STORMKEEP: Galdrum [EP]

STORMKEEP: Galdrum [EP]

An die Waffen! Sattelt die Pferde! STORMKEEP greifen an! „Galdrum“ ist das erste Schlachtengetümmel dieser jungen Band und ist mit so viel Energie und Leidenschaft gespielt, dass alles andere egal ist. Damit meine ich zum Beispiel Originalität. Und dass diese EP in der Theorie gar nicht funktionieren dürfte. Denn STORMKEEP lassen den symphonischen, mit Keyboards zugekleisterten Black Metal der Neunziger wieder aufleben. Und es ist gut, dass „Galdrum“ im Jahr 2020 und nicht im Jahr 2000 veröffentlicht wird, denn damals hätten wir nur verächtlich die Nase gerümpft. Heuer klingen STORMKEEP frisch und energiegeladen – ein klassisches Nostalgieprojekt von Musikern, die den Spirit unserer Zeit mit der Atmosphäre von damals verbinden. Nicht mehr, aber garantiert nicht weniger.

Und deshalb funktioniert die halbstündige EP auch so gut. Die US-Band, laut Metal Archives bestehend aus Musikern von BLOOD INCANTATION und WAYFARER, verleihen ihren Nostalgiegefühlen Ausdruck, mit Schmiss und Köpfchen. Die Melodien, egal ob eingebettet im Black Metal-Schlachtengetümmel, oder wenn es zwischendurch kurz folkig wird, klingen nach ganz frühen OPETH. Die orchestralen Parts und die Raserei lassen mal an „In The Nightside Eclipse“ von EMPEROR, mal an „Soulblight“ von OBTAINED ENSLAVMENT denken. Dabei gehen STORMKEEP aber weniger komplex vor.

STORMKEEP wandern bewusst auf einem schmalen Grat: „Galdrum“ ist nicht originell, aber relevant.

„Glass Caverns Of Dragon Kings“ und „Of Lore“ tragen mit je über zehn Minuten stets das gesamte Spektrum des 90er Keyboard-Black Metals in sich, zwischen frostiger Raserei, getragener Epik, großen Melodien, nokturner Atmosphäre und einer, nennen wir es Storyline, die von vorne bis hinten stimmt. Dazwischen steht mit „Lightning Frost“ ein sechseinhalbminütiges, kompakteres Stück, das aber gerne noch etwas Bombast und Dynamik vertragen hätte. „Galdrum“ endet mit einem fünfminütigen orchestralen Stück, das irgendwie im Dungeon Synth angesiedelt ist, dafür aber zu viele Wendungen hat. Und das ist auch das Gute daran: „Lost In Mystic Woods And Cursed Hollows“ klingt dadurch spannend und sehr abwechslungsreich und schließt die EP atmosphärisch ab, hat somit seine Berechtigung und ist mehr als nur ein Outro.

Galdrum von STORMKEEP: bombastisch und kitschig – aber geil

Somit klingt diese halbstündige Zeitreise zwar bombastisch und kitschig, aber eben geil. Die Musiker, die hinter STORMKEEP stecken, sind dabei absolut versiert – nicht nur in Sachen Songwriting und Arrangements. Die Gitarren navigieren mühelos durch die Lieder, mit prägnanten Riffs und eingängigen Gitarrenharmonien. Das Drumming blastet durch die Stücke und lässt gleichzeitig alle Details erkennen, auch wenn der Sound an dieser Stelle sehr roh ist. Aber das klingt unverschämt gut und trägt maßgeblich zum Charme von „Galdrum“ bei. Dazu gibt es auch noch ein sagenhaft gutes Artwork von Tolkien- und Lovecraft-Experte Ian Miller, das diese EP perfekt abrundet. Der Grat, auf dem STORMKEEP wandern, ist ein Schmaler: Die Band aus Denver sagt bewusst nein zur Originalität und ja zur Relevanz. Das Wagnis geht mit erstaunlicher Leichtigkeit auf. Wenn STORMKEEP dieses Niveau auf Albumlänge halten können, steht Großes bevor.

VÖ: 20. November 2020

Spielzeit: 32:37

Label: Ván Records

STORMKEEP „Galdrum“ Tracklist:

1. Glass Caverns Of Dragon Kings (Official Video bei Youtube)
2. Lightning Frost
3. Of Lore
4. Lost In Mystics Woods And Cursed Hollows

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle