PERIPHERY im Snack-Format? Knackige Songs hatten die US-Amerikaner schon immer, aber dass nun selbst der längste Track des Albums kaum länger als fünf Minuten geraten ist, verwundert schon. Immerhin hatte die Modern Prog-Band bislang selbst im Streaming-Zeitalter den Schneid, „Periphery IV: HAIL STAN“ (2019) mit einem 17-minütigen Brocken zu starten. Dass es nun also vergleichsweise kompakt wird, lässt auf eine Art Exkurs schließen, welcher sich im Albumtitel spiegelt: „A Pale White Dot“ setzt erstmals seit dem „Juggernaut“-Doppelpack (2015) nicht die nummerierte Hauptreihe fort, sondern präsentiert sich innerhalb der Diskografie als eigenständiger Beitrag.
Durchaus zu Recht, im Übrigen, zeigen sich PERIPHERY im Verlauf der rund 48 Minuten doch weniger progressiv im klassischen Sinn. Dafür steigert das Quintett, das für die Bassspuren abermals Produzent und Ex-Mitglied Adam „Nolly“ Getgood ins Boot geholt hat, seine Experimentierfreude, die sich in teils auffällig zugänglichen Arrangements ergießt.
Sänger Spencer Sotelo zeigt sich auf „A Pale White Dot“ so wandelbar und vielschichtig wie nie
Die Synthesizer im gemächlichen Auftakt „Obsession“ sind geradezu verträumt, bevor aus dem Nichts angeschwärzte Gitarren und Blastbeats die heile Welt erschüttern. Was hier bereits besonders deutlich hervorsticht ist Frontmann Spencer Sotelo, der auf „A Pale White Dot“ seine bisherigen Leistungen abermals in den Schatten stellt. Es sind weniger ungeahnte Tonregionen, die der Sänger diesmal meistert, sondern die Variabilität, welche er seiner Singstimme abringt. So wandelbar und vielschichtig haben wir Sotelo bislang nicht erlebt.
Aggressiv und unerbittlich agieren PERIPHERY in „Mr. God“ sowie dem bitterbösen „Subhuman“, wo sich Spencer die harschen Vocals mit LORNA SHOREs Will Ramos teilt. Chugging und Djent-Riffing prägen außerdem „Talk“, welches durch seine klar gesungenen Passagen jedoch auch eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlt.
Während das von dichten Synthesizern getragene „Blackwall“ zur verträumt-entrückten Ausgangsstimmung zurückkehrt, trägt das feinfühlig arrangierte „Heaven On High“ einen Hauch Melancholie in sich. In eine ähnliche Kerbe schlägt „Everyone Dies Alone“, das ebenfalls unverschämt eingängige Gitarrenspuren und Gesangslinien aus dem Ärmel schüttelt.
PERIPHERY schwimmen sich mit „A Pale White Dot“ frei
Für Gitarrenliebhaber halten PERIPHERY indes das instrumentale Titelstück bereit, das zugleich als filigranes Outro fungiert, nachdem „Malevolent“ phasenweise auf progressiv-verschachteltes Riffing gesetzt hatte.
Bei aller Diversität bleibt die Handschrift der fünf Musiker über die komplette Laufzeit zu erkennen, wenngleich der Schwerpunkt diesmal auf anderen Aspekten liegt. Dadurch könnten PERIPHERY durchaus anecken, schwimmen sich gleichzeitig aber auch ein Stück weit frei. Hatten wir zuvor schon nie das Gefühl, dass sich die Band in ein Korsett zwängen musste, scheint nun selbst mit ungeschriebenen Gesetzen gebrochen. Die ganz große Strahlkraft des bisherigen Schaffens entfaltet „A Pale White Dot“ zwar nicht durchgehend, hochklassig sind die zwölf Kompositionen dennoch, allein weil sie mit Erwartungen brechen und PERIPHERY nun auch für den kleinen Hunger zwischendurch attraktiv machen.
Veröffentlichungstermin: 15.05.2026
Spielzeit: 47:38
Line-Up
Spencer Sotelo – Vocals
Misha Mansoor – Gitarre, Synthesizer
Jake Bowen – Gitarre, Synthesizer, Backing Vocals
Mark Holcomb – Gitarre
Matt Halpern – Schlagzeug, Percussion
Produziert von PERIPHERY
Label: 3DOT Recordings
Homepage: https://periphery.net/
Facebook: https://www.facebook.com/PeripheryBand/
Instagram: https://www.instagram.com/periphery
PERIPHERY “A Pale White Dot” Tracklist
- Obsession
- Talk
- Mr. God (Video bei YouTube)
- Heaven on High
- Unlocking
- Subhuman (feat. Will Ramos of Lorna Shore)
- Blackwall
- Malevolent
- Carry On
- Neon Valley
- Everyone Dies Alone (Video bei YouTube)
- A Pale White Dot