YNGWIE MALMSTEEN: Parabellum

Das ging ja rum wie ein Wattwurm auf Wangerooge, als ein neues MALMSTEEN-Album angekündigt wurde. Gibt es die erhoffte Erleuchtung nach dem eher durchwachsenen letzten (Cover-) Album “Blue Lightning”? Immerhin haben reichlich Guitarhero-Kollegen zuletzt starke Scheiben veröffentlicht und dem Club der gestandenen Gitarrenvirtuosen wieder energisch Leben eingehaucht wie z. B. PAUL GILBERT oder MARTY FRIEDMAN. Nun ja, der schwedische Ego-Star YNGWIE MALMSTEEN präsentiert sich auf “Parabellum” mutig, ganz nach dem Motto des Albumtitels “Willst du den Frieden, dann sei jederzeit bereit zum Kriege”. Denn einige Kämpfe wird er zu überstehen haben, wenn er seinen Fans so ein Album vorlegt, frei von Überraschungen und großen Momenten in Proberaumqualität.

YNGWIE MALMSTEEN-Fans finden keinen Frieden mit “Parabellum”

“Wolves At The Door” rattert gleich mal zügig nach vorn, stand so oder ähnlich auf jedem MALMSTEEN-Album. Ja ja, die Leads sind schwindelerregend, das kann er auch heute noch. Die Stimme vom Hausherrn schwebt im Nebel im Hintergrund mit, wie Vocals in so einem Song zu sein haben weiss er ja. Die Wahlheimat USA und die Heimat Schweden, für die er immer noch steht,  ist voll von fantastischen Sängern, kann er nicht einfach Gitarre spielen? Ach ja, Bass spielt er auch auf dem Album. Songdienlich, ok, hörbar mit dem Verständnis eines Gitarristen eingespielt. Groove kommt so nicht auf. Aber das ist eh egal, die Computerdrums rumpeln ebenso akzentlos durch die Songs. Da reiht sich auch das uninspirierte, so ähnlich schon zu oft gehörte “Relentless Fury” ein.

Ok, wir reden immer noch von dem Gitarristen, der Herrn Blackmore durch den Speedwolf gedreht hat und klassische Elemente sinnig im Hard Rock/Metal etabliert hat. So kriegt man auch hier Gitarrenorgien voller klassischer Zitate, die er vor allem bei sich selbst geklaut hat. “Presto Vivace in C# minor”, der rasante Titelsong, die “Toccata” – alles schonmal gehört bei Herrn MALMSTEEN, nur besser und zündender. Ok, als Gitarrist mag man auch hier noch seine Gitarre verbrennen, die Saiten glühen, die Speaker sprühen Flammen ob der aberwitzigen Gitarrenläufe. So schön, so … äh … peinlich, wenn man nicht mal einen Kopfhörer braucht, um zu hören, wo die Teile der Leads zusammengeschoben wurden. Das zieht sich durch alle Songs und Instrumente, da wurde oft sehr schlampig gearbeitet. Traut der Mann seinen Fans nicht zu, dass sie hinhören?

Traut MALMSTEEN seinen Fans nicht zu, dass sie hinhören?

Natürlich braucht so ein Album eine kitschige, äh kuschelige Ballade, und auch hier bei “Eternal Bliss” kann man mitschunkeln und das Handylämpchen leuchten lassen. Dann verträumt man vielleicht die Erkenntnis, dass viel mehr Klischee echt nicht geht. Da zieh ich doch lieber alte Schweden raus wie TREAT, frühe EUROPE und Co, da sitzen die Wattebäuschchen perfekt. Auch bei “(Fight) The Good Fight” kommt eher der Wunsch auf, mal wieder EUROPE´s fantastisches “Wings Of Tomorrow”-Album aufzulegen oder Rocker wie TORCH oder DESTINY auszugraben. Oder einfach das einzig Logische zu machen: endlich mal wieder MALMSTEEN´s “Rising Force” und “Odyssey” in den Player zu schieben.

Viel weiter kann man sich von seinen eigenen Klassikeralben trotz zahlloser Selbstzitate nicht entfernen

Was uns YNGWIE MALMSTEEN hier vorsetzt lässt einen fast sprachlos zurück. Tolles Gitarrenspiel, natürlich, wenn auch schlampig zusammengeschraubt. Ein Sound, der als Vorproduktion durchgehen würde. In einer Zeit, wo jeder gewachsene Musiker ein Homestudio hat und damit umgehen kann, da kann man als (ehemaliger) Musikheld sowas echt nicht veröffentlichen. Wenn dann die wirklichen Songs und die klassischen Vollbedienungen jeden Reiz und jede neue Idee vermissen lassen, dann dürften die Fans ihrem alten Helden nachvollziehbar den Krieg erklären. Reinhören ist hier Pflicht, man sollte schon wissen, ob man das wirklich braucht. Wer YNGWIE MALMSTEEN jetzt erst entdeckt, der sollte lieber z.B. zur “Rising Force” und “Odyssey” greifen. Meisterliche Gitarren, Ohrwurmmelodien, tolle Songs, alles da, was hier auf “Parabellum” fehlt.

Veröffentlichungstermin: 23.07.2021

Spielzeit: 56:48 Min.

Lineup:
Yngwie Malmsteen – Vocals, Guitars, Bass

Label: Music Theories / Mascot

Homepage: https://www.yngwiemalmsteen.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/officialyngwiemalmsteen

YNGWIE MALMSTEEN “Parabellum” Tracklist

1. Wolves At The Door (Video bei YouTube)
2. Presto Vivace in C# minor
3. Relentless Fury (Video bei YouTube)
4. (Si Vis Pacem) Parabellum (Video bei YouTube)
5. Eternal Bliss
6. Toccata
7. God Particle
8. Magic Bullet
9. (Fight) The Good Fight
10. Sea Of Tranquility