WORM: Necropalace

Ein Fiebertraum von einem Album: WORMs Besuch im „Necropalace“ verbindet das, was in den 90ern nicht zusammenkommen durfte: Doom Death und Symphonic Black Metal.

Ein Cover von Andreas Marshall, ein Layout für das man vor 3 Jahren noch gelyncht worden wäre, Drachen, Vampir-Make-Up, Nackte-Vampir-Ladys, Videoclips in VHS-Ästhetik: Oh ja, die 90er sind zurück, dank WORM vielleicht mehr als je zuvor. Und es ist auch nicht so klar, ob „Necropalace“ nun Persiflage oder ein hundertprozentiger Tribut an die extremen, oder nicht ganz so extremen Metal-Bands dieses wilden Jahrzehnts ist. „Necropalace“ ist Kitsch in Vollendung, in wirklich allen Belangen. Sounddesign, Songs, Performance, Ästhetik. Mehr noch: Es fällt mittlerweile schwer, WORM als ernsthafte Band zu kategorisieren.

Vielleicht hilft gegen dieses diffuse Gefühl doch ein wenig Analyse. WORM zeigen sich als spielerisch und kompositorisch sehr ausgereifte Formation, vielleicht schon ein bisschen überreif. Denn Komponist und Bandleader Phantom Slaughter überlässt seit einigen Jahren die Gitarrenarbeit vollumfänglich Wroth Septentrion, der absolut übertrieben selbstverliebt shredded. So entsteht ein Wechselspiel: Gitarrendekadenz versus meterdicke Keyboardwände, die klingen wie auf „Enthrone Darkness Triumphant“. Dazwischen gibt es Tremoloriffs, Blast Beats und ziemlich energetische Shagrath-Vocals, aber eben auch Doom-Death wie aus den Anfangstagen von ANATHEMA. Dennoch: „Necropalace“ hat nicht umsonst das „Palace“ im Namen stehen, der „Mourning Palace“ ist schon im Titelsong immer wieder rauszuhören, wenn auch mit den Songlängen von frühen CRADLE OF FILTH. Allerdings: Catchy sind die Songs nicht gerade.

Im „Necropalace“ geht es bunt zu: WORM shredden ungebremst durch das einstündige Album.

Sich in diesem Gewusel zurechtzufinden ist gar nicht so leicht. WORM scheren sich nicht darum, den Hörenden mundgerechte Stücke zu präsentieren, es geht um das große Ganze, das Erzählen einer epischen Geschichte, wie kitschig sie auch sein mag. Aber keine Sorge: Das Niveau von MYSTIC CIRCLEs „Drachenblut“ unterbieten WORM nicht, dafür sind sie zu eigen. Mit ihren groß angelegten Songs betreten sie die Bühne, und es ist nicht immer klar, wohin die Songs eigentlich wollen. Wenn aber in „Halls Of Weeping“ nach Chören die Leadgitarren voller Delay loslegen und sich plötzlich Greg Mackintosh-Harmonien herausschälen, muss man anerkennen, dass diese Band wohl doch einen Plan hat.

Die derzeit ebenfalls aufsteigenden LAMP OF MURMUUR sind klar die besseren Songwriter, „The Dreaming Prince In Ecstasy“ packte richtig zu, nicht nur wegen der unverschämt catchy Riffs. WORM hingegen bauen riesige Songs, meist über der Zehnminutengrenze und erzeugen so die cineastischere Atmosphäre. Doch während sich LAMP OF MURMUUR etwas mehr in die Gothic-Richtung aufgemacht haben, sind WORM eben im Doom-Death beheimatet und entdecken den Symphonic Black Metal mehr und mehr für sich. Und gerade hier sind sie stark, in der Atmosphäre. Die Gitarrensounds haben oft dieses modrige Feeling der Neunziger, sind nur eben atemberaubend gespielt. Und somit ist Wroth Septentrion als Gitarrist nicht nur ein Gimmick, das Phantom Slaughter unterstützt, sondern prägt durch sein Spiel maßgeblich die musikalische Ästhetik.

Stilistisch können WORM Akzente setzen, „Necropalace“ fasziniert aber vor allem, weil es Kitsch in Vollendung ist.

Kurzum, obwohl WORM genüsslich im Strom der Neunziger-Worshipper mitschwimmen, hat „Necropalace“ etwas sehr Eigenes. Allerdings: WORM haben kaum Momente, die wirklich mitreißen, die wirklich hängen bleiben. Die zweite Hälfte von „Dragon Dreams“ in etwa, wo die Epik schon fast unerträglich wird. Ansonsten wird viel gefiedelt, manchmal an der Grenze zum Post Punk, manchmal zum Prog Metal („Blackheart“) aber wirklich mitreißende Riffs haben sie ebenso wenig im Kreuz wie richtig erhabene symphonische Momente, auch dann nicht, wenn Marty Friedman seine Leads dazuschmeißt, wie im abschließenden „Witchmooon: The Infernal Masquerade“.

Alles in allem ist das von Arthur Rizk recht verwaschen produzierte Album ein Kuriosum, das Spaß macht, und in das man sich auch hineinfuchsen kann, gerade weil der Stilmix doch viel hergibt. WORMs viertes Album hat einige starke, spannende Momente, ist aber absolut überfrachtet. Insgesamt lässt sich „Necropalace“ gut durchhören, weil die Elemente solide ineinanderfließen. Aber auf diese Art werden WORM auch zu den RHAPSODY OF FIRE des Symphonic Black Metals, denn so richtig finster ist das alles nicht. Darf man diesen Fiebertraum gut finden? Klar. Aber ist „Necropalace“ auch ein nachhaltig faszinierendes Album? Zumindest der Rezensent bezweifelt das.

Wertung: 4,5 von 7 Knoblauchknollen

VÖ: 13. Februar 2026

Spielzeit: 62:47

Line-Up:
Phantom Slaughter – Vocals, Keyboards, Songwriting, Lyrics
Wroth Septentrion – Guitars (7-string, 12-string), Keyboards, Timpani, Songwriting

Session Members:
Necreon – Bass
CK – Drums
Marty Friedman – Lead Guitars („Witchmoon: The Infernal Masquerade“)

Label: Century Media Records

WORM „Necropalace“ Tracklist:

1. Gates To The Shadowzone (Intro)
2. Necropalace (Official Video bei Youtube) 
3. Halls Of Weeping
4. The Night Has Fangs
5. Dragon Dreams
6. Blackheart (Official Video bei Youtube) 
7. Witchmoon: The Infernal Masquerade (Official Video bei Youtube) 

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