GODTHRYMM: Projections

GODTHRYMM versuchen auf ihrem dritten Album ihren Stil leicht anzupassen und in traditionellere Gefilde zu bringen. So richtig will das auf „Projections“ aber leider nicht immer funktionieren.

So ganz haben es GODTHRYMM noch nicht aus den Schatten heraus geschafft. Sie sind immer noch die Band, die damit beworben wird, dass ex-MY DYING BRIDE-Leute hier die Zügel in der Hand halten. Dabei hat Hamish Glenncross GODTHRYMM vor fast 10 Jahren gegründet und bisher vier EPs und zwei Alben veröffentlicht. Ob die Abnabelung mit dem dritten Album „Projections“ nun vollumfänglich gelingt? Immerhin, GODTHRYMM machen sich stilistisch in eine etwas neue Richtung auf: „Projections“ ist gerade am Anfang deutlich traditioneller, als es der Vorgänger „Distortions“ war.

Und doch, müsste man GODTHRYMM wider besseren Wissen verorten, man käme nirgends anders heraus als in den dunkelsten, verregneten Teilen des vereinigten Königreichs. GODTHRYMM mögen sich eher im Midtempo, denn am unteren Ende der Geschwindigkeitsskala zu Hause fühlen, aber genau daraus entsteht diese Mischung aus Epic Doom und den PEACEVILLE 3-Bands. „Projections“ will indes nicht sofort mit seinen Perlen herausrücken, beim Start mit dem recht unspektakulär riffenden und im Verlauf leicht thrashigen „Trenches Deep“ können GODTHRYMM ihrer Unentschlossenheit wegen noch nicht so recht überzeugen. Die Melancholie und der Schmerz, den der Opener von „Distortions“ bot, fehlt hier und – pardon – der stilistische Verhau dieses Songs wird vom Artwork passend in Szene gesetzt.

GODTHRYMM sitzen zwischen Epic Doom und den PEACEVILLE 3: Was eigentlich problemlos funktionieren könnte, wirkt auf „Projections“ fragmentiert.

Das größere Line-Up macht sich bei GODTHRYMM am ehesten durch das Volumes bemerkbar, Neu-Gitarrist Kris McLaughlin sorgt nicht zwingend für komplexere Gitarrenarrangements, aber für eine dichtere Soundwand. Die Hoffnung, dass GODTHRYMM noch mehr auf zweistimmige Leads setzen, bewahrheitet sich somit nicht. Das Songwriting ist nach wie vor gekennzeichnet durch Glencrosses Handschrift, und doch probiert sich der Gitarrist stilistisch ein wenig aus. Sprich: Mehr CANDLEMASS, weniger MY DYING BRIDE, mehr Aggression, was vor allem „Truth In My Own“ zeigt. Besonders mitreißend ist der Song allerdings nicht.

Das Blatt wendet sich ein wenig mit „The Sun Never Fell“: Mit einem atmosphärischen Gitarrenintro erzeugen GODTHRYMM ein Gefühl des Schwebens, bevor ein etwas abrupter Wechsel das Lied erst in eine unentschlossene, riffbasierte Richtung drängt, das epische, dramatische Finale des knapp neunminütigen Songs mit seinen großen Harmonien geht dann aber doch unter die Haut. Hier zeigt sich am deutlichsten, dass GODTHRYMM mit „Projections“ stilistisch ein wenig verloren sind. Alles richtig macht dann „Endure My Skin“, das vollständig aus purer britischer Schwermut besteht, inklusive eines eruptiven Finales, bei dem Aaron Stainthrope (ex-MY DYING BRIDE) als Gast garstige Growls ausspeien darf.

Die magischen Momente auf „Projections“ müssen mitunter etwas gesucht werden: Erst ab dem dritten Song finden GODTHRYMM ihre Form.

Mit einer Spielzeit von 45 Minuten ist „Projections“ relativ kurz, und vielleicht ist das der Grund, warum das Album nicht so recht ins Fließen kommen will. GODTHRYMM wirken auf ihrem dritten Album insgesamt zu fragmentarisch, sowohl aus Sicht der Songs, als auch aus Sicht des Gesamteindrucks. Dazu gehört auch, dass anfangs Hamish Glencross als Sänger im Vordergrund steht und seine Frau Catherine im Hintergrund zu hören ist, während es sich ab „Jewels“ dreht und Catherine den Leadgesang übernimmt. Gerade dieser Song wirkt auch etwas abrupt in den Stimmungswechseln und würgt so die schöne melancholische Grundstimmung ab. Das abschließende „Hope Is Eternal“, das zwischen den doomigen Momenten auch einige schnelle Momente verzeichnet, und gerade sich mit epischen Leads a là Greg Mackintosh ins Gehirn fräst, funktioniert dann glücklicherweise doch von Anfang bis Ende.

Insgesamt ist „Projections“ leider ein durchwachsenes Album geworden, auch wenn viele berührende Momente und einige starke Songs darauf zu hören sind. GODTHRYMMs relative Ziellosigkeit auf ihrem dritten Album macht es schwer, in die Musik zu finden. Handwerklich geht „Projections“ indes völlig in Ordnung. Hamish Glencross ist ein solider Gitarrist und beherrscht die Kunst der mitreißenden, prägnanten Riffs, während Shaun Taylor-Steels als Drummer sich wie üblich absolut sattelfest präsentiert. Hamish Glencross selbst klingt als Sänger ein wenig nach Nick Holmes Mitte der Neunziger, was gut zum neuen, metallischeren Sound von GODTHRYMM passt, aber seine frühere Art zu singen hatte mehr Charme. Somit ist es die Stimme von Catherine Glencross, die auf „Projections“ mehr Akzente setzen kann. Alles in allem gelingt es GODTHRYMM mit diesem Album leider noch nicht aus dem Schatten der ex-Bands und Genre-Koryphäen zu springen. Schade, dabei wäre die Zeit nach dem letzten Album eigentlich reif dafür gewesen.

Wertung: 3,5 von 6 Buridans Esel

VÖ: 29. Mai 2026

Spielzeit: 45:54

Line-Up:
Hamish Glencross – Vocals, Guitars
Shaun Taylor-Steels – Drums
Bob Crolla – Bass
Catherine Glencross – Keyboards, Vocals
Kris McLaughlin – Guitars

Label: Profund Lore Records

GODTHRYMM „Projections“ Tracklist:

1. Trenchs Deep
2. Truth in My Own (Official Video bei Youtube) 
3. The Sun Never Fell (Official Audio bei Youtube) 
4. Endure My Skin
5. Jewels (Official Video bei Youtube) 
6. Hope Is Eternal

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