symphonic Black Metal-LARP-Gemeinde? STORMKEEPs zweites Album kann Akzente setzen in der Renaissance dieser Stilistik, es fehlt dem Album zwischendurch aber an Herz und echter Emotion, um Klassikerpotenzial zu verströmen, auch wenn das abschließende „Ballad Of A Fallen Star“ ein Finale darstellt, von dem selbst IHSAHN beeindruckt sein dürfte – hier zeigen STORMKEEP, welch begabte Storyteller sie sind. Ergo, „The Nocturnes Of Iswylm“ mag zwar nur Realitätsflucht bieten, aber immerhin ist es eine gute.

Wertung: 5 von 7 Zauberstäbe

VÖ: 12. Juni 2026

Spielzeit: 44:48

Line-Up:
Otheyn Vermithrax – Vocals, Guitar, Keyboards, Drums
Apokteino – Guitar
Nebula Husk – Bass
Lord Dahthar – Keyboards

Label: Vesperian

STORMKEEP „The Nocturnes Of Iswylm“ Tracklist:

1. The Taste Of Immortal Blood
2. The Black Dragons Of Iswylm (Official Video bei Youtube)  
3. Saccharine Subjugation
4. Imperious Sanguine Eroticism (Official Audio bei Youtube) 
5. Echoes In The Vasts Of Sequestration
6. Carnal Tapestries Of Nailtorn Flesh (Official Audio bei Youtube) 
7. Ballad Of A Fallen Star

Mehr im Netz:

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