WINSELMUTTER: Ketzergeyst [EP]

Wie viele Black-Metal-Klischees kann man in einer Band verklappen? WINSELMUTTER sagen: ja! Und machen alles richtig damit.

„Ugror Blasphemikk Desecrator“, „Lunatic Scumfuck Vagabund“ und – Achtung, jetzt kommt’s – „Eternal Chaos Witch Ov Blackened Ritual Nights“, nur echt mit dem „v“ in „ov“, heißen die drei aktuellen Mitglieder der Band, und wenn man sie live gesehen hat, hat man auch eine Menge schwarz-weißer Schminke, Dornen, ein Kreuz und ein Schwert gesehen.

Nur das tote Schwein fehlt, aber das wird man auch nicht kriegen, denn WINSELMUTTER kommen mindestens zur Hälfte aus der antifaschistischen Punk-Szene, und wer die kennt, weiß, sie ist voller Veganer! Gut so. Auch ich habe mir beim letzten Culthe-Fest einen Kapu des Münsteraner Vegan-Labels „Roots of Compassion“ gekauft. Darauf zu sehen: ein süßes Osterlämmchen, das einen Schädel im Nazi-Helm zertritt, und eine Menge Gemüse. Geil!

WINSELMUTTER haben auch gespielt. Sie durften das (großartige, über alle Gebühr schöne, unvergleichliche und unverzichtbare) Festival eröffnen, und sie ließen niemanden, wirklich niemanden unzufrieden zurück. Was für ein Auftritt! Nicht einmal die technischen Probleme (fast zehn Minuten Pause musste man zwischendurch machen) konnten das infernalische Ritual wesentlich aufhalten, das da auf der Bühne zelebriert wurde; lediglich etwas mehr Schwertgefuchtel hätte ich mir gewünscht, aber man kann ja nun nicht alles haben.

„Ketzergeyst“ ist ein Riesen-Schritt nach vorne

Jedenfalls habe ich mir kurze Zeit später endlich „Ketzergeyst“ gekauft, die aktuelle EP der Band. Warum nicht früher? Nun: „Schattentod in der Leibeswelt“, das Debütalbum von 2025, ist zwar sehr gehypt worden letztes Jahr, aber erstens bin ich ja prinzipiell skeptisch Hypes gegenüber, und zweitens finde ich es einfach nicht so gut. Sogar ziemlich langweilig. Live aber hab ich dann doch ein paar Songs entdeckt, die ich unbedingt nochmal hören wollte, und da hab ich mir gedacht, dass die ja vielleicht auf der EP drauf sind?

Weiß ich nicht. Aber was ich weiß: „Ketzergeyst“ ist unglaublich gut, ein gigantischer Schritt nach vorne, ein Werk, das den Hype jetzt echt mal verdient hat. Vier Songs, die sich stilistisch beim Kanada-Black-Metal bedienen, aber deren maßgebliche Vertreter tatsächlich direkt übertreffen. Ja, WINSELMUTTER sind die besseren SPECTRAL WOUND, und auch die politisch leider in alle Richtungen offene Szene um den Quebecer Gitarristen und Tätowierer Nakkabre lässt man hinter sich. Es gibt ein melodisches Ohrwurm-Riff nach dem andern, es gibt hymnische Momente, rhythmisch wird von Punk bis Black Metal einiges geboten, und das Schönste ist, dass diese Zutaten wunderbar kohärente Songs ergeben.

Eine Kriegerin, die ihre Qualen heraus schreit

Was aber ist eine WINSELMUTTER? Nun, es handelt sich – so Wikipedia – um eine Sagengestalt, und zwar um die deutsche Version der aus der keltischen Mythologie bekannten Geisterfrau, der Banshee: eine meist ältere Frau, deren unheimliches Klagen von nahendem Tod kündet. Hört man die Frau am Mikro, wird klar, dass man keinen passenderen Namen hätte wählen können: Gut, sie ist nicht alt, aber ihr Klagen könnte nicht unheimlicher sein. Auf der Bühne wirkt sie dann eher wie eine Kriegerin, die ihre persönlichen Qualen in die Welt heraus schreit, aber sie ist ja auch schließlich nicht die WINSELMUTTER selbst, sondern eben die Ewige Chaos-Hexe aus geschwärzten Ritual-Nächten, also…

Jedenfalls klingt sie fantastisch. Und so auch der Rest der Band: „Ketzergeyst“ wurde, anders als das Debüt, im Holodeck-Studio bei Alex Pojda aufgenommen und in der Tonmeisterei von Role gemischt und gemastert, und so sehr ich Homerecording im Black Metal ja abfeiere, so gut tat dieser Band die Zusammenarbeit mit den Profis. Denn denen ist gelungen, den sägenden Sound der großen Vorbilder (s.o.) zu treffen und mit dem nötigen Druck zu versehen. Insgesamt ist dabei eine EP entstanden, die für die weitere Zukunft der WINSELMUTTER Großes verspricht und dieses Jahr zu den besten ihres Fachs zählen dürfte.

Und dem Lämmchen gefällt’s auch!

Spielzeit: 20:40 Min.

Veröffentlichungsdatum: 12.02.2026 (digital, Tape), 06.03.2026 (Vinyl)

Labels: Fucking Kill Records (Vinyl), Sapivon Records (Tape)

https://winselmutter.bandcamp.com/album/ketzergeyst
https://fuckingkillrecords.bandcamp.com/album/winselmutter-ketzergeyst

WINSELMUTTER „Ketzergeyst“ Tracklist

1. Cold Wind Ov Eternal Solitude
2. Bloodmoon Witchery
3. Where Once Was Our Heart
4. Sword Ov Spoil