GADGET: The Funeral March

GADGET so finster und pessimistisch wie nie – dieser Krachcocktail hat es wirklich in sich.

Mehr als zwei Jahre sind seit Remote ins Land gezogen. Seit einem Album, das den schwedischen Grindcore zwar nicht wirklich erneuert hat, aber durch die richtige Herangehensweise den Fans feinsäuberlich das Genick gebrochen hat. Nun dreschen GADGET mit ihrem zweiten Album, The Funeral March, wieder auf die Schädel der Grind-Gemeinde ein. Und die hat dieses Mal nichts zu lachen. Dieser Krachcocktail hat es wirklich in sich.

The Funeral March ist pechschwarz, pessimistisch, hasserfüllt. Kurz: Viel extremer als das schon großartige Debüt. Geradezu misanthropisch geht es auf dieser Scheibe zu, nicht im Sinne von Black Metal, eher im Sinne von Realitätsnähe. Denn GADGET bleiben mit beiden Beinen fest auf dem Boden, bieten politischen Grindcore, wie er sein soll. Zumindest in Schweden treten die vier Krachbrüder das Erbe von NASUM an. Doch da gibt es kleine, aber feine Unterschiede. Während man NASUM unter Umständen auch Leuten zumuten kann, die von diesem Genre nicht sonderlich viel halten, ist das Material von The Funeral March eher für die Hardliner gedacht. Oder vielmehr für die Leute, die etwas mehr aushalten.

Doch eigentlich ist der Unterschied nicht zu groß. Blast Beats, Grooves, die Ohren zerschneidende, hochpräzise Riffs und tollwütiger Gesang dominieren das Bild, nur GADGET lassen keine Verschnaufpause zu. Komprimiert auf knapp 30 Minuten wird die Welt zerstört, aber nicht einmal, sondern gleich mehrmals, weil´s so schön ist. Und wenn die vier Schweden mal den Fuß vom Gaspedal nehmen, dann lassen sie wie in Everyday Ritual einen unmenschlichen Doom-Hammer auf die Hörer los. Geklotzt und nicht gekleckert wird in Anbetracht der Leistungen der Musiker – Drummer und Initiator der Band William Blackmon trommelt auf Weltniveau und Gitarrist Rikard zaubert ein Killerriff nach dem anderen aus dem Ärmel und sorgt mit seinen Riffs dafür, dass sich GADGET niemals in Belanglosigkeiten verlieren. Und hier und da, wie in The Anchor, schleichen sich sogar kleine Melodien ein. Das Ganze wurde verpackt in eine sehr dreckige Produktion – fett, aber leider geht hier und da die Bassdrum etwas unter.

Das alles strengt an, das alles ist Reizüberflutung. Deshalb kann es gut sein, dass man sich mit diesem Album zunächst mächtig schwer tut – mir ging es nicht anders. Aber spätestens mit Vägen Till Graven, einer ungestümen, herrlich kurzen Nummer ist das vergessen. Und beim nächsten Durchlauf macht das Album auch schon bei den Songs vorher Spaß. Obwohl man bei dieser Band die Vokabel Spaß eher in den Hintergrund stellen sollte. Weil um mit den betrunkenen Metallerfreunden einen netten Abend zu verbringen, ist dieses Album zum Glück gänzlich ungeeignet. Anhören solltet ihr diese Scheibe, wenn ihr derart angepisst seid, dass ihr am liebsten Amok laufen würdet.

Nein, dies ist nicht Musik für jede Stimmung, aber wenn ihr in der Richtigen seid, erlösen euch die vier Schweden, so viel sei mal versichert. Relapse versprechen auf jeden Fall nicht zu viel mit ihrer Anpreisung, GADGET würden die Zukunft des Grindcore mit diesem Album formen. Zusammen mit LENG T´CHE liegen diese nämlich ganz weit vorne in der Skala der Oberwahnsinnigen. Und jetzt solltet ihr wissen, ob ihr euch dieses Album anhören sollt und könnt. Nur die Harten kommen in den Garten!

Veröffentlichungstermin: 5. Mai 2006

Spielzeit: 29:48 Min.

Line-Up:
Emil Englund – Vocals
Rikard Olsson – Guitar
Fredrik Nygren – Bass
William Blackmon – Guitar, Drums, Vocals

Label: Relapse Records

Homepage: http://www.gadgetgrindcore.com

Tracklist:
1. Choked
2. Feed on Lies
3. Requiem
4. I Am
5. Tristessens Fort
6. H5N1
7. Everyday Ritual
8. Day of the Vulture
9. God of Led
10. Vägen Till Graven
11. Illusions of Peace
12. Black List
13. Out of Pace
14. Let the Mayhem Begin
15. Bedragen
16. The Anchor
17. Tingens Förbannelse