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MIRROR OF DECEPTION: Transience

MIRROR OF DECEPTION waren schon immer wichtig für die Doom Metal-Szene, mit ihrem sechsten Album „Transience“ setzen sie ihr eigenes Denkmal auf einen Sockel. Der ist so hoch, dass man die Band nicht mehr übersehen kann, auch außerhalb der eingeschworenen Szene.

Acht Jahre musste man auf das neue Album von MIRROR OF DECEPTION warten, „Transience“ ist mehr als würdiger Nachfolger des 2018 erschienen „The Estuary“. „Transience“ ist ein wundervolles Album, dass nicht nur für Doom-Fans interessant ist, sondern für alle, die ehrliche, emotionale Musik suchen. Die Doomer werden ohnehin alle reinhören, das sechste Album der Schwaben sei aber auch allen ans Herz und auf den Plattenspieler gelegt, die Songs mit Tiefe, mit Bedeutung und einer Seele zu schätzen wissen.

Natürlich hat „Transience“ typische Doom Metal-Momente

Wer klassischen Doom Metal sucht, findet auf „Transience“ Songe wie „Slow Wind“, der so typisch für MIRROR OF DECEPTION ist wie „Orphans“, „Immortal“ oder „Ghost“:  melodisch, schwermütig, eindringlich. „Looking Back | no more of Signs of Life | in the valley below“ klagt Sänger Michael „Siffi“ Siffermann, und die Textzeilen brennen sich sofort ins Bewusstsein. In „Currents“ rifft die Band zu Ende hin minutenlang auf derselben Stelle, das gehört einfach dazu, macht Doom Metal aus – und das Riff ist halt auch einfach gut. Und zum Heulen schöne Gitarrenharmonien konnten MIRROR OF DECEPTION ja schon immer, fast 40 Jahre Erfahrung helfen den beiden Bandgründern Jochen Fopp und Michael Siffermann wahrscheinlich obendrein, so ergreifende Melodien wie in „Consumed“ oder „Meander“ zu schreiben.

MIRROR OF DECEPTION können mehr als Doomriffs schrubben

Doch „Transience“ bietet auch reichlich Unerwartetes wie die leicht disharmonischen Gitarren und die Growls in „Haven“. Als Gastsänger ist im Booklet Michelle Darkness (END OF GREEN) aufgeführt, er kümmerte sich auch um Produktion, Mix und Mastering und kann sich mit „Transience“ ein wirklich rundum gelungenes Referenzwerk ins Regal stellen. Der Sound: klar, sehr warm, druckvoll und vor allem mit einem eigenen Charakter. „Transience“ ist ganz weit weg von den üblichen Einheitsproduktionen. Herausragend sind die Gesangsarrangements. Neben Jochen Fopp und Michael Siffermann gehören heute zur Band Schlagzeuger Uwe Kurz und Bassist Pascal Schrade, der auch singt. Und so geben MIRROR OF DECEPTION auf „Transcience“ ihren Songs mit einigen zwei- und mehrstimmigen, geflüsterten und anderweitig dynamisch-abwechslungsreichen Gesangsparts zusätzliche Tiefe, zum Beispiel in „Death, deliver us“ oder „Meander“. In „Slow Winds“ fragt Sänger Michael Siffermann „when will they find out | where will they search | where will i be | will the winds whisper what happened?“ Wer diesen Song auch nur einmal gehört hat, wird ihn wegen dieser Zeilen immer sofort wiedererkennen.

Danke MIRROR OF DECEPTION, dieses Album heilt Wunden

MIRROR OF DECEPTION waren schon immer wichtig für die deutsche Doom Metal-Szene, mit ihrem sechsten Album setzen sie ihr eigenes Denkmal auf einen Sockel. Der ist so hoch, dass man die Band nicht mehr übersehen kann, auch außerhalb der eingeschworenen Szene. „Transience“ erscheint übrigens als Eigenproduktion auf dem bandeigenen Label Estuarial Records als CD, Tape und LP.  Das sagt einiges über die Musikindustrie aus. Offenbar drückt man lieber die x-te generische Genre-Band in den Markt. Sei’s drum. Wer „Transience“ für sich entdeckt, wird sich wie ein Strandspaziergänger fühlen, der etwas ganz Besonderes findet. Sein Fund ist nicht nur schön, er hat eine Bedeutung und er gewinnt weiter an Bedeutung, je mehr man sich damit beschäftigt. „Transience“ ist von Anfang ein gutes Album, wächst aber mit jedem Durchgang, mit jedem Detail, das man neu entdeckt, sei es in den Songs, in den Texten, im Booklet.

Danke MIRROR OF DECEPTION, dieses Album ist mehr als Doom, es heilt Wunden. Alles ist endlich. Alles ist vergänglich. Lass uns deshalb das Beste auf jedem Moment machen, so könnte man das Motto von „Transience“ zusammenfassen. Und deshalb sollte jeder das Album oder zumindest den Übersong „Meander“ an seinem Lieblingsplatz hören, einmal, zweimal und nochmal. Wer da nicht berührt ist und vielleicht gar so etwas wie einen kurzen inneren Frieden findet, muss aus Stein sein.

Live kann man MIRROR OF DECEPTION übrigens an historischer Stätte mit anderen feinen Bands beim DOOM IN BLOOM am zweiten Aprilwochenende in Göppingen sehen. 

MIRROR OF DECEPTION „Transience“ Tracklist

Death, Deliver Us
Currents
Haven
Slow Winds (Bandcamp)
Consumed (Bandcamp)
The Sands
Meander

VÖ: 27. März 2026

Label: Estuarial Records / Eigenproduktion

Spielzeit: 43 Minuten

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